Vor 30 Jahren: Brandanschlag in Lübeck
18. Januar 2026
Heute vor genau 30 Jahren, am 18. Januar 1996, wurde in Lübeck das Flüchtlingsheim der Diakonie in der Hafenstraße 52 angezündet. Bei dem Brandanschlag wurden drei Erwachsene und sieben Kinder und Jugendliche getötet, 38 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Getöteten sind Françoise Makodila Landu, Christine Makodila, Miya Makodila, Christelle Makodila Nsimba, Legrand Makodila Mbongo, Jean-Daniel Makodila Nkosi, Monica Maiamba Bunga, Nsuzana Bunga, Sylvio Bruno Comlan Amoussou und Rabia El Omari; sie stammten aus Zaire, Angola, Togo und dem Libanon. Die jüngsten Bewohner des Hauses waren in Deutschland geboren. Nicht nur Hinterbliebene können nicht begreifen, dass diese Tat, der tödlichste Brandanschlag in der Bundesrepublik, nie aufgeklärt wurde.Gegen 3:41 Uhr ging damals der Notruf von Francoise Makodila Landu bei der Feuerwehr ein. In panischer Angst rief sie „Hafenstraße! Nazis!“, während im Hintergrund bereits das Feuer wütete. Andere Quellen schreiben, die Getötete habe „Hallo! Feuer! Polizei!“ gerufen. Wenig später erstickten sie und ihre fünf Kinder im giftigen Rauch. Weitere Bewohner*innen starben in den oberen Stockwerken oder bei dem verzweifelten Versuch, sich über Fenster und Dächer zu retten.
Aus geringer Entfernung beobachteten drei junge Skinheads aus dem mecklenburgischen Grevesmühlen die brennende Geflüchtetenunterkunft. Eine Polizeistreife kontrollierte die Männer und nahm sie später fest. In den Vernehmungen fielen sie durch widersprüchliche Aussagen, spezifisches Täterwissen auf; ihre Haare und Augenbrauen zeigten Brandspuren. Ein vierter Tatverdächtiger wurde zwar festgenommen, jedoch nicht erkennungsdienstlich behandelt und bald wieder freigelassen. Auch die anderen drei Verdächtigen waren bereits einen Tag nach der Tat wieder auf freiem Fuß.
Trotz klarer Hinweise, Zeugenaussagen und späterer, mehrfacher Geständnisse eines Täters wurden die vier Tatverdächtigen nicht verurteilt. Auch von staatlicher Seite wird der rassistische Anschlag nicht offiziell anerkannt.
Die Initiative Hafenstraße ’96 erinnert jährlich an die Opfer, kämpft für Aufklärung und setzt sich für eine lebendige Erinnerungskultur in Lübeck ein. Anlässlich des 30. Jahrestages haben die Aktiven eine neue Kampagne gestartet.
Die Initiative ist -trotz 10.000 Unterschriften- wohl mit dem Vorschlag gescheitert, das Geschehen mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags aufzuklären. Jan Kürschner, Grünen-Abgeordneter und Vorsitzender des Rechts- und Innenausschusses, sagte: „Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ist kein Ersatzgericht.“ Gerechtigkeit lasse sich darüber nicht herstellen. „Ein Untersuchungsausschuss nach 30 Jahren kommt zu spät und brächte zu wenig an wünschenswerter Aufklärung für die Hinterbliebenen, Überlebenden und die Öffentlichkeit.“ Auch der SPD-Innenpolitiker Niclas Dürbrook, so die taz, ist „skeptisch, ob ein Untersuchungsausschuss uns in der Sache wirklich weiter bringen würde“.
Dass der oder die Täter bis heute nicht ermittelt werden konnten, treibt viele Menschen um. Mord verjährt nicht, doch neue Ermittlungen wird es offenbar trotzdem nicht geben.
Das Haus wurde später abgerissen, heute steht an der Stelle eine Fabrik für Frühstücksflocken. Gegenüber erinnern zwei Granitplatten und eine Bronzetafel an den Anschlag. Um der Fabrik Platz zu machen, wurde das Mahnmal auf eine kleine Grünfläche verlegt. Es fällt kaum auf zwischen Bäumen und Gestrüpp…
Mit verschiedenen Veranstaltungen wird an diesem Wochenende in Lübeck der Katastrophe gedacht. Eine offizielle Veranstaltung der Stadt Lübeck habe ich darunter nicht finden können.
Quellen: Amadeu-Antonio-Stiftung, epd, NDR, SPIEGEL, taz
Foto/Beitragsbild: Hafenstraße 52 nach dem Brandanschlag, – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0