Die Kunstwelt ist ein Stück leiser und farbloser geworden. Am vergangenen Donnerstag, 22. Januar ist Ulrich „Ulli“ Dörrie nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren in Hamburg verstorben. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen profilierten Galeristen und Professor am Campus Lingen, sondern vor allem einen Menschen, der die seltene Gabe besaß, Intellekt mit Bodenständigkeit und Scharfsinn mit Herzlichkeit zu verbinden.

Monopol schreibt über den Verstorbenen: „Von 1987 bis 2011 war er Partner der Dörrie | Priess Galerie in Hamburg, von 2005 bis 2010 zudem der Berliner Dependance der Galerie. Zuvor prägte Dörrie als wichtiger Akteur der Offszene die Buch Handlung Welt und des Vereins weltbekannt. Als Gründungsmitglied des Vereins Westwerk sowie mit seiner Galerietätigkeit trug er maßgeblich zum Erhalt und zur Entwicklung des Kunststandorts Fleetinsel in Hamburg bei.“

„Darüber hinaus engagierte sich Dörrie kulturpolitisch: Er war Mitglied im Vorstand des Kunstvereins in Hamburg, in der Kunstkommission sowie als Galerienvertreter in der Arbeitsgruppe Bildende Kunst eine profilierte Stimme der Hamburger Kulturlandschaft. Auch in Berlin wirkte er kulturpolitisch, setzte sich für die Entwicklung und Professionalisierung des Schwulen Museums ein und arbeitete bei der Qnitiative Queer Nations mit.“

Wer Ulli kannte, weiß: Er war kein Mann der lauten Selbstdarstellung. Mit seinem feinen Humor, einer Prise Ironie und jener unaufgeregten Gelassenheit, die man wohl nur mitbringt, wenn man im Emsland aufgewachsen ist, navigierte er durch die oft exaltierte Kunstszene Hamburgs und Berlins. Gemeinsam mit Holger Priess prägte er Jahrzehnte lang das Gesicht der Hamburger Fleetinsel – ein Ort, der unter seiner Hand mehr war als ein Marktplatz für Kunst; es war ein Ort der Begegnung.

Doch so sehr er die Metropolen liebte, so sehr zog es ihn am Ende zurück zu seinen Wurzeln. Dass Ulli Dörrie als Professor an den Campus Lingen zurückkehrte, war für die Hochschule und die Stadt ein echter Glücksfall. Er war kein „Theoretiker im Elfenbeinturm“. Er brachte den Dreck der Galeriewelt, die Leidenschaft der Ateliers und die harte Realität des Kulturbetriebs mit in den Hörsaal. Für seine Studierenden war er Mentor, Wegweiser und ein Vorbild an Authentizität. Er lehrte sie nicht nur, wie man Kunst verwaltet, sondern wie man sie liebt und kritisch hinterfragt.

Ulli war jemand, der keine Berührungsängste kannte. Er konnte im Hamburger „Abendblatt“ oder in der „monopol“ über komplexe Marktmechanismen referieren und im nächsten Moment in Lingen mit derselben Leidenschaft über die Bedeutung lokaler Kulturarbeit sprechen. Er blieb immer er selbst – unangepasst, neugierig und zutiefst menschlich.

Wir werden seine Stimme vermissen, sein wissendes Lächeln und die Art, wie er es schaffte, die Welt ein kleines bisschen klüger und weniger kompliziert erscheinen zu lassen.

Mach’s gut, Ulli. Du lässt eine Lücke, die niemand so recht füllen kann – weder in Lingen noch an der Elbe.

 

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Quellen: Monopol, Facebook, Priess Galerie