Ibrahim Akkuş ist mit 70 Jahren an den Folgen des rassistischen Anschlags von Hanau vor sechs Jahren gestorben. Er kämpfte gegen Einsamkeit und das Vergessenwerden und sagte: „„Ich wünsche mir, dass Menschen einander nicht töten“. „Mit dem Tod von Ibrahim Akkus verlieren wir einen Menschen, dessen Leben durch den rassistischen Terroranschlag in unserer Stadt auf grausame Weise zerstört wurde“, sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Freitag.

In der taz hat Yağmur Ekim Çay heute an den Verstorbenen  erinnert. „Wissen diese Menschen in Deutschland eigentlich, was ich durchgemacht habe?“, fragte Ibrahim Akkuş immer wieder bei fast jedem Treffen. Viele wussten tatsächlich nicht einmal, was ihm passiert war. Genau das beschäftigte und verletzte ihn am meisten. Ibrahim Akkuş starb am 10. Januar im Alter von 70 Jahren an den Spätfolgen der Verletzungen, die er beim rassistischen Anschlag in Hanau erlitten hatte.

Schon lange vor dem Anschlag war sein Leben von rechter Gewalt geprägt. Als Kurde hatte er in der Türkei Verfolgung und Faschismus in den Siebzigern aus nächster Nähe erlebt. Sein Bruder wurde dort von Rechten ermordet, nachdem dessen Asylantrag in Deutschland abgelehnt worden war. Dass die Gefährdungslage damals offenbar in Deutschland nicht ernst genommen wurde, ließ ihn bis zu seinem Tod nicht los. Trotzdem suchte er weiter nach Sicherheit in Deutschland, das er einmal als ein „Land der Hoffnung“ beschrieb. Dafür arbeitete er jahrelang auf Baustellen, von Leipzig bis Nürnberg.

Sein Zuhause fand er schließlich in Hanau-Kesselstadt, wo er bis zu seinem Tod mit seiner Partnerin und seiner 19-jährigen Tochter lebte. Am Abend des 19. Februar 2020 war er nur ein paar Blocks von seiner Wohnung entfernt, in der Arena-Bar. Er wollte dort seinen Bekannten Gökhan Gültekin in dessen Kiosk treffen, der auch an diesem Abend ermordet wurde. Der rechtsextreme Täter schoss in der Arena Bar achtmal auf Ibrahim Akkuş.„Ich kann diesen Tag nicht vergessen“. Trotz seiner lebensgefährlichen Verletzungen konnte er sich bis zu seinem Tod sehr genau an diesen Abend erinnern – an die Schüsse, den Schock, die Angst und daran, wie Menschen starben. Nach dem Anschlag lag er monatelang im Krankenhaus und musste mehrfach operiert werden. Er bekam Beinprothesen und war dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen.

„Ich kann diesen Tag nicht vergessen“, sagte er. Deshalb…

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Foto von Ben Kilb: Auf Ibrahim Akkus (67) wurde beim Anschlag im Jahr 2020 mehrfach geschossen. Seitdem ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Er lebte mit seiner Partnerin und seiner heute 19 Jahre alten Tochter im Hanauer Stadtteil Kesselstadt. Fotografiert am Donnerstag, 6. Februar 2025.
(c) Ben Kilb, benkilb.com