Am 24.12.1905, also heute vor 120 Jahren kam in Amsterdam Henri Emile, genannt Hans, Mossel zur Welt. Der niederländische Jazzmusiker stammte aus einer jüdischen Familie – sein Vater Isaäc Mossel war ein bekannter Cellist des Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, seine Mutter Jeannette Belinfante war Pianistin.
Frühes Leben und Karriere
Hans Mossel wuchs in einer von der Musik geprägten Familie auf und spielte bereits 1923 mit nicht einmal 18 Jahren in der Larense Jazz Band. Er war ein hochbegabter Multi-Instrumentalist (u. a. Klarinette, Saxophon, Piano, Schlagzeug, Dirigent) und zählte in den 1930er Jahren zu den führenden Klarinettisten und Saxophonisten Europas. Ab 1931 spielte er in Deutschland im Orchester von Marek Weber und kehrte nach Beginn der NS-Zeit in die Niederlande zurück. Von 1935 an war er drei Jahre lang Bandleader des AVRO Dansorkest (AVRO Dance Orchestra) beim niederländischen Rundfunk. Anschließend übernahm er in Amsterdam das Musikgeschäft von Sally Wijnberg.
1939 heirateten er und Ada Elizabeth van Ollefen; das Ehepaar hatte zwei Kinder. Weil die Ehefrau keine Jüdin war, konnten sie und die Kinder den NS-Terror überleben.
Verfolgung und Tod während des Holocausts
Nach der Besetzung der Niederlande durch Deutschland wurde Mossel als Jude verfolgt: Er erhielt Auftrittsverbot, sein Geschäft musste schließen. Im März 1944 wurde er aufgrund einer erfundenen Sabotage-Anklage verhaftet, zunächst im Sammel- und Deportationslager Westerbork interniert und am 23. März 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz („Auschwitz III“) deportiert. Dort musste er als Zwangsarbeiter für den deutschen IG Farben-Konzern schufften. Hans Mossel starb am 4. August 1944 unter und an den unmenschlichen Bedingungen; die Lebenserwartung für Zwangsarbeiter in dem KZ betrug nur drei bis vier Monate.
An Hans Mossel wird als Holocaust-Opfer erinnert; es gibt u. a. einen Stolperstein (Foto) vor seiner Wohnung Geelenstraat 14/II in Amsterdam zu seinem Gedenken.
Hans Mossels Aufnahmen sind teilweise erhalten und dokumentieren seine Begabung als Jazzmusiker der Vorkriegszeit. Zwei sind hier zu hören. Leider nahm das AVRO nur drei Schallplatten pro Jahr auf.