Heute ist Welt-Aids-Tag

1. Dezember 2025

Heute ist Welt-Aids-Tag!

Ein Stein nach dem anderen kippt – bis (fast) alles am Boden liegt. Mit beeindruckender Symbolik zeigt ein Animationsclip zum Welt-Aids-Tag, wie Kürzungen bei den globalen Maßnahmen gegen HIV zurzeit alles gefährden, was bisher erreicht wurde – und Millionen Menschen das Leben kosten könnten.

Angefangen hat diese Entwicklung zu Beginn des Jahres mit einem weitgehenden Rückzug der USA, weltweit größte Geldgeberin im Kampf gegen Aids. Doch die EU und andere Länder folgten. Auch Deutschland kürzte seine Zuwendungen zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Wie bei einem Domino-Effekt schwindet das Bewusstsein, dass Therapie und Prävention unverzichtbar sind und dass Solidarität der Schlüssel für eine Welt ohne Aids ist.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist bereits im Jahr 2024 gestiegen. Auch die Zahl der Menschen, die noch nichts von ihrer HIV-Infektion wissen, hat erstmals wieder zugenommen. Das geht aus dem heute veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Dazu Sylvia Urban (Deutsche Aidshilfe):

„Noch ist der Anstieg moderat, aber sehr ernst zu nehmen. Wir müssen jetzt gut erprobte Maßnahmen verstärkt zum Einsatz bringen und neuen Anforderungen anpassen. Insbesondere Länder und Kommunen müssen mehr tun, statt weniger, wie es gerade an vielen Orten geschieht. Wo in Prävention und Drogenhilfe gekürzt wird, sind steigende Infektionszahlen die logische Folge. Kürzungen müssen zurückgenommen, Präventions- und Testangebote verstärkt werden, dann können die Zahlen auch bald wieder sinken.“

„Die Entwicklung der Neuinfektionen ist kein Zufall“, so Sylvia Urban. „Sie spiegelt direkt wider, ob die Angebote möglicher Schutzmaßnahmen ausreichen. Unser Ziel muss sein, den Trend wieder umzukehren.“

Besonders wichtig sind dabei laut AHD:

  • Die HIV-PrEP, eine medikamentöse Prophylaxe für Menschen mit erhöhtem Risiko, muss noch bekannter und leichter verfügbar werden. Die Zahl der Nutzer*innen stagniert laut RKI bei etwa 40.000. Oft müssen Interessierte warten, die Versorgung ist nicht flächendeckend gewährleistet. Die PrEP wird bisher fast ausschließlich von schwulen Männern genutzt. Sie kommt aber für alle Menschen mit erhöhtem Risiko in Frage und sollte zum Beispiel auch in der reisemedizinischen Beratung angeboten werden.
  • Die Drogenhilfe muss befähigt werden, ausreichend saubere Spritzen zur Verfügung zu stellen – das ist das einfachste Mittel gegen Übertragungen von HIV und HCV. Vielerorts fehlt es dafür an Geld.
  • Es müssen noch mehr leicht zugängliche Testangebote geschaffen werden, darunter auch aufsuchende Angebote, etwa Testmobile, die Drogen konsumierenden Menschen an Szeneorten ein Angebot machen. Ärzt*innen sollten mit Patient*innen über mögliche Risiken sprechen und Tests anbieten.
  • Alle Menschen mit HIV in Deutschland müssen Zugang zur Therapie erhalten. Bei Menschen ohne Aufenthaltspapiere oder Krankenversicherung ist das immer noch nicht gewährleistet.
  • HIV-negative Menschen mit HIV-Risiko müssen Zugang zur HIV-PrEP erhalten.

Die neue Gemeinschaftskampagne zum Welt-Aids-Tag setzt dieser Entwicklung eine klare Botschaft entgegen „Gemeinsam. Gerade jetzt.“ „Gemeinsam. Gerade jetzt.“ ist die gemeinsame Kampagne des Bundesinstituts für Gesundheit (BIÖG), der Deutschen AIDS-Stiftung und der Deutschen Aidshilfe zum Welt-Aids-Tag. Die Kampagne gibt jenen Menschen eine Stimme, die von den Kürzungen bedroht oder von Diskriminierung betroffen sind.

Dazu erläutert Winfried Holz (Deutsche Aidshilfe):

„Eine Welt ohne Aids ist möglich. Im Animationsclip wird die verhängnisvolle Kettenreaktion symbolisch unterbrochen. Im echten Leben müssen Politik und Gesellschaft das leisten. Auch Deutschland muss dazu seiner Wirtschaftskraft entsprechend beitragen! Wir haben die Wahl: Die Rückkehr von Aids oder das Ende von Aids.“

Der Animationsclip wird ab sofort über die Social-Media-Kanäle der Kampagne ausgespielt. Kinos und Fernsehsender können sie zur Einbindung in ihre Programme bei der Deutschen Aidshilfe in allen gängigen Formaten anfordern.

Bei uns an Ems und Vechte übrigens hat sich die AIDS-Hilfe Emsland schon vor einiger Zeit neu aufgestellt, sozusagen „von Rot auf Bunt“. Als  Zentrum Sexuelle Gesundheit  Ems-Vechte sind in dem seit 1987 bestehenden Verein weiterhin  Beratung, Begleitung, Prävention und Testangebote zu HIV inhaltliche Schwerpunkte unserer Arbeit. Das Angebot  zu HIV wird aber duch  andere sexuell übertragbare Infektionen STI ergänzt. Die Beratungsstelle befindet sich weiterhin in der Mühlenstiege 3 in Lingen (Ems). Mehr findet sich hier.