5 oder 4? Schaffen wir!

4. Februar 2025

Warum der Nachwuchs 2015 ausgerechnet im Wasserturm heiraten wollte, habe ich nie wirklich herausgefunden. Doch an die Trauung im Wasserturm, an der ich im Sommer vor 10 Jahren  teilnehmen konnte, erinnere ich mich aus vier Gründen gut. Alle vier lagen damals sozusagen außerhalb des Protokolls.

Erstens:
Dort zu heiraten schien plötzlich unmöglich, weil am vorgesehenen Heiratstermin das Standesamt für das Kutscherhaus geplant hatte. Damals wurde eben an dem „romantischsten Ort“ geheiratet, für den sich das erste Kandidatenpaar entschieden hatte und seinerzeit hatte ein Hochzeitspaar das Kutscherhaus am Emslandmuseum gewählt, weshalb dann auch alle anderen Hochzeitspaare dort heiraten mussten. Es wurde sogar behauptet, dass Heiraten im Wasserturm gar nicht mehr möglich seien. Erst auf meine -ich möchte sagen- dringende Intervention beim Geschäftsführer der Stadtwerke, ging es dann wie von Geisterhand doch noch.

Zweitens:
Um sechs Uhr morgens am Hochzeitstag saß ich kerzengerade in meinem Bett, weil mich eine akute apikale Parodontitis (findet bitte selbst raus, was das ist) außer Gefecht zu setzen drohte. Keine zwei Stunden später saß ich -mein Zahnarzt hatte mich wegen seines schnöden Urlaubs im Stich gelassen- im Behandlungsstuhl der mir unbekannten Zahnärztin Dr. Afarin Babai und bat um dringende „Hilfe, weil ich doch heute früh noch heiraten“ müsse. Auf ihre erste Rückfrage klärte ich zunächst auf, selbst „nur indirekt heiraten“ zu müssen; denn tatsächlich schließe der Nachwuchs den Bund der Ehe. Dann fragte sie: „Wann müssen Sie denn?“ und ich sagte, dass die Hochzeit um halb elf sei. Sie antwortete: „Halb 11? Schaffen wir!!“ Was danach behandlungstechnisch passierte, war perfekt, und wir haben es geschafft. Zahnärztin Afarin Babai praktiziert schon längst nicht mehr in Lingen, aber sie verstand ihr Handwerk.

Drittens:
Im Turm drängte es mich zu Fuß nach oben – ich verzichtete auf den Aufzug- überschätzte damit aber -nüchtern, wie ich immer noch war- meine Kraft für den Aufstieg in das ganz oben gelegene Trauzimmer und kam dort reichlich außer Atem an.

Viertens:
Oben fand ich dann zwei Präsente für Braut und Bräutigam seitens der Stadtwerke. Einmal eine Flasche „Lingen“-Sekt, der später besser als sein Name schmeckte,  und außerdem einen feinen Sektflaschen-Verschluss nebst Glückwunschkarte der Stadtwerke. Eine wirklich freundliche Idee, die mir in guter Erinnerung geblieben ist. Wann man bekommt man schon einmal ein Geschenk unserer Stadtwerke?

Warum das alles? Nun, daran erinnerte ich mich gestern früh, als ich in der Lokalzeitung „Lingener Tagespost“ diesen Artikel fand:

Fünf romantischste Orte, und einer davon unser Hochzeitswasserturm! Auch mein Sohn und BN-Fraktionskollege Bernd Koop las den Beitrag, erinnerte sich an vielerlei Schönes in der Wasserturmspitze -einschließlich Sekt und Sektverschluss- und auch an eine ganz aktuelle Meldung der Stadtwerke Lingen, die den Wasserturm ihr Eigen nennen. Die nämlich lautete:

Von Baufälligkeit des Wasserturms war dort die Rede, doch nicht seit wann, weshalb, wie lange. Also schrieb Bernd Koop an Lilli Esser, die Autorin des LT-Beitrags und bat um Aufklärung. Die wiederum reagierte prompt und schnell:

Hallo Herr Koop,“ emailte sie, „vielen Dank für Ihren aufmerksamen Hinweis. Ich habe einmal bei den Stadtwerken nachgefragt und man konnte mir bestätigen, dass der Wasserturm bis auf Weiteres auch für Trauungen geschlossen bleibt. Dieses Missverständnis haben wir in dem Artikel natürlich umgehend behoben. Genaueres zur Zukunft des Wasserturms soll nach Angaben der Stadtwerke noch folgen.“

Da waren es also nur noch vier romantischste Orte, um sich das „Ja-Wort“ zu geben. Und zu klären ist, wie es mit dem baufälligen Wahrzeichen weitergeht.

Foto: Lingener Wasserturm, Daniel Borker
via pixabay