Heute ist Orange Day

25. November 2025

Heute ist „Orange Day“. Der Tag ist 1991 aus der UN-Kampagne „Orange the World“ entstanden. Orange wurde dabei zur Symbolfarbe für eine gewaltfreie Zukunft. Inoffiziell hat es den Tag gegen Gewalt an Frauen übrigens schon seit den 1980er Jahren gegeben. Lateinamerikanische und karibische Feministen wollten damit an die Ermordung der Mirabal-Schwestern erinnern. Die drei Schwestern wurden nach monatelanger Folter in der Dominikanischen Republik am 25. November 1960 getötet. Alle drei wehrten sich zuvor gegen die Diktatur im Land.

In Lingen weht seit heute früh die Fahne gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am Neuen Rathaus. Die Stadt setzt damit zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ein Zeichen unter dem Motto „Gemeinsam für Gleichheit und Sicherheit“. Die Gleichstellungsbeauftragte Katrin Warstat hisste die Fahne gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Arbeitskreises Häusliche Gewalt, des Amtsgerichts, der Polizei und weiteren Expertinnen und Experten. Die Fahne zeigt, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen keinen Platz in der Gesellschaft hat – weder im öffentlichen Raum noch im privaten Umfeld. Das Signal richtet sich an Betroffene ebenso wie an Angehörige und Unterstützerinnen und Unterstützer: Sie sind nicht allein, Hilfe ist möglich und verfügbar.

Am heutigen Abend waren alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, an den weiteren Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen teilzunehmen: Um 18:30 Uhr wurde die Fahne neuerlich am Neuen Rathaus gehisst. Eine kurze Theaterperformance begleitete dies und griff das Thema auf eindrückliche Weise auf und regte zum Nachdenken an. Rund 100 Personen, überwiegend Frauen, nahmen teil.

Am Abend zeigte das Centralkino den Film „In die Sonne schauen“. In ihrem beeindruckenden  Drama erzählt Regisseurin Mascha Schilinski die Geschichten von Alma (1910er), Erika (1940er), Angelika (1980er) und Nelly (2020er), die alle auf demselben abgelegenen Vierseitenhof leben. Über Generationen hinweg spiegeln sich dort unausgesprochene Ängste, verdrängte Traumata und familiäre Geheimnisse wider. Als sich ein tragisches Ereignis wiederholt, verschwimmen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart – eine bewegende Geschichte über Erinnerung, Schmerz und das Weitergeben von Erfahrungen. Hier der Trailer des Films, der für Deutschland Anfang 2026 bei der Oskarverleihung eine Rolle spielen soll.

(Quellen: NDR, taz, PM Stadt Lingen)

Heute: Nightwalk in Lingen

29. Oktober 2025

Bis Ende März finden im Emsland „Nightwalks“ für Frauen statt. Heute Abend in Lingen. Die begleiteten Spaziergänge durch dunkle Straßen sollen helfen, Ängste abzubauen und mehr Selbstvertrauen zu gewinnen.

Denn Dunkelheit ist mit vielen Ängsten verbunden: dunkle Gassen, Personen mit Kapuzen, dunkle Parks mit vielen Büschen. Frauen meiden solche Angstorte deutlich häufiger als Männer. Obwohl die meisten Übergriffe im privaten Umfeld geschehen, präge die Angst vor Gewalt im öffentlichen Raum den Alltag vieler Frauen, sagt Gaby Bothe. Sie ist Selbstbehauptungs- und Verteidigungstrainerin und leitet die „Nightwalks“. „Ich habe das Gefühl, dass Ängste im öffentlichen Raum mehr werden“, sagt Bothe. Die „Nightwalks“ sollen diese Sorgen aufgreifen und den Teilnehmerinnen Möglichkeiten an die Hand geben, um sich sicherer zu fühlen. Das Motto: „Angstfrei durch die Nacht“.

Bei den Spaziergängen führt Bothe die Teilnehmerinnen durch dunkle Straßen, gibt ihnen Tipps zur Verteidigung – zum Beispiel was Frauen tun können, wenn sie gegen eine Wand gedrückt werden – und spricht mit ihnen über Ängste: wie sie damit umgehen können und woher diese kommen. „Es handelt sich aber nicht um ein Selbstverteidigungsangebot mit Körpereinsatz“, sagt Marlies Kohne, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Emsland, die das Angebot koordiniert hat.

Der heutige Nightwalk  beginnt -wie alle anderen- um 19 Uhr und dauert zwei Stunden. Die Kosten belaufen sich auf 4 Euro. Nähere Informationen sind bei den jeweiligen Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen erhältlich, die auch die Anmeldungen entgegennehmen. Anmeldungen in Lingen laufen also über das  Büro von Katrin Warstat, der Lingener Gleichstellungsbeauftragten. Ansprechpartnerin ist  dort Marianne Kuhr per E-Mail m.kuhr(at)lingen.de oder telefonisch unter 0591 9144-390. Übrigens: In Lingen ist ein zweiter Nightwalk bereits für den 16. Januar 2026 terminiert.

Morgen sind auch Journalist:innen  des NDR und des Deutschlandfunks dabei. Der Treffpunkt wird bei Anmeldung bekannt gegeben.

Bei schlechtem Wetter finden die Nightwalks als Indoor-Workshop statt. Jeder Spaziergang endet mit einem Snack und Austausch. In Lingen ist ein zweiter Nightwalk bereits für den 16. Januar 2026 terminiert.

Im Landkreis Emsland beteiligen sich an der Aktion elf Gemeinden und Städte. Die nächsten Spaziergänge  sind dort in

  • Stadt Lingen (Ems), Mittwoch, 29. Oktober
  • Stadt Meppen, Donnerstag, 6. November
  • Samtgemeinde Freren, Freitag, 21. November
  • Samtgemeinde Herzlake, Mittwoch, 26. November
  • Stadt Papenburg, Freitag, 28. November
  • Samtgemeinde Lathen, Mittwoch, 3. Dezember
  • Stadt Lingen (Ems), Freitag, 16. Januar 2026

Der erste Nightwalk im Emsland fand übrigens vor vier Wochen  am 1. Oktober in Haren (Ems) statt; 20 Frauen nahmen daran teil. Weil der Ansturm auf die Veranstaltung so groß war, gibt es  bereits zwei weitere Termine geben. In Nachbarkommunen finden auch spezielle Abendspaziergänge für Frauen über 50 statt. Solche sind in Lingen (Ems) noch nicht terminiert.

Zur Erinnerung:
Im Herbst 2024 brachte unsere unabhängige Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“ (BN) einen Antrag für gendergerechte Stadtplanung  in den Lingener Rat ein, weil in Lingen Frauen und benachteiligte Menschen kommen zu kurz. Das soll sich ändern. Der Antrag formuliert:

Eine gendergerechte Stadtplanung muss die Bedürfnisse von Frauen viel stärker berücksichtigen als bisher. Auch in Bezug auf die Sicherheit. Wo sind Brennpunkte? Wer empfindet wo Angst? Schlecht beleuchtete Straßen, verwinkelte Unterführungen oder Parks wirken sich jedenfalls auf das Sicherheitsgefühl vieler Frauen aus. Frauen meiden nachts bestimmte Orte. Darüber hat jüngst die Lingener Tagespost umfangreich

berichtet. Gendergerechte Stadtplanung und Stadtplanung für Benachteiligte sind kein Nischenthema. Laut einer vor zwei Jahren veröffentlichten Studie zu Sicherheit und Kriminalität in Deutschland, verlassen vierzig Prozent der Frauen aus Angst vor Kriminalität bei Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Haus. Und ein etwa gleich großer Anteil geht nur in Begleitung aus dem Haus. Diese Vorbeugungsstrategien sind äußerst ein
schränkend. Hinzu kommen die beschriebenen, komplexeren Tagesabläufe, die dazu führen, dass Frauen insgesamt viel häufiger längere Wege in Kauf nehmen müssen. Die bestehenden Angsträume müssen auch in unserer Stadt aufgebrochen werden, um allen Menschen in Lingen und vor allem Frauen das feste Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Eine bessere Straßenbeleuchtung, ein offener Städtebau und auch me

Doch die CDU warf daraufhin  den BN Diskriminierung vor. In der fünf Monate (und nach ausdrücklicher Beanstandung, weshalb es denn so lange dauere) durchgeführten Ratsausschusssitzung, lehnte zunächst die Ausschussmehrheit ab, den Antrag mit einer Powerpointpräsentation zu begründen zu können; das ist offenbar der Stadtverwaltung vorbehalten. Danach sprachen sich CDU, SPD, Grüne (!) und FDP gegen die Förderung von gendergerechter Stadtplanung aus. Die BN stand also allein da und zwar in beiden Ratsausschüssen, die sich damit befassten. Entlarvend war dabei der Beitrag einer CDU-Ratsfrau, die sagte:

„Das Thema sei grundsätzlich nichts Neues. Es sei aber auch zu bedenken, dass z. B. nicht nur Frauen betroffen seien, wenn es um das Thema Ausleuchtung und Angsträume gehe, dies gelte auch für andere Gruppen. Auch sei bei diesem Thema zu beachten, dass es weitere widerstreitende Interessen gebe, wie z. B. den Umweltschutz. Der Antrag klinge aber so, als ob alles außer Acht gelassen worden sei und nichts verbessert worden wäre. Sie könne dem Antrag nicht folgen und sehe diesen sogar als überflüssig an.“

Nun ruft die Stadtverwaltung dazu auf, an Nightwalks teilzunehmen, damit Frauen abends und nachts keine Angst haben müssen. Als ob das Thema angstfreier städtischer Räume nur ein individuelles Problem von Frauen ist und kein Strukturproblem widerspiegelt…