Es darf gezählt werden!
7. Januar 2025
Zum Jahresstart empfiehlt der NABU – statt bloß guter Vorsätze – gleich etwas Schönes und Sinnvolles: Vögel beobachten und zählen! An Freitag dieser Woche beginnt nämlich die „Stunde der Wintervögel“. Im Mittelpunkt der dreitägige Aktion stehen vertraute und weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Die nächste, bereits fünfzehnte Zählung der Wintervögel findet vom 10. bis 12. Januar statt. Dann darf gezählt werden und es ist Zeit, für eine Stunde die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. (Zählende nehmen auch an der großen Verlosung des NABU teil, bei der es manche Preise zu gewinnen gibt.)
Mit allen Beobachtungen erhält der NABU wertvolle Informationen über die heimische Vogelwelt. Das ist wichtig, um Vögel besser schützen können. Aber Vögel beobachten tut auch unserer Seele gut. Zahlreiche Studien zeigen: Wer sich mit allen Sinnen der Vogelbeobachtung widmet, ist weniger gestresst und geistig fitter. Und Menschen, die in Gegenden mit vielen Vögeln, Sträuchern und Bäumen leben, leiden seltener an Depressionen, Angstzuständen und Überlastung.
Grünflächen sind also wahrlich kein Luxus, sondern gut für unsere Gesundheit. Für sie gibt es in unserer Stadt bekanntlich vieles zu tun. Aus allerjüngster Zeit gibt es drei Beispiele, wie es nicht gehen soll.
So wird die grüne Oase Kokenmühle immer mehr ausgedünnt; Dutzende Bäume dort sind klamm und heimlich abgesägt worden.
Auch viele Bäume, Sträucher und Pflanzen auf der Grünfläche zwischen Wasserturm und Kurt-Schumacher-Brücke sind zugunsten einer Skater-Anlage verschwunden – trotz streng geschützter Fledermausarten.
Ähnlich ist es im Amtsgerichtspark („Justizgarten“), wo sich tatsächlich Sämlinge erdreisteten, einfach vor sich hin zu wachsen. Jetzt werden 13 Bäume abgesägt…pardon „entnommen“. Kleiner Seitenblick: Das Protokoll über die Sitzung des Ausschuss für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, in der die Baumfällerei beraten und beschlossen wurde und dabei auch das von mir nicht erwartete Ok der Grünen fand, liegt auch mehr als einen Monat später nicht vor; die Geschäftsordnung der Stadt gibt für die Protokollvorlage 10 Tage Zeit; die LT berichtete allerdings im letzten Monat ausnahmsweise aus der Sitzung und zitierte aufschlussreich den Gärtnermeister Horst Feltrup des städt. Bauhofs mit seinem bemerkenswerten Satz. Die Aktion, sagte Feltrup, sei „notwendig, um die Entwicklung des vorhandenen Baumbestandes für die Zukunft zu gewährleisten“…
Der NABU empfiehlt derweil, am kommenden Wochenende auf kleine Futterhäuschen zu schauen und nicht so sehr auf große Bäume. Zählen wir also ab Freitag gemeinsam Wintervögel! Das Zählen sollte uns jedoch nicht davon ablenken, uns energisch für den Erhalt von Bäumen, Sträuchern und öffentlichem Grün nachhaltig einzusetzen.