Wunderherrlich! Cornelia Höchstätter hat zugestimmt; ich darf ihren, für die Dezember-Ausgabe des Münster! Magazin! geschriebenen Beitrag „Felsenfest und sagenhaft“- hier veröffentlichen. Er beschreibt den Tecklenburger „Hexenpfad“. Das ist sozusagen ein kleines Weihnachtsgeschenk an die geschätzte Leserschaft dieses kleinen Blogs:

„In der Winterzeit schnüren wir die Wanderschule. Unser Ziel ist Tecklenburg mir einem Rundgang zwischen Felsentürmen und Hexenküche, wir begegnen Sagengestaltungen und einem mutigen Arzt aus dem 16. Jahrhundert, der sich gegen die Hexenverfolgung auflehnte.

Ein Hexenbesen wäre jetzt eine gute Sache – draufsetzen und zack! … bereit zum Abflug durch die Wälder um Tecklenburg. Aber wir leben im 21. Jahrhundert. Da geht’s zu Fuß Schritt für Schritt, tastend mit den Wanderschuhen die laubgepolsterten Steinstufen zur sogenannten „Hexenküche“ herab. Vorsicht, Rutschgefahr – die Belohnung für den kniffligen Abstieg sind die sagenhaften Felsen, ein Ort, wo Tecklenburgs alte Mythen lebendig scheinen.

Der sogenannte Hexenpfad ist ein knapp fünf Kilometer langer, ausgeschilderter Themen-Rundweg um Tecklenburg, ein sogenanntes Teutoschleifchen – zertifiziert vom Deutschen Wanderinstitut e. V. für Abwechslung, natürliche Wege, gute Aussichten und ein bestimmtes Thema. Hier spielen Hexen und Sagengestalten die Hauptrolle. Wer sich damit gut auskennt, ist Bärbel Wandres, eine von Tecklenburgs Gäste- und WanderführerInnen. Über die Kurverwaltung Tecklenburg kann man Gruppenführungen buchen; im Sommer gibt es auch öffentliche. Unterwegs weiß Bärbel Wandres so einiges zu erzählen.

VOM MEER ZUM MÜNSTERLAND-BALKON

„Walkingstöcke sind auf dem Hexenpfad keine Schande – diese relativ kurze Strecke hat es mit einigen Anstiegen in sich!“, stellt sie klar. Tecklenburg und seine Wälder sind für Münsterländer Verhältnisse geradezu hochalpin – mit herrlichen Ausblicken über das flache Land, denn Tecklenburg erhebt sich wie ein Balkon über das Münsterland. Vor rund 140 Millionen Jahren breitete sich hier ein warmes Flachmeer aus. Am Meeresgrund lagerten sich Sand, Kalkschlamm und Korallen ab. Aus dem sogenannten Osning-Sandstein entstand das Rückgrat des Teutoburger Waldes. Durch geologische Störungen und Schollenbewegungen neigten sich die Gesteinsschichten – so bildeten sich Schichtkämme und Felsformationen wie die Dörenther Klippen, die Externsteine und die Teutoburger Hexenküche.

Alten Sagen zufolge haben sich in den Felsen die Hexen um ihre Kessel getroffen und ihren Zaubertrank gebraut – im Gestein befinden sich richtiggehende Schlote nach oben offen – die übrigens heute Kinder gerne durchrutschen und kriechen“, erzählt Bärbel Wandres. Solche Formen beflügelten schon vor Jahrhunderten die Fantasie der Menschen. Die Hexen sollen um den Kessel gesungen und gelacht haben. In der Stadt sah man dann die Rauchsäulen aus den Schloten steigen. Kein Mensch durfte zusehen – doch ein junger Graf wagte es, blickte hinab, fiel um und wurde zu Stein. Bärbel Wandres kennt all diese Sagen und erzählt sie stimmungsvoll und ausführlich. Auch das Felsplateau mit dem pferdehufähnlichen Abdruck zeigt sie – es ist dem Teufel zugeschrieben. Der habe aufgestampft und sei Richtung Münster geflohen.

DAS HAUS DES HENKERS

Still wird es im Wald, wenn die Wanderer die Hexenküche hinter sich lassen. Bald taucht ein hübsches Fachwerkhaus mit Garten in Alleinlage auf. „Das war früher das sogenannte Henkershaus“, sagt Bärbel Wandres. Der Henker war der am wenigsten angesehene Beruf des Mittelalters; sein Wohnhaus lag abseits. Er war für die Vollstreckung von Todes- und Körperstrafen zuständig, zugleich oft Abdecker und Totengräber. Grausame Zeiten damals – und welch traumhafte Wohnlage am Waldrand heute! Der Weg führt weiter durch den Wald, rechter Hand hebt sich der Berg, links fällt das Gelände ab. Wo sich die Bäume lichten, öffnet sich der Blick ins Münsterland mit den vielen Windräder, die für Energie sorgen. Mal gehen die Wanderer breite Waldwege, mal schmale Pfade.

GRAB MIT EINGANGSTOR

Zwischen Hinweisschildern zum Ziegenhof, der zu Haus Hülshoff …  unterhalb von Tecklenburgs Bahnhof gehört, steht am Hang eine Felsengruft: das „Roelants Grab“. „Das heißt so, weil eine belgische Familie Roelant, die im 19. Jahrhundert auf Gut Hülshoff lebte, diese Grabkammmer errichten ließ“, sagt Bärbel Wandres. Der Sage nachspukte ein liebeskranker Mann nachts durch die Stadt und wurde schließlich zwischen den Felsen begraben.

UND NOCH EINE SAGE

Bärbel Wandres kennt einen weiteren besonderen Platz am Hexenpfad – etwas höher im Wald, mit Baumstämmen zum Rasten. „Hier war der sogenannte Heidentempel – ein Ort aus Legenden entstanden, so manche Geschichte wurde im 19. Jahrhundert erdichtet, vielleicht um den Tourismus anzukurbeln?

Es heißt, ein Steinmetz habe eine Nische und Rinnein den Fels gehauen“, verrät die Wanderführerin. Der steile Weg des Hexenpfades führt direkt daran vorbei. Im Dunklen würde man hier wohl nicht wandern wollen! „Alles ein bisschen Spökes“, grinst Bärbel Wandres. Wahr ist: „In der vorchristlichen Zeit war dies eine Opferstelle. Später, als sich die Tecklenburger dem Christentum zugewandt hatten, wurdeder Ort eine Stätte der Marienverehrung. Die Christen nannten den Heidentempel ‚Dübelkerke‘, also Teufelskirche.“

ZURÜCK IN DEN ORTSKERN

Lassen wir den Grusel im Wald – der Hexenpfad endet in der bezaubernden Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern. Nach der nicht zu langen Wanderung bleibt nZeit und Lust, kreuz und quer durch die Gassen zu schlendern. „Das älteste Fachwerkhaus, von 1513, steht an der Ecke Brauer/Brochterbecker Straße“, sagt Bärbel Wandres. Dann schickt sie die Besucher zur Burg, wo im Winter die Freilichtbühne leer steht, man aber über die Bühne laufen kann.

Auf dem Burggelände steht der Wierturm. „Den Turm haben die Tecklenburger aus Steinen der vor 300 Jahren geschliffenen Burg gebaut“, erzählt die Ortskennerin. Den Schlüssel gibt’s in der Kurverwaltung und in der Jugendherberge – „bei gutem Wetter sieht man die Silhouette von Münster und manchmal sogar 60 Kilometer weit bis zu den Kühltürmen von Hamm!“

Der Turm ist dem in Tecklenburg praktizieren- den niederländischen Arzt Dr. Johann Wier (oder Weyer, 1516–1588, Kupferstich lks) gewidmet – einem mutigen Gegner der Hexenverfolgung. „Er schaffte es, dass es in Tecklenburg keine Scheiterhaufen mehr gab und keine Frauen mehr als verfolgte Hexen verbrannt wurden“, sagt Bärbel Wandres. Hexensagen sind unterhaltsam  – doch die Hexenverfolgung war ein unmenschlicher Wahnsinn. Unzählige unschuldige Frauen wurden aufgrund von Aberglauben, Vorurteilen und willkürlichen „Beweisen“ gefoltert und hingerichtet. Auch daran erinnert der Hexenpfad – er erzählt nicht nur Sagen und Mythen, sondern Geschichte, die nicht vergessen werden darf.“


Hier geht es zu allen notwendigen Informationen über die Winterwanderung für trockene (!) Tage über das Teutoschleifchen „Hexenpfad“. Rund 4,5km lang ist er ein perfekter Familien-Wanderweg.

Das Münster! Magazin! gibt diesen Rat:
Die gut zweistündige Wanderung ist als mittelschwer eingestuft. Wir finden: Es sind ein paar kniffelige Stellen dabei, besonders anfangs die Stufen hinunter zur „Hexenküche“ , bei denen jeder Schritt sicher gesetzt werden sollte: Daher unsere Empfehlung, die Tour an trockenen Tagen anzugehen.“

Markierung des Wanderweg: Die Hexe auf ihrem Besen bzw. das Schild für die Teutoschleifchen plus Beschriftung „Hexenpfad“.

Doch was sind eigentlich „Teutoschleifchen„? Passend zur Weihnachtszeit, in der schöne Schleifen so manches Geschenk schmücken: Die Teutoschleifchen sind ein Geschenk an Kurzwanderer, Spaziergänger und Familien, denn es sind die kleinen „Geschwister“ der großen Teutoschleifen, den zertifizierten Rundwanderungen im Teutoburger Wald. Die Teutoschleifchen sind kürzer, drei bis sieben Kilometer lang, weniger anstrengend, aber genauso schön.
Ab Tecklenburg starten die Touren Modersohns Spuren, Tecklenburger Bergpfad,  die Stadtwanderung Tecklenburger Romantik und der Hexenpfad. Mehr via teutoschleifen.de



Quelle: MÜNSTER! Magazin 12-2025, (C) Text und Fotos: Cornelia Höchstetter

MIT GROSSEM DANK AN CORNELIA HÖCHSTETTER