Wölfe: Dem Unsichtbaren auf den Fersen
13. Januar 2026
„Kot checken, Spuren suchen, Rudel dokumentieren: Jedes Wochenende sind in Niedersachsen freiwillige Wolfsschützer unterwegs. Warum tun sie das?
Die beiden Männer warten auf dem Parkplatz, direkt an der Landstraße. Das Große Moor, gelegen zwischen Bremen und Osnabrück, ist nicht weit. Sie stehen da in Tarnklamotte und räumen Dinge im Auto herum: Ferngläser, Rucksäcke, eine Tüte mit Pappe und Gipspulver, ein Transparent liegt da auch. „Ja, sieht etwas martialisch, militärisch aus“, sagt Hendrik Spiess und schaut an sich hinunter. „Aber mit Militär haben wir nichts am Hut.“ In diesem Outfit können sie bei ihren stundenlangen Streifzügen durch die niedersächsische Ebene einfach besser mit der Umgebung verschmelzen, spazieren unter dem Radar gewissermaßen. Hilfreich bisweilen, denn sie sind nicht gern gesehen.
Vor allem den Jägern sind die Männer ein Dorn im Auge. Sie stehen auf zwei Seiten: Hier die Mitglieder vom Freundeskreis des freilebenden Wolfes, dort die Jägerschaft. Hier die, die sich über die Rückkehr des Wolfes in Deutschland freuen, dort diejenigen, für die der Wolf sowas wie eine Konkurrenz ist. Hier die, die immer wieder gegen Abschussgenehmigungen für Wölfe vor Gericht ziehen, dort jene, die es begrüßen, dass die Bundesregierung den Abschuss von Wölfen grundsätzlich erleichtern will.
Die beiden Wolfsschützer sind an vielen Wochenenden in einem Wolfsterritorium unterwegs. Auch an diesem Samstag im Dezember. Rein ins Auto und auf gehts. Wölfe suchen, naja, ihre Spuren, das trifft es eher: Kot, Trittsiegel, Haare, Risse. Denn die Tiere selber kriegt man nicht zu sehen. Spiess hat bisher überhaupt erst drei Wölfe gesehen, von weitem und mit viel Geduld und Glück. Sein Begleiter hat noch nie einen in freier Wildbahn gesehen, aber sie wollen den Tieren ohnehin nicht zu nahe kommen, um sie nicht zu stören.
Aber von Spuren…“
Foto. Wolf (CC) hier im Blogbeitrag vom 22.06.2018