14. Kinderbuchwoche beginnt
10. November 2025
In Lingen beginnt morgen die 14. Kinderbuchwoche. Vom 11. bis zum 16. November gibt es vielfältige Veranstaltungen und Aktionen für Kinder vom Kindergartenalter bis zu 5. Klasse. Mit vielen kreativen Ideen, Lesungen, Workshops und Vorführungen tragen verschiedene Akteure und Institutionen dazu bei, dass Kinder die Faszination von Büchern, Geschichten und Kultur erleben können. Insgesamt 19 öffentliche Veranstaltungen sowie rund 130 Angebote in Schulen und Kindergärten auch mit Autoren wie Stefan Gemmel und Günther Jakobs stehen auf dem Programm.
Die großen und kleinen Gäste können sich beispielsweise auf den Auftakt der Kinderbuchwoche mit Zaches und Zinnober am Dienstag, 11. November im Professorenhaus oder auf die Lesung „Abenteuer eines Döner-Checkers“ am 15. November im Theater an der Wilhelmshöhe und das Familienmusical „Nils Holgerssons Reise“ am 16. November ebenfalls im Theater freuen. Die Lesungen „Der Räuber Hotzenplotz“ mit Rainer Rudloff im Pulverturm und „Micha und der Metal“ im Koschinksi sind bereits ausverkauft.
Die Woche startet mit einem schwungvollen und humorvollen Zaches & Zinnober-Konzert am Dienstag um 16 Uhr im Professorenhaus. Zaches & Zinnober begeistern seit fast 25 Jahren mit einer einzigartigen Mischung aus Wortakrobatik, Poesie, Musik und Witz.
Die beiden Musiker präsentieren ein Konzert voller Fantasie, Rhythmus und schräger Geschichten. Ein Erlebnis für Kinder ab vier Jahren und ihre Familien. Tickets kosten sechs Euro und sind im Vorverkauf beim LWT Lingen, online unter www.lingen.de und ggf. an der Abendkasse erhältlich.
Got him
20. April 2013
Nach allem, was heute berichtet wird, ist der kriminelle Bombenanschlag auf Teilnehmer und Besucher des Boston Marathon das schreckliche Werk von zwei jungen Einwanderern in die USA. Fragen Sie sich auch, welche Motive die beiden hatten? Wir werden sie hoffentlich erfahren.
Nachdenklich macht, mit welcher medialen und geradezu militärischen Wucht die polizeiliche und öffentliche „Jagd“ nach den terroristischen Attentätern zu Ende ging und dass die Menschen in Boston schließlich gar jubelten, als der zweite Täter gefasst war. Unter dem Eindruck heimtückischer Anschläge von Fanatikern zeigt sich eine Renaissance des alttestamentarischen Auge-um-Auge-Prinzip. Praktiziert wird damit Feindstrafrecht, wie es der deutsche Rechtsprofessor Günther Jakobs vor knapp 30 Jahren in die neuere rechtspolitische Diskussion eingeführt und für vertretbar gehalten hat. Verfassungsfeindlich versagt es kriminell gewordenen Menschen die Bürgerrechte und stellt sie außerhalb des für die Gesellschaft geltenden Rechts , weil sie Feinde der Gesellschaft bzw des Staates seien.
Auch die USA behandeln Dzhokhar Tsarnaev wie einen Feind; so verweigern sie ihm, lese ich, selbst die Information über seine Beschuldigtenrechte, die einen Teil der Bürgerrechte ausmachen. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit reklamiert nämlich die US-Regierung eine Ausnahme von den allgemein geltenden Beschuldigtenrechten. Dazu gehört zuvörderst, einen Beschuldigten erst einmal sachlich und klar über seine Rechte zu informieren (sog. Miranda-Warnings). In bestimmten Ausnahmefällen sind die Strafverfolgungsbehörden in den USA dazu nach gültiger Rechtslage aber nicht verpflichtet. Eine Ausnahme: Wenn eine objektiv nachvollziehbare Notwendigkeit dazu zwingt, die Polizei oder die Öffentlichkeit vor unmittelbarer Gefahr zu schützen (Entscheidung des US Supreme Court New York v. Quarles – 467 U.S. 649 (1984)). Mit Berufung auf diese Ausnahme werde, schreibt die „Huffington Post„, der tatverdächtige Heranwachsende in Boston durch ein spezielles Vernehmungsteam befragt werden, ohne ihn zuvor über seine Rechte aufzuklären. Das ist, für jeden erkennbar, hier mehr als zweifelhaft, weshalb in der „Huffington Post“ Helen Herowe kommentiert: “This country is as sick as the bomber. Read him his rights”
Dem 19jährigen droht wohl auch die Todesstrafe, die zwar im US-Bundesstaat Massachusetts abgeschafft ist; doch können US-Bundesgerichte auch in Bundesstaaten, die selbst die Todesstrafe abgeschafft haben, sie in solchen Fällen verhängen, in denen bundesweit geltende Strafbestimmungen anwendbar sind (federal crimes). Und das ist hier wohl der Fall. Dann gilt für Dzhokhar Tsarnaev wieder und noch ein letztes Mal: Auge um Auge.
Das alles ist für eine zivilisierte Gesellschaft inakzeptabel und genauso für einen Rechtsstaat, der sich gerade durch sein Verhalten gegenüber Feinden und Kriminellen zu bewähren hat und der viel mehr ist als ein bloßer Sicherheitsstaat. Rechtsstaat verträgt keine Ausnahmen von seinen in Jahrhunderten entwickelten Regeln. Solche Ausnahmen bringen auch keinem Opfer Leben oder körperliche Unversehrtheit zurück. Doch sie verletzen auf ganz andere Weise die Grundlagen unseres gemeinsamen Zusammenlebens. Nachhaltig.