Putins Justiz klagt Düsseldorfer Karnevalisten an
21. Dezember 2025
„Russlands Justiz hat ein Strafverfahren gegen Jacques Tilly eingeleitet. Dem Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalswagenbauer wird demnach vorgeworfen, „Falschinformationen über die russische Armee aus eigennützigen Motiven sowie aus politischem Hass verbreitet zu haben“.
Offenbar bezieht sich das Verfahren auf die diversen Mottowagen, mit denen der Düsseldorfer bei den Rosenmontagszügen der vergangenen Jahre Russlands Präsidenten Wladimir Putin aufs Korn genommen hatte. Tilly selbst hat bislang keine Vorladung des Moskauer Gerichts erhalten. „Über die Vorwürfe haben mich meine Freunde von der oppositionellen Gruppe Freies Russland NRW informiert“, sagt er gegenüber dem hpd.
Anruf bei Yuri Nitkin, Vorstandsmitglied dieser Vereinigung. Dieser erzählt, wie er von der Anklage erfahren hat. „Das wurde zunächst in einem Telegram-Kanal gemeldet, der fast 1,6 Millionen Abonnenten hat. Dann wurde es auch von anderen Medien übernommen.“ Der Russe, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, sagt, dass es immer wieder solche Verfahren vor dem Moskauer Basmanny-Gericht gebe, einem Bezirksgericht erster Instanz. Dabei fänden keine ernst zu nehmenden Gerichtsverhandlungen gegen Angeklagte statt, denen Verunglimpfung der russischen Armee vorgeworfen wird. Die entsprechenden Vorwürfe der Staatsanwaltschaft würden zu 99 Prozent von dem Gericht einfach übernommen. Er rate Jacques Tilly auf keinen Fall, nach Russland zu reisen.
Das plant Tilly ohnehin nicht. „So wie ich auch nicht in die Türkei oder in die USA reise, deren Präsidenten wir uns mit unseren Großplastiken ja auch immer wieder vorknöpfen.“ Für ihn habe das Ganze zunächst wie ein Witz geklungen. „So hoch können die das doch nicht hängen“, habe er gedacht. „Aber ich freue mich natürlich, dass Satire so wirkt und anscheinend so weh tut, dass man in einem autokratischen Staat wie Russland ein Verfahren gegen mich einleitet.“
Tilly hat…“
