Lingen 2026: Weiter so ist nicht das, was unsere Stadt braucht.
30. Januar 2026
Am 13. September entscheidet Lingen über die Zukunft im Rathaus. Aktuell ist ein Duell abgesteckt: Auf der einen Seite Jens Hofschröer, in Lingen aufgewachsener Dezernent für Digitales und Wirtschaft aus Wolfsburg. Auf der anderen Seite der in Beesten aufgewachsene Amtsinhaber Dieter Krone, der es gestern offiziell gemacht hat. Also: Es ist Zeit, über halbe Radwege zu reden – und die Frage nach der vollen Kraft zu stellen.
Manchmal erklären die kleinen Dinge das große Ganze. Wer in Lingen über die Ulanenstraße fährt, weiß, was ich meine. Dieter Krone versprach uns dort einen Radweg für die gesamte Strecke. Gelogen war das nicht, aber Entscheidendes wurde „weggelassen“. Der Radweg endet heute im Nichts; die Brücken über Bahn und Umgehungsstraße wurden ausgespart. Vertrauen? Weggebrochen.
Dieses Gefühl des Weglassens zieht sich wie ein roter Faden durch die Stadtpolitik: Ob beim IT-Campus in Laxten, den verschwundenen Häusern an der Sternstraße, dem mühsamen, sonntagsfreien LiLi-Bus, fehlenden Kreisverkehren oder ganz aktuell der Sanierung in Reuschberge. Überall bleiben Lücken zurück.
Die 8-Jahre-Wette: Routine oder Risiko?
Gestern ließ OB Krone im Ratssitzungssaal unter dem trockenen Tagesordnungspunkt „Bericht der Verwaltung“ endlich die Katze aus dem Sack: „Ich trete erneut an.“ Dann: Kein Jubel, kein Chor, keine Fanfaren, keine trommelnd einziehenden Kivelinge – nur das dünn wirkende Klatschen von SPD und Grünen, während CDU, FDP und BürgerNahe (BN) stumm blieben. Und Minuten später das erste Wahlvideo vom lokalen, mit Steuermitteln über Wasser gehaltenen Ems TV.
Krone will eine dritte Amtszeit. Sie dauert acht Jahre. Der Amtsinhaber, Jahrgang 1963, wäre am Ende 71 Jahre alt. Nichts gegen Erfahrung, aber das OB-Amt ist kein gemütlicher Posten für den Vorruhestand. Es ist ein 24/7-Job, der volle physische und mentale Präsenz fordert. Es stellt sich die berechtigte Frage: Kann und will Dieter Krone dieses Pensum bis Mitte der 2030er Jahre wirklich durchhalten? Oder wählen wir hier jemanden, der die Zukunft nur noch aus dem Rückspiegel verwaltet oder gar nicht so lange amtieren will?
Klar ist: Krone mangelt es an der notwendigen Integrationskraft: Statt Brücken zu bauen, rückt die Selbstdarstellung des Amtes in den Vordergrund, während konstruktive Kritik als persönlicher Angriff gewertet und blockiert wird.
Der Blick von außen
Mit dem 45-jährigen, in Lingen (Ems) geborenen Jens Hofschröer hat ein Wirtschaftsexperte die Bühne betreten. Parteilos, unabhängig und jemand, der Bilanzen wahrscheinlich schneller liest, als die Stadtverwaltung ihre Pressemitteilungen schreibt. Kandidaten der FDP und der BN können das demokratische Quartett komplettieren und ein Schreihals von der NoAfD wird wohl hinzukommen.
Was Lingen jetzt braucht:
- Kompetenz statt Kontakte: Wir brauchen jemanden, der Investoren auf Augenhöhe begegnet. Jemand, der bei Projekten wie in Reuschberge nicht nur von „sozialer Wärme“ redet, sondern knallhart nach dem Sozialplan (§ 180 BauGB) und echten Mietpreis-Garantien fragt.
- Frischer Wind statt Betriebsblindheit: Nach 16 Jahren im Rathaus schleifen sich Routinen ein. Ein unabhängiger Profi schaut ohne ideologische Scheuklappen darauf, was die Stadt wirklich voranbringt – jenseits von hochbezahlter PR.
- Kooperation statt Selbstinszenierung: Wir erleben oft eine Amtsführung, die an einen belehrenden Studienrat erinnert. Wo Demut vor dem Amt und echter Diskurs gefragt wären, dominiert oft eine Ich-Bezogenheit, die den Streit der besten Ideen im Keim erstickt.
Was wir nicht weglassen dürfen
Es ist ein gefährlicher Trend, berechtigte Skepsis als „Wahlkampfgetöse“ abzutun. Wer kritische Fragen zur langfristigen Belastbarkeit des Amtsinhabers oder zur Verbindlichkeit von Verträgen stellt, ist kein „Mobber“. Er nimmt seine demokratische Pflicht ernst. Nichts stärkt die politischen Ränder mehr als das Gefühl, dass im Rathaus Dinge „passend gemacht“ werden, während die Sorgen der BürgerInnen weggelächelt werden.
Acht Jahre sind eine sehr lange Zeit. Zu lang für Experimente mit der eigenen Kraft. Lingen steht am Scheideweg: Wollen wir ein „Weiter so“ aus Gewohnheit bis 2034? Oder trauen wir uns den Neustart mit frischer Energie und wirtschaftlicher Expertise zu?
Es ist Zeit, dass wir in Lingen wieder alles betrachten – und nichts mehr weglassen.
–> Was meint die Leserschaft dieses kleinen Blogs? Braucht Lingen das „Weiter so“ oder den Wirtschafts-Profi oder wen sonst? Schreibt es in die Kommentare!
