Ellen und der Zwischenstand der Zeitenwende
17. Februar 2026
Am Wochenende feierte die Kivelingssektion „Prinz von Oranien“ ihr 40-jähriges Bestehen. Das zweitägige Programm umfasste eine gesellige Versammlung im Kivelingshaus, einen gemeinsamen Besuch der Dauerausstellung über die Oranier im Emslandmuseum und ein abschließendes Ritterbankett mit stilechten Plastik-Lätzchen auf der traditionsreichen Wilhelmshöhe.

Die Mitglieder des Kivelingsvereins also, der in den vergangenen Monaten nicht immer uneingeschränkt positiv aufgefallen ist, zeigen sich nun von einer ungewohnt offenen, ja progressiven Seite. Eine der neuen Wachadjutanten – oder präziser: Wachadjutant*innen – der „Wachsektion PvO“ beim Kivelingsfest 2027 ist mit Ellen Hofschröer erstmals eine junge, engagierte Frau. Gemeinsam mit Jonas Stehmann und Benny Richtering soll sie als „rechte Hand“ von Wachoffizier Richard Hörnig für den geordneten Ablauf des Kivelingsfestes sorgen. Ellen Hofschröer soll sich bereits vor ihrer Ernennung maßgeblich für das aufgestellte Kivelingsfest-Programm der Sektion verantwortlich gezeigt haben, höre ich.
Bislang waren diese Ämter ausschließlich Vereinsmitgliedern vorbehalten, faktisch also ausschließlich Männern. Das entspricht längst nicht mehr der im Verein gelebten Realität. Wer die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt hat, weiß, dass Engagement und organisatorische Verantwortung nicht an Geschlechtergrenzen haltmachen.
Was auf den ersten Blick also wie eine kleine Geste wirkt, wurde auf der Versammlung unter den Augen des Vereinsvorstandes mit Standing Ovations gefeiert. Das ist ein Signal. Zugleich bleibt ein schaler Beigeschmack: Die in der Regel weiblichen Begleitungen des Kivelingsvorstandes wurden kurzerhand aus „Kostengründen“ gar nicht erst eingeladen. Fortschritt hier, Sparargument dort – das passt dann doch nicht ganz zusammen.
Wir sehen hier einen bedachten, aber stetigen Fortschritt, der uns sicher ans Ziel führt, nämlich in Richtung der Öffnung des gesamten Vereins. Die entscheidende Frage bleibt: Wann werden auch die Bürgertöchter vollwertige Mitglieder im Verein „Die Kivelinge“ sein? Symbolische Personalentscheidungen sind nämlich das eine, strukturelle Gleichberechtigung ist das andere. Wer den Applaus ernst nimmt, muss auch die Konsequenzen ziehen. Meine vorhersagende Wette läuft jedenfalls noch.
„Meine Vorhersage: Die Bürgertöchter werden dann nicht nur unverzichtbar sondern vollwertige Mitglieder im Verein Die Kivelinge sein. Wer wettet dagegen?“ – Roberts Blog am 10. Juni 2025
Während im Verein also vorsichtige kleine Schritte hin zur Bürgertöchter-Öffnung geschehen, handeln die längst selbst: EGerade organisieren sie im Centralkino ihren ersten eigenen Kinoabend – mit „Überraschungsfilm“, Popcorn, Getränken zu fairen Preisen und klarer Zielsetzung.
Am Samstag, den 28. Februar geht es um 19 Uhr los, der Film beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro. Der Erlös ist nicht für repräsentative Gesten gedacht, sondern ganz konkret für eigene Trommelmaterialien – denn, wer sagt, dass nur Männer trommeln dürfen? Wer die weibliche Initiative unterstützen möchte, kann zusätzlich spenden. Eingeladen sind natürlich nicht nur Kivelinge, Marketenderinnen, sondern alle.
Nach der Vorführung soll der Abend in entspannter Atmosphäre ausklingen. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Engagement und kulturelle Eigeninitiative in Lingen nicht nur mitlaufen, sondern zunehmend selbstbewusst gestaltet werden.
Foto oben: Wachadjutant*innen Instagram/wachsektion_pvo
Grafik unten: Ankündigung Instagram/„die_donnerlittchen“

