erst 2030…

8. Februar 2019

Zwischen niederländischen Großstädten sollen bis 2040 alle zehn Minuten Züge fahren und auch nach Deutschland soll es zukünftig bessere Verbindungen geben – diese Ziele übermittelt die niederländische Verkehrsministerin Stientje van Veldhoven am heutigen Mittwoch in Form ihres Plans Toekomstbeeld Openbaar Vervoer (dt. „Zukunftsbild öffentliche Verkehrsmittel“) der zweiten Kammer. Die ambitionierten Zukunftsziele sollen nicht nur die niederländische Infrastruktur verbessern, sondern auch dem Klimaschutz dienen: Das Zugfahren soll eine attraktive Alternative zum Fliegen werden.

Erst gestern debattierte die Koalition erneut über das Klimaabkommen und auch im Zukunftsplan van Veldhovens spielen der Klimaschutz und die Verringerung des CO2-Ausstoßes eine zentrale Rolle. Im Koalitionsabkommen haben die Parteien VVD, CDA, D66 und die ChristenUnie festgelegt, dass öffentliche Verkehrsmittel in den Niederlanden gefördert werden sollten. Aus diesem Grund erarbeitete van Veldhoven zusammen mit den Provinzen, den Ballungsräumen, den Transportunternehmen und ProRail Vorschläge, um das niederländische öffentliche Verkehrsnetz auf die Anforderungen abzustimmen, die in 20 Jahren auf das Land zukommen werden. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Zugreisenden bis zum Jahr 2040 um 30 bis 40 Prozent steigen.

Um mit den voraussichtlichen Fahrgastzahlen umgehen zu können, hat van Veldhoven einen Ring bestehend aus neun niederländischen Großstädten erarbeitet – innerhalb dieses Rings und zwischen diesen Großstädten sollen 2040 alle zehn Minuten Züge fahren. Zu den betroffenen Großstädten gehören Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Breda, Eindhoven, Arnheim, Nimwegen, Zwolle und Utrecht. Mit diesem Plan möchte van Veldhoven auch eine möglichst hohe Flexibilität für die Fahrgäste erzielen – sie selbst weiß aus jahrelanger Pendlererfahrung, dass es lästig ist, eine halbe Stunde auf einen Zug warten zu müssen. Wenn der fragliche Zug allerdings alle zehn Minuten fährt, sei man fast so flexibel, wie mit dem Auto.

ProRail-Spitzenfunktionär Pier Eringa befürwortet den geplanten Ausbau des Schienennetzes van Veldhovens. Allerdings würde er anstelle des Jahres 2040 gerne schon das Jahr 2030 anpeilen. Bereits jetzt seien viele Züge völlig überfüllt, da große Firmen wie Philips, KPN und Unilever ihre Arbeitnehmer dazu ermutigen würden, den Zug anstelle des Autos zu nehmen und die Mitarbeiter mit Jahreskarten für die entsprechende Zugstrecke ausstatten.

Doch nicht nur der Nahverkehr, sondern auch der Fernverkehr soll deutlich ausgebaut werden. Van Veldhoven wünscht sich, dass das Zugfahren eine echte Alternative zum Fliegen wird, doch dafür müsse vor allem an weiteren und besseren Verbindungen zu deutschen Städten gearbeitet werden. Der Fokus soll dabei neben der deutschen Hauptstadt auf den deutschen Handelsstädten Düsseldorf, Frankfurt und München liegen. Die Möglichkeiten für bessere Verbindungen sollen jetzt von den Eisenbahngesellschaften NS und ProRail geprüft werden. Darüber hinaus möchte van Veldhoven die Europäische Kommission um Fördergelder bitten, damit das niederländische Schienennetz an das deutsche Hochgeschwindigkeitsnetz gekoppelt werden kann. Diese Maßnahme und der damit einhergehende Übergang vom Flugzeug zum Zug passen van Veldhoven zufolge zu den Klimazielen, die die EU vorgegeben hat.

Letzte Woche musste van Veldhoven jedoch zuerst eine schlechte Nachricht überbringen: Eine schnellere Verbindung zwischen Amsterdam und Berlin ist vorerst nicht realisierbar. Zurzeit dauert die Fahrt 6,5 Stunden und erst nach 2030 sei es möglich, die Fahrtzeit um eine Stunde zu reduzieren. Um die Fahrtzeit zu verkürzen, müssten eventuell einige Stationen auf dem Weg nach Berlin übersprungen werden – doch darauf konnten sich die beiden Länder bisher nicht einigen. Auch infrastrukturelle  Investitionen machen der Fahrtzeitverkürzung einen Strich durch die Rechnung.  

Das aktuelle Koalitionsabkommen sieht kein Budget für einen derartigen Ausbau des niederländischen Streckennetzes vor – der Zukunftsplan von van Veldhoven soll vor allem den zukünftigen Kabinetten dienen und ihre Haushaltspläne beeinflussen. Gleichzeitig hofft sie, dass der Plan auch von Immobilienmaklern finanzielle Unterstützung erfährt – denn der Wert eines Bürogebäudes steigt automatisch, wenn in der Nähe ein neuer Bahnhof gebaut wird. Ob die visionären Zukunftspläne von van Veldhoven wirklich umgesetzt werden, wird sich wohl erst in 10 bis 20 Jahren zeigen.

Soweit der Bericht von NiederlandeNet darüber, was im Nachbarland abgeht – allerdings ist auch in den Niederlanden wenig los, je weiter es nach Osten (also hin zu uns geht). Aber alles ist nichts gegenüber dieser unglaublichen Trägheit hierzulande. Da braucht es zehn Jahre, bis eine kaputte ostfriesische Brücke ersetzt wird, und ähnlich lange für ein paar Kilometer Bahnstrecke durch die Grafschaft. Ein Mehltau von fauler Bürokratie legt sich über alles.

Und so  fahren wir weiter auf Strecken die zu Zeiten von Georg V von Hannover gebaut wurden. Im Emsland garniert mit Funklöchern und ganz speziell bei uns in Lingen mit einem unglaublichen immerwiederundwiederundwiederundwiederundwiederundwieder kaputten Aufzug (auch gerade wieder!) und Baustellen. Ab dem 19.  Februar bis zum 25. März, also stramme fünf Wochen !!) ist die Emslandroute gesperrt. Dieses Mal zwichen Lingen und Meppen, wo sie doch nach meiner Erinnerung schon vor zwei Jahren wochenlang repariert wurde.

Es ist zum verzweifeln. 

Kunst in der Region

3. Mai 2012

Tamara Grcic: anderswohin, 2011 (Hestrup)raumsichten erweitert kunstwegen:

Da wurde eine alte Eisenbahnbrücke aus Österreich an die Vechte gebracht, ein Autobahnkreuz für Radfahrer gebaut oder jungsteinzeitlichen Gefäßen nachempfundene Bronze-Skulpturen (Foto) in die Landschaft gesetzt:
Mit neuen neuen Kunststationen wird jetzt das einmalig raumgreifende Skulpturenprojekt an der Kunstwegen-Route von Nordhorn die Vechte entlang bis ins niederländische Zwolle jetzt erweitert –  in die Gegenrichtung über Bad Bentheim bis zur Grenze von Nordrhein-Westfalen.

Nordhorn: Nino-Hochhaus, Nino Allee 11: Offizielle Eröffnung am Freitag, 4. Mai, 14 Uhr. Geführte Touren gibt es an fünf verschiedenen Touren im Landkreis Grafschaft Bentheim am Samstag, 5. Mai. Mehr…

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Sarah Pelikan – Piano del Colore:

Die Wuppertaler Farbfeld-Malerin Sarah Pelikan zeigt neuere monochrome Bilder. Vor allem aber wird das ganze Untergeschoss der Kunsthalle in eine Farbfeld-Installation verwandelt: Boden, Wände und Decken der Räume sind in jeweils einer Buntfarbe gehalten – also Rot, Grün, Gelb und Blau. ein leicht ansteigender Weg führt durch dieses leuchtende, alles umfassende dreidimensionale Farbbild.

Lingen (Ems): Kunstverein, Kunst-/Halle IV  Kaiserstraße 10a, Eröffnung: Freitag, 11. Mai, 19 Uhr. Bis 26. August.
Öffnungszeiten Sa, So 11-17 Uhr, Di-Fr 10-17 Uhr, am 7.6., 5.7. und 2.8. bis 20 Uhr an diesen Tagen jeweils um 18.30 sowie an jedem Sonntag um 15.30 kostenlose Führung durch die Ausstellung.
Mehr..

Ansicht

2. Mai 2012

Es ist das große Gemälde eines großen Malers. Die »Ansicht der Burg Bentheim von Nordwesten« von Jacob van Ruisdael. Meyers Konversationslexikon von 1888 beschreibt das Werk des Niederländers, der vollständig Jacob Isaackszoon van Ruisdael hieß, so:

„Ruisdael ist der größte holländische Landschaftsmaler und in Bezug auf Tiefe und Energie der poetischen Stimmung wie auf plastische Kraft der Darstellung einer der größten Landschaftsmaler überhaupt. Er hat die Landschaft zum Spiegel menschlichen Empfindens gemacht und zum ersten Mal die Geheimnisse der Naturseele enthüllt. Ruisdael hat die Motive zu seinen Landschaften zum Teil der Umgebung Haarlems, zum Teil den Holland benachbarten Gegenden Deutschlands wie der Grafschaft Bentheim entlehnt, wo er sich besonders in das Studium der Eichenwälder vertiefte. Unter dem Einfluss seines Freundes Allart van Everdingen hat er auch mit Vorliebe frei erfundene Wasserfälle mit den Eichenwäldern in Verbindung gebracht. Seine Landschaften sind sehr zahlreich (etwa 450). Besonders gut ist er in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister und im Berliner Museum vertreten.“
Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.

Heute vor genau einem Monat ist dieses Gemälde  in Bad Bentheim angekommen und im Beisein von Hausherr Prinz Reinhard zu Bentheim hängte der niederländische raumsichten-Künstler Willem de Rooij gemeinsam mit Restauratorin Ursula Reuther das Werk an seinen neuen Platz: In eine eigens entworfene und konstruierte Glasvitrine im Obergeschoss des renovierten Marstalls der Burg Bentheim.

Das Bild ist im Eigentum der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und wurde bis vor ungefähr einem Jahr im Kloster Frenswegen nahe Nordhorn ausgestellt. Jetzt ist es Teil des Kunstprojekts Raumsichten, das von Nordhorn nach Zwolle über die deutsch-niederländische Grenze reicht und jetzt in Richtung Süden hin zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen erweitert wird.

Der Vorschlag Willem de Rooijs, das um 1655 von Jacob van Ruisdaels geschaffene Ölgemälde im Innern der Burg Bentheim zu präsentieren, führte übirgens zu großen Restaurierungsarbeiten im Südflügel der Burg, dem ehemaligen Marstall. Im zweiten Geschoss entstanden dort neue Räume für künftige Ausstellungen und in einem dieser Räume stellt Willem de Rooij, seit einigen Jahren Professor für Freie Bildende Kunst an der Städelschule in Frankfurt/M., das Gemälde Ruisdaels neu zur Ansicht. Eine eigens produzierte Glasvitrine umhüllt das wertvolle Gemälde und gewährleistet ein gleichmäßiges Klima, UV-Schutz und Sicherheit.

Im weiteren Fortgang von de Rooijs mit »Residual« betitelten Beitrag für die grenzüberschreitende Skultpurenaktion raumsichten wird auch über ein Ruisdael-Stipendium nachgedacht. Mit dessen Hilfe könnten junge, internationale Künstler  die Gelegenheit bekommen, neue Arbeiten zu produzieren und sie ebenfalls in der Bentheimer Burg auszustellen.