Niedersachsen abgehängt

14. Juni 2020

NiederlandeNet informiert: „In einem Brandbrief fordern die niederländische Provinze zusammen mit dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, dass die grenzüberschreitenden Zugverbindungen zwischen Deutschland und den Niederlanden ausgebaut und optimiert werden.

Obwohl zu beiden Seiten der Grenze Pläne für den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs bestehen (Toekomstbeeld OV 2040 und Deutschlandtakt), wird laut den Unterzeichnern des Brandbriefes dem internationalen Zugverkehr zu wenig Beachtung geschenkt, wodurch der Zug nicht mit dem Flugzeug konkurrieren könne.

Laut Bert Boerman, Mitglied des Provinzregierung in Overijssel, liege die Qualität des grenzüberschreitenden Zugverkehrs deutlich unter jener des nationalen Zugnetzes. Sowohl die geringe Anzahl an Verbindungen, deren Taktung als auch Hürden wie Tickets oder Tarifzonen stünden dem Fahrgast dabei im Weg. Dabei soll laut den Unterzeichnern des Briefes in Kurzstreckenprojekte wie Enschede-Dortmund, Eindhoven-Düsseldorf oder Heerlen-Aachen investiert werden. Auch müsse die Strecke Amsterdam-Berlin deutlich verbessert und zu einer Hochgeschwindigkeitsverbindung ausgebaut werden. Die derzeitige Reisedauer beträgt hier noch rund sechs Stunden, wodurch eine Zugreise in puncto Zeit keine Alternative zu einer Flugreise darstellt. Eine Idee der Unterzeichner sei es, die Verbindung zukünftig über Amsterdam, Utrecht, Arnhem und dann Duisburg laufen zu lassen. Dadurch könnten mehrere Stunden an Reisezeit eingespart werden.

Durch den Brandbrief ist diesem Thema erneut Nachdruck verliehen worden. Bereits in der Vergangenheit ist vor allem von niederländischer Seite aus der Wunsch geäußert worden, die Zuganbindungen über die Grenze hinweg zu optimieren und so effizienteren Zugverkehr zu gewährleisten (NiederlandeNet berichtete). Floor Vermeulen, Mitglied des Provinzregierung in Zuid-Holland, prangert die fehlende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden auf diesem Gebiet. Die Programme beider Länder seien nicht aufeinander abgestimmt. Er hofft, dass die zuständige Staatssekretärin Stientje van Veldhoven (Infrastruktur und Waterstaat) Deutschland folgen wird, wo bis 2030 86 Milliarden Euro in das Schienennetz investiert werden soll.“

Niedersachsen zählt bezeichnenderweise nicht zu den Unterzeichnern des Briefes und hat sich damit abgehängt. Kein Wunder, so scheint mir, ist doch der CDU-Politiker Althusmann der dafür zuständige Minister und an Bahnverkehr offenbar nicht sonderlich interessiert. Beispielsweise hat er es in den vergangenen knapp drei Jahren Amtszeit nicht geschafft, für einen schnelleren Wiederaufbau der Ende 2015 durch ein Schiffsunglück zerstörte Friesenbrücke zu sorgen, die die Eisenbahnstrecke Groningen-Bremen über die Ems führte. Sie soll jetzt erst 2024, also 9 Jahre nach der Zerstörung, wieder aufgebaut sein – allerdings nur einspurig und nicht elektrifiziert. Mit anderen Worten nur so, wie die Eisenbahnbrücke 1950/51 gebaut wurde (Foto). 

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Foto: Friesenbrücke (2013) Martina Nolte, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

 

humanste Methode

20. Juli 2013

Da lese ich, dass 10.000 Graugänse (lat. Name: Anser anser) in diesem Jahr rund um den Amsterdamer Flughafen Schiphol vergast worden sind. Das ist zwei Mal so viel wie im letzten Jahr; denn das beauftragte  ‚Vergasungsunternehmen‘ jagt die Gänse jetzt in einem wesentlich größeren Bereich.

Die nämlich sind für startende und landende Flugzeuge gefährlich, und deshalb wollen die Verantwortlichen sie loswerden. 2012 gab nur die niederländische Provinz Nord-Holland ihr OK, jetzt sind auch die Provinzen Zuid-Holland und Utrecht mit der Tötung einverstanden. Gefangen werden die Graugänse inzwischen in einem 20 Kilometer-Radius rund um den fünftgrößten europäischen Verkehrsflughafen.

Die Gänse können übrigens nur ein paar Wochen im Jahr auf diese Weise gejagt werden,  nämlich dann, wenn sie in der Mauser nicht fliegen können. Die Vögel treibt mandann in eine Falle getrieben und dort werden sie mit Kohlendioxid getötet. Das sei, so ein Sprecher des beauftragten Unternehmens Duke Faunabeheer (Motto: Vangen, Verjagen, Weren) „die humanste Methode“.

Die getöteten Gänse werden übrigens  fast vollständig verwertet. Sie gehen an Geflügelhändler und Tafeln, aber auch an Zoos als Nahrung für Raubtiere. Auch die Knochen werden verkauft und die Federn landen zB in Kissenfüllungen.

Und jetzt frage ich mich, was ich von all dem halten soll. Was denken Sie?

(Foto: Graugans-Altvogel und Küken; CC Aiwok)