Ein Jahr nach

27. August 2016

JWP1187b„Ein Jahr nach den rührenden Willkommensszenen am Münchner Hauptbahnhof quält viele Flüchtlinge die Ungewissheit: Wer darf bleiben, wer muss gehen? Einige wollen Deutschland wieder verlassen.

Im Sommer 2015, nach nur drei Jahren in Deutschland, hat die 18-jährige syrische Schülerin Noor Yassin-Kassab im brandenburgischen Schwedt ein glattes Einser-Abitur abgelegt. In Hannover hat kürzlich der Syrer Maher Daabool sein Architekturstudium mit Plänen zum Wiederaufbau seines Heimatlandes beendet, auch er mit Auszeichnung. Bei den Olympischen Spielen in Rio schwamm Yusra Mardini18, für das Flüchtlingsteam. In Berlin startet sie für die „Wasserfreunde Spandau 04“.

Es gibt sie, die Geschichten gelungener Integration, genauso wie es Flüchtlinge gibt, die zu Terroristen werden oder Frauen sexuell belästigen. Bei einer Gruppe, die so heterogen ist wie die der Flüchtlinge, sollte das niemanden verwundern. Was uns aber zu denken geben sollte: dass die schlechten Nachrichten so laut sind, dass die guten kaum jemand hört….“

[…weiter in der Süddeutschen]

(Foto: Der syrische Journalist Yahya Alaous floh mit Reportern ohne Grenzen aus Damaskus über den Libanon nach Berlin. Dankeschön an ©: Jonas Walzberg)

Heute die Flüchtlings-taz

2. Oktober 2015

tazLesebefehl!

Denn heute ist die gedruckte Ausgabe der taz eine Flüchtlings-taz. Flüchtlinge schreiben selbst, und ein Text liest sich beeindruckender als der nächste, etwa die Reflexionen der tunesischen Autorin Najet Adouani, die aus einer Begegnung mit einem anderen Flüchtling bei einer Lesung gelernt hat, dass sie die heimischen Probleme nicht losgeworden ist: „Er fühlte sich wohl in seiner Männlichkeit durch mich bedroht, weil ich über meine journalistischen Erfahrungen erzählte und vom Leiden der Frauen in einer so männlich dominierten Gesellschaft. Der Mann erhob seine Stimme in dem stillen Raum und forderte mich auf: ‚Geh in deine Küche und erfüll deine Pflichten!‘ Nicht was er gesagt hatte, tat mir da weh, sondern die Tränen des kleinen Mädchens, das neben mir stand. Bevor er mich beleidigte, hörte sie mir zu und lächelte; ich merkte, wie stolz sie war, ein Mädchen zu sein.“

Und  Alexander Nikiforov aus Transnistrien schreibt: „Die ersten drei Monate durfte ich den Innenstadtbereich nicht verlassen. Ich lief durch die Straßen und sog alles in mich auf. Was für Einheimische zur Norm gehörte, war für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Wilde Kaninchen im Tiergarten etwa. In meinen 37 Jahren hatte ich weder im Park noch im Wald Kaninchen gesehen. Unsere Kaninchen sind längst aufgegessen.“

Die Texte lassen sich hier nicht resümieren. Einige Hinweise: Der kamerunische Filmregisseur Richar Djif erzählt, warum er fliehen musste (weil er einen Film über die herrschenden Dynastien in der Region gemacht hatte). Sharmila Hashimi versucht, den Verlust der Intellektuellen für Afghanistan zu ermessen. Der Syrer Ramy al-Asheq fragt: „Werden wir Teil der deutschen Gesellschaft sein?“ Der Journalist Yahya Alaous schreibt über Prostitution in Syrien – und jetzt in Deutschland. Außerdem spricht  Benno Schirrmeister mit der Historikerin Simone Eick vom Migrationsmuseum in Bremerhaven.

Diese taz reicht fürs ganze Wochenende!

[gefunden bei Perlentaucher.de]