Södern

7. Mai 2018

„Auf der Re:publica ließ sich der an einer anderen Diskussion teilnehmende Gerhard Baum ein Mikrofon reichen und er klärte lakonisch, er sei mal Innenminister gewesen. Dann machte Baum seinem Unmut Luft, wie mit dem Sicherheitsfuror und den neuen Polizeigesetzen systematisch ein Klima der Bedrohung und Verunsicherung geschaffen wird, das weitaus ängstlicher ist, als dies zu RAF-Zeiten war. Dafür bekam er Beifall und das bayerische Polizeiaufgabengesetz wurde weiter diskutiert.

Dieses Gesetz, das ein Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung ist, will
Innenminister Seehofer bekanntlich zum Vorbild seines geplanten Muster-Polizeigesetzes nehmen. Gegen die bayerische Variante soll am 10. Mai in München eine Großdemo protestieren, bei der selbst Umweltverbände mit von der Partie sind.

Dort, wo das Södern zum neuen Ton gehört, darf natürlich ein Dringlichkeitsantrag der CSU nicht fehlen, die den demokratischen Kräften des Bayerischen Landtages die Teilnahme an der Großdemo am liebsten untersagen möchte:“Wenn sich auch noch demokratisch gewählte Parteien wie SPD und Grüne in dieses Bündnis einreihen, ist dies eine Gefahr für unseren Rechtsstaat.“ Die Klimavergiftung beginnt mit Denk- und Demonstrationsverboten.“

So weit so gut Hal Faber in seinem Wochenrückblick WWWW. Weshalb ich hier im deutschen Nordwesten darauf hinweise? Weil auch in Niedersachsen diese immer seltsamere Große Koalition heftig in dieselbe Richtung marschiert und das ungeniert mit Fake-Sprüchen garniert wie Zur Sicherung der Freiheit…

Frau Hayali

20. März 2016

Zwischendurch von Hal Faber in wwww – heute um 00.09 Uhr:

„In ihrem eigenen Ermessen hat Frauke Petry von der AfD mehrfach ein verabredetes Gespräch mit der Journalistin Dunja Hayali geschwänzt, weil sie diese für eine „politische Aktivistin“ und nicht für eine „professionell arbeitende Journalistin“ hält. Frau Hayali unterstützt die Vereine Gesicht zeigen!, genau wie die Moderatorin Anne Will, und Respekt!, genau wie Jürgen Klopp. Passend zur Absage twitterte ein mutmaßlicher (nicht verifizierter) AFD-Account [wohl aus  Bremen-Nord oder so] zur Heute Show: „Eure Sendung setzen wir als 1. ab!“ Die Partei, die die Stigmatisierung des CO2 aufheben will, hat mit der Stigmatisierung der Presse begonnen und sich den Lügenpresse-Vorwürfen der Pegidioten angenähert. So etwas nennt sie Frühlingsoffensive.“

Schmidt

26. April 2015

aus Hal Fabers heutigem WWWW:

„…Dank eines Geheimvermerks gibt es bekannt gewordene Selektoren, die wiederum zu Signaturen führen und damit zum Löschen dieser Signaturen, inklusive dem Killen von Warren Weinstein und Giovanni Lo Porto. Wobei es bei allem Protest unerheblich ist, ob Ramstein beteiligt ist, denn die Satelliten-Links von Intelsat zu den Drohnen sind dreifach redundant ausgelegt. Inmitten der neu anschwellenden Verärgerung über den BND und seine Zusammenarbeit mit der NSA, die nun sogar die Bundesanwaltschaft mobilisieren soll, sei darum dank b’s weblog auf die analoge Sprache verwiesen, mit der Ex-Bundeskanzler Schmidt die Arbeit der Geheimen schilderte:

„1969 wurde ich Verteidigungsminister, ich war damit auch zuständig für den Militärischen Abschirmdienst. Mein endgültiges Urteil wurde bestätigt. Deshalb habe ich mir später als Regierungschef niemals einen Bericht des BND vorlegen lassen. Ich wusste, die Einschätzung des Geheimdienstes beruhte zum Teil auf dem Abhören von Telefonen, manchmal auf Indizien und oft auf Eindrücken, die stark gefärbt waren durch die politische Präferenz des Berichtenden. Abgesehen davon: Jedermann weiß, dass die Auslandsgeheimdienste in aller Welt Dinge treiben, die nach dem dort geltenden Gesetz verboten sind. Oder sie tun, was das Gesetz befiehlt, und tun aber auch das, was das Gesetz nicht befiehlt. Deshalb sind Gremien eingerichtet worden, die kontrollieren sollen, was die Geheimdienste tun. In diesen Kontrollkommissionen sitzen Leute, die sich wichtig fühlen, aber kaum etwas ausrichten. Warum sollte ich also diese Berichte lesen? Ich habe das persönliche Gespräch mit Nixon, mit Kissinger, mit Ford und Reagan immer vorgezogen, desgleichen mit Breschnew und mit Honecker.

…“

Kindermitschänder

27. April 2014

Hal Faber“ gerade eben:

„So sterben die Zeitungen und mit ihnen der Qualitätsjournalismus: Es enttäuscht schon, wenn reißerisch behauptet wird, dass die über Leichen surfen, die gegen die anlasslose Speicherung unserer digitalen Lebensdaten kämpfen. Wenn dann keine einzige Leiche im Text auftaucht, sondern – Überraschung – wieder einmal von Kinderpornographie die Rede ist, welchselbige angeblich nur ein „Beispiel unter vielen“ sein soll. Das Vorratsdatenvakuum, das uneinsichtige Politiker und trotzköpfige Beamte unbedingt auffüllen wollen, hat etwas Monothematisches: Da ist dann die Rede von einem „niederschwelligen Grundrechtseingriff“ und davon, dass doch die Kinder geschützt werden müssen. Da sage einer Nein und schon ist er ein potenzieller Kindermitschänder. Dabei ist ein Nein für unsere Gesellschaft so wichtig, wie es ein Jurist in seinem Blog zu den 8 Mythen der Vorratsdatenspeicherung formuliert, wenn er auf die These antwortet, dass der Polizei wie etwa der NSA alle technisch möglichen Instrumentarien zur Überwachung der Kommunikation zur Verfügung gestellt werden müssten.

Nein. In einem Rechtsstaat gibt es keine Strafermittlung um jeden Preis. Darin besteht nämlich gerade der Unterschied zu Unrechtsstaaten wie der DDR, die jede Form der Überwachung und Kontrolle des Bürgers für legitim hielten. Der Rechtsstaat muss auf eine Totalüberwachung verzichten und damit eventuell einhergehende Defizite bei der Kriminalitätsbekämpfung in Kauf nehmen.“

So isses!

wwww

7. Juli 2013

Hal Faber heute früh in seinem sonntäglichen wwww-Rück- und Überblick:

„Ein Gauck ist damit die neue Maßeinheit in diesem Neuland, die die Unkenntnis der Auswirkung digitaler Lebensart zum Ausdruck bringt. Wer Stasi und KGB für schlimm hält, weil Papierakten angelegt wurden und damit die Datenschnüffelei von NSA, GHCQ, DGSE oder BND verharmlost, produziert genau ein Gauck Unsinn.“

Ich bin ja durchaus überzeugt von Bundespräsident Joachim Gauck. Doch seine Analyse des NSA-Überwachungsskandals ist inakzeptabel, angesichts seines Einsatzes für die Freiheit fast schon surreal. Leider. Wenn Sie das anders sehen, erklären Sie mir doch bitte, wie ein Opfer der Stasi-Überwachung und späterer Chef der „Gauck-Behörde“ so daneben liegen kann. Lesenswert dazu ist diese kurze Analyse  von Kommentator angelwing auf heise.de.

ps DER SPIEGEL schließt übrigens gerade locker zur focus-Lebenshilfe auf und gibt nach der Frage WIE KANN MAN SICH WEHREN? diese Anti-Prism und Anti-Tempora-Tipps:

  • Ein erster Schritt könnte sein, womöglich doch lieber auf in Europa angesiedelte Internetdienste, etwa deutsche E-Mail-Provider, zurückzugreifen.
  • Verschlüsseln Sie Ihre Kommunikation. Wie das geht, steht zum Beispiel hier.
  • Wenn Sie Cloud-Speicherdienste wie Dropbox sicher nutzen, online verschlüsselt chatten, Files oder Nachrichten online verschlüsselt weiterreichen wollen, finden Sie hier einige Tipps.
  • Eine Anleitung zum Verschlüsseln von Festplatten finden Sie hier.
  • Wie Sie sich mit Material im Wert von 65 Euro einen Tarnkappen-Router bauen, der Ihre IP-Adresse verschleiern kann, lesen Sie hier.

Und regelmäßig in dieses Blog schauen. Dann erkennt man, dass „deutsche E-Mail-Provider“ nun wirklich nicht die Lösung sind. Aber Unverschlüsseltes ist eben Postkarte an alle.

Syria

12. April 2013

Ein aktueller, lesenswerter Nachtrag von Hal Faber in seiner heutigen wwww-Kolumne:

„…Nach Boston wird die Forderung, mehr Videokameras zu installieren zum allseits beliebten Laute-Post-Spiel. Was die Attentäter bewegte, ausgerechnet in einer der am besten überwachten Einkaufsstraßen die Bomben zu deponieren, kommt gar nicht erst ins Bild der allfälligen Diskussionen. Noch interessanter ist die Frage, wie schnell eine Radikalisierung ablaufen kann. Da ist das Internet mit seinen Hatzvideos und den Bastelanleitungen der nächste Sündenbock. Irgendwie muss es doch zu überwachen sein, als Fahndungsmedium taugte es jedenfalls nichts. In Gaza, im Irak, in Mali, in Syrien ist Alltag, was die Bilder von Boston zeigen…“

Syria

Zurückstellen

30. Oktober 2011

Na, auch die Uhr heute Nacht eine Stunde zurückgestellt? Nun, Hal Faber, der seit fast 12 Jahren mit seiner Sonntagskolumne wwww (was war, was wird) auf heise.de Kritisch-Produktives aus Hannover blogt, erinnert  heute an ein anderes Zeigerdrehen:

„… Stellen wir die Uhr ein bisschen weiter zurück, mal gleich ein ganzes Jahr. Da wurde hanebüchener Mist in Gold verwandelt: Am 28. Oktober 2010 beschloss der Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Ein rot-grünes Gesetz vom Atomausstieg aus dem Jahre 2002 wurde mit dieser Verlängerung elegant geschreddert. Dem Beschluss vorausgegangen war eine gut eingefädelte PR-Kampagne, für die die Atomlobby ein paar Millionen Euro ausgab, eine Summe, die ein Atomkraftwerk an drei Tagen wieder einspielt. Die Details dieser Kampagne wurden von Whistleblowern der tageszeitung zugespielt, die diese jetzt ausbreitet: Fingierte Frauenvereine pro Atomkraft, luxuriösen Bildungsreisen von „Key-Journalisten“, das Einspannen angesehener Redner oder der Kauf von einem Gefälligkeits-Gutachten eines ehrbaren Moral-Professors mit anschließender Bezahlung über die Ehefrau, das ganze Register der Bestechlichkeiten und eingekaufter Meinungsumbrüche wurde gezogen. Die Agentur Deekeling Arndt Advisors lieferte beste deutsche Wertarbeit beim Umwerten störender Wertmaßstäbe ab. Dabei ist nicht so sehr die Kampagne interessant, sondern die Leichtigkeit, mit der Politik-PR getrieben wird. Die Aufdecker sprechen von von einer „demokratiepraktischen Komponente“, wenn sie den „Instrumentenkasten der Macht“ in seiner ganzen konkret belegbaren Wirksamkeit öffnen. Besonders schlecht kommt der Journalismus dabei weg. Bezahlt, bewirtet und belabert wird, erstaunlich kostengünstig, die vierte Macht im Staate zur fünften Kolonne der Atomlobby….“

Gestern habe ich die Enthüllungen im  taz-Artikel gelesen. Seither frage ich mich, was von dieser Schmierenkampagne auch ins Emsland getropft ist und bin auf der Suche nach AKW-Lingen-RWE-Belegen. Vielleicht können mir ein paar freundliche Leser dieses kleinen Blogs helfen. Für Tipps bin ich sehr dankbar.

50

28. August 2011

Heute vor 50 Jahren erschien die Platte, mit der das Plattenlabel Motown seinen ersten Nr.1-Hit hatte und die Motown-Wunderstory begann. Die Marvelettes mit ihrer Leadsängerin Gladys Horton (R.I.P) sangen „Please, Mr. Postman“, am Schlagzeug dabei: der junge Marvin Gaye, bekannt mit Heard it through the Grapevine. Noch heute kann man mit dem Streit, wer denn hier die Ersten waren, ganze Kneipenabende verbringen.
(gefunden bei Hal Fabers WWWW – heise.de)

Oben ein O-Mitschnitt aus den 1960er Jahren unten ein Remake mit den Marvelettes aus dem Jahr 2005.