Enttäuschend könnte wohl das richtige Wort sein, wenn es um bezahlbaren Wohnraum in Lingen geht. Zwar gibt es inzwischen die Lingener Wohnungsbaugesellschaft; doch sie kommt nicht recht vom Fleck. Gut 70 Wohnungen entstehen zwar zur Zeit am Brockhauser Weg. Anschlussprojekte aber sind Mangelware. Dabei hatte OB Krone verkündet, es sollten rund 30 öffentliche geförderte Wohnungen entstehen und zwar jährlich.

Stattdessen werden weitere Baugebiete für Einfamilienhaus-Bebauung entwickelt, und mit ihnen wird rund um die Stadt Landschaft zersiedelt und versiegelt. Das ist in Zeiten der Klimakrise schlecht. Die aktuell geplanten Baugebiete liegen rund 5 km vom Stadtzentrum entfernt. Busse und Räder sind angesichts schlechter Rahmenbedingungen hintendran. Auf diese Weise produziert unsere Stadt also weiter Pkw-Individualverkehr. Auch überhaupt nicht gut  fürs Klima. Im Stadtzentrum und den alten Wohngebieten gibt es kein Gegensteuern dieses OB gegen die Spekulation mit Grund und Boden.

Längst sind neue, kommunale Baugrundstücke in Lingen nicht mehr preiswert sondern ausgesprochen teuer. In Altenlingen versteigerte die städtische GEG schon vor drei Jahren städtische Grundstücke meistbietend für 270€/qm an Bauträgergesellschaften, in Darme forderte die städtische GEG-Gesellschaft unlängst Preise von 170€/qm. Dann wird wieder erklärt, wieviel-fach die Bewerberlisten überzeichnet seien. Doch immer kommt es zu Nachrückerrunden, nicht selten auch mehr als ein Mal, und zu Neuausschreibungen. Denn die kommunal entwickelten Grundstücke sind für viele unbezahlbar! Alles an Planungs- und Personalkosten rechnet die Kommune bzw. ihre Gesellschaft in die Kalkulation ein. Während Unternehmen städtische Grundstücke häufig fast für umme erhalten, sieht es für Familien ganz anders aus: Die Preise dieser kommunal entwickelten Grundstücke sind daher schon längst alles andere als familienfreundlich. Trotzdem aber wird mit Inbrunst das Narrativ bemüht, man plane und brauche  „Baugebiete“ für „junge Familien“. Dabei sind die neuen Baugebiete auch noch oft so gelegen, dass „junge Familien“ regelmäßig zwei Kfz benötigen (oder das jedenfalls meinen). Das ist teuer und vor allem klimapolitisch falsch.

Gleichzeitig überbieten sich aktuell die im Rat der Stadt vertretenen Parteien mit Vorschlägen, wie künftig die Grundstücke in den neuen Baugebieten vergeben werden sollen, also die  CDU, die SPD, die FDP und die Grünen. Dazu haben CDU & SPD ganze Paragrafenwerke entworfen. Wir erleben staunend den Versuch, alles und jedes fein kompliziert-abgestimmt zu fördern, was man  -ich vermute- weniger für Familien mit Kindern als vielmehr vor allem für die eigene Ortsteilklientel möchte. In Wahrheit entsteht so bloß ein dickes Regelungspaket, das niemand mehr durchschaut. Um die erdachten zahlreichen Normen umzusetzen, werden auch noch zusätzliche Mitarbeiter im Rathaus benötigt, die jede Bewerbung sichten, prüfen und empfehlen müssen; das war früher schon personalaufwändig, und jetzt gibt es noch mehr Personalaufwand. Und dann will die CDU auch noch die Menschen bestrafen, die falsche Angaben machen. Die sollen 30.000 Euro Vertragsstrafe zahlen – rechtlich unwirksamer geht’s kaum! Mit großer Begeisterung entwickeln CDU und SPD also bloß eine bürokratische Sackgasse.

Die Lingener BürgerNahen fordern: Die Vergabe der von der Stadt entwickelten Wohnbaugrundstücke muss klar und einfach und verständlich sein, also das Gegenteil dieser ungehemmt bürokratischen Regelungswut.

Oder wer glaubt, es werde immer gerechter, wenn es nur immer detaillierter wird?

  • Das Modell unserer Ratsmitglieder der BürgerNahen ist klar und einfach:
  1. Wer sich für ein Grundstück bewirbt, darf kein Immobilieneigentum haben. Hat ein/e Bewerber/in Immobilieneigentum, ist dies ein Ausschlusskriterium. Ausnahme: Das Immobilieneigentum wird verkauft.
  2. Eltern(teile) mit Kindern werden bei der Vergabe bevorzugt. Je mehr Kinder, desto eher ein kommunal entwickeltes Grundstück.
  3. Anerkannte Schwerbehinderte mit einem GdB ab 50 werden bei der Vergabe bevorzugt.
  4. 10% der Baugrundstücksflächen in einem neuen Wohngebiet werden für öffentlich geförderten Wohnungsbau vorbehalten.
  5. Die nicht an diese Interessenten verkauften Flächen werden an private, nicht gewerbliche Interessenten verlost.
  • Für die Bewerbung wird eine App entwickelt, in die sich jede/r Interessent/in eintragen kann. Ein Knopfdruck zeigt den Gremien, wer vorn ist.
  • Dann müssen wir noch darüber sprechen, dass flächensparend gebaut wird, also grundsätzlich nur Reihen- und Doppelhäuser entstehen und Flächen für Wohnraum nicht als Pkw-Stellplätze verwendet werden.

Verständlich ist das BN-Modell auch, oder hat jemand einen besseren Vorschlag?


Noch etwas Material als Longread für Ihre Diskussion:

Erst einmal ein Arbeitspapier unserer BN-Wohnungsbauexperten mit Anmerkungen zu den CDU-Vorschlägen:

„…Kritik und Fragen zum gewählten [CDU-]Ansatz, der kompliziert und ungerecht ist:

  • Es bleibt völlig unklar, ob pro Mitglieder einer Haushaltsgemeinschaft oder pauschal pro Haushaltgemeinschaft Punkte vergeben werden, oder wer überhaupt „der Bewerber“ ist. Wie wird es berücksichtigt, wenn bspw. ein Mitglied der Haushaltgemeinschaft sich ehrenamtlich nach den Vorgaben engagiert, aber ein anderes Mitglied ein Emsland-Rückkehrer ist? Wie wird berücksichtigt, wenn Kinder sich eherenamtlich einbringen?
  • Die Übernahme/Nachfolge von (insbesondere Handwerks-)Betrieben findet keine Berücksichtigung. Stichwort Abwanderung von Betrieben aus Lingen.
  • Die Pflege von Angehörigen wird offenbar gar nicht berücksichtig; das Handicap eines Bewerbers hingegen sehr stark. Beides sollte Berücksichtigung finden.
  • Die ehrenamtliche Tätigkeit sollte dann (stärker) ins Gewicht fallen, wenn sie in der Nähe des angestrebten Baugrunds stattfindet.
  • Eine zentrale geführte Liste ist unabdingbar.
  • Ehrenamtliche Tätigkeit sollte auch berücksichtigt werden, wenn sie nicht direkt im Vorstand stattfindet. Wer 10 Jahr Kassenwart im Schützenverein war, sollte nicht besser gestellt werden, als jmd der 10 Jahre eine Arbeitsgruppe im Heimatverein geleitet hat.
  • Wie soll jemand, der sich mit Anfang-Mitte Zwanzig auf ein Grundstück bewirbt, bspw. seit 10 Jahre 40h/Monat Ehrenamt leisten? Wenn er aber nun schon seit 4,5 Jahren bei einer Hilfsorganisation ehrenamtlich tätig ist, geht er trotzdem leer aus? Was ein Unfug! Punkte sollten dort besser „pro Jahr“ vergeben werden.
  • Jüngere Haushaltsgemeinschaften sollten generell bevorteiligt werden, solche mit niedrigem Einkommen ebenso.
  • Der unmittelbare Zugriff einer Haushaltsgemeinschaft auf Bauland im Altkreis oder Landkreis sollte zum Ausschluss einer Haushaltgemeinschaft führen; Eigentum einer einzigen (!) 1-bis-3-Zimmer-Eigentumswohnung hingegen zeugt von guter Lebensplanung und sollte einmalig pro Haushaltsgemeinschaft nicht zum Ausschluss führen.
  • Für den Nachweis der ehrenamtlichen Tätigkeiten ist es allemal sinnvoll, einfach die Teilnahme an der „Ehrenamtskarte Niedersachsen“ oder der „Lingener Ehrenamtskarte“ als Grundlage zu nehmen.  Wer eine der beiden Karten hat, bekommt Punkte. Ein doppelter Prüfaufwand ist aber mehr als überflüssig…“

Anmerkung: Die Bürgernahen haben nicht jeden dieser Expertenpunkte aufgegriffen, wie sich aus unserem 5-Punkte-Papier ergibt. Doch die Fragen und Anregungen haben uns in der Entscheidungsfindung weitergeholfen.


Hier die Stellungnahme der FDP im Wortlaut:

„…die FDP-Fraktion stellt zum o. g. Antrag folgenden Änderungsantrag.

1. Den Ort des Arbeitsplatzes des Bewerbers als Kriterium zu streichen.
Begründung: Der eventuelle Gedanke, die heimischen Gewerbebetriebe durch dieses Kriterium zu stärken, ist löblich, verstößt aus der Sicht der FDP-Fraktion gegen Art. 12 Abs. 1 des Grundgesetzes und steht dem Grundgedanken der freien Arbeitsplatzwahl entgegen. Gerade in den Ortsteilen, die weiter von der Kernstadt entfernt sind, ist ein Arbeitsplatz in der näher liegenden Nachbargemeinde nicht ungewöhnlich. Diese Bürger würden durch dieses Kriterium benachteiligt. Durch ihren Wohnsitz in Lingen tragen die in den Nachbargemeinden Tätigen über den Anteil an der Einkommensteuer zur Finanzierung der Stadt Lingen, in einer verlässlichen Größenordnung, bei. Eine Schlechterstellung ist daher aus unserer Sicht nicht angebracht.

2. Beim Verfahrensschritt 2 sind Bewerber mit Wohneigentum im Ortsteil bei der Vergabe, unabhängig von den erzielten Punkten, nachrangig zu behandeln, um jungen Paaren ohne Eigentum und Kindern die Gründung einer Existenz zu ermöglichen. Die Anwendung des ursprünglichen Vorschlages der CDU auf eine der letzten Vergaben im Ortsteil Holthausen zeigt, dass Immobilienbesitzer mit Kindern, in den letzten Jahren des Kindergeldbezuges, Vorteile gegenüber jungen Paaren besitzen, die eine Familie nach Errichtung des Eigenheimes gründen möchten.“


Hier die Stellungnahme von Bündnis ’90/Die Grünen im Wortlaut, die gestern vom Rathaus verschickt wurde:

„…Grund und Boden ist bekanntlich eine begrenzte Ressource; auch in der Stadt Lingen sind die öffentlich geförderten Baugrundstücke begrenzt und daher sehr beliebt.

In den vergangenen Jahren haben die Fraktionen „Soziale Kriterien“ in den Vordergrund gestellt; und das war richtig so. Der vorliegende Entwurf der CDU will diese zur Hälfte aufheben, wir Grüne sprechen uns dagegen aus.

Abgesehen von der inhaltlichen Fragwürdigkeit eines Losverfahrens sowie der 40% für „Ortsansässige“ widersprechen diese z. B. völlig der großen Aufgabe der Stadt, auswärtige Fachkräfte (z. B. Ingenieurinnen und Ingenieure, Facharbeiterinnen und Facharbeiter) nach Lingen zu holen. Diese Personengruppe fällt bei dem CDU-Vorschlag völlig durch und hätte dann eine um die Hälfte geringere Chance als heute.

Ähnlich schlecht sähe es für die meisten Frauen – auch in den Ortsteilen – aus, weil diese auch kaum eine Chance haben, die notwendigen Punkte bei dem wenig durchschaubaren System zu erhalten.

Die Förderung des Ehrenamtes ist sicherlich löblich. Bei dem CDU-Vorschlag Bonuspunkte für das Ehrenamt scheint jedoch ein Begriff von Ehrenamt durch, der mehr als überholt ist (instituti-onell organisiert) und noch vielmehr bevorzugt die Vorlag ein altbackenes Familienmodell: Für das Ehrenamt braucht man nicht nur Motivation, sondern schlicht auch Zeit. Kinderbetreuung ganztags ist immer noch nicht selbstverständlich und flächendeckend, für viele Familien ein Problem. Bei manchen mag es ja daran liegen, dass (meistens) Frau auch arbeiten möchte (was sie bitte auch ohne Nachteile können muss). Bei vielen aber besteht die Wahl faktisch nicht. Zwei Einkommen werden gebraucht. Und gerade die würden dadurch doch benachteiligt, weil sie zeitbedingt kein Ehrenamt in welcher Form auch immer ausüben können. Wer doppelt arbeitet und seine „Restzeit“ dann den eigenen Kindern widmet, sollte nicht benachteiligt sein.

Wir unterstützen den SPD-Vorschlag, dass aus „sozialen Gründen“ ein Rabatt gewährt wer-den sollte, jedoch sollten es nicht 1% sondern 10 % sein.

Warum sollten Kinder bis 25 Jahre berücksichtigt werden, wenn diese selbst einer Erwerbs-tätigkeit nachgehen, die möglicherweise bald ausziehen? Ein Bezug von Kindergeld dürfte nicht als weitere Bevorzugung dienen.

Zusammenfassend begründen die Grünen ihre Ablehnung:

1. Das Bauland ist in Lingen knapp und teuer und sollte daher nach den bisherigen „Kriteri-en“ vergeben werden
2. Man tut damit alles, damit es schnell an privat verkauft wird.
3. Mit dem “Punktesystem” könnte einem Missbrauch Tür und Tor geöffnet werden.
4. Frauen und auswärtige Fachkräfte werden benachteiligt.
5. Das bisherige Argument der Ortsteile, wir müssen darauf achten, dass Schulen und Kindergärten genügend Kinder als „Nachwuchs“ bekommen, wird hiermit aufgegeben.
6. Vermögende Menschen und deren Kinder erhalten bezuschusste Grundstücke und wer-den immer reicher – unabhängig von ihrer familiären Situation.“


Anmerkung: Ich habe nur das Papier der CDU in den Ratsunterlagen gefunden. Die anderen Papiere werden dort nicht veröffentlicht.

 

4 Wände.

2. Juli 2018

4 Wände.
Von Familien, ihren Häusern und den Dingen drumherum.
Eine Ausstellung zum Einfamilienhaus in Deutschland seit 1950,
noch bis zum31. Januar

Cloppenburg – Museumsdorf
bis 31. Oktober: 9.00 – 18.00 Uhr 
bis 31. Januar: 9.00 – 16.30 Uhr
Eintritt 6,50 € Erw., 4,00  (ermäßigt), Kinder 2,50 

„Sie leben in einem? Gut möglich. Sie waren schon in einem? Noch wahrscheinlicher. Zwei von drei Wohngebäuden in Deutschland sind Einfamilienhäuser, 15,5 Millionen gibt es, täglich kommen etwa 270 neue dazu. Und wenn Sie noch keines besitzen, dann sehnen Sie sich wahrscheinlich nach einem. Hat die Bundesstiftung Baukultur ermittelt.

Während der Diskurs ums Wohnen vor allem von steigenden Mieten und Verdrängung als Großstadtphänomene beherrscht wird, kommt dieser Traum ziemlich vieler Menschen in Deutschland außerhalb von Werbung und Wohnzeitschriften bislang kaum vor.

Das Museumsdorf Cloppenburg macht da eine Ausnahme: Mit der Ausstellung „4 Wände. …“ ergründet es den Wunsch nach Eigenheim mit Carport – und die Probleme, die er mit sich bringt. Denn die vermeintlichen Traumhäuser sind längst Teil der neuen Wohnungsfrage, die sich eben nicht nur um ästhetische Befindlichkeiten und angesagte Viertel dreht, sondern vor allem um eine existenzielle Ressource: Einfamilienhäuser tragen wesentlich zum rasanten Flächenverbrauch der fortschreitenden Suburbanisierung bei.

Damit sie bezahlbar sind, stehen sie meistens dort, wo sie nicht gebraucht werden: in der Peripherie, fernab von Arbeitsplatz, Kitas, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten oder Kultur. Mit jedem Neubaugebiet verschwindet ein Stück unversiegeltes Land. Und wer „gebaut“ hat, dem reicht längst nicht mehr nur ein Auto, der braucht zwei, um den hektischen Arbeits- und Familienalltag zu bewältigen.

Spätestens hier wird die Wohnungsfrage zur Systemfrage: Wie wollen wir eigentlich leben? Warum kriegen wir immer nur faule Kompromisse hin? Wann wurde aus familiär-kollektiven ländlichen Wohnmustern ein Finanzprodukt für die bürgerliche Kleinfamilie?

Das Museumsdorf hat sich kein exemplarisches Fertighaus aufs Gelände stellen lassen, um das Thema zu bearbeiten. Die Kuratoren hatten stattdessen einen genialen Einfall: Sie haben den Zaun des Museumsdorfs geöffnet und kurzerhand die ganze angrenzende Einfamilienhaussiedlung zur Ausstellungsfläche erklärt.

Augenzwinkernd wird hier postkolonial-korrekt die volkskundliche Praxis der Präsentation spezifischer Lebensweisen aufs Korn genommen. Doppelbödig zwar, aber ohne jede Häme und in enger Zusammenarbeit zwischen Museumsmachern, Wissenschaftlern und Nachbarschaft.

Schließlich stellt sich allein ob des Sujets die Frage, wer hier wen oder was ausstellt. Als MuseumsbesucherIn mit Faltblatt in der Hand ist man zwischen gepflegten Vorgärten und gepflasterten Auffahrten genauso Teil der großen Truman-Show, wie die dort Lebenden und ihre vier bis vierzig Wände.

Das Freilichtmuseum eröffnet mit dieser unbedingt sehenswerten Ausstellung ungeahnte Perspektiven auf einen Baubestand, der so alltäglich ist, dass er kaum auffällt. Erzählt wird…“

[weiter bei der taz]

gierig

26. Juni 2018

Vor zwei Jahren überkam es den Oberbürgermeister und seine treuen CDU-Mannen und sie beschlossen, drei Baugrundstücke in Altenlingen meistbietend zu veräußern. So kamen für Lingen bis dahin unbekannte Preise von bis zu 290 Euro/Quadratmeter heraus. Für Wohngrundstücke in einem Stadtteil. Jetzt beschlossen der Oberbürgermeister und seine treuen CDU-Mannen einen Quadratmeterpreis von 170 Euro für ein kleines neues Wohngebiet am südlichen Ende der Rheiner Straße. Der Preis ist überhöht und das Ganze ist auch sonst mindestens aus drei Gründen bemerkenswert:

Einmal erfolgte die Kaufpreisfestsetzung gegen den einstimmigen Beschluss des Ortsrats Darme, der einen deutlich geringeren Preis wollte. Zweitens wurde den Ratsgremien in der Beschlussvorlage 146/2018 nicht einmal -wie sonst immer- eine Berechnung der Gestehungskosten vorgelegt, die aber bei lediglich 110 Euro/Quadratmeter gelegen haben, und drittens lautete die Begründung, dass gerade auch in Laxten ein ähnlich hoher, deutlich über den Gestehungskosten liegender Verkaufspreis festgelegt worden sei.

Damit konfrontiert hab ich dazu in den städtischen Beratungen erwidert, dass man einen Fehler nicht wiederholen dürfe und der Preis in Laxten sei ein Fehler. Denn unsere Stadt sei nicht dazu berufen, mit Grundstücken auf Kosten der Häuslebauer Geschäfte zu machen und zu spekulieren.

Für die oft zitierten jungen Familien und ihren Wohnungsbau jedenfalls sind derartige Quadratmeterpreise unbezahlbar, was dem Oberbürgermeister und seinen treuen CDU-Mannen aber wurscht ist.

Sie haben einfach beschlossen, dass bei 110 Euro/qm Gestehungskosten für die Stadt pro Quadratmeter 60 Euro draufgeschlagen und kassiert werden. Das ist gleichermaßen familienfeindlich, unsozial und gierig.

Wie es auch anders geht, zeigt das nachfolgende Video aus Bayern, wobei die darin empfohlene Abgabe an Wohnungsbaugenossenschaften auch nicht immer zum Erfolg führt. So läuft der nach dem Ausscheiden des AfD-Mannes Wendelin Wintering als Vorstand der Nordwest-Wohnungsbaugenossenschaft verbliebene Christian Luhm zu den Genossenschaftsmietern an der Adolfstraße und tut sich mit allerlei Bemerkungen hervor, um die Mieter,aus den günstigen Genossenschaftswohnungen hinauszudrängen (mehr…).  Ich höre dazu, dass diese Mieter nicht einmal Mitglied der Genossenschaft werden dürfen…

Mitnahmeeffekte

21. April 2018

Wirklich, das will ich vor dem Wahltag noch los werden. In der Podiumsdebatte am vergangenen Montag habe ich aus meiner Meinung keinen Hehl gemacht, dass nur das Ausweisen von weiteren Landwirtschaftsflächen für den Wohnungsbau keine nachhaltige Wohnungsbaupolitik darstellt. Es nutzt der Ökonomie wenig und schadet der Ökologie.

Das folgt schon daraus, dass nun wirklich nicht jede/r mehr als 300.000 Euro für ein neues Wohnhaus ausgeben kann. Wir brauchen zusätzliche neue Wege, um Wohnraum für alle zu schaffen:

Mit der Gründung der Wohnungsbaugenossenschaft LWB Lingener Wohnbau eG besitzt unsere Kommune jetzt ein Instrument, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dass diese Gründung vier Jahre und nach der Gründungsversammlung noch einmal vier Monate gedauert hat, bis sie im Genossenschaftsregister eingetragen, also handlungsfähig ist sehr nervig, aber nicht zu ändern.Die Genossenschaft muss bezahlbare Wohnungen auch in den Ortsteilen bauen und auch für Studenten, weil sie mit ihren WG’s auch angestammte Mieter aus 3-Zimmer-Wohnungen verdrängen, die dann an Studenten-WGs vermietet monatlich 700  Ertrag bringen, bei einer Familie aber nur 450 Euro.

Wir müssen etwas gegen die Gentrifizierung tun. Sie ist kein Großstadtproblem: Mein Einsatz und der Kampf der Bürgernahen für den Erhalt der beiden Mehrfamilienhäuser am Beginn der Straße „Am Neuen Friedhof“ waren vergeblich. Die Bagger haben intakten, bezahlbaren Wohnraum in dieser Woche vernichtet. Jetzt entstehen dort Kleinapartments für Lingener, die mehr als das Doppelte an Mieten zahlen können. Ich rechne mit Monatsmieten von 9 bis 10 Euro in den künftigen Wohnungen. Insgesamt zeigt sich eine ausgesprochen schlechte Entwicklung, wenn dafür intakte Häuser abgerissen werde. Wr müssen also handeln um Mieter in günstigen Wohnungen zu schützen und diese Wohnungen nachhaltig zu modernisieren, angesichts der vielfachen öffentlichen Fördermittel meines Erachtens kein Problem. Eingeführt werden sollte ein allgemeines kommunales Vorkaufsrecht, um gewachsene Stadtteile vor Spekulation zu sichern.

Das gilt auch für Baulücken. Hier hat die Stadt inzwischen ein Baulückenkataster geschaffen, das ständig aktualisiert werden muss.

Notwendig ist auch der Ausbau des Projekts „Jung kauft Alt“. Seine nach jahrelangen Debatten beschlossene Variante ist allerdings in Lingen mit 75.000 Euro so bzw zu klein angelegt. Es kann wirklich nichts anderes bewirken als flotte Mitnahmeeffekte.

Und, wenn es um neue Baugebiete geht, die ich ohnehin lieber Wohngebiete nennen möchte, kann Bauern erschinglicher werden. Eine Lösung dafür ist die Vergabe von Erbbaurechten. Bei einem aktuellen Grundstücksgeschäft im Stadtteil Bramsche habe ich den Bischof in Osnabrück gebeten, jedenfalls auch Grundstücke im Wege des erbbaurechts zu vergeben. Dies ist auch deshalb ein guter Weg, weil die Kirche bei Familien mit Kindern geringere Erbbauzahlungen verlangt (mehr…) Der Bischof hat reagiert und ich hoffe auf ein Ziel führendes Gespräch mit den Verantwortlichen in der Diözesanspitze. Die Wohnungsbauförderung des Bistums ist auch ein guter Vorschlag für die Vergabe städtischer Wohnungsbaugrundstücke – auch für die Ortsteile.

Ich freue mich über weitere Vorschläg für den Wohnungsbau in unserer Stadt.

„Lingen & Wohnen“

2. Mai 2017

Stefan Forster
Architekturreihe: „Lingen & Wohnen“
Lingen (Ems) – Kaiserstraße 10 b (IT/EL)
Do 4. Mai 19.00 Uhr
kein Eintritt
Im Rahmen der Architekturreihe „Lingen & Wohnen“ kommt Stefan Forster vom gleichnamigen Architekturbüro in Frankfurt am Main am Donnerstag, den 4. Mai, in das IT-Zentrum nach Lingen (Ems). Sein Werkvortrag trägt den Titel „Architektur für den Lebensraum Stadt“.
Stefan Forster gehört zu den profiliertesten Wohnungsbauarchitekten in Deutschland. Im Zentrum der Bürotätigkeit steht die Frage nach der Fortentwicklung urbaner Lebensräume und der Einbindung von einzelnen Architekturen in den städtischen Kontext. In seinem Werkbericht präsentiert Stefan Forster Projekte aus den Bereichen Stadtumbau, Konversion, Nachverdichtung und definiert Qualitätsanforderungen an den heutigen Wohnungsbau in Zeiten von Wohnungsmangel, demographischem Wandel und dem Bedürfnis nach lebensfähigen Stadträumen.
Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2017 liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau. Neben Stefan Forster und Prof. Jörg Probst konnte die Stadt Lingen dafür weitere renommierte Referenten gewinnen.
„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region. Mehr…
(Quelle)

Blaupause

12. Oktober 2015

BN-Ortsrat Joachim Reul (Altenlingen) hat recht. Zum Antrag der SPD, in Lingen 500.000 Euro städtische Steuergelder in Jahresraten a 100.000 Euro in den Bau von Wohnraum für wirtschaftlich Schwache zu stellen, sagt er: „Bezahlbarer Wohnraum ist angesichts der gültigen Vorschriften bzgl. Wärmeschutz, Heiztechnik etc. heute im Neubau kaum noch möglich. Die zu erfüllenden Kriterien sind inzwischen derartig hoch, dass eine für den Vermieter wirtschaftlich vertretbare Neubau-Miete nennenswert unter 10 Euro/m² kaum mehr möglich ist. Ein Förderprogramm von € 100.000/Jahr ist da in seiner Wirkung nicht einmal symbolisch messbar. Da die SPD Wohnraum schaffen will, sprechen wir also über Neubau. Was Neubaumieten angeht, kann man ganz gut in Reuschberge beobachten. Kaum vorstellbar, dass irgendein Bauherr sich für einen derartig überschaubaren Zuschuss dazu bewegen läßt, langfristig auf 10 bis 15 % Miete zu verzichten.“

Gibt es also Alternativen, d.h. andere, bessere Wege? Ja, sie gibt es und das ganz in unserer Nähe. Die Süddeutsche berichtete in der vergangenen Woche mit viel Anerkennung: “ Niemand soll in Containern oder Zelten schlafen müssen, das stand für die Gemeinde Sögel von Anfang an fest. Seit dem Sommer wohnen knapp 30 Flüchtlinge aus dem Sudan in der Stadt im Emsland, auf Dauer sollen hier 150 Menschen ein neues Zuhause finden. Dann wird das alte Backstein-Rathaus nicht mehr ausreichen, das vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft dient. Wo können langfristig die Menschen wohnen, die in diesen Tagen nach Deutschland kommen und zum großen Teil bleiben dürfen? Diese Frage stellen sich Verwaltungen im ganzen Land.

Bildschirmfoto 2015-10-12 um 00.34.52Die Bürger in Sögel haben eine eigene Antwort darauf gefunden. Mit Unterstützung von Stadt, Wirtschaft, Kirchen und Vereinen gründeten sie eine Baugenossenschaft. Für 800 000 Euro zeichneten sie Anteile, ein gefördertes Darlehen ist beantragt. Im Frühjahr soll das erste Mehrfamilienhaus stehen, dann können die Flüchtlinge einziehen. In ganz normale Wohnungen, so Stadtjuristin Cornelia Willigmann-Kassner, „in denen auf Dauer genauso gut eine alleinerziehende Mutter mit Kind leben kann“. Wie in einer Genossenschaft üblich, soll die Miet-Rendite an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.

Mit dieser Mitmachlösung ist die Emsland-Gemeinde viele Schritte weiter als die meisten Städte in Deutschland. Getreu dem sogenannten… [weiter hier].“

Also, liebe SPD Lingen, Ihr habt das Problem erkannt, das beileibe eben nicht nur ein Flüchtlingsproblem ist. Da seid ihr auf dem richtigen Weg und zwar auf einem Weg, den die CDU in unserem Städtchen schon vor einem Jahr aufgezeigt hat: Mehr bezahlbaren Wohnraum in Lingen. Dass diese Forderung jetzt angesichts der 500 oder 2016 doppelt so vielen Flüchtlinge noch dringender ist, wissen wir alle. Die Idee aus Sögel, die den Weg bis in die Süddeutsche fand, passt da ganz hervorragend. Sie hat übrigens auch lokale Tradition, weil schon nach dem 2. Weltkrieg eine Lingener Wohnungsbaugenossenschaft gegründet wurde, die viele Hundert Wohnungen baute, bevor sie dummerweise nach sieben Jahrzehnten vor ein paar Jahren an eine Düsseldorfer Gesellschaft verkauft wurde. Es gibt also eine Blaupause für das jetzige Problem.

Der Lingener Stadtrat will am Donnerstag den SPD-Antrag beraten und ihn nicht beschließen, so hoffe ich. Denn weitere öffentlich Bedienstete lösen das Problem nicht. Aber er wird hoffentlich an Sögel denken und eine Finanzspritze [auch aus Hannover?] oder günstige Grundstücke für eine Wohnungsbaugenossenschaft und damit für bezahlbaren Wohnraum auf den Weg bringen; das könnte schnell helfen. 

 

(Foto: Baugebiet Lingen-Reuschberge, © milanpaul via flickr)

nördlich

24. Juni 2014

Ganz für Sie und im Vertrauen hier vorab meine Rede, die ich morgen im Lingener Stadtrat halten möchte. Bitte beachten Sie die Sperrfrist: Mittwoch, 25.6., 16.15 Uhr.  Also vorher nicht veröffentlichen oder erzählen. Sie behandelt den Umgang mit der Nachverdichtung – kein schönes Technokratenwort für eine sinnvolle, nachhaltige Modernisierung unserer Stadt. Bitte:

Bildschirmfoto 2014-06-23 um 22.55.28„(Anrede)
Endlich! Die Fraktion „Die BürgerNahen“ begrüßt sehr den vorliegenden Beschlussvorschlag. Seit unserem Einzug in den Rat vor zweieinhalb Jahren haben wir immer wieder gefordert, die notwendige städtebauliche Neuorientierung bei der Schaffung moderner Wohnungen städtebaulich zu verankern. Dies war unter dem früheren Stadtbaurat nicht möglich. Während seiner Amtszeit sind nicht wenige sehr problematische Projekte ohne Abwägungsprozess realisiert worden. Das hieß dann, es sei Innenbereich und as Bauvorhaben sei dort zulässig. Diese hineingequetschten Bauvorhaben haben nicht selten den nachhaltigen Ansatz einer Nachverdichtung in Lingen diskreditiert.

Natürlich müssen sich Innenentwicklung und städtebauliche Nachverdichtung in unserer Stadt als Handlungsschwerpunkte im Städtebau etablieren. Dies folgt nicht nur aus den Vorgaben des novellierten Baugesetzbuches. Neben diesem gesetzlichen Auftrag ist die Innenentwicklung auch aus Gründen des Klimaschutzes geboten. Die nachträgliche Verdichtung bestehender Stadtquartiere führt schließlich zur effizienteren Nutzung vorhandener Infrastrukturen, also Schulen, Kindergärten, Straßen und Anlagen, Lili-Bus und Versorgungseinrichtungen beispielsweise. Sie vermeidet den Flächenverbrauch von Äckern, Weiden und Grünland. Es kommt die Bürgerschaft schlicht billiger als das Bauen auf der grünen Wiese, der nächsten grünen Wiese, einer weiteren grünen Wiese, wie dies im letzten Jahrhundert gang und gäbe war.

Doch die Verwirklichung nachbarstörender Bauprojekte im Innenbereich schadet dem Gedanken einer das Gemeinwohl und die Nachbarinteressen achtenden und beachtenden Entwicklung. Deshalb muss es zur sorgsam geführten Entwicklung von Bebauungsplänen mit Beteiligungs- und Abwägungsprozessen für Nachbarn, Alteigentümern, öffentlichen Trägern und privaten kommen. Denn dies dient dem Ausgleich der Interessen aller Beteiligter, der gegenseitigen Rücksicht und damit dem gesellschaftlichen Frieden in unserer Stadt.

Es dient übrigens auch dem wohlverstandenen Interesse der Investoren, weil nur so die dauerhafte Werthaltigkeit ihrer Bauvorhaben gesichert werden kann. Schnell zusammengeschusterte Neubauten sind morgen oft nur wertlose Althäuser.

Wir begrüßen es, dass die CDU-Mehrheit im Rat sich jetzt unserer Forderung anschließt, nicht die notwendige Nachverdichtung übereilt über’s Knie zu brechen, sondern Bebauungspläne zu entwickeln, um die Probleme städtebaulich zu lösen. Städtebauliche Notwendigkeiten bedeuten mehr als das Zustimmen zu einseitigen Vorstellungen von Investoren und Bauträgern. Wir begrüßen es sehr, dass die Union diese, unsere Position zu mehr Berechenbarkeit und Rücksichtnahme jetzt offenbar teilt.

Dies gilt jetzt für den Bereich zwischen Waldstraße und Wilhelmshöhe, über den heute abgestimmt wird. Aber es muss auch für die aktuellen und künftigen Entwicklungen in der Stroot und in Heukamps-Tannen gelten – eben überall dort, wo in gewachsene Strukturen großformatige Gebäude platzen sollen. Dort muss der Rat abwägen, was zuträglich und was erträglich ist. Dass dies einem Investor nicht nur gefällt, zeigt gerade ein Schreiben des Investors an die Fraktionen des Rates. Aber wir sind nicht dazu da, einseitige Wohnungsbaupolitik zu machen. Das ist ihm zu antworten.

Was den jetzigen, schnell entwickelten Beschlussvorschlag betrifft, so sollte er nicht oben und unten, oder besser Süden und Norden verwechseln: Das Gebiet, auf das sich der Beschlussvorschlag bezieht und für das ein Bebauungsplan entwickelt wird, liegt nämlich, lieber Stadtbaurat Schreinemacher, nicht südlich sondern nördlich der Lingener Wilhelmstraße. Entsprechend sollte der neue richtige B-Plan richtig bezeichnet werden. Baugebiet „Nördlich der Wilhelmstraße“.

Wir, „Die BürgerNahen“ stimmen zu.

[Es gilt das gesprochene Wort]“