wirklich was ändert

13. August 2014

Die Bundesregierung arbeitet nach Presseberichten an einer Offensive, die mehr öffentlich zugängliches Internet verfügbar machen soll. Insbesondere Wirte und Hoteliers sollen nicht mehr für Urheberrechtsverletzungen ihrer Kunden haften müssen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll kurzfristig vorgelegt werden. Die große Frage ist allerdings, ob es dann mit diesem gelingt, den Fuß von Innovationsbremse der namens Störerhaftung zu nehmen. Denn an sich sind Gastronomen und andere Betreiber von freien WLANs schon heute sogenannte “Access Provider”. Nach dem Telemediengesetz haften sie grundsätzlich nicht für Rechtsverletzungen ihrer Kunden.

Allerdings wird diese Freiheit dadurch konterkariert, dass nach Auffassung vieler Gerichte Haftungsregeln aus dem Zivilrecht hierdurch nicht berührt sein sollen. Durch die Hintertür werden Gastronomen also doch in die Verantwortung genommen. Was ihre Lust, freies WLAN ohne riesengroße Anmeldeprozeduren anzubieten, natürlich enorm verringert.

Man darf also gespannt sein, ob das neue Gesetz wirklich was ändert. Oder ob, wie etwa bei der Regelung der Streitwerte in Filesharing-Fällen, erst einige Anläufe bis zu einer brauchbaren gesetzlichen Lösung nötig sind.

RA Thomas Stadler zum gleichen Thema

(Quelle: Lawblog)

Hotspot

26. September 2013

Lingen ist mal wieder nicht up-to-date. Oder hinterm Mond, wer es deutsch möchte. Es gibt kein offenes, allgemeines WLAN in der Stadt und auch die Deutsche Bahn hilft nicht. Die nämlich hat zwar vorgestern bekannt gegeben, ab sofort in mehr als 100 Bahnhöfen der Republik für Besucher und Reisende jeweils täglich 30 Minuten kostenloses WLAN anzubieten. Das Projekt läuft -mit Ausnahme der ostfriesischen Metroipole Emden.- komplett am Nordwesten vorbei.Der Zugang erfolgt dabei über WLAN-Hotspots der Telekom, kann aber von Jedermann frei genutzt werden.

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Anmelden geht ohne vorherige Registrierung möglich. Es genügt, den Telekom-Zugangspunkt auszuwählen, den Browser zu starten und eine beliebige Webadresse einzugeben. Anschließend erscheint das Hotspot-Portal und man wird aufgefordert, seine Mobilfunknummer einzugeben. Daraufhin wird ein Zugangscode per SMS verschickt, der das kostenlose Surfen freischaltet. Nach Ablauf des Gratis-Zeitraums wird man automatisch ausgeloggt und kann auf Wunsch zu den regulären Telekom-HotSpot-Tarifen weitersurfen. Für Festnetz- oder Mobilfunkkunden mit einem Telekom-Tarif heißt das etwa, 9 Cent pro Minute zu zahlen – es sei denn, sie nehmen am WLAN-To-Go-Programm teil. Ohne Bildschirmfoto 2013-09-25 um 21.56.12Telekom-Vertrag muss ein Hotspot-Pass erworben werden. Die Preise beginnen hier bei 4,95 Euro für 24 Stunden. Weitere Infos stehen auf der Bahn-Website. Dort findet sich auch die Deutschlandkarte mit allen 100 Hotspots. Der Nordwesten sieht ziemlich blank aus, von Emden einmal abgesehen. Auch Lingen ist nicht vertreten. Hotspots für alle interessieren offenbar nicht sonderlich.

Allerdings: Für das Surfen zwischendurch beim Warten auf den Zug reichen 30 Minuten wohl locker aus. Insofern eine tolle Sache, die aus meiner Sicht längst überfällig ist. Wenn die Bahn nun auch noch die WLAN-Versorgung innerhalb der Züge ausbaut und ähnlich gestaltet, wäre viel gewonnen. Offenbar macht sich die stärkere Konkurrenz durch Fernbusse mittlerweile bemerkbar – dort gehört Gratis-WLAN ja oft zum Standardprogramm. Etwas skeptisch bin ich aber bezüglich der verfügbaren Kapazitäten. Wenn hunderte oder tausende Menschen gleichzeitig auf einen oder mehrere HotSpots zugreifen, sind Überlastungen vorprogrammiert. Dennoch: Eine gute Sache. Leider aber auch eben emslandfrei.

[Quelle/crosspost basicthinking-Blog; Bild: Young man sitting on the platform of a train station / Shutterstock]

Sinn und Wahn

13. Oktober 2012

Wenn die Lingener Stadtverwaltung die lokale Realität verdrängt, kommen bisweilen besondere Ergebnisse heraus. Morgen, Sonntag, ist Tag der offenen Tür auf dem neuen Campus Lingen. An der nach Wilhelm Eins benannten Kaiserstraße, und damit da, wo früher Hunderte Eisenbahner Lokomotiven schweißten, wird künftig gelehrt, studiert, geforscht. Die alten Lokhallen I/II sind umgebaut und sie lohnen –auch ohne WLAN– den Besuch. Es wird also viel Betrieb sein, haben sich unsere Autofahrer im Rathaus gedacht und informieren auf ihrer Internetseite:

Los geht es um 10 Uhr mit einer Feier der Religionen. Im Anschluss, 11 Uhr, wird der Leiter des Standortes, Prof. Dr. Frank Blümel, die Gäste herzlich auf dem neuen Campus-Gelände willkommen heißen. Es folgt der Frühschoppen mit Promizapfen und der BigBand des Institutes für Musik der Hochschule Osnabrück. Der Erlös kommt einem guten Zweck zu Gute. Jeweils um 12.45 und 13.45 Uhr beziehungsweise 10 und 16 Uhr sind dann entweder „Zelluloid Theater“ oder „Sinn und Wahn“ im Wechsel auf der Bühne zu sehen. …
Und der Clou:
Aufgrund des Tages der offenen Tür  ist rund um die Hallen I und II an der Kaiserstraße in Lingen mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Besucher sollten möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel und auf die Parkplätze im weiteren Umfeld ausweichen. Die öffentlichen Parkhäuser sind an diesem Tag von 9.00 Uhr – 20.00 Uhr geöffnet.
Sonntag in Lingen und der Ratschlag: Weichen Sie bitte möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel aus! Nun, erst mal ist es schon reichlich Siegmund Freud, auf öffentliche Verkehrsmittel „auszuweichen“ (Emsland!) und sie nicht etwa schlicht zu nutzen. Doch dann stellt sich vor allem die Frage, welche öffentlichen Verkehrsmittel sich sonntags bei uns bewegen. Da fährt doch in unserem Städtchen nüscht!
Also, Ihr Lingener Promizapfen, Freunde der Hochschule und ihres Campus‘: Eigentlich ist der notwendige Tipp ganz simpel: Kommt, liebe Lingener, aber nutzt das Rad.
ps Dass mir jetzt wegen öPNV niemand  die Ausrede Deutsche Bahn nennt. Das gilded nicht (Emsland II !) für Lingener, die die Stadtverwaltung informiert, auch wenn einige Emsbürener in Leschede ihren gerade nach Bahn-Schema F umgebauten, zweitgeteilten Bahnhof erwandern könnten: Östliche Seite Abfahrt, zu Fuß 400m entfernt an der westlichen Seite dann die Rückkehr…
Gespannt bin ich, ob die Theatertruppe „Sinn und Wahn“ in ihren morgigen Auftritt eine szenische Lesung der städtischen Presseerklärung einbindet. Passen würde es.