Willy Brandt

8. Oktober 2017

Willy Brandt ist einer der herausragendsten deutschen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Heute vor 25 Jahren ist er gestorben. Seine Biografie ist vom Widerstand gegen das Nazi-Regime und seinem Engagement für ein vereintes Europa geprägt. Sein spannender Lebensweg beginnt im Lübecker Arbeitermilieu und führt Brandt nach mehreren Jahren im skandinavischen Exil als Bundestagsabgeordneten und Bürgermeister West-Berlins, schließlich als Bundeskanzler nach Bonn.

Eine Woche nach seiner Wahl zum Bundeskanzler steckt Willy Brandt in seiner Regierungserklärung den Kurs der Regierung ab, die erstmals von SPD und FDP gebildet wird. Seine Rede im Deutschen Bundestag ist ein Signal des Aufbruchs. Brandt kündigt Reformen im Innern und eine neue Ost- und Deutschlandpolitik an. Die Kernbotschaften der sozial-liberalen Koalition an die Bürgerinnen und Bürger lauten: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ und „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden — im Inneren und nach außen.“

Während er hierzulande angefeindet wurde, erhält er in dem Land den Friedensnobelpreis, das ihm während der NS-Zeit Schutz gewährt hatte. Nach seinem Rücktritt 1974 trägt Willy Brandt maßgeblich zur Verbreitung von Frieden und Demokratie in Europa und auch weltweit bei.

Umfassende Informationen über das Leben und Wirken Willy Brandts finden Sie auf der neuen Online-Biografie Willy Brandts.

 

Günter Grass +

13. April 2015

220px-Günter_Grass_auf_dem_Blauen_SofaHeute morgen ist Günter Grass in Lübeck verstorben. Der Literaturnobelpreisträger wurde 87 Jahre alt.In unserem Städtchen ist er, im Gegensatz zu Nordhorn, nicht gewesen; so glaube ich. Doch in Cloppenburg und umzu kämpfte er 1965 für Willy Brandt. Damals, 1965,  als in Südoldenburg schon der Gedanke an die SPD innerhalb und außerhalb der katholischen Gotteshäuser viel mehr als eine lässliche Sünde war.  Und das so sehr, dass sich sogar Hans Lemp, damals der SPD-Bundestagskandidat im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta,von Grass distanzierte [1969 hat er sich dafür entschuldigt. Lemp, nicht Grass]. Er war für die „moorlochtiefen“ Südoldenburger, wie er selbst schreibt, „der Leibhaftige“ – dieselbe Beurteilung, die vor 12 Jahren zwanglos ein pöbelnder taz-Kolumnist Wiglaff Droste erreichte.

Heute trauert mit großem Respekt vor seinem politischen und schriftstellerischen Werk auch die rechtsgewirkte SPD Weser-Ems um den großen Literaten Günter Grassund nicht nur die.

Günter Grass‘ Besuch in Cloppenburg fand großes Interesse. 4000 Zuhörer hörten ihm in der „Münsterlandhalle“ zu. Die Veransattung wurde von Konservativen und Eier werfenden Jung -Unionisten massiv gestört. Grass berichtete darüber in seinem Buch: „Mein Jahrhundert“:

„…. Nein, lieber Freund, kein Verschleiß. Ich lerne dazu, sondiere langangestauten Mief, bin auf Schneckenspur, komme in Gegenden, in denen noch immer der Dreißigjährige Krieg tobt, jetzt, zum Beispiel, nach Cloppenburg, schwärzer als Vilshofen oder Biberach an der Riß. Gustav Steffen steuert uns pfeifend durchs flache Münsterland. Kühe, überall Kühe, die sich im Rückspiegel vermehren und die Frage aufwerfen, ob hierzulande sogar die Kühe katholisch sind. Und immer mehr vollbepackte Traktoren, die wie wir in Richtung Cloppenburg fahren. Es sind vielköpfige Bauernfamilien, die dabeisein wollen, wenn in der von uns gemieteten Münsterlandhalle der Leibhaftige spricht…

Zwei Stunden benötige ich für die Rede »Es steht zur Wahl«, die sonst in knapp einer Stunde vorbeirauscht. Ich hätte auch mein »Loblied auf Willy« vom Blatt weg posaunen können oder »Des Kaisers neue Kleider«; doch diesen Tumult hätte selbst eine Lesung aus dem Neuen Testament nicht beschwichtigt. Auf Eierwürfe reagiere ich mit Hinweisen auf »verschleuderte« Subventionen für die Landwirtschaft. Gezischt wird hier nicht. Hier geht es handfester zu. Einige Bauernjungs, die gezielt mit Eiern warfen und auch trafen, werden mich vier Jahre später, als nunmehr bekehrte Jungsozialisten, zur zweiten Runde nach Cloppenburg einladen; doch diesmal ermahne ich die Eierwerfer aus moorlochtief katholischem Wissen: »Laßt das, Jungs! Sonst müßt ihr am nächsten Sonnabend eurem Herrn Pfarrer ins Ohr beichten …«

Als wir den Tatort, beschenkt mit vollem Eierkorb – die Gegend um Vechta und Cloppenburg ist bekannt für drangvolle Geflügelfarmen -, verließen und ich ziemlich bekleckert den Beifahrer abgab, sagte Gustav Steffen, der wenige Jahre später bei einem Verkehrsunfall ums junge Leben kam, mit Blick auf den Rückspiegel: »Geht bestimmt schief, die Wahl. Aber hier, das hat Stimmen gebracht.“

Mehr auch in diesem kleinen Blog. Hier. Und in dem Buch aus Anlass des 85. Geburtstages des jetzt Verstorbenen: Kai Schlüter (Hrsg.): Günter Grass auf Tour für Willy Brandt – Die legendäre Wahlkampfreise 1969

(Foto: Günter Grass im Gespräch mit Wolfgang Herles 2006 Uploaded by Magiers, CC BY 2.0; Quelle)

Willy wäre 100

1. Dezember 2013

WillyBrandtAm 18. Dezember jährt sich Willy Brandts Geburtstag zum 100. Mal. Das gesamte Jahr 2013 stand bereits im Zeichen dieses großen Jubiläums. Zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen, Buchpublikationen sowie Sonderveröffentlichungen diverser Zeitungen und Zeitschriften haben das Leben und Wirken Willy Brandts gewürdigt. Im Dezember finden nun die offiziellen Festveranstaltungen statt, die  die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung  mit verschiedenen Kooperationspartnern ausrichtet.

Ein weiterer Höhepunkt ist am 12. Dezember im Neuen Stadthaus in Berlin die Uraufführung des Theaterstücks „Willy 100 – Im Zweifel für die Freiheit“ in Berlin. Der Autor und Regisseur Jakob Wurster inszeniert einen Theaterabend, der sich auf den geheimen Aufenthalt Willy Brandts 1936 in Berlin konzentriert. Der 22-jährige Brandt reist mit gefälschten Papieren aus dem norwegischen Exil nach Berlin, um den Widerstand gegen das NS-Regime zu unterstützen. Dabei gerät er oftmals in brenzlige Situationen. Die Stiftung stand dem Autor beratend zur Seite und gestaltet in Zusammenarbeit mit dem Jugend-Theater Strahl ein schulisches Begleitprogramm zu den Aufführungen. Weitere Informationen finden Sie hier.

(Foto: Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung)

Wahlkampfreise

15. Oktober 2012

Wahlkampfjahr 1969. Ein halbes Jahr lang tourt Günter Grass 1969 durch die
Bundesrepublik, meist in einem alten VW-Campingbus, und macht Wahlkampf
für die SPD und sein Idol: Willy Brandt. 32.000 Kilometer ist er
unterwegs, spricht auf über 100 Veranstaltungen zu rund 60.000 Menschen,
gibt 46 Pressekonferenzen und ungezählte Interviews.
Kai Schlüter zeichnet die legendäre Wahlkampfreise nach. Er hat mit
Günter Grass und seinen damaligen Weggefährten gesprochen und die Spur
der Politik in Grass’ Werk verfolgt. Über 50 historische Fotos lassen
eine Zeit, in der von Politikverdrossenheit noch nicht die Rede war,
zugleich bildlich wieder aufleben.

Buchpräsentation aus Anlass des 85. Geburtstages von Günter Grass:

Kai Schlüter (Hrsg.): Günter Grass auf Tour für Willy Brandt – Die
legendäre Wahlkampfreise 1969

Buchpräsentation
im Forum Willy Brandt  –  Unter den Linden 62-68
10117 Berlin

Dienstag, den 16. Oktober 2012, Beginn 18.00 Uhr, Eintritt frei.

Mehr erfahren Sie hier …

Willis

30. Mai 2011

Es gibt Neues aus der Werkstatt der lokalen Sozialdemokratie:

Wie kann man nur als Sozialdemokrat solch einen Namensfehler produzieren und vor allem nicht einmal bemerken? Die LT-Redakteure haben es sofort gesehen und die Pressemitteilung korrigiert. Bei der SPD steht es seit einem Tag falsch auf der Internetseite.

Und nicht, dass Sie jetzt glauben, der Willi-Fehler sei ein einmaliges Versehen in der Überschrift. Hier ein Screenshot des weiteren Artikels:

Wenn ich das Wort peinlich nicht schon in diesem Monat verwurstet hätte, dann hätte ich es jetzt passend gefunden, Ihr Willis.

Seiters

21. Oktober 2009

PragerBotschaft_W.SchroederEx-Kanzleramtschef Rudolf Seiters (CDU) hat SPIEGEL-ONLINE ein Interview gegeben, wie es war vor 20 Jahren in Prag und Bonn und anderswo. Der CDU-Politiker aus Papenburg war unter CDU-Kanzler Helmut Kohl von 1989 bis 1991 Chef des Kanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben. Der gelernte Jurist führte in der Wendezeit die Verhandlungen mit der DDR-Regierung. Seiters ist seit November 2003 Präsident des Deutschen Rotes Kreuzes. Bei der Prager Balkon-Rede des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher am 30. September 2009 stand Kanzleramtsminister Seiters im Schatten der Scheinwerfer neben ihm. 
Die Antworten des CDU-Mannes finde ich sehr informativ, abgewogen und weise – also allemal lesenswert. Beeindruckend seine Bewertung der Leistung Willy Brandts und das offene Eingeständnis: „Wir hatten auch Glück!“

(Foto oben links: Prager Botschaft Herbst 1989; © DRK, W. Schroeder)