Oranier-Fahrradroute

30. April 2013

Bildschirmfoto 2013-04-29 um 23.49.13Seit der letzten Woche können Touristen im Grenzgebiet die Geschichte des Hauses Oranje-Nassau auf dem Fahrrad erleben. Am vergangenen Donnerstag eröffnete die  Prinzessin Margriet der Niederlande auf dem Landgut Warmelo in Diepenheim bei Enschede die Fahrradroute.  Dabei überreichten  u.a. zwei Kivelinge das erste Tourenbuch  der niederländischen Prinzessin. Die Oranier-Fahrradroute knüpft ein 230 Kilometer langes Band, das die vier Städte Lingen, Bad Bentheim, Diepenheim und Apeldoorn miteinander verbindet.

Auch Lingen  („cultureel centrum van het Emsland“) erinnert an das niederländische Königshaus Oranje-Nassau. Noch immer spiegelt sich diese Blütezeit in Gebäuden und  Architektur der Innenstadt wieder. Im Jahr 1697 sorgte Willem III.  dafür, dass Lingen eine Hochschule mit vier Fakultäten erhielt, liest man in den Veröffentlichungen. Dass die Autoren dann etwas übertreiben und unserm Städtchen gleich ein „internationaal gerenommeerde theater“ zusprechen und das Altstadtfest im September gar als jährlichen Höhepunkt preisen – geschenkt.

Der Radweg nach Apeldoorn beginnt jedenfalls am Rathaus in Lingen, dem eine Fahrradstation gut täte, bei dem Radfahrer Luft auf die Reifen pumpen können. Dann führt er  durch die Elberger Slipse und entlang des Ems-Vechte-Kanals bis nach Nordhorn. Die folgende Station ist Bad Bentheim. Hat man danach die deutsch-niederländische Grenze überschritten, gelangt man nach Diepenheim mit seinem  Schloss Warmelo. Das letzte Stück führt nach Apeldoorn, wo die Route endet.

An der Radstrecke befinden sich „reichlich Informationsschilder“, die auf die historische Verbindung der Städte zum Königshaus der Niederlande hinweisen.  „Hör-Säulen“ bieten Audio-Informationen und Smartphone-Benutzer können speziell entwickelte Apps herunterladen.

Finanziert wird das Projekt zur Hälfte durch Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Weitere Zuschüsse kamen von der Provinz Overijssel, den Gemeinden Apeldoorn, Brummen, Hof van Twente und der Stadt Bad Bentheim. Der Verein Lingen Wirtschaft und Touristik (LWT) und die Emsländische wie die Grafschafter  Sparkassenstiftung zahlten ebenfalls. Das Projektmanagement der Euregio in Gronau begleitet das Projekt.

Der neu vorgestellte Fahrradweg bildet übrigens nur einen kleinen Teil der Oranierroute. Diese ist eine ca. 2.600 Kilometer lange Autoroute, die von Amsterdam aus durch die Niederlande und Nord- und Mitteldeutschland führt. In den Niederlanden und in neun deutschen Bundesländern kann man von Westfalen bis nach Berlin und Dillenburg die Geschichte des Hauses Oranje-Nassau verfolgen.

 

(Quelle)

Preußen

30. Dezember 2011

Das einzige Porträt aus der langen Regierungszeit Friedrichs II. zu dem er persönlich Modell gesessen hat, 1763 angefertigt von Johann Georg Ziesenis; © wikipdia CC

Ziemlich sicher bin ich, dass Josef Möllenbrock, legendärer Oberstudienrat für Geschichte am Georgianum, den Übergang der Grafschaft Lingen von den Niederlanden an Preußen im Jahr 1702  stets so erklärte, die Preußen hätten nach dem Tode Wilhelms III. von Oranien und einer nicht ganz klaren Nachlasslage einfach neue Schilder „Preußen“ an- und die alten Niederlande-Schilder abgeschraubt und dabei erklärt: „Lingen haben wir geerbt. Die Grafschaft gehört jetzt uns.“ Weiß jemand, ob dazu der Lehrer des verantwortlichen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. von Preußen eine Rolle gespielt hat, jener Eberhard von Danckelman, dessen Büste vorn links im Eingang unseres Rathauses steht ?  Obwohl er zu der Zeit gerade in der Spandauer Zitadelle einsaß?  Mit dem Machtwechsel vor 309 Jahren waren jedenfalls gute 55 Lingener Jahre  zu Ende, in denen unser Städtchen  von den Niederlanden gefördert wurde – nicht zuletzt dadurch, dass Wilhelm III. von Oranien keine Soldaten im östlichsten Teil seines Königreiches etablierte sondern eine Hochschule. Dann aber kam 1702, Wilhelm Drei starb und Lingen wurde preußisch -was möglicherweise nicht ganz korrekt war (Möllenbrock). Damit geriet es in (s)eine provinzielle Randlage.

Preußisch ist -Sie ahnen es- heute mein Stichwort. 2012 ist nämlich das Preußenjahr, weil  vor 300 Jahren der spätere Friedrich II. geboren wurde. Man nannte den Preußenkönig später „Friedrich, der Große“. Ausgerechnet auf scharf-links.de, einer kernig-linken Internetseite habe ich einen ersten Beitrag zu Friedrich der Große (1712-1786) Schöngeist – Reformer – Feldherr (von René Lindemann aus Cottbus) gefunden. Er beginnt so:

„Sein Vater hat es ihm nicht leicht gemacht. Die musischen Neigungen seines Sohnes waren ihm, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ein dauerhaftes Ärgernis. Oft schlug und würgte ihn der „väterliche“Grobian so sehr, das Bedienstete um das Leben des Jungen fürchteten. Bücher flogen da auch mal ins Feuer.

Des Kronprinzen besten Freund Hans Hermann von Katte ließ der König hinrichten, nachdem ihre Flucht vor dem strengen Regime des Monarchen misslungen war: Und der Sohn musste dieser Hinrichtung zuschauen! Wahrlich – eine schwere Kindheit und Jugend. Andere wären daran zerbrochen oder auf die schiefe Bahn geraten.

Er nicht – er gelangte nach dem Tod seines Vaters (1740) auf den preußischen Thron und wurde ein großer König. Das „Große“ heftete ihm schon zwei Jahre nach seinem Regierungsantritt Voltaire ans königliche Revers. Sechsundvierzig Jahre war er König und sollte viel Eindruck machen. Mit seinem Namen sind wichtige Reformen verbunden, er galt als „Aufklärer von Potsdam“, der sich in seinen Tafelrunden gern mit großen Geistern seiner Zeit umgab. Einer von ihnen, Voltaire, der drei Jahre in Sanssouci verbrachte nannte den neuen Preußen-Herrscher auch „König der Philosophen“.

Im Gegensatz dazu stand seine Regentschaft auch….“
weiter bei scharf-links

Viel weiter komme ich mit der mir etwas beliebig erscheinenden Lindemannschen Analyse nicht. Vielleicht bringt die Ausstellung »Friederisiko« in Potsdam mehr Aufschluss über den Monarchen, über den die brandenburgische Kulturministerin Sabine Kunst (für SPD) jüngst sagte: „Der König war ruhmsüchtig und unbarmherzig und zugleich kunstsinnig und kultiviert.“ Auch das ist aber nicht wirklich neu.  Und was FriedrichZwo für „seine“ Grafschaft Lingen gemacht und gebracht hat, weiß ich schon gar nicht. Darüber könnte sich eigentlich mal Emsland-Museumschef Andreas Eyinck verbreiten. Die Schilder, die Vater FriedrichWilhelmEins anschrauben ließ, sind jedenfalls lange perdu, wenn es sie überhaupt gegeben hat. Ich bin also gespannt,  welche zusätzlichen preußischen Erkenntnisse mir 2012 bringen wird.

Wenn Sie übrigens mal aus unserer Randlage in die Potsdamer Gegend kommen: Die  Ausstellung »Friederisiko«, Neues Palais im Potsdamer Park Sanssouci, wird gezeigt vom 28. April bis 28. Oktober 2012, täglich außer Di. von 10 bis 19 Uhr, Fr. und Sa. bis 20 Uhr, der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 10 Euro, Mehr auf www.spsg.de

Mülleimerplatz-III

18. April 2010

Der Lingener Universitätsplatz ist bisher zwar nicht von allem Müll, aber immerhin von schlecht gedachten und gemachten sog. „Modernisierungsmaßnahmen“ á la „Quin“ (Motto: „Lingens Fußgängerzone… gestalterisch nach vorn bringen“) verschont geblieben. Das freut das Auge, wenn auch mit Einschränkungen.

Aber bleibt es auch so? Da bin ich mir mehr als unsicher. Denn Leser dieses kleinen Blogs wissen ja, dass an vielen Ecken stadtgestalterisch Missglücktes entsteht und länger erhalten bleiben wird, als jeder von uns lebt; denn es reicht in unserem Städtchen seit Amtsantritt von Stadtbaurat L. aus, wenn jemand „Geld in die Hand“ nimmt. Dieser mentale Irrtum (inzwischen nach seiner begeisterten Protagonistin morbus seiler-cdu genannt … 😉 ) ruiniert gerade Schritt für Schritt und schleichend bis sägend das Stadtbild. Ja, in Lingen dürfen Investoren stadtgestalterisch längst alles machen, was sie wollenvorausgesetzt, sie nehmen eben „Geld in die Hand„. Absolution wird stets mit dem dummen Satz erteilt: „So baut man eben heute!“ Den Nebensatz „weil wir es nicht besser wissen“, lässt Stadtbaurat L. weg. Meist droht dann besonders Schlimmes!

Also will ich mit meiner aktuellen Anfrage nach der Geschäftsordnung des Lingener Stadtrates nachhaken und dabei -die Mülleimerfrage sozusagen paraphrasierend 😉– auch gleich aufarbeiten, was an klebrigem Unerledigtem aufzuarbeiten ist:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Heiner,

ich bitte um Beantwortung der folgenden Anfrage in der kommenden Ratssitzung:

Am Universitätsplatz, also in exponierter innerstädtischer Lage, hat die Stadt Grundstücke an Privatleute verkauft, und zwar in den 1990er Jahren sowie Mitte des letzten Jahrzehnts. Es handelt sich um eine Parzelle angrenzend an das sog. Professorenhaus und die Fläche zwischen dem Schwesternwohnheim und dem Berning’schen Gebäude, das den Kostümfundus beherbergt. Dazu frage ich:

a) Wann sind in den Fällen die jeweiligen Kaufverträge abgeschlossen worden? Lagen bei Vertragsschluss konkrete Investitionsabsichten des jeweiligen Erwerbers vor? Haben diese Absichten als Vertragsgrundlage Eingang in die jeweiligen Kaufverträge gefunden? Wenn Ja, in welcher Form? Wenn Nein, warum nicht?

b) Enthalten die abgeschlossenen Kaufverträge jeweils eine Bauverpflichtung für den Grundstückserwerber, und wie lautet diese jeweils? Bis wann waren ggf. die Bauverpflichtungen zu erfüllen?

c) Wenn Nein, warum enthalten die abgeschlossenen Kaufverträge keine Bauverpflichtung ? Ist der Verkauf dieser innerstädtischen Liegenschaften ohne Bauverpflichtung nach Ansicht des Oberbürgermeisters sachgerecht und ggf. aus welchen Gründen?

d) Wenn Ja, teilt die Verwaltung die Feststellung, dass die Nichterfüllung einer vertraglich vereinbarten Bauverpflichtung durch den jeweiligen Käufer des städtischen Grundstücks eine Vertragsverletzung darstellt? Hat die Verwaltung die Nichterfüllung der Bauverpflichtung bemerkt? Wann? Welche Schlussfolgerungen hat die Verwaltung jeweils wann aus dem Umstand gezogen, dass den Bauverpflichtungen bislang nicht entsprochen wurde?

e) Enthalten die Kaufverträge eine Verpflichtung, vor einem Neubau archäologische (stadtgeschichtliche) Ausgrabungen durchzuführen? Wenn Ja, wann geschieht dies? Wenn Nein, warum fehlt eine solche Verpflichtung in den Verträgen, insbesondere: Hält es der Oberbürgermeister für stadtgeschichtlich sachgerecht, in derartig exponierter Innenstadtlage Baumaßnahmen ohne sachkundige archäologische Feststellungen durchzuführen?

f) Als das Grundstück des Schwesternwohnheims an das Bonifatius-Hospital veräußert wurde, fand wegen der städtebaulich exponierten Lage ein beschränkter Architektenwettbewerb statt, um den Neubau stadtgestalterisch in die Platzsituation „Universitätsplatz“ einzubinden. Ist beabsichtigt, dies auch jetzt jeweils zu tun?

g) Wenn Ja, wann?

h) Wenn Nein, warum nicht, insbesondere: Ist der Oberbürgermeister der Auffassung, dass es zur qualifizierten architektonischen Gestaltung dieses städtebaulichen Quartiers ausreicht, „Geld in die Hand“ zu nehmen und die Stadtgestaltung dann -entgegen der Praxis in den 1970/80er Jahren- allein auf der Grundlage des Bebauungsplanrahmens dem jeweiligen privaten Investor zu überlassen? Hält der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang die baugestalterische Kompetenz im Bauamt der Stadt für uneingeschränkt ausreichend?

Mit freundlichen Grüßen
Robert Koop

Darf ich Sie über die Antwort auf dem Laufenden halten?

(Grafik oben re.: Die Hohe Schule in Lingen“ – altkolorierter Kupferstich von Romeyn de Hooghe,  ca. 1700:

Dazu ein kleiner Exkurs: Dieser, in Lingen seit 1970 als schwarz-weiß-Ausgabe bekannte Kupferstich des niederländischen Künstlers Romeyn de Hooghe (1645-1708; Bild lks) zeigt den heutigen Universitätsplatz Ende des 17. Jahrhunderts. Mehr in niederländischer Sprache.
De Hooghe hatte zu Lingen eine besondere Beziehung. Lingen war damals Teil der Niederlande und deren Statthalter Wilhelm III. von Oranien, König von England, hatte den vielseitigen Mann aus Amsterdam als Direktor der Bergwerke (!?) der Grafschaft Lingen eingestellt. de Hooghe dankte es ihm u.a. mit diesem prächtigen Kupferstich. Willem III, wie die Niederländer sagen, war 1672  zum Statthalter, Generalkapitän und Admiral der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande gewählt worden. Er errichtete dann 1697 in Lingen, damals östlichster Teil der Niederlande, eine „Hohe Schule“ und verzichtete auf eine Garnison. Offenbar also insoweit ein kluger Mann (kritisches aber hier…), der allerdings kinderlos blieb. Deshalb sind wir heute deutsch. Denn nach Wilhelms Tod reklamierte 1702 der preußische König Friedrich I. die Grafschaft Lingen für Preußen und vereinnahmte sie. Damit verlor die Hohe Schule schnell ihre Bedeutung, bis sie 1819 von den Hannoveranern geschlossen wurde, nachdem die Grafschaft Lingen 1814/15 an das Königreich Hannover gefallen war. Im Jahr darauf wurde das Gymnasium Georgianum gegründet, das diesen Namen aber erst 40 Jahre später trug. Rund 175 Jahre später „korrigierten“ die Hannoveraner die Entscheidung, als Helga Schuchardt (Foto lks), parteilose Wissenschaftsministerin im Kabinett von Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD), den Standort Lingen der Fachhochschule Osnabrück einrichtete.
Die Hohe Schule war übrigens im Gegensatz zum heutigen Platznamen nie eine Universität; man konnte an ihr nicht promovieren. Sie war also eher mit einer Fachhochschule vergleichbar. Als der Platz in den 1980er Jahren von Schulplatz in Universitätsplatz umbenannt wurde, wäre also der Name „Hochschulplatz“ ehrlicher  gewesen; mit meinem entsprechenden Vorschlag konnte ich mich damals aber nicht durchsetzen. Wir haben’s aber alle überstanden!)

 

Debatte 2

17. Januar 2010

Wie Sie sicherlich wissen, erhielt heute vor 325 Jahren ein gewisser Johannes Theodat in Wien als erster ein kaiserliches Privileg für den öffentlichen Ausschank von Kaffee, während in Lingen der kluge Oranier Wilhelm III. keine Garnison sondern eine „Hohe Schule“ errichtete und die Bauleute vor allem Bier und Genever tranken. Der 17. Januar 1685 war jedenfalls die  Geburtsstunde des Kaffeehauses – Nein, nicht des Coffeeshops oranischer Prägung, liebe junge Leser. Als ich von dem Jubiläum eben las, fiel mir die Kaffeenetz-Frage aus dem vergangenen Mai ein, ob es denn bitte speziell in Lingen einen „anständigen“ Espresso gebe. Guckst Du hier. Jetzt möchte ich die Debatten-Antwort nachtragen. Denn im ‚da Sandro‚ (Parkhotel) habe ich den besten Espresso der letzten Jahre getrunken. Italien inklusive. Das muss berichtet werden.

ps Sie wissen übrigens bestimmt nicht, was unseren OB mit dem Restaurant ‚da Sandro‘ verbindet. Nun, wenn Sie nett fragen, verrate ich’s – oder hab ich die Hintergrundinformation etwa schon mal hier niedergeschrieben?