Wilhelmshöhe

12. Oktober 2019

Die Wilhelmshöhe
Ein Ortstermin mit
Andreas Eiynck und Jürgen Krieger
Lingen (Ems – Wilhelmshöhe
So 13.10. – 15 Uhr

Eintritt 10 € (einschl. Kaffee und Kuchen)

Der Heimatverein Lingen (Ems) lädt alle Interessierten zu einem ORTSTERMIN mit Bildervorträgen von Dr. Andreas Eiynck und dem Architekten Jürgen Krieger auf „die Wilhelmshöhe“ ein. Der Eintritt beträgt 10 Euro, einschließlich Kaffee und Kuchen. Dr. Andreas Eiynck berichtet in seinem Vortrag mit vielen Bildern über 174 Jahre Entwicklung der Wilhelmshöhe als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum für Lingen und das Emsland.

Mit der Wilhelmhöhe verbinden die Lingener/innen viele gemeinsame Erinnerungen, sei es an die Feste der Bürgerschützen und Kivelinge oder an die Abschlussbälle der Tanzkurse. Zahlreiche Vereine nutzten das Gebäude als Veranstaltungsort. So fand hier 1963 auch die Gründung des Lingener Heimatvereins statt. Zahlreiche Konzerte, Liederabende und Theaterstücke wurden im großen Saal aufgeführt. Auch die Kommune nutzte die Wilhelmhöhe für städtische Veranstaltungen, zum Beispiel für die 600-Jahrfeier im September 1928.

Die eigentliche Geschichte der Wilhelmshöhe begann 1845. Der aus einer wohlhabenden Lingener Bürgerfamilie stammende Wilhelm Hungelmann erwarb 1844 das Grundstück am Mühlenbach und errichtete ein Jahr später auf einem Hügel ein einstöckiges Gesellschaftsgebäude mit Gastwirtschaft und Clubzimmer. Nach einem Brand wurde die Wilhelmhöhe wieder aufgebaut und erweitert. Im Laufe der Zeit entstanden der große Saal, ein Schießstand, eine Kegelbahn und der Musikpavillon. 1925 kam Heinrich Essmann als neuer Pächter auf die Wilhelmshöhe (Foto). Die Ära Essmann währte fast ein halbes Jahrhundert.

In den letzten Jahrzehnten verlor die Wilhelmshöhe an Bedeutung. Der damalige OB Heiner Pott und ihm folgend die CDU beschlossen bor rund 10 Jahren gar  ihren Abriss. Erst als die entsprechenden Beschlüsse in den städtischen Gremien bereits gefasst waren, zeigte sich bürgerschaftlicher Widerstand, und es gründete sich ein Trägerverein, der das Ende der Wilhelmshöhe verhinderte. Ohne den Trägerverein unter dem Vorsitzenden Thomas Diepenbrock wäre dieses zentrale Stück Stadtgeschichte unwiederbringlich verloren gegangen. Aber erst durch eine Millionenspende von Frau Eva Essmann konnte das altehrwürdige Gebäude in diesem Jahr grundlegend modernisiert und mittels Vertrag mit der Hofbräuhaus Brauerei München zu neuem Leben erweckt werden.

Dem Architekten Jürgen Krieger hatte die Aufgabe, Tradition und Moderne zu verbinden. Er wird den Besuchern an diesem Nachmittag das grundlegend renovierte und erweiterte Gebäude vorstellen.

Höhe

14. August 2009

whh_150x100Unterstellen wir mal, dass es den Mannen um OB Heiner Pott tatsächlich darum gegangen ist, die Wilhelmshöhe zu erhalten; dann können sie jetzt einen Erfolg verbuchen. Eine Bürgerinitiative um den regionalen Gastronomiepapst Heinrich Essmann hat sich zusammen gefunden, um die  traditionsreiche Kulturstätte zu erhalten. Die 1848 vom Kaufmann Wilhelm Hungeling im Rahmen eines ersten Konjunkturprogramms erbaute Lingener Wilhelmshöhe bleibt auch mehr als 160 Jahre nach ihrer Fertigstellung  erhalten. Ich muss sagen, dass ich mich darüber sehr freue.
Nicht nur ein Mal  hab‘ ich vor 50 Jahren „auf der ‚Höhe'“ ein halbes Glas „Regina“-Limonade für 15 Pfennig getrunken. Meine Oma und mein Opa wohnten nebenan. Manches Fest habe ich später dort gefeiert, auch ein sehr persönliches. Ich räume ein, das macht mich beim Thema Wilhelmshöhe  sentimental.

In der Sache freue ich mich folglich über die aktuelle, vorbildliche Bürgerinitiative, die das traditionsreiche Haus erhalten will, indem sie es den lokalen Gastronomen für einzelne Veranstaltungen überlässt. Robert Blanke, Thomas Diepenbrock, Heinrich Essmann, Burkhard Kirchhoff und andere haben angesichts des drohenden Abbruchs der Höhe ebenso klug wie engagiert gehandelt. Die Stadt wird ihnen das Objekt zu einem symbolischen Erbbauzins von 1 Euro pro Jahr überlassen. Die Unterhaltskosten bis zu 100.000 Euro pro Jahr wollen sie aufbringen. Mit ihnen wird die Stadt einen Vertrag  abschließen (müssen), der denkbare Spekulationen unterbindet und die Wilhelmshöhe erhält, so wie sie ist.
Es klappt, wünsch‘ ich mir. Die ganze Stadt hätte etwas davon. Und auch wenn „die Regina“ inzwischen etwas teurer ist, werd ich zur Eröffnung ein paar Flaschen der orangefarbenen Brause ausgeben.

Wilhelmshöhe I

12. November 2008

Noch schöner wäre es, wenn sich nicht „nur“ die betroffenen Anlieger für den Erhalt der Wilhelmshöhe stark machen. Aber es ist der richtige Weg, laut und deutlich zu sagen, dass es so nicht geht, wie es die Magnolienverwaltung im Rathaus einmal mehr praktiziert.

Dabei ist der Ausgangspunkt natürlich völlig richtig: Lingens Wilhelmshöhe muss geholfen, sie muss dauerhaft saniert werden. Das 1848 von Wilhelm Hungeling als erste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Lingen geschaffene Ensemble hängt am Tropf. Es steht 360 Tage im Jahr leer. Ohnehin ist „die Höhe“, wie mein Opa Anton Hinsken immer sagte, in den letzten 30 Jahren durch Parkplätze,  eine verunglückte Sanierung des Hauptgebäudes (ein bisschen auch mea culpa!) und falsche Pächterwahl (CDU culpa!!) reichlich angeschlagen.

Jetzt soll ein Hotel her. Die Idee ist nicht neu. Schon Mitte der 70er Jahre sollte an der Nordseite zwischen Theater und der Meppener Straße ein Beherbergungsbetrieb ermöglicht werden. Tatsaächlich ist die Wilhelmshöhe ohne Hotel  nicht lebensfähig. 

Die jetzigen kommunalen Planungen, die man im Internet nachlesen kann, schütten allerdings das Kind mit dem Bade aus. Schon rechtlich sind sie zweifelhaft, weil sie trotz erheblicher Auswirkungen auf die Umwelt im vereinfachten Verfahren Fakten schaffen sollen. Im Südosten der Wilhelmshöhe, da wo die alte Kegelbahn schlummert, soll ein kartonartiger, weit über die Notwendigkeiten hinaus gehender Baubereich entstehen und damit sind die Pläne unökologisch, unsensibel, unnnötig und unintelligent – man könnte auch dumm sagen. Denn sie schaffen einen freigeholzten Raum, den ein Hotel Wilhelmshöhe gar nicht braucht. So ordnen sie das einzigartige Lingener Innenstadt-Ensemble nicht nur neu, sie ordnen es unter –  nämlich unter die nur vermuteten Interessen eines anonymen Investors. Dabei steht der nicht einmal fest oder wird bisher geheim gehalten. Einmal mehr erkennen wir ein bekanntes Strickmuster: In einem wichtigen innerstädtischen Bereich soll es nach dem Willen der Herren Krämer (Planungsamtsleiter), Lisiecki (Stadtbaurat) und Pott (OB) der Investor so machen können, wie er will.  Der Rat soll nur das Abholzen abnicken und einen Rahmen ermöglichen, in dem die Verwaltung dann das Hotelprojekt auskaspern darf.  In dieser devoten Unterwerfung öffentlicher Interessen unter private Renditeüberlegungen liegt die ganze Crux.

Dabei ist die Lösung so simpel:
Entwickeln wir das für das Überleben der Wilhelmshöhe tatsächlich notwendige Hotelkonzept -zu dem natürlich auch der Erhalt des historischen, zurecht Denkmal geschützten Saales der Wilhelmshöhe gehört- doch durch einen städtebaulichen Wettbewerb. So bekommen Fachleute die Chance, das Hotel und den Erhalt des historischen Wilhelmshöhe mit ihrem einzigartigen Baumbestand zu versöhnen, die Krämerseelen im Rathaus in Schwung zu bringen und die Investoren zu überzeugen. Davon haben dann alles etwas: Die Lingener, die Anlieger und die Investoren. Denn je mehr von der Wilhelmshöhe bewahrt wird, um so besser ist es.