Grafschaft

24. Februar 2011

Alle Tipps und Informationen zu einem schönen (kurzen) Radurlaub im westlich benachbarten Landkreis finden sich jetzt in einer neuen Broschüre „Radwandern in der Grafschaft Bentheim“. So führt die Grafschafter Fietsentour auf der 220 Kilometer langen Hauptroute einmal durch den Nachbarkreis. Dazu kommen 25 Tagestouren. Zwischen Emsland, Westfalen und den Niederlanden gelegen  ist natürlich grenzüberschreitend Rad fahren für die Routenplaner selbstverständlich. Eingebunden sind folglich auch das südliche und mittlere Emsland. Der nicht nur im Notfall hilfreiche Fietsenbus 165 fährt von April bis Oktober an allen Wochenenden  von Lingen (Ems) im 2-h-Rhythmus über Lohne, Wietmarschen und Klausheide nach Nordhorn.

Natürlich, weiß die neue Broschüre, sind alle Radrouten in der Grafschaft Bentheim einheitlich und übersichtlich beschildert. Hier finden Sie die neue Publikation als pdf-Dokument. Den besten Streckenüberblick verschafft man sich mit der Radwanderkarte zur Grafschaft Bentheim. Sie gibt es im Lingener Buchhandel (auch online) aber auch  z.B. im Online-Shop der Grafschaft-Bentheim-Touristik, wo man sich auch GPS-Tracks zu den Routen herunterladen und dann ganz bequem dem eigenen „Navigationsgerät“ vertrauen kann.

(Quelle)

Gestorben

11. August 2010

Im Wietmarscher Gewerbegebiet an der A 31 in Lohne darf kein Krematorium errichtet werden. Der zuständige Landkreis Grafschaft Bentheim hat die Genehmigung dafür verweigert. Der Kreis berief sich bei seiner Ablehnung sich auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück vom 23.04. 2010 dieses Jahres (2 A 21/09). Die Richter hatten entschieden, dass ein Krematorium in einem Gewerbegebiet auch ohne Andachtsraum nicht zulässig ist. Es ist eine richtige und gute Entscheidung.

Das sittliche, religiöse und weltanschauliche Empfinden der Allgemeinheit verbiete es, so das Verwaltungsgericht, die Einäscherung Verstorbener als reinen technischen Vorgang, losgelöst von der mit dem Sterbefall verbundenen Trauerarbeit der Hinterbliebenen zu betrachten. Deshalb sei ist auch ein Krematorium ohne Andachtsraum in einem Gewerbegebiet nicht zulässig. „Der Betrieb eines Krematoriums in einem durch stete Geschäftigkeit und Unruhe geprägten Gewerbegebiet ist mit dem sittlichen Empfinden der Allgemeinheit, insbesondere mit der in Deutschland vorherrschenden Anschauung in Bezug auf den Umgang mit Verstorbenen nicht vereinbar. Nach § 1 des Niedersächsischen Gesetzes über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen sind Leichen und Aschen Verstorbener so zu behandeln, dass die gebotene Ehrfurcht vor dem Tod gewahrt und das sittliche, religiöse und weltanschauliche Empfinden der Allgemeinheit nicht verletzt wird. Auch den Verstorbenen verbleibt hinsichtlich der Art und Weise ihrer Bestattung sowie deren Vorbereitung aufgrund der nachgehenden Wirkung des Anspruches auf Achtung der Menschenwürde noch ein über den Tod hinauswirkender Schutz.“ Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts bezieht sich auf ähnliche Urteile des Bundesverwaltungsgerichts und des Bundesverfassungsgerichts. Anderer Auffassung war allerdings vor einem Jahr das Verwaltungsgericht Münster, das die Achtung der Menschenwürde durch eine gewerbliche Totenverbrennung in einem Gewerbegebiet nicht tangiert sah- ein bemerkenswerter Ausdruck eigener richterlicher Vorstellungen von dem, was im Todesfall menschlich geboten ist (und gleichermaßen eine Abkehr von dem, was das Bundesverwaltungsgericht vorgegeben hatte).

Auslöser des Osnabrücker Verwaltungsrechtsstreits war der Plan der „Krematorium Münsterland GmbH“, nahe Osnabrück ein Krematorium zu errichten. Dazu hatte das Unternehmen auch einen Standort in Georgsmarienhütte ausgesucht. Interesse bestand an einem Privatgrundstück an der Bielefelder Straße in Georgsmarienhütte, verkehrsgünstig gelegen an der A 33. Neben einem Raum für rund 2000 Feuerbestattungen im Jahr sollte auch eine Trauerhalle entstehen. Die Stadt Georgsmarienhütte und der Landkreis Osnabrück lehnten diesen Plan ab. Konkret ging es in dem Gerichtsverfahren dann um einen Bauvorbescheid, den die Krematorium Münsterland GmbH beim Landkreis Osnabrück als Genehmigungsbehörde vergeblich beantragt hatte. Zu klären war, ob der Betrieb eines Krematoriums in einem Gewerbegebiet grundsätzlich zulässig ist. Die für Bausachen zuständige 2. Kammer des Verwaltungsgericht wies die Klage des Unternehmens ab.

Bürgermeister Alfons Eling sagte inzwischen, die Gemeinde Wietmarschen respektiere die Entscheidung des Landkreises Grafschaft Bentheim, die dieser Entscheidung folgt. Was, frage ich mich, sollte sie auch sonst tun? Ich finde es auch beruhigend, dass in einer Zeit, in der alles und jedes liberalisiert und entbürokratisiert wird, die Nordhorner Behörde einem Investor und einem Bürgermeister Einhalt gebietet, weil ihr Plan Grundüberzeugungen und -einstellungen zum Leben und zum Tod verletzte (mehr…)

Das Unternehmen, das in Georgsmarienhütte bauen wollte,  plant inzwischen nach der nicht unerwarteten Prozessniederlage – laut NOZ– übrigens in Rheine. Außerdem gibt es weiterhin Pläne für ein Krematorium in Lingen; sie oder ihre Verwirklichung ruhen offenbar im Moment, in erster Linie wegen der Planungen in Lohne, aber wohl auch wegen der OB-Wahl, nachdem bei einer Bürgerversammlung in Darme  fast alle anwesenden Einwohner -angeführt vom Darmer CDU-Ortsbürgermeister Werner Hartke- die Pläne, südlich des Waldfriedhofs ein Krematorium zu errichten, strikt abgelehnt und den anwesenden Dezernenten Dr. Büring beschimpft hatten – mit geradezu abenteuerlichen Erklärungen. Der untersuchte Lingener Standort „Schüttelsand“ in Holthausen-Biene an der Auffahrt zur B70 scheidet aus: Gewerbegebiet! Mit Blick auf die hohe Zahl von Feuerbestattungen steht das Thema aber weiterhin oben auf der Tagesordnung, und der Darmer Waldfriedhof  ist unverändert erste und beste Wahl für ein Krematorium, es sei denn, man hält das für richtig oder macht sich sonst gemein mit dem, was seinerzeit in Darme gepöbelt gesagt wurde. Das nämlich darf und wird nicht das letzte Wort der Menschen in Darme gewesen sein.

(Foto: maxirafer, creative commons)

unsachgemäß

21. Januar 2010

Aktuelle Meldung auf NDR2:

„Bei Apothekeneinbrüchen in Wietmarschen und Lohne sind Betäubungsmittel und Medikamente entwendet worden, die bei unsachgemäßer Anwendung zu schweren Gesundheitsschäden führen können! Hinweise zum Verbleib der Arzneimittel bitte an die Polizei in Lingen unter der Telefonnummer 0591 / 870.“

Es scheint mir, dass dieser Warnhinweis wenig mit Verkehrsfunk zu tun hat, mehr mit Polizeiarbeit, mit Aufklärung von Straftaten, mit Denunziation. Denn können Betäubungsmittel und Medikamente nicht immer „bei unsachgemäßer Anwendung zu schweren Gesundheitsschäden führen“? Also sollte man eher dazu auffordern, die gestohlenen Präparate anonym abzugeben, zB bei einem Anwalt. Der wird es dann schon an die Freunde mit der Rufnummer Lingen 870 weiterreichen. Da sind die Risiken und Nebenwirkungen auch ohne Packungsbeilage, Arzt oder Apotheker für die Beteiligten geringer.

Respekt

20. August 2008

Heute hatte mich (und andere Ratskollegen) die Schepsdorfer Bürgerinitiative gegen das Industriegebiet zu einer Podiumsdiskussion in den Hubertushof eingeladen. Ich fand die Veranstaltung deshalb sehr spannend, weil in der Diskussion unter der klugen Leitung von Sabine Stüting gleich ein halbes Dutzend engagierte Frauen das Wort ergriffen und fundiert gegen ein Industriegebiet im Westen Schepsdorfs auf dem Gelände des ehem. Depots bzw. Schießplatzes im Lohner Sand argumentierten. Respekt!

Ich habe außerdem erfahren, dass auf dem alten Bundeswehrgelände eine Baumschule und eine Photovoltaikanlage entstehen sollten, die Gemeinde Wietmarschen aber ein Vorkaufsrecht in Anspruch nahm, um den entsprechenden Investor abzuwehren, und dann in allerkürzester Frist -die Rede war von nur einem Tag- die 18 Hektar große Fläche an Krämer Bau veräußerte. Unseriös! 

Und dann muss natürlich auch noch an Robert Plant erinnert werden. Er ist nämlich heute 60 Jahre geworden. Der Sänger der Rockgruppe Led Zeppelin singt in dem Song „Stairway to heaven“ folgende bemerkenswerte Strophe:

There’s a feeling I get when I look to the west
And my spirit is crying for leaving
In my thoughts I have seen rings of smoke through the trees
And the voices of those who stand looking.“

Frei übersetzt:
Ich bekomm‘ so ein Gefühl, wenn ich nach Westen schaue
Dann heult meine Seele und will weg.
In meinen Gedanken  sah ich zwischen den Bäumen Ringe aus Rauch,
Und die Stimmen von denen die zuschauen.“

Mag sentimental sein, passt aber zum künftigen Schepsdorfer Blick nach Westen und den Sprüchen derjenigen, die sich arrangiert haben und nur noch labernd wegschauen.  

Doch warum eigentlich so pessimistisch? Denn vor Beginn der „Stairway-to-heaven-Ballade“ bei seinem Lifekonzert sagt Robert Pane doch auch: „I think this is a song of hope!“  Eben, liebe BI, ein Lied der Hoffnung, dass angesichts des massiven Eingriffs in die Ökologie diese, im Lohner Wald nun wirklich völlig deplatzierte Betongroßmischanlage mit 20m oder 30m Höhe doch noch verhindert werden kann. Ich schenk Euch die youtube-Ballade. Bleibt mutig!

Rumänien

26. Januar 2008

Die Diskussion um die Schließung des Bochumer Nokia-Werkes beherrscht in diesen Tagen die Medien. Besonders empört es die Menschen, dass für die umstrittene Werksverlegung nach Rumänien möglicherweise EU-Gelder geflossen sind. „Die EU-Kommission hat ausdrücklich erklärt, dass Nokia für das Werk in Rumänien keine Förderung aus den EU- Strukturfonds erhalten hat. Unklar ist allerdings noch, inwiefern das Unternehmen indirekt von Vor-Beitritts-Hilfen für Rumänien profitiert hat“, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dem Münchner Merkur. „Wir haben die zuständige EU-Kommissarin Hübner hierzu schriftlich um rasche Aufklärung gebeten“, bestätigte der Minister der Zeitung. 

Es ist sicherlich ein Skandal, wenn der Wegfall von weit mehr als 2000 Stellen in Bochum von der EU gefördert würde, weil man die Neuansiedlung des Werkes in Rumänien mitfinanziert. Allerdings ist dies kein Einzelfall und solche Abwerbungen spielen sich nicht nur im internationalen Rahmen hat – sondern auch hier bei uns zuhause. So wirbt die Gemeinde Wietmarschen-Lohne seit Jahren Betriebe in Lingen und Nordhorn ab, um sie rund um die Autobahn anzusiedeln. Für diese egoistische und volkswirtschaftlich schädliche  Ansiedlungspolitik werden Subventionen aus Steuergeldern gezahlt und der Wietmarscher Gemeindedirektor Eling  lässt sich für seine „erfolgreiche Ansiedlungspolitik“ öffentlich feiern.

Seit Jahren fordere ich immer wieder die Zusammenarbeit der Region und einen Pakt der Kommunen und Gemeinden, um endlich die Abwerbungen zu beenden. Darauf angesprochen hat der Lingener Oberbürgermeister Heiner Pott (CDU) vor drei Jahren ablehnend lediglich gesagt: „Was (Wietmarschen-)Lohne nutzt, nutzt auch Lingen!“ Wer aber die Lingener Betriebe nach Wietmarschen abziehen sieht, dann die Menschen zählt, die diesen Betrieben folgen, und ausrechnet, welche Auswirkungen dies auf die Infrastruktur in Lingen hat, weiß, dass das ganz und gar nicht stimmt.