Schiebenschaiten

24. Januar 2020

Das nenne ich mal einen aufgeräumten Freitagmorgen: Zwar wollte mir heute früh unsere paywallgesicherte, meine Daten abschöpfende „Lingener Tagespost“ einen Andreas für Alexander (Vent) vormachen und sogar die CDU erfreute ein Stückchen meiner Seele, weil sie für Emsbüren die Aufnahme eines früheren AfD-Mitglieds abgelehnt hat, doch die eigentliche „Meldung des Tages“ stand klein unten rechts und ziemlich weit hinten im Lokalteil. Da dachte ich mir, es wäre doch schön, genau jetzt in Wettrup zu sein. Vielleicht mit Mettwurst an diesem 24. Januar. Lest mal dieses ehrliche, authentische Geradeaus- Programm (ganz anders als die künstliche Dorfkinder-PR, die diese Woche trendete):

Das erste Schützenfest des Jahres findet am heutigen Freitag in Wettrup statt.

Das „Schiebenschaiten“. wie die Wettruper ihr Schützenfest nennen, beginnt mit einem Gottesdienst um 8 Uhr.

Anschließend versammelt der Pajatz, der nach alter Tradition mit einer Mettwurst geschmückt wird, die meist männlichen Wettruper in eine geordnete Riege.

Mit seiner Pietschke sorgt der Pajatz während des Festumzugs durch die Gemeinde für redliche Ordnung. Allen vorweg der Fähnrich mit der Gemeindefahne und musikalisch begleitet vom Handruper Blasorchester.

Nach dem Festumzug wird das Königsschießen eröffnet. Um 16 Uhr endet das Schießen, der neue König wird um 20.30 Uhr im Festsaal Schrichte proklamiert. Anschließend laden die Gemeinde Wettrup und der Festwirt zum Tanz ein.

Der Ortskern in Wettup ist für den Durchgangsverkehr gesperrt, eine Umleitung ausgeschildert.

Hier noch etwas mehr aus Wettrup

(ps In echt hieß es am Ende der Meldung in der Online-LT-Ausgabe übrigens Wettringen statt Wettrup. Aber Alexander heißt ja auch nicht Andreas.)

(Quelle PM, Foto: © SG Lengerich)

Erbsensuppe

21. November 2015

erbsensuppe_gr TV-Koch Steffen Henssler präsentierte gestern Abend 1500 Besuchern der EmslandArena seine Kochshow mit manch internationalen Gerichten und mit Schützenkönig aD Hubert Germing, der gemeinsam mit Gattin Rita iN Wettrup den Gasthof Schrichte betreibt; der bekennende Nichtkoch und Sushi-Gegner bereitete aus Loup de Mer fast fehlerfrei Sweet Shashimi.

Der gute Rosche -Hubert ganz frankophil: Roschee– aus Haselünne war auch dabei. Doch es fehlte „eine warme und deftige Mahlzeit, wie der niederländische Erbseneintopf, der zudem auch noch recht preiswert zuzubereiten ist.

Auch in den Niederlanden gibt es wie in Deutschland eine lange Tradition typischer Wintergerichte. Um durch den Winter zu kommen, mussten die Menschen von getrockneten Hülsenfrüchten leben sowie von Gemüse das lange haltbar war und gut aufbewahrt werden konnte, wie zum Beispiel Wintermöhren, Grünkohl und Rosenkohl. Geräucherter Speck und Wurst sorgten für die Fleischbeilage. So entstanden Rezepte wie Erbseneintopf oder Stamppot, zu Deutsch Eintopf. Die Rezepte hatten häufig dieselbe Basis, aber die Variationen, wie Schälerbsen und Sellerie anstelle von Erbsen, waren zahlreich und wurden häufig von Mutter zu Tochter weitergegeben.

Erbsensuppe als Gericht gibt es schon sehr lange, in etwa seit dem 16./17. Jahrhundert als die Erbse ihren Einzug in Länder wie Frankreich, England und die Niederlande hielt. Die Erbse war einfach anzubauen und getrocknet lange und gut haltbar. In den Niederlanden machte man eine Tradition daraus, die Erbsensuppe nach der Schlacht zu essen. In den ärmeren Bevölkerungsschichten dienten häufig die weniger edlen Fleischteile (wie von den Klauen und vom Schädel) als Suppeneinlage.

Erbsensuppe wird in den Niederlanden sowohl Erwtensoep als auch Snert genannt. Einen Unterschied gibt es in der Bedeutung nicht. Snert kommt laut etymologischen Wörterbuch van Dale aus dem Friesischen und das Wort „snert“ ist als Synonym für Erbsensuppe seit 1768 bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass es mit dem Wort „sneirts“ verwand ist, das mit Trinken zu tun hat, da „Met eenen sneirts“ bedeutet etwa in einem Zug zu trinken. Es kann aber auch bedeuten etwas sehr lange zu kochen. Lustigerweise bedeutet  „Dat is snert!“ auch „Das ist Mist“ was möglicherweise auf die Bekömmlichkeit der Erbsensuppe zurückzuführen ist, was an dieser Stelle nur Spekulation ist. Ich selbst mag nämlich sehr gerne Erbsensuppe. Die Niederländische Königin hingegen sagte einst bei einem Treffen mit Willem-Alexander, dass sie Erbsensuppe nicht ausstehen könne.

Die Erbsensuppe ist bei den Niederländern im Allgemeinen so beliebt, dass man sie selbst in den 70er Jahren beim niederländischen McDonalds bekam. Wie ernst es die Niederländer inzwischen mit dem Kochen und Verkosten ihrer Erbsensuppe nehmen, kann man daran erkennen, dass es schon seit 25 Jahren eine Erbsensuppen Weltmeisterschaft gibt, die jedes Jahr in Groningen ausgetragen wird, gibt, die „Snert WK„.

Sie haben richtig gehört. In Groningen, wo der Winter häufig noch etwas kälter ist als im Rest der Niederlande, treffen sich jedes Jahr die besten Erbsensuppenköche und zaubern und werkeln was das Zeug hält. Auch, wenn dieser Wettbewerb auf eine Schnapsidee von Fré Schreiber und Etty Bonnema zurückgeht die sich 1992 fragten wer wohl die beste und leckerste Erbsensuppe kochen könne, ist der Wettbewerb ebenfalls dazu da die Tradition der leckeren Wintergerichte am Leben zu halten. Viele Leute wissen nämlich gar nicht mehr, wie sie diese zubereiten. Als Anreiz gibt es für die Gewinner des Wettbewerbs die „Silberne Schöpfkelle“ zu gewinnen.

Außerdem wird der Wettbewerb von RTV Noord den ganzen Abend  live übertragen und auch die landesweiten Medien haben das bunte Treiben rund um die Erbse für sich entdeckt. Der Gewinner wird in seinem Dorf häufig als Held gefeiert und selbstverständlich gibt es so manches Mal auch die Erbsensuppe des Gewinners später im Supermarkt zu kaufen.

Für viele Teilnehmer der „Snert WK“ – Erbsensuppen-Weltmeisterschaft, ist auch heute noch Omas Rezepte die Basis. Sie werden jedoch stets weiterentwickelt und nicht nur Niederländer nehmen an diesem Wettbewerb teil. Man sollte es kaum glauben, aber auch beim Erbseneintopf gibt es viele interkulturelle Varianten: Halal snert, australischen Snert mit Krokodilfleisch, vegetarisch oder vegan.

Erbsensuppe an sich ist eine dicke Suppe, die aus Schälerbsen gemacht wird. Die Suppe schmeckt am besten, wenn sie in großen Mengen gekocht wird und nach dem Essen noch einen Tag ziehen kann. Gekühlt bleibt die Suppe noch einige Tage gut, kann aber auch im Gefrierfach eingefroren werden. Die Menge der verschiedenen Zutaten variiert. Insgesamt muss so viel Gemüse hinzugefügt werden, dass die Suppe besonders dick wird.

Viele traditionelle Rezepte haben als einziges Gemüse Sellerie, Erbsen und Porree. Das heißt keine Kartoffeln, keine Möhren und keine Zwiebeln. Manchmal werden Kartoffeln hinzugefügt, um die Struktur dicker zu machen und so die Kochzeit zu verkürzen.

Die Suppe wird traditionell mit Roggenbrot gegessen, das mit Speck, Käse oder Butter belegt ist. Als Nachtisch gibt es in vielen Familien Pfannkuchen.

Für Sie präsentieren wir diesmal  dieses Rezept: die vegetarische Curry-Erbsensuppe von Jitske Buijs aus Usquert, die man natürlich nach Geschmack selbst noch mit Fleisch verfeinern kann.

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[mit NiederlandeNet-„Autor: Simon Wibbeling“; Foto: Pixabay (CC0) – alles gefunden auf  NiederlandeNet]

Tortenqueen

4. Juni 2013

chrissisMal wieder ein Lesebefehl von mir; denn Christiane Adam, die Kuchenqueen des Emslandes, berichtet -ganz ohne Verstärker- Neues von ihren Selbstversuchen in der eigenen Chrissis Kolumne auf waslosinlingen.de:

Sonntag – Ausflugszeit – Tortenzeit. Auf Twitter hatte ich Robert gefragt, ob ich lieber ein neues Landcafé in Wettrup oder eines in Löningen testen soll – und keine Antwort bekommen. Robert, muß ich mir Sorgen machen? Bist du auf Diät? Ich habe mir gedacht: Keine Antwort heißt, ich soll wohl beide testen. Also, auf zur Landpartie!

Erste Station: Wettrup. Direkt an der B402 zwischen Haselünne und Fürstenau hat sich Silvia Bönnighaus ein Paradies geschaffen, das Gartencafé Don Giardino. Klingt jetzt vielleicht erst einmal laut, ist es aber nicht. Hinter Wällen und Bäumen bekommt man von der Bundesstraße nicht viel mit. Auf einem großen Grundstück laufen die beiden Hündinnen der Gartenarchitektin herum, was unseren Dackel sehr interessierte. Frau Bönnighaus hat dem hündischen Gast denn auch gleich einen Wassernapf gebracht, noch bevor wir Tee oder Torte bestellen konnten. So muß es sein, und nicht wie in der blöden hippen Bar in Osnabrück, wo wir drei Kellner nach Hundewasser fragten und dreimal ein „Ja, sehr gern, ja sofort“ zu hören bekamen – und am Ende niemand Wasser für den Rauhaardackel brachte. Uns seht ihr nicht wieder! Aber das nur am Rande! Bei Rhabarberkuchen und Tee hat uns die Inhaberin ihr Konzept erklärt: In ihrem Schaugarten führt sie Interessierte herum und zeigt, wie sich die Pflanzen entwickeln. Das läuft auf Anmeldung. Der Cafébetrieb läuft am Sonnabend und Sonntag ohne Anmeldung. Im tollen Dekoladen habe ich mir ein Kasperltheater aus Gußeisen gekauft. Da haut der Kasper dem Bösewicht eins auf die Glocke, wenn man an einem Hebel zieht – das gefällt mir! Solche schönen Sachen hat sie dort! Ein Ausflug nach Wettrup lohnt sich also jetzt auch!

Die nächste Station…“

[weiter bei waslosinlingen.de…]

Option

26. August 2009

150px-Flag_of_Finland.svgMeldung aus dem Rathaus:

Vollsperrung der Klasingstraße

Die Stadt Lingen (Ems) teilt mit, dass für die Asphaltarbeiten in der Klasingstraße eine Vollsperrung von Mittwoch bis Samstag erforderlich wird. Für Radfahrer bleibt der neu angelegte Weg in Richtung Marktplatz befahrbar. Die direkt betroffenen Anlieger werden durch die Bau ausführende Firma Lüttmann über die Einzelheiten der Sperrungen unterrichtet. Für den Anliegerverkehr besteht die Möglichkeit, ihre Grundstücke über Henriette Flatow-Straße/Baccumer Straße/Am Wall-Nord zu erreichen.

Die Stadt Lingen (Ems) bittet um Verständnis für die unvermeidlichen Behinderungen.

Mit Verlaub: Ich habe für diese Sperrung kein Verständnis. Die Klasingtraße wird seit Anfang April umgebaut, zunächst die Kanalisation, seit Anfang Juni die Straße selbst. Die Klasingstraße hat die beeindruckende Länge von rund 170m.  Die Frage: Warum müssen 170m Asphaltarbeiten 4 Tage dauern? Warum der simple Straßenumbau fünf Monate?

Wenn tagsüber 8 Stunden zwei bis drei Arbeiter anwesend sind, ist dies und die damit verbundene Belastung der Anwohner wie Verkehrsteilnehmer kein Wunder.  Als ich die jüngste Klasingstraßensperrung-Meldung der Stadtverwaltung las, erinnerte ich mich, wie es auch anders geht. Jüngst war ich ein paar Tage in Finnland und  erlebte dort, wie mit einem massiven Einsatz von Gerät und Arbeitern binnen einer Nacht (!) erst die eine Seite und dann binnen einer weiteren Nacht die zweite Fahrbahn einer 4-spurigen Hauptstadtbrücke abgefräst und neu asphaltiert wurde. Und die war ja auch nur 400 Meter lang…

Gestern nun diskutierte ich mit einem meiner Jungs: Warum  werden Straßenbaumaßnahmen in Deutschland immer so zäh abgewickelt und dauern so unglaublich lange. Als wir darüber sprachen, standen wir  in unserem Wagen vor der unverhofft wieder eingerichteten Doppel-Baustelle B 213 Ortsumgehung Löningen, die uns diesmal 30 Minuten Zeitverlust bescherte. Ich meinte, es sei ein Strukturproblem des öffentlichen Dienstes in Deutschland. Den betreffenden (handelnden möchte ich nicht sagen)  öffentlich Beschäftigten ist es einfach gleichgültig, dass es auch schnell geht. Sie haben nichts davon. Also geht es langsam. Reichlich genervt von der ganzen Warterei und unter Hinweis auf die unsägliche aktuelle 14 km-B402-Baustelle bei Wettrup  plus B 402-Sperrung in Meppen sowie die jahrelange A30-Imkopetenz, sprach ich wohl auch von „sch…-egal“ und erwähnte meine jüngsten ausländischen Erkenntnisse und dass ich wegen der Klasingstraße im Stadtrat nachfragen wolle, auch wenn man mich da wieder zuzuschwätzen versuchen und mit Ausreden überhäufen werde, weil der öffentliche Dienst einfach nichts falsch macht. „Da hast Du doch noch eine  Option: Kannst nach Finnland auswandern und es von Vox übertragen lassen.“  war Juniors Antwort. Na, Kiistos!