A31

19. Dezember 2016

Angesichts des vorweihnachtlichen Stresses ein kleiner Beitrag von Torsten Sträter auf die schnellste Autobahn der Welt – die A 31, die gleichzeitig die Autobahn mit den langsamsten Baustellen ist [Grüße nach Wesuwe!]

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Nie erschienen

12. Mai 2012

Fleurop lässt grüßen! Gerade empöre ich mich über diese peinlich-arroganten Worte der Pressesprecherin des Kreises Emsland Anja Rohde. In diesen Tagen jährt sich bekanntlich zum 67. Mal die Befreiung der Emslandlager; aber  der Landkreis Emsland hat gar nicht so richtig dran gedacht. Denn da sagt die Dame auf Anfrage der Presse tatsächlich:

Wir werden in der alten Rheder Kirche und am Ossietzky-Denkmal in Esterwegen Kränze niederlegen“, sagt Kreissprecherin Anja Rohde auf die Frage, ob es denn von Seiten des Landkreises eine Gedenkveranstaltung gebe. „Allerdings wird dies kein offizieller und auch kein öffentlicher Akt. Die Kränze sollen ein Zeichen für die Besucher sein.

So ist es eben, wenn man lediglich aus parteipolitischen Gründen glaubt, gedenken zu müssen, und man nicht mit dem Herzen dabei ist.

Heute informiert die taz-nord über dies:

„In diesem Jahr könnte die deutsch-niederländische Initiative 8. Mai ihre Gedenkveranstaltung im Emsland zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum ersten Mal auf der Gedenkstätte Esterwegen ausrichten. Die hat Ende Oktober letzten Jahres zur Erinnerung an die Opfer der 15 Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Emsland eröffnet.

Die Initiative, zu der auch ehemalige Gefangene gehören, wird sich am heutigen Samstagnachmittag allerdings nicht dort treffen, sondern, wie in jedem Jahr seit 1985, auf dem Lagerfriedhof Bockhorst bei Esterwegen.

Nikolaus Schütte zur Wick, Fraktionsvorsitzender der Grünen im emsländischen Kreistag, ist sich sogar sicher: „Selbst wenn die Initiative beantragt hätte, ihre Veranstaltung an der Gedenkstätte abzuhalten, wäre das bestimmt nicht genehmigt worden.“

Die Veranstaltung der NS-Opfer wird von den Vertretern des Landkreises gemieden. Nie erschienen ist der ehemalige…“

weiter bei der taz

Mehr im taz-Kommentar von Simone Schnase
und über die Ab- und Hintergründe hier 

und online im Emskopp

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DIE EMSLANDLAGER

„1933 wurden die Kozentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum fertiggestellt, bis 1937 kamen Aschendorfermoor, Brual-Rhede, Walchum und Oberlangen hinzu, ab 1938 Wesuwe, Versen, Fullen, Groß-Hesepe, Dalum, Wietmarschen, Bathorn und Alexisdorf.

In den Emslandlagern wurden insgesamt 70.000 Menschen inhaftiert, darunter politische Gefangene, Homosexuelle, wehrmachtgerichtlich verurteilte Soldaten und sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene .

1939 übernahm die Wehrmacht drei Lager und nutzte sie als Kriegsgefangenenlager für weit über 100.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Frankreich, Belgien, Polen und Italien. 1944/45 dienten die Lager Dalum und Versen der SS kurzzeitig als Außenlager des KZ Neuengamme.

Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.“ (Quelle)

Fluchtalternative

15. August 2011

Es gibt kein Asyl, aber -entsprechend der nicht unumstrittenen deutschen Flüchtlingsrechtsprechung- eine dauerhafte  inländische Fluchtalternative für die kreative Deichkoenigin in diesem kleinen Blog, der sich damit dem Kampf gegen Zensur -auch außerhalb der Lokalpresse- verschrieben hat.
Liebe Wesuweer Jungschützen,die ihr etwas gegen den Film der Deichkoenigin über Euren Auftritt am 8. Mai hattet und ihn deshalb bei Youtube sperren ließet. Wenn Ihr mich jetzt -wie die Deichkoenigin- persönlich besuchen wollt, nehmt die normalen Bürozeiten meiner Kanzlei ( 8 bi 18 Uhr).  Oder, Freunde des heimatlichen Brauchtums, handelt anwaltsfreundlich und lasst gleich Euren Advokaten ran. Horridoh!

Nachtrag:
Inzwischen stand bei der Deichkoenigin tatsächlich der nächste Besucher  vor der Haustür und sprach:

„Ich weiß, dass Sie die mit den Filmen sind. Ich möchte Sie bitten, den Film mit den Straussen aus dem Internet zu nehmen“. Deichkoenigin: „Hä? Wieso das denn?!“ Er: „Wegen des Rechts am eigenen Bild!“ Deichkoenigin: „Ah ja! Die Strausse haben also ihr Recht am eigenen Bild eingefordert?“ Er: „Nein, aber der Besitzer“. Deichkoenigin: „Ja, dann soll er das mal machen. Ich warte auf Post. Wiedersehen.“

Dann sagte die Deichkoenigin noch, dass sie es ziemlich unverschämt fände, einfach persönlich bei ihr aufzutauchen, anstatt anzurufen, E-Mail oder Brief zu schreiben usw. Darauf er: „Da werden noch mehr Leute kommen.“

Das Ganze ist kein Witz; trotzdem könnte man herzhaft darüber lachen, wenn nicht der letzte Satz wäre.  Also, meine Lieblingskommentatoren kib und Buggy, übernehmt die Sache! Und hier natürlich der Film mit den Emsland-Tierchen, die ihr Recht am eigenen Bild einfordern;

Weihbischof

2. August 2011

Mensch, ich habe den Artikel  dieses Sommers gelesen, der weder bei Wilsberg noch im Münsteraner Thiele-Boerne-Tatort besser erzählt werden könnte. Während sich unsere Deichkoenigin mit ausgewiesenen Exemplaren der Schützengilde in Wesuwe herumschlägt, zeigen ausgerechnet die Münsteraner, wie es auch anders geht.  Spiegel-online weiß:

„Im konservativen Münster wird ein schwuler Getränkehändler Schützenkönig. Er regiert allerdings nicht mit einer Königin, sondern einem Gemahl: seinem Lebensgefährten. Fast alle finden das toll – nur ein Weihbischof sorgt sich um das Sakrament der Ehe. Jetzt muss das Paar getrennt laufen.

Nach 366 Schuss hat Dirk Winter den Vogel abgeschossen und erst mal eine Runde Bier für alle bestellt. Wie sich das gehört als neuer Schützenkönig, eigentlich eine ganz normale Sache.

Dirk Winter wohnt in Münster, Universitätsstadt in Westfalen. Katholischer Bischof, historische Altstadt, CDU-Regierung. Es gibt ein Sprichwort, das lautet: „In Münster regnet es entweder oder es läuten die Glocken.“ Münster als konservativ zu bezeichnen, ist ungefähr so gewagt wie Reiner Calmund dick zu finden.

Winter ist Getränkehändler und schw…“

weiter hier (und die von Nora Gantenbrink so vorzüglich erzählte Geschichte ist tatsächlich kein Münsteraner Drehbuch; sie stimmt. Also, viel Vergnügen beim Lesen!)

Deichkönigin

12. Juli 2011

Sie erinnern sich?

Inzwischen ist ein Schützenbruder persönlich zur Deichkönigin marschiert und hat von ihr verlangt, das Video vom 8. Mai bei youtube zu löschen; das zeigte ihn mit einer Handvoll alkoholfreudiger Schützenbrüder beim Schützenfest in Wesuwe – sozusagen auf dem Weg vom Taxi zur Tränke.

Es komme so schlecht, meint der junge Mann, wenn das sein Chef sehe. Als der Aufforderung nicht entsprochen wird, beschwert man sich bei youtube und das Video wird gelöscht. Ein Vorgang, den man lächerlich nennen könnte, wenn er nicht bloß Zensur wäre.

Wesuwes Schützenbrüder sind wirklich deprimierend.  Und erst Youtube!

Blasen (Emsland/1)

19. Juni 2011


Deichkoenigin“ lebt im emsländischen Meppen, wo sich eine Fußballmannschaft in das Goldene Buch der Stadt eintragen kann, weil sie von der 5. in die 4. Liga aufgestiegen ist. Seit einem Jahr veröffentlicht die 40-jährige bei „YouTube“ kurze Videofilme unter dem Titel „Deprimierendes Emsland“. Ihre Videos geben Einblicke in unseren Landstrich und seine Menschen – mit einem Humor, der offenbar nicht allen gefällt, wie der NDR, Welt-online und die NOZ zu berichten wissen.

Mir schon! Jede andere Aussage hätte Sie ja auch verwundert. Zum Beispiel:

Eine statische Kamera fängt die Szene mit der Frau bei der Landesmeisterschaft im Jagdhornblasen in Sögel ein. Sie steht am Mikrofon und sagt: „Der Kreisbläserobmann lässt bitten, dass alle Zuschauer den abgesperrten Bereich verlassen, weil sonst der Blick auf das gemeinsame Blasen nicht gegeben ist.“

Für die „Deichkoenigin“ sind solche Ereignisse „skurril und lustig“. „Man steht in einer Situation, wo man sich fragt, warum keiner merkt, dass es da so lustig ist.“ Über das anzügliche „gemeinsame Blasen“ hätten nur sie und ihre Begleiter lachen können, sagt sie. (Quelle)

Klar: Jetzt werden beim Landkreis in Meppen die Lippen wieder humorfrei aufeinander gedrückt. Die Pressesprecherin der Behörde, Anja Rohde, kommentiert die Spots beflissen, sie wolle deren Inhalt nicht kommentieren: „Das Interesse der Internetnutzer an den Filmchen ist mit etwa 300 bis 1.500 Klicks relativ gering.“ Dagegen fänden andere Filme wie das Ausdocken eines Schiffs der Meyer-Werft mit 6.752 Aufrufen oder die Fuchsjagd in Sögel mit 1.115 Klicks weit mehr Zuspruch.

Abgesehen davon, dass sich das gerade rasant verschiebt: Es wäre optimal, wenn auch Frau Rohdes Aussage unmittelbar Aufnahme in die Video-Reihe von „Deichkoenigin“ fände. Ich jedenfalls freue mich nach 26 Spots schon auf den 27.! Denn Deichkoenigin macht weiter mit ihrem „Blick eines Großstadtmenschen auf die Uniformität der Menschen in einem Landstrich, in dem es über 200 Schützenvereine gebe. „Jeder Mann im Emsland trägt ein Karo-Hemd“, sagt sie in einer Mischung aus Belustigung und Empörung. Wichtig sei für sie vor allem eines: Sie wolle weiter im Geheimen filmen, ohne ihre Identität preiszugeben. Schließlich wolle sie „nicht auf einem Schützenfest stehen und auf die Fresse kriegen“.“ (NOZ)

Da hat Deichkoenigin offenbar diese provil-ierte 😉 Reaktion einer 23-jährigen Dumpfbacke aus dem Herzen des Landkreises im Blick:

Ob Deichkoenigin ihn etwa hier gefilmt hat? Bevor ich diese Frage kläre, muss ich erst mal in meinem Kleiderschrank nachgucken, wie sehr er mit Karo-Hemden kontaminiert ist…

Verwerfung

1. April 2010

Eine beeindruckende Entdeckung haben jetzt  heimische Geologen im Emsland gemacht: Unsere Region durchzieht die San-Bonifatius-Verwerfung. Diese tektonische Verwerfung ist eine Transformstörung, an der die auf dem Magma im Erdinneren dahin treibende Holländische Platte an der Emsländischen Platte vorbei driftet. Sie erstreckt sich -so die Geologen-  über gut 150 Kilometer Länge vom niederländischen Winschoten  bis zum Norden von Westfalen und teilt so die Weser-Ems-Region in zwei Hälften auf. Lingen liegt auf der rechtsdrehenden Emsländischen Platte und Nordhorn auf der linkswirkenden Holländischen Platte. Die San-Bonifatius-Verwerfung ist übrigens eine der wenigen Plattengrenzen an Land; die überwiegende Zahl der Plattengrenzen liegt auf dem Grund der Ozeane.
Die Geologen benannten ihre Entdeckung der tiefreichenden Verwerfung nach dem Hlg. Bonifatius, pilgerte der „Apostel der Deutschen“ doch schon 754 nach Christus an ihr entlang gen Dokkum im Norden Frieslands. Auf weiten Strecken ist heute die Verwerfung übrigens mit bloßem Auge in der Landschaft zu erkennen und wird zusätzlich für jedermann  an den blauen BAB-Schildern der A 31 bestätigt.
Faszinierend  ist dabei, dass täglich Tausende von Verkehrsteilnehmern auf der Autobahn 31 die Folgen dieser enormen Verwerfung zu ertragen haben. In nördlicher Richtung musste bereits im vergangenen Sommer wegen des schwachen Fahrbahnuntergrundes die Höchstgeschwindigkeit zwischen Twist und Meppen-Nord auf 80 km/h reduziert werden. Der Grund: Die Emsländische Platte wandert jährlich 6 cm nach Norden. In südlicher Richtung ist deshalb inzwischen eine 6 km breite Erdspalte entstanden. So zeigen die A31-Schilder an der Abfahrt Wesuwe noch eine Entfernung nach Lingen von 40km und Nordhorn 4 km weiter an. Wenige Kilometer weiter südlich aber ist die Strecke nach Lingen nicht mehr vier Kilometer kürzer sondern -wegen San-Bonifatius- zwei Kilometer länger.

Das beeindruckende Phänomen hat jetzt durch die Arbeit der heimischen Geologen endlich seine Bestätigung erhalten. Dies unterstrich am Donnerstag auch Landrat Hermann Bröring. Mit Blick auf möglicherweise drohende  tekto-theologische Verwerfungen meinte der emsländische Landrat, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestanden habe. Sein Grafschafter Amtskollege wollte sich danach nicht mehr äußern. Bröring selbst will heute Mittag am Moormuseum eine Hinweistafel auf die San-Bonifatius-Verwerfung enthüllen.