Sex

15. November 2017

Essen ist der Sex des Alters, heißt es. Weil man sich zwar noch an Sex erinnert und insgeheim davon phantasiert, aber eigentlich schon zu müde dazu ist und er irgendwie nicht mehr so aufregt, braucht es also Ersatz für die Lust, die der Sex nicht mehr liefern kann. Das ist das Essen. Das ist natürlich Quatsch, und doch hat erstklassiges Essen etwas Wunderbares. Deshalb dieser kleine, persönliche Altherren-Beitrag über Spitzenküche.

Leider gibt es so etwas in unserer Stadt nach dem Weggang von Jan Kieseling und dem Ende seines Ratskellers Anfang 2016 nicht mehr. Die beste Lingener Küche ist zweifellos das Restaurant Am Wasserfall (Chef Johann Rodenbäck), doch sie reicht nicht an die Sternegastronomie heran. Ansonsten gibt es manches, was das Etikett sehr ordentlich verdient, aber nicht mehr. Daran musste ich denken, als gestern der Restaurantführer „Guide Michelin“ seine Sterne für 2018 verkündete.

Umso mehr freut es, dass es in unserer kulinarisch eher nachrangigen, der Nahrungsaufnahme mittels Panade und Schnitzel verfallenen Region weiterhin einige wirkliche Spitzenküche gibt. So gibt es gar zu melden, dass der Michelin-Guide am Dienstag dem Restaurant Keilings in Bad Bentheim und seinem Chef Lars Keiling nun den zweiten Stern verliehen hat. Damit ist die Bentheimer Küche unter den besten 50 Restaurants Deutschlands. Im Gegensatz zu Feinschmeckern wertet die kulinarisch eher betulich-regionale NOZ den zweiten Stern für Keilings Restaurant „durchaus als Überraschung“; einziges weiteres Restaurant in Niedersachsen mit zwei Sternen ist übrigens das Sterneck in Cuxhaven. Keilings ist also, je nachdem, Platz 2 oder 3 in Niedersachsen.

Was sonst? Thomas Bühner hat mit seinem Osnabrücker Restaurant La Vie weiterhin drei Sterne im „Guide Michelin“ und das Top-Restaurant Niedersachsens zählt damit zu den elf besten Häusern Deutschlands.

Weiterhin einen Stern darf die Westfälische Stube in Hörstel-Riesenbeck (Chef: René Kalobius) tragen, die ich mal zu Weser-Ems rechne. Der Guide Michelin 2018 listet zudem drei Ein-Sterne-Restaurants in Weser-Ems auf: das Apicius in Bad Zwischenahn (mit Chef Tim Extra), Seesteg auf Norderney (!) (Küchenchef Markus Kebschull) und meinen regionalen Favoriten: das Perior in Leer mit Küchenchef Christian Richter

Mehr als 300 Restaurants in Deutschland sind nun im Guide Michelin gelistet, acht mehr als zuletzt; 250 haben einen Stern (darunter 29 neue), 39 haben zwei Sterne (4 neue) und 11 Restaurants dürfen sich nun mit der Spitzenwertung von drei Sternen schmücken (plus 1).

ps Ich freue mich außerdem persönlich sehr,
dass das Marcelin, mein Urlaubsrestaurant im Piemont, mit Küchenchef Andrea Ferrucci den ersten Stern bekommen hat. In Italien, dem Land mit der weltweit besten Küche, heißt das etwas ganz Besonderes, noch mehr als hierzulande. Zwei Mal durfte ich in diesem Jahr dort wirklich höchste Kochkunst genießen und habe anschließend Andrea Ferrucci jeweils vorhergesagt, dass er für 2018 den begehrten Stern bekommen werde. Bemerkenswert: Er präsentiert seine Küche mit drei exzellenten, jungen Köchen des Geburtsjahres 1994: Christian Joel Robles, Giangregorio Bartolotta und Abibe Karamoko. Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Ferrucci den verdienten Michelin-Stern in Italien hat.

Congratulazione, Andrea!

Die ostfriesische Gemeinde Wangerland hat ihre neun Kilometer Nordseestrand fast komplett eingezäunt. Sie bittet jeden Besucher zur Kasse. Aber nicht mehr lange, denn das Bundesverwaltungsgericht gibt in einem Grundsatzurteil den Strand weitgehend wieder für alle Bürger frei.

Drei Euro verlangte Wangerland für den Zugang zum Strand, nur nicht von Anwohnern und Kurtaxe-Zahlern. Der Eintritt sollte selbst dann fällig werden, wenn Besucher gar nicht baden, sondern nur einen Spaziergang machen wollten. Dies verstößt nach Auffassung der Richter gegen die allgemeine Handlungsfreiheit, welche das Grundgesetz allen Bürgern gibt. Außerdem ergebe sich aus § 59 Bundesnaturschutzgesetz das Recht für jedermann, Landschaften frei zu betreten.

Eintritt dürfe für Strände nur in Bereichen kassiert werden, die besonders erschlossen sind. Also zum Beispiel an Abschnitten, wo es Restaurants, Kioske, sanitäre Einrichtungen und besondere Liegeflächen gibt. Abseits dieser Infrastruktur befinde sich aber „freie Landschaft“ im Sinne des Gesetzes, und hier sei ein Eintritt eben nicht zulässig. Die Gemeinde hatte argumentiert, die Unterhaltung des (teilweise künstlich aufgeschütteten) Strandes koste viel Geld. Aber auch das macht eine „großflächige Kommerzialisierung“ deutscher Strände nicht zulässig, befinden die Richer.

Möglicherweise brechen auch vielen anderen Gemeinden in Schleswig-Holstein Einnahmen weg. „An der Nordseeküste wird generell von Tagesgästen mit wenigen Ausnahmen ein Strandeintritt verlangt“, zitiert stern.de die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Nordsee. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es laut dem dortigen Tourismusverband keine eingezäunten Strände. Allerdings werde dort von Tagesgästen oft Kurtaxe kassiert (Bundesverwaltungsgericht Aktenzeichen 10 C 7.16).

[Ein Beitrag von Udo Vetter, LawBlog]

Hoaxmap.org

10. Februar 2016

Bildschirmfoto 2016-02-10 um 23.11.13Spätestens seit Mitte des vergangenen Jahres ist zu beobachten, dass zunehmend Gerüchte über Asylsuchende in die Welt gesetzt und viral verbreitet werden. Von gewilderten Schwänen und geschändeten Gräbern – jetzt werden sie gesammelt.

Es sind allesamt Falschmeldungen, die über angebliche (Straf-)Taten von Flüchtlingen verbreitet und von den Medien oder Populisten im Netz weiter gereicht werden. Die Berichte werden dabei längst immer grotesker. Karolin Schwarz dokumentiert jetzt auf „hoaxmap.org“ die schlimmsten Gerüchte – und wo sie in Deutschland entstehen.

Die Erkenntnis: Geht es um Flüchtlinge, kursiert eine so große Menge grotesken Blödsinns, dass es sich lohnt, all die Falschmeldungen über Vergewaltigungen, Raub und andere Verbrechen grafisch darzustellen, findet die Unternehmensberaterin Karolin Schwarz.

Sie hat deshalb Hoaxmap.org ins Leben gerufen – ein Portal, in dem Falschmeldungen und Gerüchte gesammelt und auf einer Landkarte verortet werden. Spitzenreiter bei den bislang 170 gesammelten Meldungen sind Nordrhein-Westfalen und Bayern. Speziell in Bayern würde das Thema „Flüchtlinge“ gezielt negativ von den Politikern genutzt – somit sei es nicht verwunderlich, dass dort auch viele Angstmacher-Meldungen über Asylbewerber kursierten. Es fällt auf, dass Weser-Emsnicht vorkommt – mit Ausnahme der Region an der Unterweser übrigens…

Karolin Schwarz hat ihre Fälle im Internet gefunden, unter anderem bei Twitter. Sie habe nur solche Fälle dokumentiert, die nachweislich falsch seien und für die es eine Widerlegung von offizieller Stelle gebe.

Sie stellt fest:  „Es gibt uralte Vorurteile und Stereotype, die das Fremde als Bedrohung betrachten“, sagt Lena Frischlich, Medien- und Sozialpsychologin an der Universität Köln. „Solche Falschmeldungen sind eine Bestätigung dieser Vorurteile. Es passt in das vorgefertigte Bild. Man wurde immer wieder vor „dem Wolf“ gewarnt, und plötzlich ist er da.“ Da gab es doch -Sie erinnern sich?!- vor einiger Zeit diese Meldungen über einen weißen Bulli oder Wagen in Heukamps-Tannen oder Wietmarschen, aus dem heraus Kinder angesprochen wurden. Sie erinnern sich an die Kinderfänger-Story? Dasselbe dumme Strickmuster wie jetzt bei den Flüchtlingen. Sie glauben es nicht? Nun denn, klickst Du hier

traumatisiert

4. Februar 2016

safe_place_oL-300x300Deutlich mehr Geld als bisher soll in diesem Jahr Refugio Bremen bekommen: Für den Betrieb des therapeutischen Behandlungszentrums für Flüchtlinge will die Bremer Landesregierung 178.000 Euro statt wie im Vorjahr 128.000 Euro ausgeben. Die Bremische Bürgerschaft muss noch zustimmen. 2014 lag die Fördersumme bei 74.000 Euro.

Damit reagiert Bremen auf den steigenden Bedarf an psychotherapeutischen Angeboten. Es sei „möglich, dass bis zu 40 Prozent der Flüchtlinge Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung aufweisen“, heißt es im kürzlich vorgestellten Integrationskonzept der Hansestadt. Viele ExpertInnen gehen davon aus, dass weit mehr als die Hälfte belastet sind. Die Anzeichen dafür sind nicht immer zu erkennen, weil die Betroffenen in der von vielen Unsicherheiten geprägten Ankunftszeit die Erlebnisse verdrängen müssen…. [weiter bei der taz]

Ähnliche Einrichtungen für traumatisierte Flüchtlinge im Emsland und der Grafschaft Bentheim sucht man hier vergebens. „Wir schicken sie nach Bremen“, hieß es auf meine entsprechende Frage vor einem Jahr. Dort aber ist man längst an der Kapazitätsgrenze angekommen. Danach müssen laut Refugio Bremen die meisten Hilfesuchenden drei bis sechs Monate warten, bis sie eine Therapie beginnen können. Im schlimmsten Fall beträgt die Wartezeit ein Jahr. Voll finanziert sei das Behandlungszentrum noch lange nicht, sagt  Marc Millies, Sprecher von Refugio: „Bisher haben die Zuschüsse 20 Prozent unserer Kosten abgedeckt, jetzt sind es etwas mehr.“ Weitere Behandlungszentren gibt es in Oldenburg, Münster und Bielefeld – doch alle sind überlaufen. Dasselbe gilt für die MediBüros; Anlaufstellen dieses Netzwerkes für Menschen, die sonst keinen Zugang zum Gesundheitswesen finden, finden sich -ausgenommen Oldenburg und Bremen-  ebenfalls nicht in Weser-Ems (Grafik lks).

Bildschirmfoto 2016-02-03 um 21.43.49Gleichzeitig schränken die im „Asylpaket II“ von der Großen Koalition geplanten Maßnahmen die Grund‐ und Menschenrechte von vor Krieg, Verfolgung und struktureller Diskriminierung geflohenen Menschen ein und verhindern faire Asylverfahren. Dies betrifft vor allem neue Aufnahmezentren, Aussetzen des Familiennachzugs und das Bagatellisieren von Traumatisierungen sowie die Abschiebung schwer erkrankter Menschen.

Die bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.) kritisiert denn auch den neuen Gesetzesentwurf deutlich: „Über die Asylanträge für bestimmte Gruppen von Geflüchteten soll innerhalb von einer Woche entschieden werden. Darunter fallen alle Menschen, die aus sicheren Herkunftsländern kommen, im Folgeverfahren sind oder ihre Papiere vernichtet haben sollen. „Insbesondere Asylsuchende, die durch Gewalterlebnisse in ihrem Herkunftsland psychisch schwer belastet sind, werden in Eilverfahren Probleme haben, ihre Bedarfe entsprechend vorzubringen“, sagt Elise Bittenbinder, Vorsitzende der BAfF e.V. 

„Es ist zynisch, davon auszugehen, dass sich Flüchtlinge so schnell Termine und Atteste vom Facharzt beschaffen können, wenn selbst langjährige Patient*innen wochenlang warten“ stellt Dr. Vera Bergmeyer vom MediNetz Bremen fest. Zudem sollen lebensbedrohlich erkrankte Flüchtlinge abgeschoben werden, wenn es in einem Landesteil des Herkunftslandes Behandlungsmöglichkeiten gibt, unabhängig davon, ob diese den Menschen auch zugänglich sind. „Psychische Störungen werden als unbedeutend hingestellt“ erklärt Björn Steuernagel, vom Refugio-Vorstand Bremen. Elise Bittenbinder: „Gerade traumatisierte Geflüchtete können erlittene Menschenrechtsverletzungen oftmals nicht sofort so zusammenhängend und ohne Zeitsprünge vorbringen, wie das der Gesetzgeber von ihnen erwartet. Das braucht Schutz und Zeit, die in dem beschleunigten Verfahren nicht gegeben ist.“

Leerstandsmelder

22. Januar 2015

Bildschirmfoto 2015-01-19 um 22.16.21Leerstandsmelder – was das ist? Eine Onlineplattform, bei der jeder Bewohner aufgerufen ist, Leerstände zu verorten. Bisher gibt es dies nur für Groß- oder Universitätsstädte, und der deutsche Nordwesten glänzt leider wieder mit Nix. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Liest Du:

Leerstehende Gebäude kann man seit 2010 auf der Internetplattform Leerstandsmelder.de eintragen und Informationen zu ihnen austauschen. Nun soll der interaktive Datenpool noch benutzerfreundlicher werden: Über eine Crowdfunding-Kampagne auf der Seite http://www.startnext.de/leerstandsmelder sammeln die Leerstandsmelder-BetreiberInnen für die Programmierung einer App, mit der man künftig Leerstände auch von unterwegs eintragen kann. Für die Entwicklung der App werden mindestens 10.000 EUR benötigt, denn es müssen zunächst technische und organisatorische Grundlagen geschaffen werden. Weitere technische Verbesserungen sind ab einer Summe von 15.000 EUR möglich. In jedem Fall soll Leerstandsmelder.de in Zukunft offener und nutzerfreundlicher werden. Auch kleine Spenden sind herzlich willkommen, Spendenquittungen und Rechnungen werden bei Bedarf ausgestellt. Als Dankeschön winken Bücher, Spiele oder Fotoprodukte rund um das Thema Leerstand und ein geführter Rundgang durch das Hamburger Gängeviertel.

Das Thema Leerstand ist nicht nur in schrumpfenden Städten und Regionen akut, sondern auch ganz besonders in wachsenden Städten, in denen Wohnraum und kulturelle und soziale Freiräume knapp geworden sind. Leerstandsmelder.de schafft seit 2010 Transparenz über bestehende Leerstände und zeigt damit neue Möglichkeitsräume auf. Die Plattform wird seit ihrer Gründung vom Hamburger Gängeviertel Verein und in Unterstützung von lokalen Initiativen ehrenamtlich betrieben. Mit dabei sind inzwischen fast 30 Städte im deutschsprachigen Raum, z.B. Berlin, Frankfurt oder Wien. Über 3.000 registrierte NutzerInnen haben bereits rund 4.000 Leerstände gemeldet.

Kinderzeit

6. Februar 2013

KinderzeitKleine Erwachsene, wilde Rabauken und eigensinnige Entdecker – Kindheit in all ihren Facetten greift das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in seiner gerade eröffneten Ausstellung auf. Anhand von Gemälden, Grafiken, Spielzeug, Kindermöbeln und Kleidung veranschaulicht sie die Rolle von Kindern von der Renaissance bis zur Neuzeit.

Rund 80 Exponate stehen im Mittelpunkt der Ausstellung Kinderzeit. Die Aspekte Porträt, Erziehung und Spiel beleuchten die Bedeutung und Entwicklung von Kindheit in den letzten fünf Jahrhunderten. Zu sehen sind unter anderem Werke von Edvard Munch, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner und Wilhelm Busch.

Zeigen die Bildnisse der frühen Neuzeit das Kind vorwiegend als kleinen Erwachsenen, so verändern sich die Darstellungen im 18. und 19. Jahrhundert zum umhegten und verzärtelten Sprössling bis zu einer sozialkritischen Sichtweise in Moderne und Gegenwartskunst. Anhand zahlreicher Exponate wird die Entwicklung der gesellschaftlichen Auffassung zum Thema Kindheit ablesbar. Die Ausstellung Kinderzeit belegt dieses facettenreiche Spektrum mit eindrucksvollen Beispielen und vermittelt nicht eines, sondern viele „Bilder“ von Kindheit aus rund fünfhundert Jahren.

Erstmals widmet sich übrigens das Landesmuseum einem Themenkomplex, der alle Sammlungsbereiche des Hauses umfasst. Die Porträts und Genredarstellungen von Kindern aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert stammen aus den Galerien Alte und Neue Meister. Sie werden ergänzt durch Exponate aus der Grafischen Sammlung und kulturgeschichtliche Objekte, darunter Spielzeug, Kindermobiliar und Kleidung. Leihgaben aus ganz Deutschland runden die Auswahl ab.

Kinderzeit
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

26135 Oldenburg  –  Damm 1, Prinzenpalais
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr bis 20. Mai 2013
Eintritt: 5 €, ermäßigt 3 €
(zum Flyer der Ausstellung das Foto anklicken)

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weiße Fläche

11. November 2012

Man darf auch lecker und gut essen, Freunde. Mit anderen Worten: Jetzt geht es um den Guide Michelin 2013.

Autoschrauber kennen die Michelin-Geschichte: 1900 erschien der erste Michelin-Führer als Wegweiser für die damals weniger als 3.000 Autofahrer  in Frankreich. Die Initiatoren  André und Édouard Michelin  gaben  Ratschläge zum Umgang mit Auto und Reifen nannten Werkstätten, Batterieladestationen und Benzindepots. 1923 erschien der Michelin in seinem Heimatland erstmals mit Hotel- und Restaurantempfehlungen.

Ab 1926 gewann der Guide Michelin für die Gastronomie seinen bis heute währenden Stellenwert, als er erstmals Sterne für eine gute Küche vergab, 1931 erstmals zwei und drei Sterne für eine herausragende Küchenleistung.  1936 führte Michelin die bis heute gültigen Definitionen zu den Sternen: „Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung“ (ein Stern), „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“ (zwei Sterne), „Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert“ (drei Sterne).

Letzte Woche nun erschien der deutsche Guide Michelin 2013. Deutschland kann nun mit 255 ausgezeichneten Restaurants, davon zehn Drei-Sterne-Häuser, aufwarten (2011: 249). Sieben Restaurants erhielten einen zweiten Stern, 29 wurden erstmals ausgezeichnet. „Damit ist Deutschland nach Frankreich die Nummer zwei in dieser Kategorie in Europa“, sagte „Michelin“-Chefredakteur Ralf Flinkenflügel. Deutschland wird also zunehmend zum Land für Feinschmecker und Genießer.

Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Einheimischen bevölkerter Landstrich hört nicht auf, dem Eindringling der hervorragenden Esskultur Widerstand zu leisten. Sie ahnen es: Das Emsland, der Landstrich von fettigen Pommes rotweiß und industriell-vorproduzierter Speckbohnenröllchen an Schnitzel in klebriger Panade. Tja, Freunde, es wird wohl noch lange im Emsland brauchen, bis man auch bei uns bundesdeutsches Durchschnittsniveau in den Restaurants erreicht, fast möchte man sagen, bis man anstelle Dönerwokpizzafastfood überhaupt Restauranthöhe erreicht.

Etwas resignierend stellt auch die NOZ fest, dass „die Region zwischen Osnabrück und der Nordsee weitgehend eine weiße Fläche in der Michelin-Karte (ist). (Michelin-)Chefredakteur Ralf Flinkenfügel meint, dass ‚die gehobene Küche nicht so einen Stellenwert einnimmt wie etwa in Baden-Württemberg‘ und dass die Gäste fehlen, die für gute Küche mehr auszugeben bereit sind.“

Neben dem Perior im wunderschönen Leer, dem Seesteg auf Norderney  und dem Osnabrücker La Vie konnten Keilings Restaurant (Bad Bentheim) und Apicius in Bad Zwischenahn ihren Stern behaupten. 3-Sterne-Koch Thomas Bühner (La Vie Osnabrück) meint, es fehle auch manchmal das regionale Selbstbewusstsein.

Also seien wir selbstbewusst, denken emsländisch zufrieden an die gute regionale Küche im Gasthof Backers in Twist und von Franz-Josef Sanders in seinem Jagdhaus Wiedehage (Haselünne). Aus Lingener Sicht hoffen wir auf Jan Kieseling (Foto oben re), unseren Kandidaten für mehr im Ratskeller am Lingener Markt. Hab ich eine richtig gute Küche vergessen? ich würde mich freuen, wenn es mehr als drei Restaurants sind, die man entspannt besuchen kann. Der erste emsländische Michelin-Stern kommt jedenfalls bestimmt…

Bis dahin schauen wir uns lächelnd an, wie herrlich sich der junge Lübecker Kevin Fehling über seinen dritten Stern  gefreut hat:

Unterstützer

16. September 2012

2000 Unterschriften im ganzen Land Niedersachsen und zusätzlich 100 in jedem einzelnen der 87 Landtagswahlkreise benötigt die Piratenpartei, um bei der Landtagswahl Niedersachsen am 20. Januar 2013 antreten zu können. „Flächendeckend“ heißt es dann. Zurzeit sammelt die Partei diese notwendigen Unterstützerunterschriften und sie wird sie sicher bekommen.

Beunruhigender  wirkt auf mich da schon , dass heute, fast vier Monate vor der Landtagswahl noch acht Wahlkreise  -davon allein sechs (!) in Weser-Ems – noch ohne Direktkandidaten/in dastehen (Grafik lks).

Im Wahlkreis 80 „Lingen/Schüttorf“ wurde übrigens in der vergangenen Woche der Laxtener Jörg Großmann zum Landtagskandidaten gewählt.

Die niedersächsischen Piraten schreiben aktuell:

„Unterschriftenformular für die Landtagswahl

Das Formular für die Unterstützungsunterschriften zur Zulassung zur Landtagswahl liegt vor.

Um die Piraten zu unterstützen, muss das Formular ausgedruckt und der mittlere Teil (Personendaten) ausgefüllt und unterschrieben werden (Unterschrift bei den Personendaten). Das Formular dann bitte an die Landesgeschäftsstelle senden:

Piraten Niedersachsen
Bahnhofsallee 25
31134 Hildesheim


Formular: Unterst_PIRATEN_ltw13.pdf42 K „

Plattes Land

10. September 2012

Wo sitzen die Gerüchtemacher? Heute in der FAZ über Bettina Wulffs Versuch, ein Gerücht zu stoppen:

„…Einige christlich-demokratische Abgeordnete des niedersächsischen Landtages haben ihre Wahlkreise in Gegenden Niedersachsens, die so ziemlich das Gegenteil derjenigen CDU sind, die eine moderne Großstadtpartei sein will. Dort war die Trennung und spätere Scheidung Wulffs von seiner ersten Frau Christiane und die Inszenierung des neuen, jungen Glücks in der Boulevardpresse nicht gut angekommen. Das offenbarte die Landtagswahl 2008, in der die  CDU Verluste verzeichnete und Demoskopen feststellten, dass ältere Frauen vom Lande sich von Wulff abgewendet hatten. Welcher Parteifreund, der eine offene Rechnung mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten gehabt haben könnte, auch immer der Urheber von Gerüchten dieser Art gewesen sein mag, der fruchtbare Nährboden war jedenfalls das platte Land zwischen Weser und Ems….“

Nach einmal Huiiii in meinem heutigen Blog.

Angeklagt

11. Juli 2012

Angeklagt wird viel in Deutschland. Aber ein Ex-SPD-Bundesminister aus Weser-Ems vor Gericht – das ist dann doch sehr  ungewöhnlich. Also richten sich die Augen heute auf das Landgericht Oldenburg, wo sich Karl-Heinz Funke verantworten soll.  Die konservative Nordwestzeitung weiß:

„Das wird eine völlig neue Rolle, die Karl-Heinz Funke ab Mittwoch lernen muss. Der ehemalige Landwirtschaftsminister von Land und Bund, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn einer der mächtigsten Männer im Nordwesten, ohne dessen Wort ganz besonders im Landkreis Friesland nichts lief, muss vor dem Oldenburger Landgericht den reuigen Sünder geben.

Der wortgewaltige und sprachmächtige Mann, der wegen seiner robusten Unterhaltsamkeit auch ein gern gesehener Gast in vielen öffentlich-rechtlichen Fernseh-Talkshows ist, steht vor dem Landgericht, weil ihm finanzielle Verfehlungen in seiner Eigenschaft als Vorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) vorgeworfen werden. Mit ihm angeklagt ist der ehemalige OOWV-Geschäftsführer Hans-Peter Blohm.

Einige der Vorwürfe hat er bereits zugegeben und öffentlich bedauert. Dazu gehört ein 8000-Euro-Zuschuss des Wasserverbandes zu seiner privaten Silberhochzeits-Feier. Es geht aber noch um mehr. Funke und Blohm sollen eigenmächtig das Blohm-Gehalt erheblich erhöht und außerdem ein System dubioser Zuwendungen an Mitarbeiter des Verbandes konstruiert haben. Mehr als 1,2 Millionen Euro sollen in den Jahren 2007 und 2008 als nicht genehmigte Zulagen an OOWV-Bedienstete ausgezahlt worden sein. Wie kompliziert die juristische Bewertung der Vorgänge offenbar ist, können Laien daran ermessen, dass…“

weiter und mehr bei der NWZ  / noch mehr beim NDR

(Foto: Karl-Heinz Funke, CC Wilfried Wittkowsky)