Klima der Angst

14. Dezember 2016

Ich bin ja schon etwas länger dabei: Aber diese Landes-CDU in Niedersachsen ist wirklich seit Jahrzehnten eine besondere Veranstaltung – nimmt man einige Jahre in den 1970er und 1980er Jahren aus, wo mit Politikern wie Werner Remmers, Hans-Dieter Schwind oder Eduard Pestel auch weniger schwarz-braun wirkende Personen Einfluss hatten. Ich schwanke immer zwischen „Himmel, wie peinlich“, „Fremdschämen“ und „Das kann nicht wahr sein“, wenn aus dem Landtag in Niedersachsen berichtet wird. Doch alles an lärmendem Geschrei und tumbem Beifallschlagen auf die Tische im Landtag seitens der interlektuellen Drittbesetzung Thümler & Co (Eigenzitat: „… es geht um Niedersachsen und die Menschen, die in diesem schönen Land leben.“) hat ein politisches Kalkül. Tatsächlich will die traditionell rechts verortete Niedersachsen-CDU greifbar ein Klima der Angst vor Muslimen in unserem Bundesland schaffen, wie die taz kommentiert:

taz„Wohl aus Furcht vor der AfD fährt Niedersachsens CDU seit mehr als einem Jahr eine ausgrenzende Anti-Islam-Kampagne: Die soll zumindest indirekt das Gespenst einer „Überfremdung“ schüren, Muslime pauschal als mögliche Terrorhelfer diskreditieren – und die Regierungsparteien SPD und Grüne als innen- und sicherheitspolitische Versager vorführen.

Allein deshalb haben die Konservativen im Landtag einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss durchgesetzt, der mögliche Sicherheitsdefizite bei Polizei und Verfassungsschutz offenlegen soll. Mag die verabscheuungswürdige Messerattacke der zum Tatzeitpunkt 15-jährigen Safia S. auf einen Bundespolizisten in Hannovers Hauptbahnhof auch Auslöser gewesen sein – festzuhalten bleibt: In Niedersachsen hat islamistischer Terror bis heute kein einziges Todesopfer gefordert.

Daraus ein Versagen der Sicherheitskräfte zu konstruieren, grenzt schon an Demagogie. Trotzdem warnen die Christdemokraten immer wieder vor möglichen „Terrorzellen“ – und können zur Begründung nur anführen, dass auch Safias Bruder eine Flasche mit brennbarer Flüssigkeit von einem Parkhaus geworfen hat.

Ebenfalls instrumentalisiert wird der Fall einer den Niqab tragenden Schülerin aus Belm bei Osnabrück: Weil ihre Familie dem radikal-salafistischen „Kalifatsstaat“ nahestehen soll, fordert die CDU nicht nur den Schulverweis der 16-Jährigen, sondern bezichtigen auch gleich die Kultusministerin des Verfassungsbruchs. Irgendetwas wird schon hängen bleiben, lautet offenbar das Motto.

Geschaffen wird so ein Klima der Angst und das hat Folgen: Die „Islam-Verträge“ zur Aufwertung muslimischer Gemeinden haben die Christdemokraten erfolgreich torpediert – während die Moschee-Gemeinden bis Ende Februar wissen wollen, wann endlich unterschrieben wird, lehnt die sozialdemokratisch geführte Staatskanzlei jedes „Ultimatum“ ab. Dialog und Anerkennung sehen anders aus. Die CDU erreicht ihr Ziel.“

Zur Erinnerung: Christian Wulff (CDU) hatte 2005 als damaliger niedersächsischer Ministerpräsident einen Staatsvertrag mit den islamischen Verbänden vorgeschlagen. Die Verhandlungen der rot-grünen Landesregierung laufen seit 2013, und in diesem Sommer ist die CDU mit großem Tamtam ausgestiegen. Es geht ihr nur um Stimmung statt sachlicher Arbeit.

abgerückt

6. März 2015

Da klittert sich der CDU-Mann Bernd-Carsten Hiebing sein konservatives Weltbild zusammen. Er war es bekanntlich, der sich mit der geradezu boshaften Initiative hervortat, die erfolgreiche Lingener „Gesamtschule Emsland“ in Werner-Remmers-Gesamtschule umzubenennen. Große Empörung war die Antwort. Jetzt ist die Emsland-CDU vom Hiebingschen Vorschlag offiziell abgerückt und versucht sich hinter den kritischen Worten der Familie von Werner Remmers zu versteclen.

Die CDU zitiert Hiebing in einer Presseerklärung mit dieser Begründung: „…mit seinem ideologiefreien Politikverständnis hat [Werner Remmers] die Möglichkeit eröffnet, einzelne Gesamtschulen als zusätzliches Angebot in der Schullandschaft zu etablieren, ohne das dreigliedrige Schulsystem infrage zu stellen“. Allerdings vergießt sie nur Krokodilstränen, wie ein Blick in die Geschichte der Niedersächsischen Gesamtschulen zeigt:

Mit dem Beginn des Schuljahres 1971/72 entstanden in Niedersachsen die ersten Integrierten Gesamtschulen in Braunschweig, Fürstenau, Garbsen, Hannover-Linden, Hildesheim, Langenhagen und Wolfsburg sowie die Kooperativen Gesamtschulen Osnabrück und Neuen- haus. Die damit einsetzende erste Gründungsperiode umfasste die Regierungszeit der SPD-Kultusminister Peter von Oertzen und Ernst Gottfried Mahrenholz. Die ersten 13 Gesamtschulen wurden dabei als Schulversuche geführt. Eine flächendeckende Einführung war nicht geplant.

1976 wechselte die Regierungsmehrheit im Landtag zu einer CDU/FDP-Koalition, die in der 1978 folgenden Landtagswahl bestätigt wurde. Werner Remmers war dann der erste Kultusminister der CDU/FDP-Regierung Albrecht. Zunächst genehmigte er noch die Gründung einiger Kooperativer Gesamtschulen, deren Planung weit fortgeschritten war. Dann aber brachte er ein erstes Gesamtschulmoratorium auf den Weg, das die weitere Gründung von Gesamtschulen bis auf Weiteres verbot. Beinahe bis zum Ende der Regierungsperiode der CDU/FDP-Koalition hatte es Bestand. Schwarzgelb wurde 1990 durch die rot-grüne Schröder-Regierung abgelöst, und man hatte nur ganz am Ende von 14 Jahren Albrecht-Regierung eine einzige neue Integrierte Gesamtschule genehmigt, die IGS Franzsches Feld in Braunschweig. In den folgenden 13 Jahren einer SPD-geführten Regierung verdoppelte sich die Zahl der Gesamtschulen. Dazu zählte 1993 auch die IGS Lingen, die später in „Gesamtschule Emsland“ umbenannt wurde.  Angesichts der weit höheren Nachfrage nach Gesamtschulplätzen auf Elternseite kann man allerdings wohl nur von einer gebremsten Entwicklung sprechen.

1994 stellte das Schulgesetz die Gesamtschulen dann estmals formal mit allen anderen allgemeinbildenden Schulen im Sekundarbereich gleich. Dagegen klagte 1996 die CDU-Landtagsfraktion (!) vor dem Niedersächsischen Staatsgerichtshof in Bückeburg und beantragte festzustellen, dass die rechtliche Gleichstellung der Gesamtschulen mit den übrigen allgemeinbildenden Schulen gegen die niedersächsische Verfassung bzw. gegen das im Grundgesetz festgelegte Recht der Eltern verstoße, über Erziehung und Bildungsgang ihrer Kinder zu bestimmen. Der Staatsgerichtshof wies die CDU-Klage im Kern ab.

Bildschirmfoto 2015-03-06 um 00.09.38Fazit: Die CDU ist gegen Gesamtschulen, weshalb es sie in CDU-regierten Landkreisen nicht gibt (Karte lks). Die Gesamtschule in Lingen ist eine Ausnahme und nur der Kraft und dem Einsatz der damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Elke Müller (Lingen) zu verdanken. Werner Remmers verlautbarte zwar öffentlich, keine grundsätzlichen Einwände gegen die Gesamtschulen zu haben, die ihm, ebenso wie Ganztagsschulen und Freie Waldorfschulen, als Alternative zum dreigliedrigen System durchaus recht zu sein schienen, „sofern auch Eltern dies wollen“. Dieses Statement aber überzeugt im Rückblick nicht, weil Remmers tatsächlich ein Gesamtschul-Moratorium verordnete und die CDU Niedersachsen dies 14 Jahre lang einhielt. Remmers war Teil der Gesamtschule-Blockade der CDU, und wenn er denn eine liberale Schulpolitik wollte, konnte er sie in der Gesamtschulfrage nicht gegen die CDU-Majorität durchsetzen.

Werner Remmers hat also die Gesamtschulen in Niedersachsen blockiert, wenn er auch nach außen als Mann liberaler Schulpolitik auftrat. Der Vorschlag überzeugt daher nicht, die Gesamtschule ausgerechnet nach einem CDU-Politiker im Allgemeinen und nach Werner Remmers im Besonderen zu benennen.

Grundsätzlich ist es aber natürlich richtig, eine öffentliche Bildungseinrichtung nach dem Kulturpolitiker Werner Remmers zu benennen. Daher muss man nach dem CDU-Rückzieher überlegen, ob die Idee unserer Fraktion der BürgerNahen nicht weiterhin richtig ist, die Grundschule an Werner Remmers‘ Wohnort Holthausen-Biene nach dem unkonvemntionellen Querdenker der CDU und langjährigen Kultusminister zu benennen. Die Lehrer der jetzigen „Grundschule Holthausen“ sind nicht dafür; aber das Leben ist ja bekanntlich weder ein  Wunschkonzert noch ein Ponyhof noch gar eine Facebookdiskussionsgruppe….

(Quelle FES)

 

Zur Befriedung

1. März 2015

KAS-Remmers,_Werner-Bild-5503-1Mit der -sagen wir- ausgesprochen ungewöhnlichen Initiative, ausgerechnet die Gesamtschule Emsland in Lingen nach seinem verstorbenen Parteifreund Werner Remmers zu benennen, hat der CDU-Politiker Bernd-Carsten Hiebing für Aufregung gesorgt. Nun haben die Lingener BürgerNahen dem CDU-Funktionär mit einer Alternative geantwortet: Sie bringen eine andere Umbenennung nach dem Lingener Kultur- und Schulpolitiker ins Gespräch:

„Zur Befriedung der aktuellen Debatte schlagen die BürgerNahen vor, die Grundschule Holthausen in Werner-Remmers-Schule umzubenennen.

Weder Werner Remmers mit seiner außergewöhnlichen politischen Leistung, noch die Gesamtschule Emsland als landesweit einzige ausgezeichnete „Starke Schule“ mit ihrer enormen Entwicklung, haben die derzeitige, kontroverse Diskussion zur Umbenennung der Gesamtschule Emsland in Werner-Remmers-Schule nicht verdient, erklärt Volker Becker für die BürgerNahen.

„Als langjähriger bildungspolitischer Sprecher des Niedersächsischen Landtags entwickelte Werner Remmers in seiner Amtszeit die Schullandschaft weitgehend mit und hat sich somit um die Namensgebung einer Schule gewiss verdient gemacht“, erklärt Becker.

Ortsbezogen leitete Werner Remmers langjährig das Ludwig-Windhorst Haus in Holthausen und hat hierdurch den überregionalen Bekanntheitsgrad des Ortsteiles gefördert. Zudem wohnte Werner Remmers in Holthausen und hat auch dort seine letzte Ruhe gefunden.
Nach Meinung der BürgerNahen liegt damit nah, Werner Remmers auch dort zu ehren, wo er in erster Linie beruflich und privat aktiv war und seinen Lebensmittelpunkt hatte.

Unter Einbeziehung des Ortsrates Holthausen und der Grundschule Holthausen – mit dem Lehrerkollegium, den Eltern und den Schülern – solle deshalb kurzfristig ein gemeinsamer Vorschlag entwickelt werden. Die BürgerNahen befürworten die Umbenennung der Grundschule Holthausen in Werner-Remmers-Schule und freuen sich auf eine fruchtbare Debatte dazu.“ (Quelle)

In der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag hat Volker Becker (BN) beantragt,den BN-Vorschlag in der Sitzung des Schulausschusses am März zu beraten. Man darf gespannt sein, wie sich die CDU positioniert. Bedenkenträger meldeten sich schon am Donnerstag am Rande der Ratssitzung mit dem ausgesprochen beeindruckenden ‚Argument‘, alle Grundschulen in den Ortsteilen sollten keine Namen tragen. Vielleicht aber kann man ausnahmslos für alle ehem. Niedersächsischen Kultusminister  eine Ausnahme in demjenigen Lingener Stadtteil machen, in dem sie jeweils gewohnt haben…

(Foto: Werner Remmers, CDU-Plakat 1978  CC BY-SA 3.0 de)

anders

12. Februar 2015

Gesamtschule_Lingen Sie kann sich freuen, die Gesamtschule Emsland in Lingen (Foto lks); denn gerade hat sie von 669 teilnehmenden Schulen in Niedersachsen den ersten Platz im Landeswettbewerb „Starke Schule“ belegt. Überzeugt hat die Bildungseinrichtung -so das Niedersächsischen Kultusministerium – vor allem mit der hohen Kontinuität in den Jahrgangsteams und der individuellen Förderung von Schülern; die Persönlichkeitsentwicklung werde unter anderem durch Sozialstunden gefördert. Die Gesamtschule hat nun sogar die Chance auf den bundesweiten Gesamtsieg; der wird am 21. April in Berlin bei einer Festveranstaltung mit Bundespräsident Joachim Gauck bekannt gegeben.

Die Erfolgsgeschichte der von den gerade in den Ruhestand verabschiedeten Protagonisten, dem „Gründungsrektor“ Hans-Georg Krupp und der didaktischen Leiterin Irmgard Monecke, geprägten Schule hindert zeitgleich die Landes-CDU nicht daran, wieder einmal ihre ideologische Keule gegen das längere gemeinsame Lernen im Allgemeinen und Gesamtschulen im Besonderen herauszuholen.

Und jetzt der fast schon skurrile, allemal verblüffende Beitrag der Emsland-CDU, womit klar ist, dass diese häufig so bräsig-unsensibel wirkenden Christdemokraten das auch durchsetzen wollen. Die „Gesamtschule Emsland“ soll künftig den Namen des CDU-Politikers Werner Remmers tragen: „Werner-Remmers-Gesamtschule“. Typisch CDU: Die Eltern, Lehrer und Schüler der Gesamtschule hat niemand (!) zuvor gefragt oder gar um eine Stellungnahme gebeten. Ob die Familie Remmers um eine Stellungnahme gebeten wurde? Man darf daran zweifeln.

Zweifellos war der vor vier Jahren verstorbene Werner Remmers ein engagierter, kluger und bisweilen auch unkonventioneller Politiker, ein engagierter Katholik. Er selbst wäre daher kaum auf die Idee gekommen, die die CDU-Kreistagsfraktion jetzt umtreibt.

Man muss kein Sozialdemokrat sein, um diese Namensgebung der konservativen Gesamtschulgegner mit dem Adjektiv zu versehen, das davor gehört: Scheinheilig. Und angesichts der stets diffamierenden CDU-Gesamtschulpolitik auch eher peinlich. Hier -lesenswert!- die empörte, aber auch konstruktive Reaktion der Emsland-SPD:

Seit Jahrzehnten kämpft die CDU auf Landes- und Emslandebene gegen die Integrierten Gesamtschulen. Von Einheitsschule und Gefährdung der Bildungslandschaft ist die Rede und erst vor ein paar Tagen veröffentlichte die Emsland-CDU in einem Eigenbericht: „Das werden wir nicht widerstandslos hinnehmen“.

Jetzt musste sich die SPD-Kreistagsfraktion verwundert die Augen reiben. Die CDU-Kreistagsfraktion stellt den Antrag die Gesamtschule Lingen umzubenennen in „Werner-Remmers-Gesamtschule“. Es sollte guter Brauch sein, dass ein Namensvorschlag von der betreffenden Schule erarbeitet wird und jetzt – ausgerechnet bei der Gesamtschule, dem „Lieblingskind“ der CDU wird die Schule im Vorfeld noch nicht einmal informiert, gefragt schon gar nicht. Häufig soll der Name der Schule das Leitbild der Schule zum Ausdruck bringen.

Die Gesamtschule Lingen, Lehrer, Eltern und Schüler/innen warten seit vielen Jahren auf die Einrichtung einer Oberstufe. Die vielen Versuche der SPD scheiterten immer wieder an der Mehrheitsfraktion. Auch Elterninitiativen auf Gründung einer IGS in Aschendorf/Papenburg wurden abgelehnt.

Die Schule soll den Namen eines CDU-Politikers erhalten, der mit dem Aufbau der Schule überhaupt nichts zu tun hatte, denn zur Gründung der Schule war Herr Remmers gar nicht mehr Kultusminister. Die Schule soll den Namen einer Person erhalten, der einer Partei angehört hat, die die Gesamtschulen seit vielen Jahren und auch heute noch bekämpft.

Es ist auch ein Affront gegen die große Elterninitiative, die sich Anfang der 90er für die Einrichtung der IGS stark gemacht hat. Damals gab es keine CDU-Abgeordneten, die sich stark gemacht haben, sondern Sozialdemokraten wie Elke Müller, Harald Höhne und Edeltraut Graeßner. Erst als der Druck groß wurde, überredete der damalige Landrat Hermann Bröring die Mehrheitsfraktion dem Druck nachzugeben. Alle, die damals dabei gewesen waren können sich noch an viele, nicht immer schöne Auseinandersetzungen und Debatten im Kreistag und in der Presse erinnern. Und nun soll ausgerechnet diese Schule einem CDU-Minister als Denkmal gesetzt werden. Es gäbe sicherlich ehrlichere Möglichkeiten die Arbeit von Herrn Dr. Remmers zu würdigen.

„Die Gesamtschule Lingen verdient unseren größten Respekt“, so die Fraktionsvorsitzende Karin Stief-Kreihe. „Der große Einsatz und das Engagement der Lehrerschaft, der Eltern und der Schüler/innen hat sich gelohnt. Die Gesamtschule Lingen hat sich weit über das Emsland hinaus einen hervorragenden Ruf erworben. Es bleibt der Wunsch der Lehrerschaft, der Eltern und der Schüler/innen und der SPD-Kreistagsfraktion auf Einrichtung einer Oberstufe. Dazu sollte sich die Mehrheitsfraktion durchringen“.

Vergeblich hat der bei seinem Ausscheiden vor zwei Wochen viel gelobte Schulleiter Hans-Georg Krupp darum gerungen, der Gesamtschule in Lingen eine Oberstufe („Sekundarstufe II“) anzugliedern, damit die Schüler auch das Abitur an der Gesamtschule machen können. Deshalb hat er zu seinem Abschied vom Landkreis weniger Geschenke bekommen als solche gemacht: Eine Machbarkeitsstudie für die Sekundarstufe II. „Ich bin absolut sicher, dass der Zeitpunkt kommen wird, zu dem alle Beteiligten sehen werden, dass unsere Sek. II niemandem wehtun und endlich die emsländische Schullandschaft komplettieren wird“, sagte Krupp dazu. Jetzt liegt in gewisser Weise die CDU-Antwort auf dem Tisch: Es gibt ein Namensschild, das täuscht und daher verärgern muss. Gute Politik geht anders.

 

(Foto: Winterliche Gesamtschule Emsland in Lingen; © dendroaspis2008 via flickr)

Sonderung

23. Juli 2014

Als Anhängsel an ein Industrieunternehmen soll 2015 in Lingen eine private Grundschule für Kinder eröffnet werden, deren Eltern in dem Betrieb arbeiten und Schulgeld bezahlen können. Die Fa Rosen macht eine Grundschule auf, vor allem für Kinder eigener Mitarbeiter; Gaz de France und BP zeigen sich interessiert.

Besonders groß (und wie gewohnt ohne großes Hinterfragen, welches Fass da aufgemacht wird) ist der Jubel in der Lokalzeitung („Bereicherung für die Region“). Rosen, so der LT-Redakteur, nehme „Geld in die Hand“ (was natürlich Steuergeld ist, weil die Schule zu rd. 90% aus Steuergeldern finanziert wird). Auch die Lokalpolitik ist enthusiastisch: Oberbürgermeister Dieter Krone kriegt sich in seiner Begeisterung für diese Schule gar nicht wieder ein; sie sei ein „weicher Standortfaktor mit Alleinstellungsmerkmal“. Die grundsatzlose CDU-Mehrheit ist dafür, die Grünen haben kein Problem damit. Dem BN-Vertreter reichten in der Schulausschusssitzung die Informationen noch nicht und er enthielt sich. Allein die SPD warnt nachdrücklich.

Dabei prägen die Schulen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft in besonderem Maß. Dort treffen die Kinder treffen auf Gleichaltrige, die nach Herkunft, Neigung, Fähigkeiten etc. völlig unterschiedlich sind. Das gilt besonders für die Grundschulzeit. Diese Gemeinsamkeit zu erleben ist Voraussetzung dafür, dass Kinder Verschiedenheit kennenlernen, akzeptieren und wertschätzen. Bei Grundschulen liegt die Zusammenfassung der Kinder aller Bevölkerungsschichten besonders im gesellschaftlichen Interesse. Das Konzept der staatlichen Schule bedeutet zugleich eine Absage an Klassen, Stände und sonstige Schichtungen und ist damit dem sozialstaatlichem und egalitär-demokratischem Gedankengut verpflichtet.

So ist die Schule für alle ein wesentlicher Grundstein unserer Gesellschaft. Dies hat die Verfassungsväter und –mütter die Freiheit deutlich einschränken lassen, Privatschulen zu betreiben.

Das wusste auch Werner Remmers, der verstorbene frühere niedersächsische CDU-Kultusminister. Er befürwortete die vor einer Generation ideologisch so umkämpfte Orientierungsstufe vor allem deshalb, weil sie die notwendige gesellschaftliche Gemeinsamkeit der Schüler schaffe.

All dies geben die Befürworter des Rosen-Planes jetzt leichtfertig auf. Man darf sicher auch bezweifeln, dass behinderte Kinder die Rosen-Schule „gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben“, besuchen werden, wie es die UN-Behindertenkonvention fordert. Mit Inklusion wird’s wohl nix.

Nun ist zwar das Recht zur Errichtung von privaten Schulen in unserem Land grundsätzlich gewährleistet. Sie brauchen aber eine staatliche Genehmigung und die ist nur möglich, wenn neben der Qualität ihrer Lehrkräfte die Schule keine „Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern“ fördert. Sonderung aber ist genau das, was in Lingen geschehen soll: Eine Schule für Beschäftigte bei Rosen kann nicht genehmigt werden, auch nicht wenn Gaz de France und BP dazu stoßen. Diese Selbstverständlichkeit ist in unserer Verfassung verankert. Deren Vorgaben wird das Land kontrollieren.

Außerdem kann diese Grundschule nur genehmigt werden, wenn ein besonderes pädagogisches Interesse anerkannt wird. Bloße Zweisprachigkeit reicht dafür nicht.

Eine zweisprachige Schule muss also – nicht nur auf dem Papier – grundsätzlich allen Lingenern offen stehen und dies ohne Rücksicht auf ihre finanziellen Verhältnisse.

HüskenMargitta Hüsken von der SPD hat in der Schulausschusssitzung am Montag die richtige Alternative aufgezeigt: „Wir wollen“, sagte sie, „eine solche Schule nicht bei Rosen, sondern an einem Standort, der für alle Kinder zugänglich ist – an einer städtischen Schule.“ Beispielsweise in Darme oder Schepsdorf, setze ich hinzu.

Geradezu vorlaut kommentierte OB Krone diesen Beitrag von Margitta Hüsken, dass man das zwar versuchen könne, aber bis zu einer Entscheidung des zuständigen Kultusministeriums auch wohl noch 20 Jahre Wartezeit einplanen müsse.

Da stellt sich die Frage, was der OB denn in den vier Jahren seiner Amtszeit im Kultusministerium für sein “Alleinstellungsmerkmal“ einer zweisprachigen Grundschule versucht hat. Ich vermute mal: Nix.

Aber könnte der Mann nicht mit dem Bohren dicker Bretter erst einmal anfangen, bevor er eine Eliteschule für 6jährige propagiert, deren Eltern genügend Schulgeld zahlen?

 

(Foto: Margitta Hüsken, © Stadt Lingen)

1987

22. Januar 2012

Atom-Diskussion des NDR in Lingen vor 25 Jahren: „Das Entsorgungsproblem ist noch nicht endgültig gelöst…. Wir haben Zeit genug, das Problem endgültig zu lösen.“

Werner Remmers

19. März 2011

Werner Remmers ist tot. Der 80-Jährige starb am Samstag nach langer schwerer Krankheit. Der CDU-Politiker aus Lingen war von 1976 bis 1982 Kultus- und von 1986 bis 1990 Umweltminister in Niedersachsen.  Werner Remmers soll am kommenden Freitag in Lingen-Biene beerdigt werden.

Der 1930 geborene Emsländer studierte in Bonn und Münster und promovierte bei dem späteren Kardinal und Soziallehrer Joseph Höffner. Anschliessend arbeitete Werner Remmers in der katholischen Erwachsenenbildung. Zunächst wurde er stellvertretender Leiter des Münsteraner Franz-Hitze-Hauses, später leitete er lange Jahre das Ludwig-Windhorst-Haus (LWH) im emsländischen Lingen.  Als einziger CDU-Kultusminister setzte sich der promovierte Volkswirt und langjährige Leiter des Ludwig-Windthorst-Hauses in Holthausen-Biene für die Beibehaltung der schulischen Orientierungsstufe in der fünften und sechsten Klasse ein und hielt trotz Kritik auch an der Gesamtschule fest. In seiner Amtszeit als Umweltminister beschäftigte Remmers vor allem das Kohlekraftwerk Buschhaus bei Helmstedt, dessen Entschwefelungsanlage monatelang nicht richtig gearbeitet hatte.

Remmers hielt seine Meinung nie zurück, sein scharfer Witz galt als legendär. Nach dem Wahlerfolg von Gerhard Schröder 1990 in Hannover blieb Remmers zunächst Abgeordneter des niedersächsischen Landtags. Ein Jahr später wurde er dann Direktor der neu gegründeten Katholischen Akademie in Berlin. Er  leitete sie bis 1999.

(Quellen: DPA, Newsclick NOZ)