Shell koppelt

3. Dezember 2018

Die Erderhitzung ist unaufhaltsam. Wie das IPCC ausgerechnet hat, würde ein Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius dramatische Folgen haben: Extremwetterlagen, Waldbrände, Überschwemmungen, Korallensterben – all das ist abzusehen, wenn nicht bald gehandelt wird. Aus diesem Grund treffen sich dieser Tage Staats- und Regierungschefs von fast 200 Ländern im polnischen Kattowitz, um über die globale Klimapolitik zu entscheiden. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft kommen erste Steine ins Rollen. Der Managerbonusniederländisch-britische Öl- und Gaskonzern Shell will etwa eine Vorreiterrolle übernehmen und den CO2-Ausstoß kräftig reduzieren. Für dieses Ziel soll die Aktionärsversammlung von Shell jetzt eine wegweisende Entscheidung treffen: Ab 2020 will der Konzern die Managerboni an den CO2-Ausstoß des Konzerns koppeln.

Bereits 2015 wurde mit dem Pariser Klima-Abkommen ein erster Meilenstein im globalen Klimaschutz erreicht: Die Staaten weltweit einigten sich darauf, alles dafür zu tun, um die Klimaerhitzung auf unter 2 Grad Celsius zu drücken. Jetzt soll in Kattowitz, mitten im polnischen Kohleabbaugebiet, über ein Rulebook abgestimmt werden, das konkrete Maßnahmen für die Staaten zur Verwirklichung der Ziele im Pariser Abkommen vorgibt. An den Verhandlungen ist auch eine niederländische Delegation beteiligt und Premier Mark Rutte (VVD) wird eine Rede auf dem Klimagipfel halten. Indes erfährt der Klimagipfel deutlichen Druck von der Straße: Am Wochenende demonstrierten mehrere Zehntausenden Menschen zeitgleich in Köln und Berlin für eine weltweit beherztere Klimapolitik. Übertroffen wurden die deutschen Demonstrationen vom Klima-Protest auf den Straßen Brüssels. Dort demonstrierten 65.000 Menschen für größere Anstrengungen im Klimaschutz. Die Brüsseler Polizei sprach gar von der größten Beteiligung an einer Klimaschutz-Demo in der Geschichte Belgiens.

Die Richtung ist klar, auch gibt die Politik Maßnahmen vor – die Frage ist aber, wie sie von der Wirtschaft umgesetzt werden können. Fakt ist nämlich, dass die Industrie den menschengemachten Klimawandel maßgeblich antreibt. Dessen ist sich der Ölriese Shell bewusst. Shell gab schon 2017 bekannt, im Sinne der Pariser Vereinbarung die CO2-Emissionen des Konzerns bis 2050 zu halbieren. Wie die Tageszeitung Trouw bereits im Mai meldete, nimmt Shell somit eine Vorreiterposition in der Wirtschaft ein. Für kritische Aktionäre, die sich unter dem Namen Follow This organisieren, ist die betriebsinterne Klimapolitik aber nicht weitreichend genug. Die Aktionärsgruppe stützt sich dabei auf Berechnungen von Wissenschaftlern, nach denen der CO2-Ausstoß bis 2050 auf null reduziert werden müsse, um die Welt vor einer desaströsen Klimakatastrophe zu schützen.

Auch nach dem internen Streit bleib unklar, wie ernst Shell es mit dem neuen, weitaus grüneren Firmenimage meint. Bis heute kann der Konzern nicht vorlegen, mit welchen kurz- und mittelfristigen Zielen er den CO2-Ausstoß zu halbieren gedenkt. Aus diesem Grund macht eine weitere Aktionärsgruppe namens Climate Action 100+ nun Stimmung. Bei Climate Action 100+ sind vor allem Großaktionäre wie Vermögensverwalter, Rentenfonds oder Versicherungen organisiert, die es auf eine stolze Aktiensumme von 32 Billionen Euro bringt. Besonders engagiert bei Climate Action 100+ ist etwa der Rentenfonds ABP, der sich für eine Kopplung der Managerboni an den CO2-Ausstoß aussprach. Durch dieses neue Belohnungssystem wären rund 1.200 Mitarbeiter im Topmanagement betroffen. Konkret bedeutet die Neuregelung, dass die Managerboni schmelzen, sobald der CO2-Ausstoß des Unternehmens steigt. Reduziert Shell hingegen die Emissionen, verdienen die Manager mehr. Stimmt die Aktionärsversammlung zu, tritt die Boni-Kopplung 2020 in Kraft.

Beim Spitzenmanagement traf die Aktion auf offene Ohren. Shell-CEO Ben van Beurden nannte die Neuregelung „fortschrittlich“: „Wir haben eine Methode gefunden, um langfristige Klimaziele in kurzfristige Klimaziele zu übersetzen und dies in unser Belohnungssystem einzubauen“, so Van Beurden gegenüber der niederländischen Rundfunkanstalt NOS. Nun hofft Climate Action 100+, dass auch andere Großkonzerne diesem Beispiel folgen. Auch der Rentenfonds ABP, der federführend an der Ausarbeitung beteiligt war, möchte seine eigenen Aktionäre zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020 bewegen. Shell selbst hat überdies angekündigt, die Mitgliedschaften in Lobby-Organisationen zu evaluieren. Im ersten Quartal 2019 wird der Ölkonzern bekanntgeben, aus welchen Lobbys er austreten will.

(Quelle: NiederlandeNet)

Kopenhagen

24. Januar 2010

Stadtrat Büring hat per Interview bekannt gegeben, dass die Stadt weitere 8 Hektar Wald an der Raffineriestraße abholzen will. Ein Minus an Wald, das zum mit dem vorsätzlichen Waldflächen-Minus  aus dem letzten Februar (Foto lks) zu addieren multiplizieren ist, ohne dass dies „ein Plus“ ergäbe, und für das es keinen einzigen Grund gibt. Wiederholung: Keinen einzigen Grund. Die Sozis im Stadtrat schreiben dazu aktuell auf ihrer Internetseite:

Als unsinnig bezeichnet der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion Hajo Wiedorn die jetzt von der Stadt Lingen (Ems) durch den 1. Stadtrat Dr. Ralf Büring angekündigte Rodung der Flächen an der Raffineriestraße. Dafür gibt es nach Ansicht des Sozialdemokraten keinen aktuellen Anlass.

„Wir haben im letzten Jahr viele, auch umstrittene Absichten von OB Pott und seinem Gefolge mitgetragen.“ erklärte Wiedorn gegenüber der Presse. „Für diesen Unsinn haben wir aber keinerlei Verständnis!“
In mehreren Anfragen nach konkreten Ansiedlungsabsichten hatte die Verwaltung, an erster Stelle Baudezernent Lisiecki, immer nur ausweichende oder eher verschleiernde Antworten parat. Und die jüngsten Aussagen von Dr. Büring gegenüber der Presse sagen auch nur, dass Gespräche geführt werden.

Offensichtlich sollen mit der geplanten Rodung Fakten geschaffen werden die nicht oder nur schwer rückgängig gemacht werden können, so wie es schon im letzten Jahr bei der übereilten Baumfällaktion an der Waldstraße praktiziert wurde. „Nach Kenntnis der SPD gibt es keine verbindlichen Ansiedlungsabsichten von Unternehmen an dieser Stelle“ so Wiedorn weiter „oder die Verwaltung hat uns nicht die Wahrheit gesagt. Und an die Verlegung der Raffineriestraße glauben wir nach den Aussagen der BP in den nächsten 5 Jahren auch nicht mehr.“

Sprachlich ausbaufähig aber inhaltlich eindeutig, was Hajo Wiedorn sagt. Ich schließe mich dem Inhalt an.

Geschätzte Leserschaft, hier erleben Sie erneut noch einmal den besonderen eigenen Beitrag der Stadt Lingen (Ems) zum Weltklima (Sie wissen, das Problem aus Kopenhagen mit K, was uns in Lingen mit L ja nicht betrifft, weil hier die CDU die Mehrheit hat) lässt mich die – ich räume ein –  unsachliche Frage aufwerfen, ob die Herrschaften im Rathaus vielleicht besoffen sind, solche Entscheidungen zu treffen und auch noch zu realisieren. Zweite Frage: Warum  eigentlich verkündet der  OB nicht diese umweltfeindliche Entscheidung?

Ps Aktualisiert am heutigen Abend (s. Kommentar von R. Rauscher und mehr und meine Kommentar-Antwort)