Herbert Schmidt
Die Goethes in Weimar. Verfall einer Familie. Eine Chronik
Buchpräsentation und Lesung

Einführung   Georg Aehling ,  Verleger der Edition Virgines
Rezitation    Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW
Gespräch      Michael Serrer | – Georg Aehling

Lingen (Ems) – Buchhandlung Blanke, Burgstraße 24
Samstag, 6. Oktober 2918, 12 – 13 Uhr

Eintritt frei – Sitzplatzreservierung erbeten 0591 3498

__________________________________

Herbert Schmidt entwirft eine Familiengeschichte der Goethes, die  den Verfall der Familie Goethe in Weimar beschreibt. „Überblickt man diesen Entwicklungsgang, dann drängt sich dem Leser der Untertitel eines berühmten Romans von Thomas Mann auf. Handelt es sich hier nicht wie bei den Buddenbrooks um den Verfall einer wirklichen Familie? Argumente dafür lassen sich viele finden.” aus dem Geleitwort von Prof. Dr. Christof Wingertszahn,
Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf

Das Augenmerk des Autors gilt besonders dem zunehmenden Selbstzweifel von Sohn August sowie der Enkel Walther und Wolfgang im Schatten Goethes und unter dem Einfluss von Ottilie.Briefe, Tagebücher und Zitate, in denen die Personen selbst sehr ausführlich zu Wort kommen, ergeben in ihrer vielstimmigen Verknüpfung ein authentisches biografisches Erzählmuster.

Claus Clemens schreibt in der Rheinische Post  über die Buchvorstellung Anfang Juni diese Jahres : Die unglückliche Familie Goethe

Herbert Schmidt ist ein Privatgelehrter, im Sinne des Wortes. 1928 in Leipzig geboren, war er bis 1985 in Düsseldorf als selbstständiger Kaufmann tätig. Danach begann er ein Studium der Geschichte und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität, wo er 1997 mit einer Arbeit über die „Sondergerichte der NS-Zeit“ promoviert wurde.

… Die Goethes in Weimar. Verfall einer Familie“ nimmt vor allem die Generationen nach Johann Wolfgang von Goethe in den Blick. Nun wurde der im Verlag Edition Virgines erschienene Band im Goethemuseum vorgestellt. Bei der Lektüre des Buches habe er sich an Thomas Manns „Buddenbrooks“ erinnert gefühlt, erzählte Verleger Georg Aehling: vier Generationen – erst dem Zenit und in der Folge einem unglücklichen Ende entgegenstrebend. Es geht um Christiane Vulpius – Goethes Ehefrau -, Sohn August, Schwiegertochter Ottilie, die Enkel Walter und Wolfgang sowie Enkelin Alma. Schmidt zitiert in breitem Umfang aus Briefen, weil diese nach Ansicht Goethes „den schönsten unmittelbaren Lebenshauch wiedergeben“. Dabei wird deutlich, so der Autor, wie sehr die eigenen Lebensentwürfe der Nachkommen von der Bedeutung des Vorfahren belastet wurden. Ottilie rettete sich in ein unstetes Reiseleben mit zahlreichen Liebesbeziehungen. August war dem gesellschaftlichen Leben in Weimar nicht gewachsen und wurde alkoholsüchtig. Enkel Walter sah sein Leben bereits früh als gescheitert an: „Ich habe meinen berühmten Namen zu schleppen und wollte lieber Herr von Kümmeltürk als Herr von Goethe heißen.“ Und auch Enkel Wolfgang beklagte sich über die Fremdbestimmung in seinem Leben: „Als Siebzehnjährigem riet man mir, mich zu ducken. Da duckte ich mich zum ersten Mal.“

Für die Matinee im Goethemuseum hatte sich auch der Maler Gerhard Richter angesagt, ein langjähriger Freund Herbert Schmidts. Von ihm stammt das Cover des Goethe-Bands.“

In einer Rezension des Bibliotheksservice ekz heißt es:

„Der Autor dieser sorgfältig erarbeiteten und gut lesbaren Familien-Biografie referiert sachlich … und lässt Emotionen und moralische Wertungen nur in den ausgiebig zitierten Stimmen der Beteiligten zum Zuge kommen.“

Herbert Schmidt, Die Goethes in Weimar. Verfall einer Familie. Eine Chronik.
416 Seiten im Großformat | Hardcover mit SU | 6 Abbildungen der Familie Goethe 

Covergestaltung: Prof. Gerhard Richter | Geleitwort: Prof. Dr. Christof Wingertszahn, Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf

ISBN 978-3-944011-74-5 | 29,50 €

Fotografieren

28. Juli 2013

„Weimar ist schön, interessant, universitär, eine Stadt mit kultureller Vielfalt. Die interessierten Besucher flanieren über Plätze, durch Parks und sind begeistert.

Aber sobald Sie ein Museum der Klassikstiftung Weimar betreten, gilt Folgendes:

“Die Klassik Stiftung Weimar erlaubt das Fotografieren (…) nur in den frei zugänglichen Bereichen. In Sonderausstellungen ist das Fotografieren nicht erlaubt. (…)”

Leider ist fast gar nichts ‘frei zugänglich’, in vielen Museen werden Eintrittsgelder fällig und schon greift das Fotografierverbot.

DSC_0439_1

[Plakat vor dem Bauhausmuseum in Weimar. Im Museum ist das Fotografieren nicht erlaubt (fotos: CC Chris)]

Verbote gibt es in England auch, aber die Insulaner lieben Piktogramme. Dabei wird ihre Sprache von viel mehr Menschen verstanden, als die umständlichen Formulierungen in Weimar. Der Brite regelt das Problem folgendermaßen:

DSC_0201_1

Eingang eines englischen Museums

Völlig anders sieht es im neu eröffneten Rijksmuseum in Amsterdam aus. Es gibt kein generelles Fotografierverbot.  Wer eine Eintrittskarte hat, kann Fotos machen. Einzige Bedingung: ohne Blitz. Somit gibt es kein rechtliches Problem, die Nachtwache abzulichten:

DSC_0426_1

Nachtwache im Rijksmuseum Amsterdam.

Ich persönlich finde die Niederländer klasse, unkompliziert gehen sie mit neuen Entwicklungen um und die Menschen strömen dennoch – oder vielleicht auch gerade wegen der kostenlosen, massenhaften Werbung in ihr so wunderbar restauriertes und nun wieder neu eröffnetes Museum.

Ich hätte gern mehr ‘Werbung’ für die tollen Museen in Weimar gemacht, das Bauhausmuseum, das Liszt-Haus, die vielfältige Ausstellung über den belgischen Architekten Van De Velde – aber ich durfte nicht fotografieren… Daher: kein Bild, keinen Ton bzw. keine Zeile…“

(Crosspost von Zoom. Das Sauerland und mehr, Chris Klein
Fotografieren im Museum: Weimar vs. Amsterdam CC)

Schnüffeln

28. November 2010

Verdeckte Ermittlungen durch die Sozialämter sind grundsätzlich nicht zulässig. Der 3. Senat des Thüringer Oberverwaltungsgerichts /Foto lks.) hat  dies jetzt unterstrichen und  deshalb die verdeckte Datenerhebung durch einen Außendienstmitarbeiter der Stadt Eisenach („Sozialdetektiv“) für rechtswidrig erklärt. Die Stadt Eisenach hatte  den Verdacht, dass eine Mutter mit dem Vater ihrer beiden Töchter in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft zusammenlebe, dessen Einkommen die Mutter sich dann für den Kindergartenbeitrag hätte anrechnen lassen müssen. die Kommune beauftragte deshalb  einen Außendienstmitarbeiter mit verdeckten Ermittlungen. Der Mann  kontrollierte in der Zeit von Mai bis September 2002 sowohl durch Observierungen als auch durch Befragungen von Mitbewohnern die Kontakte zwischen Kindesmutter und Kindesvater und dabei vor allem dessen Aufenthalte in der  Wohnung der Frau.

Als sie dies erfuhr, erhob die Frau  im Jahre 2003 beim Verwaltungsgericht Meiningen (Thüringen) Klage. Sie wollte die Feststellung, dass die Ermittlungen des Außendienstmitarbeiters rechtswidrig waren. Die Meininger Verwaltungsrichter wiesen die Klage durch Gerichtsbescheid vom 6.  November 2006 ab, da sie die Schnüffelei („Datenerhebung“) für rechtmäßig hielten. Hiergegen richtete sich die vom Oberverwaltungsgericht in Weimar im Jahre 2008 zugelassene Berufung, der das höchste Verwaltungsgericht Thüringens jetzt stattgab. Leider erst 8 Jahre nach der fünf Monate währenden Schnüffelei.

In seiner mündlichen Urteilsbegründung sagte der Senatsvorsitzende Dr. Hans-Peter Hüsch, die verdeckten Ermittlungen des Außendienstmitarbeiters verletzten die Klägerin in ihrem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, da sie von keiner gesetzlichen Grundlage gedeckt gewesen seien. Nach der einschlägigen Regelung der Datenerhebung in § 62 Abs. 3 SGB VIII dürften Sozialdaten nur unter ganz eingeschränkten Voraussetzungen ohne Mitwirkung des Betroffenen erhoben werden, die hier aber nicht erfüllt seien. Insbesondere war nicht erkennbar, dass eine Datenerhebung bei der Klägerin selbst  unmöglich gewesen wäre – etwa durch eine eingehende Befragung.

Längst sind übrigens die Sozialgerichte für die Überprüfungen der meisten Sozialleistungen und Maßnahmen der Behörden zuständig. Das Urteil der Verwaltungsrichter ist also eines der letzten seiner Art. Es stellt aber gleichwohl Grundsätzliches klar und ist deshalb von Bedeutung.  Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Das Oberverwaltungsgericht hat zwar die Revision zum Bundesverwaltungsgericht nicht zugelassen. Dagegen kann aber die verklagte Stadt Eisenach noch eine sog. Nichtzulassungsbeschwerde eingelegen.

Übrigens:
Auch bei uns im Emsland (Wappen lks.) und in Lingen gibt es Sozialdetektive, -fahnder oder wie sie sonst noch genannt werden, die von den örtlichen Sozialämtern in Marsch gesetzt werden – vorzugsweise nach Denunzierungen und nicht selten, ohne die betroffenen Leistungsempfänger zu befragen.
Die „Recherchen“  erfolgen querbeet bei allen Arten von Sozialleistungen, und rechtsstaatliche Bedenken hiergegen hat bislang bei uns wohl  noch niemand so recht geäußert. Die schnüffelnden Untersuchungspraktiken  verstoßen aber grundsätzlich und nicht nur in Thüringen gegen das Persönlichkeitsrecht und die Menschenwürde gleichermaßen.
Die Kreisverwaltung ist verantwortlich für die allermeisten Sozialleistungen. Also: Vielleicht fragt doch einmal ein Kreistagsabgeordneter nach den Praktiken?

—-
(Thüringer Oberverwaltungsgericht, Urteil vom 25. November 2010 – 1 KO 527/08 –Presseerklärung – Vorinstanz: Verwaltungsgericht Meiningen, Gerichtsbescheid vom 06 November 2006 – 8 K 119/03.Me)

(Quelle; Foto: © Thüringer Oberverwaltungsgericht)