differenzieren

15. März 2021

Die Corona-Infektionslage in Niedersachsen hat sich erneut verschärft. Neun Landkreise und kreisfreie Städte erreichten am Sonntag eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100. Darunter ist nun auch das Emsland. Insbesondere im nördlichen Teil des Emslands sind nämlich die Corona-Inzidenzen sehr stark angestiegen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Stadt Papenburg sticht dabei heraus: Bereits am Freitag wurde dort die kreisweit höchste Inzidenz von 207,6 erfasst.

Nach Angaben der Kreisverwaltung gibt es Ausbrüche in größeren Unternehmen – bei der Papenburger Meyer Werft sowie -wer hätte das gedacht- erneut im Schlachthof Weidemark im 30km entfernten Sögel.

Beides ist von unserer Stadt Lingen weit entfernt: 70 km sind es bis Papenburg und 43 km nach Sögel.  Die Vorstellung, wegen des vor 45 Jahren von CDU-Leuten ersonnenen, flächengrößten Landkreis jetzt wieder in den Lockdown zu müssen, weil so weit entfernt die Inzidenzen knallen, finde ich ziemlich unerträglich. Das liegt aber nicht nur an dem in der alten Bundesrepublik flächenmäßig größten Landkreis Emsland, der 1977 aus drei Landkreisen zusammengschnitten wurde , sondern auch an der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen. Sie nämlich schert jeden Landkreis nur über einen Kamm. Aber weshalb sollen ggf die Menschen in Lingen in den Lockdown gehen, wenn 70 Kilometer entfernt die Inzidenzen das erfordern? Das hat mir noch niemand erklärten können.

Es braucht dringend die Möglichkeit, dass der Lockdown auf diejenigen Teile dieses Landkreises beschränkt wird, in denen dies nötig ist. Das ist gegenwärtig der „Nordkreis“, was sich aber angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens auch schnell ändern kann. Die Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen ist aktuell wieder auf 32 Seiten aufgebläht, da wäre sicher noch Platz für einen kurzen Absatz, dass man auch innerhalb eines Landkreises notwendige Einschränkungen nach Gemeinden differenzieren kann.

„erst Sonntag“

8. Oktober 2020

Habt Ihr auch gedacht, der zum Tönnies-Konzern zählende Schlachthof in Sögel sei angesichts der CoViD-19-Ausbruchs vor einer Woche jetzt geschlossen? Weit gefehlt: Die Schließung ist zwar angeordnet, aber in Zeitlupe; denn geschlachtet werden darf noch bis Freitagnacht und zerlegt sogar bis Sonntagnacht.

Tja, wenn Nähe zur Kumpanei wird…

 

„Marke überschritten“

4. Oktober 2020

Nachdem in Sögel inzwischen schon 81 Beschäftigte des Schlachthofes Weidemark mit Corona infiziert sind, hat der Landkreis Emsland neue, strikte Regeln für die Samtgemeinde Sögel angeordnet.

„In Abstimmung mit den Landesbehörden folgen wir hier der bundesweiten Strategie, bei erhöhten Fallzahlen bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens wieder einzuschränken“, teilte Landrat Marc-André Burgdorf (CDU) in einer Pressemitteilung am Sonntag mit. Danach sind Zusammenkünfte im öffentlichen und im privaten Raum ab sofort nur mit maximal sechs Personen erlaubt. Diese Grenze gelte auch für Gaststättenbetriebe pro Tisch. Die Corona-Kontaktbeschränkung beziehe sich aber nicht auf enge Familienangehörige oder ein Treffen von maximal zwei Hausständen. Enge Familienangehörige sind dabei nicht Cousins und Cousinen, wie der Bezug auf § 11 StGB festlegt. Ausnahmen seien außerdem Anlässe wie Hochzeits- oder Erstkommunionfeiern, Taufen oder Beerdigungen.

Angeordnet sind die Maßnahmen im Rahmen einer sog. Allgemeinverfügung (Text: hier), die „erst einmal bis einschließlich 19. Oktober 2020 gültig“ ist (Burgdorf). Schüler und Lehrer der allgemeinbildenden Schulen des Sekundarbereichs I und II müssen nach dieser 13. Allgemeinverfügung in Zeiten der Pandemie bis zu den Herbstferien -also innerhalb der kommenden Woche- auch während des Unterrichts in den Klassenräumen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Untersagt sind außerdem der Trainings- und Wettkampfbetrieb in Mannschafts- oder Kontaktsportarten sowie der Schulsport.

Während private Zusammenkünfte stark reguliert sind, begrenzt die Allgemeinverfügung für Veranstaltungen in der Samtgemeinde Sögel die maximale Teilnehmerzahl großzügig auf 100 Personen. Es gilt aber ein Verbot des Ausschanks von Spirituosen ab 18 Uhr und von sonstigen alkoholischen Getränken ab 22 Uhr.

Landrat Burgdorf schaute über Sögel hinaus, als er erklärte: „Im gesamten Gebiet des Landkreises beobachten wir ein dynamisches Infektionsgeschehen, so dass wir bei derzeit 137 Fällen [innerhalb von sieben Tagen] die kritische Marke von 35 Corona-Neufällen pro 100.000 Einwohner überschritten haben“ .

Alle Infizierten in Quarantäne

In Quarantäne befinden sich laut Landkreis inzwischen alle im Weidemark-Schlachthof beschäftigten Corona-Infizierten und ihre Kontaktpersonen, die zu einem Großteil in der Samtgemeinde Sögel wohnen. Die ersten Infektionsfälle in dem zum Tönnies-Konzern zählenden Schlachthof hatten sich bei Tests durch den Betriebsarzt bestätigt. Die rund 2.000 Mitarbeiter des Schlachthofes werden „regelmäßig“ auf das Virus getestet.

Der NDR informiert:

„Kurz nach zwei im emsländischen Sögel: Über den Marktplatz laufen Männer mit Kapuzenpullis und Trainingshosen. In der einen Hand halten sie frierend eine Zigarettenkippe, an der anderen baumelt ein weißer Maler-Eimer. Es ist Schichtwechsel beim Schlachthof Weidemark. Unterwegs zur Arbeit begegnen den Männern Landsleute aus Ungarn, Rumänien und Polen. Auch sie transportieren ihren Proviant im obligatorischen weißen Plastikbehälter. Als „Eimermenschen“ sind die 950 osteuropäischen Schlachthof-Arbeiter deshalb in der Region bekannt. Die Geschäftsleitung sei mit diesem Thema unsensibel umgegangen, räumt Weidemark-Chef Joachim Timmermann mittlerweile ein. Ihr sei nicht bewusst gewesen, wie das die Mitarbeiter in der Bevölkerung stigmatisiere.