nach Westen

20. Januar 2020

Niederlande.Net schreibt aktuell über die beste Küche im Nachbarland, während zugleich in Weser-Ems die Spitzenküche Pause mach, also der Blick nach Westen geht:

Am Montag dieser Woche wurde „im DeLaMar Theater in Amsterdam der neue Guide Michelin 2020 herausgegeben, in dem alle niederländischen Sternerestaurants präsentiert werden. In diesem Jahr haben es acht neue Restaurants auf diese Liste geschafft. Im Gegensatz dazu haben sieben Restaurants ihren Stern verloren. Zwei dieser Restaurants haben inzwischen geschlossen.

Ok, auf besonderen Wunsch hier die Spitzenrestaurants in den benachbarten Niederlanden. Die Restaurants Eden (Valkenswaard), Marrees (Weert), Versaen (Ravenstein), Beluga Loves You (Maastricht), Rantrée (Maastricht), Noble Kitchen (Cromvoirt), Zout en Citroen (Oosterhout) und Graphite by Peter Gast (Amsterdam) sind diejenigen, die heute in Amsterdam zum ersten Mal einen der begehrten Sterne empfangen durften. Mit diesen neu ausgezeichneten Restaurants verfügen die Niederlande nun über insgesamt 111 Sternerestaurants.

Darunter haben nur zwei Restaurants, nämlich das Restaurant De Librije in Zwolle und Inter Scaldes in Kruiningen, mit insgesamt drei Sternen die höchste Auszeichnung erreicht. Sie zeichnen sich laut Michelin durch „ihre äußerst persönliche Küche“ und „das großartige Erlebnis, das sie mit ihren Gerichten bieten können“ aus und gehören „noch immer zu den Top-Restaurants der weltweiten Gastronomie“. Unter den 2-Sterne-Restaurants gibt es keine Veränderungen.

Die Urteile über die jeweilige Qualität der Küche wird von anonymen Inspektoren gefällt, die das ganze Jahr über hunderte von Restaurants besuchen. Dabei kommt es ihnen allein auf die Qualität des Essens, also auf den Geschmack und die Zubereitung, an. Die Einrichtung oder auch der Service spielen in diesem Fall keine Rolle. Hierfür bekommen die verschiedenen Restaurants eine bestimmte Anzahl an „Besteck-Sets“ zugewiesen, die einen Aufschluss über den Komfort des Restaurants geben soll.

Die vergebenen Michelin-Sterne wollen Aufschluss über die Qualität der Küche geben. Ein Stern bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das jeweilige Restaurant in seiner eigenen Kategorie über eine sehr gute Küche verfügt. Zwei Sterne erhalten die Restaurants mit raffinierter Küche, die laut Michelin einen Umweg wert sind. Die höchste Auszeichnung, die nur an Restaurants mit ausgezeichneter Küche geht, gibt potentiellen Kunden einen Hinweis darauf, dass dieses Restaurant sogar eine Reise wert sei.

Der erste niederländische Guide Michelin 2020 wurde von der Frau und der Tochter des Spitzenkochs Lucas Rive entgegengenommen, der Ende 2019 nach kurzer Krankheit verstarb. Rive hatte seine Auszeichnung zum 2-Sterne-Koch mit nur 27 Jahren erhalten und war damit zum jüngsten 2-Sterne-Koch der Niederlande. Rund 26 Jahre lang arbeitete er als Chefkoch im Restaurant De Bokkedoorns in Overveen, das unter seiner Führung 22 Jahre lang über zwei Michelin-Sterne verfügte.

Neben den Michelin-Sternen wurden heute noch drei weitere Preise vergeben. Der 23-jährige Cas Pikaar vom Restaurant Doyy in Eindhoven erhielt den Young Chef Award. Der Service Award ging an Peter Bruins vomRestaurant De Bokkedoorns und Koen van der Plas vom Schloss Heemstede in Houten wurde zum besten Sommelier des Landes gekürt.“

Direkt nebenan haben das Restaurant De Bloemenbeek in De Lutte in der Grenzgemeinde Losser (Adresse: Beuningerstraat 6, 7587 De Lutte) und das Restaurant t Lansink in Hengelo (Adresse: C.T. Storkstraat 18, 7553 AR Hengelo) jeweils wieder einen M-Stern erhalten.

Nachtrag: Der „deutsche“ Michelin-Restaurantführer  bleibt seinem neu gewählten Termin treu und erscheint auch 2929 wieder im März. Die umfassend aktualisierte Neuauflage empfiehlt Restaurant- und Hoteladressen in allen Preisklassen. Die Listen mit den Sterne-Restaurants werden am 3. März in Hamburg verkündet. Spitzenrestaurants darf man nach dem Aus von Keilings (Bad Bentheim), Perior (Leer),  der „Westfälischen Stube“ in Hörstel-Surenburg und des „La Vie“ in Osnabrück im deutschen Nordwesten nicht erwarten. Zeitgleich erscheint übrigens  der Guide Michelin „Bib Gourmand Deutschland“ und stellt alle Restaurants vor, die sorgfältig zubereitete Speisen zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten, sozusagen die 2. Profiliga der Top-Restaurants. Dazu könnte an Ems und Vechte allenfalls der Gasthof Backers in Twist zählen…

Hausarrest

4. Januar 2017

Grün, rot, blau und golden erstrahlte der Himmel in der Silvesternacht. Während Millionen auf den Straßen feierten, mussten dutzende Asylbewerber, zumeist Nordafrikaner aus sogenannten sicheren Herkunftsländern, das Spektakel aus dem Inneren ihrer Asylantenheime beobachten. Sie hatten von den Bürgermeistern der Gemeinden auf Grund von verschiedenen Delikten „Hausarrest“ bekommen. Aber dürfen [niederländische] Bürgermeister die Rechte von Asylbewerbern überhaupt dermaßen einschränken? Das Vorgehen sorgt in den Niederlanden für Diskussionen.

terapelasylumIn Asylbewerberheimen von Ter Apel (Foto lks) bis Onnen, von Heerlen über Venray – überall gab es Fälle in denen einzelne Asylanten von den Bürgermeistern ihrer Gemeinden über Silvester Hausarrest auferlegt bekamen. Aber wenn es um die „Hausarrestdebatte“ geht, dann geht es vor allem um das Nordlimburgische Weert. Hier erteilte die Gemeinde gleich einer ganzen Gruppe kollektiven Hausarrest. Rund 20 Asylanten durften sich zwischen Weihnachten und Silvester nur sehr eingeschränkt bewegen. Der amtierende Bürgermeister, Jos Heijmans, verteidigt seine Entscheidung.

Die Van Hornekaserne in Weert dient seit 2015 als Auffanglager für Flüchtlinge. Erst als Notauffanglager, später als reguläres Asylbewerberheim. In der Kaserne dürfen in den nächsten vier Jahren maximal 1000 Menschen beherbergt werden. 26 Asylsuchende sind es, die laut Bürgermeister Heijmans zurzeit systematisches Fehlverhalten an den Tag legen. Die Männer aus Marokko, Tunesien, Algerien und Libyen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und sind wiederholt durch Diebstähle, Prügeleien und Vandalismus aufgefallen. Auch sollen sie Menschen eingeschüchtert und bespuckt haben. Grund genug für den Bürgermeister als Strafe Hausarrest für die Übeltäter zu verhängen.

Eine Stunde am Tag, zwischen ein Uhr und zwei Uhr am Mittag, dürfen die Männer die Kaserne verlassen um zum Arzt zu gehen oder Einkäufe zu machen. Ansonsten dürfen sie das Gebäude nicht verlassen. Drei Mal am Tag müssen sie sich beim Sicherheitsdienst melden. Verstoßen sie gegen diese Auflagen wird ein Bußgeld von 3.600 Euro oder eine Gefängnisstrafe von drei Monaten fällig. In den Augen des D’66 Bürgermeisters ist das eine völlig verhältnismäßige Strafe. Den Vergleich mit einem Gefängnisregime kann er nicht nachvollziehen. Er kenne keinen Gefangenen, der eine Stunde am Tag nach draußen dürfe, um zu shoppen. Außerdem dürften sich die Bestraften schließlich frei auf dem Kasernengelände bewegen.

Jos Heijmans ist in seiner Argumentation unbeirrbar: „Ich bin verantwortlich für die öffentliche Ordnung und diese stand durch diese Gruppe auf dem Spiel.“ Auch sagte er in Anspielung auf die Silvesternacht von Köln im letzten Jahr: „Ein Teil der Asylsuchenden kommt aus Deutschland und wenn ich etwas nicht will in Weert, dann sind das kölnische Zustände.“ Und ja, Bürgermeister sind in der Tat dafür verantwortlich, die öffentliche Ordnung und Sicherheit in ihren Gemeinden zu gewährleisten, aber übertritt ein Gemeindevorsteher mit solchen Maßnahmen nicht seine Kompetenzen?

janbrouwer„Ja“, meint Jura-Professor und Direktor des Zentrums für öffentliche Ordnung und Sicherheit Jan Brouwer und unterscheidet zwischen dem Einschränken von Freiheit und dem Freiheitsentzug. Ein niederländischer Bürgermeister habe als Notmaßnahme durchaus das Recht, Individuen in ihrer Freiheit zu beschränken. Bestimmte Personen dürften sich dann beispielsweise nicht in einem bestimmten Bereich aufhalten. So könne ein Bürgermeister beispielsweise Hooligans den Zutritt zu einem Fußballstadion verwehren. Der Freiheitsentzug ist laut Brouwer allerdings ein ganz anderes Kaliber: „Der Hausarrest erklärt die ganze Welt, also nicht nur Weert für diese Gruppe von Asylsuchenden zum verbotenen Terrain. Das erinnert mich daran, wie wir verfügen, dass Menschen zu Hause ihre Strafe absitzen müssen, allerdings geht es hier um Menschen, die schon verurteilt wurden. Das kann ein Bürgermeister einfach nicht entscheiden.“

Die Einschätzung der Rechtsgelehrten ist eindeutig: Eine solche Maßnahme verstoße gegen das Gesetz. Die Entscheidung über Freiheitsentzug könne nur ein Richter fällen. Bürgermeister Heijmans hält allerdings dagegen: „Ob es juristisch möglich ist, interessiert mich nicht. Es ist notwendig.“ Kernige Worte, die der festen Überzeugung entspringen, dass, wenn er nichts gegen die Probleme unternehme, es keiner tue. Die Strafverfolgungsbehörden seien mit ihrem Latein am Ende und andere Instanzen redeten lieber statt aktiv zu werden, so Heijmans. Auch darüber, dass er sich vor Klaas Dijkhoff, dem Staatssekretär für Sicherheit und Justiz, verantworten muss, mache er sich keine Sorgen: „Dijkhoff hat die Bürgermeister gerade dazu ermutigt, bei dieser Art von Problemen zu tun, was in ihrer Macht liegt, und das tue ich dann auch.“

In einem Kommentar der niederländischen Zeitung Trouw hat sich die Redaktion in dieser Sache auf die Seite der Juristen gestellt. Die Verfasser weisen allerdings darauf hin, dass eine Beschleunigung der Asylverfahren lobenswert sei, da es sich bei den Betroffenen häufig um Flüchtlinge handle, die auf Grund ihrer Herkunft keine Chance auf Asyl hätten.

Die betroffenen Flüchtlinge äußerten sich nicht zu der Situation.

Das Centraal Orgaan opvang Asielzoekers gab an, keine genauen Zahlen über die Anzahl der Asylsuchenden zu haben, die während des Jahreswechsels unter Hausarrest standen. Insgesamt sollen es um die 40 Menschen gewesen sein. Denn auch Gemeinden wie Heerlen, Venray und Delfzijl wollten durch diese Maßnahme verhindern, dass Menschen in der Silvesternacht zu Schaden kommen. Bei alldem sollte aber nicht vergessen werden, dass viele andere Gemeinden, die ein Asylantenheim in ihrer Mitte haben, keine derartigen Maßnahmen ergriffen haben. In den allermeisten Fällen begrüßten Niederländer und Flüchtlinge gemeinsam und friedlich das neue Jahr.

(Quelle/entnommen bei: NiederlandeNet)