9 Jahre

5. Juni 2016

FriesenbrückeAm Abend des 3. Dezember 2015 rammte ein Frachtschiff das geschlossene Klappteil der Friesenbrücke zwischen Weener und Westoverledingen und zerstörte so die Eisenbahnbrücke, die auch für Fußgänger- und Radfahrer einen Weg über die Ems ermöglichte. Seither kann die Friesenbrücke nicht mehr genutzt werden und das wird noch lange der Fall sein. Ein notwendiger Neubau wird inklusive Planung, Planfeststellung und Bauausführung mindestens fünf Jahre dauern. Das sagten die Leute der Bahn sofort nach dem Unfall und lehnten sich bequem wieder zurück. Die niederländischen Nachbarn rieben sich ob dieses Zeitraums fragend die Augen. Nachdem Bahnchef Rüdiger Grube vor einigen Wochen in Emden „fünf Jahre sind viel zu lang“ gesagt hatte,  konterte ihn jetzt seine betuliche Belegschaft aus: Es kann auch 9 Jahre dauern, meinte der zuständige Bahn-Mann Gerd Matschke  (Titel: „Leiter der Regionalnetze Nord der Deutschen Bahn“). Offenbar noch 9 Jahre – für eine Brücke.

Und dann meldete der NDR noch diese kleine freche Bemerkung eines der betulichen Bahn-Herren auf den Bürgerversammlungen am Donnerstagabend, die zeitgleich auf beiden Seiten der Ems stattfanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die „Planungen auch so lange gedauert“, das wisse aber keiner mehr. Das behauptet er nur. Richtig geplant wurde nämlich erst, als das Geld da war und nicht schon 1945.

„Die heutige Friesenbrücke“, lese ich unterdessen auf wikipedia, „ist das zweite Brückenbauwerk an dieser Stelle. In den Jahren 1874 bis 1876 wurde zunächst ein 345 Meter langes Brückenbauwerk mit einer integrierten Drehbrücke über die Ems errichtet. Diese Vorgängerbrücke ersetzte man in den Jahren von 1924 bis 1926 durch eine stählerne Fachwerkbrücke mit einer Rollklappbrücke über der Schifffahrtsöffnung. Errichter der Brücke war das MAN Werk Gustavsburg. Das Bauwerk besteht seitdem aus sechs Abschnitten mit jeweils rund 50 Meter Stützweite und einer Klappbrücke mit 30 Meter Spannweite. Mitte April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, sprengten Wehrmachtsoldaten die Brücke. Von 1950 bis 1951 wurde sie in gleicher Form wieder aufgebaut.“

Mich erinnert all dies an die Meldungen in der letzten Woche, der neue Gotthardtunnel in der Schweiz werde erst wirklich für Entlastung im Güterverkehr sorgen, wenn die 182 Kilometer lange deutsche Zubringerstrecke Karlsruhe-Basel komplett ausgebaut ist: also „etwa 2034“, oder dass der Bahnhofsneubau in Stuttgart („S21“) länger dauert und mal eben eine halbe Milliarde Euro teurer wird.

Es stellt sich die Frage: Wo klappt eigentlich überhaupt noch etwas bei dieser trägen Groß-Organisation? Liegt nicht nahe, dass die Herrschaften der Bahn ihren Job nicht können oder ihnen diese Projekte gleichgültig sind? Beispielsweise in persona Gerd Matschke? Es zieht sie ja niemand zur Rechenschaft, auch wenn’s 9 Jahre dauert. Also sollte umgehend ein Festpreisauftrag für Planung und Bau einer neuen Brücke ausgeschrieben, dann ein internationales Unternehmen beauftrag werden. Das geht in echt, wenn man will.

(Friesenbrücke, Foto Martina Nolte, Creative Commons by-sa-3.0 de)

 

Atze

17. November 2015

StormAtze Storm (Foto lks) ist bei uns in der „Die BürgerNahen“-Stadtratsfraktion der Mann, der sich um Bälle kümmert. Früher spielte er sogar in der Fußball-Niedersachsenauswahl, bevor es kleiner Bälle wurden. Genauer: Atze liebt Tischtennisbälle. An ihn musste ich daher denken, als ich gestern diesen Bericht aus Weener in Ostfriesland in der taz fand und ich die Überschrift neugeirig machte:

Ostfriesland attackiert Asien

„Die Umstellung von Zelluloid- auf Plastikbälle mischt seit Langem die Tischtenniswelt auf. Eine Firma aus Ostfriesland hat einen revolutionären Ball entwickelt.

Im Minutentakt fahren die LKW über die örtliche Industriestraße. Einige davon sind mit Tischtennisbällen beladen, Bällen, die in jahrelanger Arbeit entwickelt wurden und den asiatisch dominierten Tischtennismarkt erobern sollen. Die LKW kommen aus einer Firma am Ende der Industriestraße, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdient hat. In der Kleinstadt Weener, Kreis Leer, prägen eher Kuhweiden und Windräder das Bild. Mitten drin aber: Schornsteine, Öltanks, Bürogebäude und Lagerhallen – die einzige große Firma weit und breit: Weener Plastik.

Etwa 400 Menschen arbeiten hier. Die besten von ihnen haben mit Hightech-Geräten und den besten Tischtennisspielern der Welt einen neuen Plastikball entwickelt, der asiatische Großproduzenten alt aussehen lassen könnte. Und das aus dem Nichts: Mit Tischtennis hat Weener Plastik, wo man sich mit Kunststoff-Verpackungen auskennt, eigentlich nichts zu tun.

Im Juli 2014 hat der internationale Tischtennisverband (ITTF) Bälle aus Zelluloid bei seinen Wettkämpfen verboten und dafür Plastikbälle eingesetzt. Eine einmalige Chance für die Plastikspezialisten aus Ostfriesland. Für den Sport war die Umstellung eine Revolution, die eine über 100 Jahre währende Ära beendete, zumindest bei den Profis. Amateure spielen nach wie vor mit Zelluloidbällen: Die sind billiger….“ [weiter bei der taz hier]

Menno Aden

31. März 2014

Der im ostfriesischen Weener geborene Fotokünstler Menno Aden zeigt Räume und öffentliche Plätze aus der Vogelperspektive. Die Bilder sehen aus, als wäre die Decken abgenommen worden. Menno Aden stellt seine Werke aus bis zu 100 Einzelaufnahmen zusammen, dabei fotografiert er unter der Decke mit einem Stabstativ. Am Computer setzt er die verschiedenen Aufnahmen aufwändig zusammen – eine Arbeit, die mehrere Wochen dauern kann. Der 1972 geborene Fotograf lebt längst in Berlin. In seinen Arbeiten verschafft intime Einblicke in Berliner Wohnungen, Zimmer, Küchen, aber auch Geschäftsräume, Arztpraxen oder Aufzüge. Durch den Blick von oben und die extrem weitwinkelige Perspektive verschwimmen die Räume, so dass eigentümliche Muster entstehen und die Räume wie kleine Modelle erscheinen.

Menno Aden bildet intime, mitunter existenzialistische Berliner Wohnungen genauso ab wie öffentliche Räume. Private Zimmer, Fahrstühle, S-Bahnen oder Zahnarztpraxen wirken geöffnet wie in einem architektonischen Modell, dem durch die unbegrenzte Öffnung nach oben jegliche Privatsphäre abhanden gekommen ist. In Menno Adens Arbeiten treten Menschen kaum in Erscheinung. 2009 wurde er mit dem European Award of Architectural Photography in Frankfurt ausgezeichnet.

mehr hier