Einsturzgefahr

3. Dezember 2012

800px-Celebrity_Reflection-UeberfuehrungAus der taz
von Thomas Schumacher:

„Der Hof von Jan Hinrich Sanders bricht zusammen. Schuld dafür seien, so der Bauer, die Emsausbaggerungen für die Überführung großer Kreuzfahrtschiffe. Doch das Verwaltungsgericht Oldenburg überzeugt Sanders, seine Klage zurückzuziehen.

Des einen Geschäft, des anderen Leid: Überführung des Kreuzfahrtschiffes „Disney Fantasy“ von der Meyer-Werft in Papenburg in die Nordsee und Bauer Jan Hinrich Sanders auf seinem absackenden Hof.

Einsturzgefahr. Betreten verboten. Der Lebenstraum des Landwirts Jan Hinrich Sanders ist eine Ruine. Sein Hof in Stapelmoor zwischen Papenburg und Leer bricht zusammen. Schuld seien die ewigen Baggerungen in der Ems, die untere Sandschichten ins „Schwimmen“ bringen, glaubt er. Deswegen hat der Landwirt aus dem tiefsten Ostfriesland die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz verklagt.

Die hat, laut Sanders, durch ihre planende Behörde, die Wasser-und Schifffahrtsdirektion Nordwest in Aurich (WSD), die Aushöhlungen im Emsbett genehmigt, um der Papenburger Meyer-Werft die Überführung großer Kreuzfahrtschiffe durch die Ems zu ermöglichen. Seit 2001 läuft Sanders’ Verfahren. Jetzt hat ihn das Verwaltungsgericht Oldenburg „überzeugt“, seine Klage zurückzuziehen.

„Das Gericht hat dem Kläger deutlich gemacht, dass es keine hinreichende Aussicht auf Erfolg gibt“, sagt ein Sprecher des Gerichts. „Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, schimpft der Bauer, „aber das wäre eine Gutachterschlacht geworden, die ich nicht bezahlen kann.“

…“

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(Foto CC Timo Kaan: Überführung der Celebrity Reflection auf der Ems)

Tiefer

15. März 2012

Mit einer technokratisch-nichtssagenden Presseerklärung hat die „Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest in Aurich“ neue Eingriffe in das Ems-Flussbett (Foto lks.) zwischen Papenburg und dem Dollart mitgeteilt. Welche genau, verschweigt das Behördenpapier. Der Planfeststellungsbeschluss, auf den die „Presseinfo“  Bezug nimmt, geht auf das Jahr 2007 zurück, als die Landkreise Emsland und Leer beantragt hatten, die Ems für die immer größeren Kreuzfahrtschiff-Neubauten der Papenburger Meyer Werft zu vertiefen und die Fahrrinne an einigen Stellen zu verbreitern. Das wurde jetzt durch die Behörde gestattet.

Naturschützer an der Ems kritisieren die Ausbaumaßnahmen seit langem. Ständig  wird das Flussbett der Ems ausgebaggert, um  die Kreuzfahrtriesen der Papenburger Meyer-Werft ausliefern zu können. In weniger als 30 Jahren haben Vertiefungen und Begradigungen des Fahrwassers zusammen mit lang andauernden Baggerkampagnen  zu einer massiven Verschlechterung der ökologischen Verhältnisse in der Unterems geführt. Die Wasserwerte des Flusses sind längst so schlecht, dass im Sommer  dort durch den Sauerstoffmangel keine Fische mehr überleben.

Also ist eigentlich die Renaturierung der unteren Ems bitter nötig. Im Gespräch mit den Landesbehörden und Naturschützern vor Ort sollten eigentlich durch die Umweltschützer von BUND, NABU, WWF und anderen bis 2013 praxisorientierte Renaturierungskonzepte entwickelt werden, damit Wanderfische wie der Lachs wieder in ihre angestammten Laichgebiete gelangen und in den Röhrichten und Auenwäldern geschützte Vogelarten erfolgreich brüten können. Aus beidem wird nach dem neuen Planfeststellungsbeschluss wohl nichts werden – aus den Gesprächen und der Renaturierung.

Wer den Planfeststellungsbeschluss lesen will, muss sich übrigens antrengen. Nicht nur, weil er 900 Seiten Behördendeutsch umfasst. Er muss auch extra während der Öffnungszeiten die Ratshäuser der Städte und Gemeinden längs der Ems aufsuchen. Im Internet veröffentlicht die Behörde ihn nämlich wohl nicht. Das könnte ja auch durch mehr Bürgerbeteiligung eher stören. Ausgelegt wird der Beschluss außerdem mitten in den Oster-Schulferien – also vom 2. bis 16. April. Wie die Nichtveröffentlichung im Internet ein weiterer  Behördentrick, um Bürgerbeteiligung zu erschweren.

Wie steht es hoch oben auf der Presseerklärung aus Aurich: „Wir machen Schifffahrt möglich“ – „und die Natur mausetot“ fehlt.

Foto: Unterems (c) Wattenrat