Entrechtung

16. März 2021

Die niedersächsischen Fraktionen der SPD und CDU wollen Gefangene in ihren Zellen überwachen – basierend auf künstlicher Intelligenz. Wenn Inhaftierte live per Video überwacht werden, ohne dass ein*e Mit­ar­bei­te­r*in der Justizvollzugsanstalt vor dem Bildschirm sitzen muss, werden Überwachungsträume wahr. Kritiker der Pläne wie Britta Rabe vom Grundrechtekomitee sehen  dies ganz anders: „Bei der kompletten Entrechtung, die Menschen im Knast erfahren, gibt es viel zu wenig psychologisches Personal.“

Jedenfalls träumen die niedersächsischen Landtagsfraktionen von SPD und CDU von auf künstlicher Intelligenz (KI) basierter Videoüberwachung in Knästen. Und arbeiten daran, diese Fantasien zur Realität werden zu lassen: In der Landtagssitzung am Mittwoch wollen die Fraktionen beantragen, die Gesetzesgrundlage für ein entsprechendes Modellprojekt zu schaffen.

„Wir müssen endlich die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung, speziell der künstlichen Intelligenz, in allen Bereichen der Sicherheitspolitik nutzen“, sagt der rechtspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Calderone. Er argumentiert mit Suizidprävention und der allgemeinen Erhöhung der Sicherheit im Knast. „Intelligente“ Videoüberwachungsanlagen könnten etwa suizidgefährdete Personen in ihren Zellen beobachten und Alarm schlagen, sobald sie auffällige Verhaltensweisen erkennen. Bislang müssen echte Menschen in regelmäßigen Abständen die Zellentür aufschließen, um zu gucken, ob jemand noch lebt. Kameras in Zellen gibt es nur in Ausnahmefällen.

Aber auch außerhalb der Zellen, bei sogenannten Freistunden, könnten die „intelligenten“ Kameras Bewegungen und Verhalten der Gefangenen analysieren und zum Beispiel die Übergabe von Schmuggelware oder sich anbahnende körperliche Auseinandersetzungen erkennen.

Projekte, in denen eine solche „intelligente“ Überwachung erprobt wird, gibt es etwa am Berliner Bahnhof Südkreuz oder auf dem Mannheimer Bahnhofsvorplatz. „Die Entwicklungsfortschritte bei der künstlichen Intelligenz sind gigantisch“, schwärmt Calderone.
Tatsächlich verliefen die Testphasen…

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Hochformat

9. August 2020

Nimm doch mal das Smartphone zur Hand, „um ein Filmchen aufzunehmen. Meinetwegen vom Kätzchen, das übers Sofa tobt. Wie halten Sie es, instinktiv? Eben! Hochkant.“ Keine Frage vertikal, das Hochformat, ist längst der Trend: „Vier Finger der rechten, gerne auch der linken Hand, ergreifen dieses, ja, dieses Basisgerätes unseres Lebens; der Daumen ‚toucht‘ auf dem Screen die Kamera-App, wischt von Foto- auf Videofunktion, roten Knopf mit Daumen sanft drücken und ruckzuck: Kamera läuft! So entsteht das Vertikal-Video. Querformat, also horizontal halten, wäre viel komplizierter, würde länger dauern, bräuchte vielleicht gar zwei Hände und dann noch die Drehung“, lese ich darüber im DLFKultur und an anderer Stelle, dass ein Video, im vertikalen Format produziertes Video fast doppelt so viele bis zum Ende anschauen wie eins im klassischen 16-zu-9-Format.

Social-Media-Plattformen haben Vertical Video längst als Trend aufgenommen Schin früh reagierten die Unternehmen hinter den sozialen Medien darauf. Instagram und Facebook haben seit längerer Zeit ihre Stories im 9:16-Format. Snapchat, Pinterest sowie Tik Tok sind ohnehin von Beginn an standardmäßig auf Hochkant-Darstellung ausgerichtet. Marktführer YouTube testet inzwischen Stories und unterstützt über den Player das Hochformat.

Geändert hat sich so die Video-Ästhetik, die in vielen Fällen gerade im Social-Media-Umfeld etwas ungeschliffener und weniger perfekt sein darf. Denn dieser Reiz des Unperfekten wirkt oftmals stimmiger, lese ich bei DLF Kultur und sehe dann dieses aktuelle Apple-Commercial, das natürlich alles andere als unperfekt ist; denn „La-La-Land“-Regisseur und Oscar-Preisträger Damien Chazelle unternimmt in dem Neunminüter eine Zeitreise durch die Geschichte des Hollywood-Kinos. Das Besondere dabei eben: Der Vertical-Cinema-Film ist komplett im Vertikalformat gedreht – und er wirkt wie ein Blockbuster, schreibt Horzont.net. Stimmt, oder?

Und noch eine Zugabe:

Neben dem Hauptfilm hat Apple auch einen Making-of-Clip veröffentlicht, der die Entstehungsgeschichte von „Vertical Cinema“ beleuchtet und in dem Regisseur Chazelle ausführlich zu Wort kommt. Und natürlich ist auch das Making-of im Hochformat gedreht. Dann wünsche ich der Leserschaft einen schönen Restsonntag…


Quellen: DLF Kultur 2019, DLF Kultur 2016, Horizont

 

 

Lebenszeichen

13. Juli 2020

Ein Lebenszeichen der Wilhelmshavener Musikszene und ein fettes Stück Weser-Ems Kultur hab‘ ich da gestern gefunden.

Seit nunmehr fast vier Monaten steht natürlich auch in Wilhelmshaven der gesamte Kulturbetrieb still, die Bühnen bleiben unbespielt und die Veranstaltungsabsagen brachten wie überall die Kulturschaffenden in ernsthafte finanzielle Probleme. Abgesehen von den finanziellen Einbußen hat die Coronakrise aber auch zur Folge, daß die Konzertbesucher und Musikfans  seit Monaten zuhause sitzen und auf Live Musik verzichten müssen, auch wenn es -wie bei uns in Lingen- kleine Sommerneustarts gibt. An der Küste entstand jedenfalls der Plan, ein Lebenszeichen der Wilhelmshavener Musikszene in die Welt zu schicken. Am Ende haben sich über 40 Künstler an dem Video des Lennon / McCartney Klassikers „With a little help from my friends“ beteiligt.

Unter Wahrung der Abstandsregeln spielte man also den Lennon/McCartney-Hit ein – und rein technisch ist das Wilhelmshavener „With A Little Help From My Friends“ sehr viel ambitionierter als das prominente Weltstar-Vorbild „Imagine“ vom März: Die hier beteiligten WHV-Leute wissen, was sie tun, sei’s an einer der bemerkenswert vielen stilsicheren E-Gitarren, die da ihren Auftritt haben; sei’s an der Säge, beinahe meditativ auf einsamem Deich zum Singen gebracht.

Beworben wird mit dem nun präsentierten viralen Video deshalb auch ein 2tägiges Benefizkonzert zu Ostern 2021 im örtlichen „Pumpwerk“. Ich finde, das könnte doch auch eine Idee für unsere lokalen Musiker und die EmslandArena sein.

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OK Go

30. November 2016

OK Go – The One Moment

In nur 4,2 Sekunden entstand das bis ins kleinste Detail geplante filmische Chaos, mit dem sich OK Go nach einem Dreh in völliger Schwerelosigkeit und einer absurden Tanzperfomance wieder einmal selbst übertreffen. In den wenigen Sekunden passiert so viel, dass das Material zu einem knapp vierminütigen Musikvideo taugt, ohne langweilig zu werden. [weiter bei Horizont]