Fokkema

4. Juli 2012

Ganz kurz als Ihr persönliches, kommunales Update für die Wochenmitte:

Ich bin nämlich müde, weil gestern eine Verwaltungsausschuss-Sitzung (kurz: VA) stattfand, in der es teilweise hart zur Sache ging. Wir haben uns im VA -das war noch fast das Angenehmste-  auf die Straßennamen in der Emsauenpark genannten Siedlung in Reuschberge geeinigt, einstimmig.  Nicht optimal, aber man ich kann damit leben, auch wenn bei der Josef-Krieger-Straße blöderweise der Vorname Josef gestrichen ist (jetzt heißt sie also zwiedeutig „Krieger-Straße“) und auch wenn ich mir eine Umbenennung der vorderen Georgstraße zugunsten Bernard Grünbergs sowie der Nordstraße zugunsten Ruth Fosters gewünscht hätte. Die Nordstraße wird aber wohl irgendwann Helmut-Kohl-Ring sein. Im Emsauenpark wird jetzt eine Straße Bernard-Grünberg-Straße und eine weitere Ruth-Foster-Straße heißen. Zu Recht und zu Ehren der beiden jüdischen Lingener Ehrenbürger, die vor 70 Jahren aus ganz unterschiedlichen Gründen den Holocaust überlebten.

Jemand sagte, man solle in der Ratssitzung „nun nicht mehr darüber reden“ und jemand anderes klagte später in der Sitzung über Ausschussprotokolle, in denen „nur der Ratsherr Füst genannt“ werde. Er meinte den mit einem niederdeutschen Dehnungs-E versehenen grünen Ratskollegen Michael Fuest (Foto oben). Sie sehen, es war teilweise deutlich unter der Gürtellinie.

Ich erfuhr, dass der Abifestival eV gegen die Stadt klagt, nachdem diese den Abifestival-Leuten verordnet hat, alle (der zahlreichen) Straßensperrungen während des „AF12“ mit Abiturienten zu bestücken, während der Verein darauf pocht, dies seien polizeiliche Aufgaben, die durch die Polizei erledigt werde müssten. Mein Hinweis, dass niemand in der Verwaltung so viel Ahnung von einem Festival habe wie die AF-Leute, die das seit 10 und mehr Jahren machen, sei „anmaßend“, hörte ich, und es gab noch andere Nettigkeiten.  Dann wurde „der Vau-Ahh“ informiert, dass Wolfgang Dülle, der ehem. Personalratsvorsitzende der Stadt, einstweilen mit seinem Versuch gescheitert sei, im Eilverfahren die schriftliche Zusage durchzusetzen, eine städtische A13-Planstelle als Leiter des Rechtsamtes zu erhalten. Die schriftliche Garantie sei nichtig, hat das Verwaltungsgericht entschieden und darüber eine Pressemitteilung verfasst. Ich habe vorgeschlagen, Dülle  jedenfalls ein ordentliches Zimmer und nicht den Zwischenraum zu geben, in dem er seit dem 27.4. untergebracht ist. Aber man will ihm wohl zeigen, wo die alte Frau Fokkema wohnt (wie das früher sprichwörtlich hieß; weiß noch jemand, woher das Sprichwort stammt?)

Angenehmes gab es auch: Das  war der Bericht von VHS-Leiterin Ute Bischoff, die die alte Tante Volkshochschule wohl ins richtige Fahrwasser bringt. Ich hab ihr gern zugehört!

Zu den LWT-Plänen, für 25.000 Euro (oder mehr?) die Touristinformation umzubauen, war mein Vorschlag: Mistet das jetzige Informationsbüro erst einmal kräftig aus. Alles was an den zahlreichen Überflüssigkeiten in 17 Jahren aufgestellt und angesammelt wurde, gehört raus. Einschließlich der großformatigen (!) Fotos (!) an der Bürowestseite zur Ehren der Werktätigen des LWT. Ich habe kurzerhand familiäre Hilfe beim Ausmisten angeboten. Mal sehen, ob stattdessen 25.000 Euro ausgegeben werden, weil 5 Quadratmeter Teppichboden ein pressewirksam fotografiertes Loch aufweisen.

Was noch?
Vorgestern wurde der Grundstein für die Emslandarena gelegt, wo die letzten Einsprüche  jetzt mit viel öffentlichem Geld und der Aufgabe eines Einzelhandelskonzepts aus dem Weg geräumt werden. Kaufland kommt deshalb  mit knapp 7500 qm Verkaufsfläche, also halb so groß wie die Lookentor-Mall und entgegen den bisherigen Innenstadtplanungen und –wünschen. Viele waren zur Grundsteinlegung am Montag gekommen (ich nicht), wenige fanden sich auf dem obligaten Foto in der LT wieder. Bloß Heiner Pott (Foto) nicht. Der Vater des Projekts war zwar auch da, wurde aber in der Begrüßung des  amtierenden OB Dieter Krone  nicht erwähnt, obwohl man einen Staatssekretär eigentlich erwähnen sollte, denke ich mir – so aus Höflichkeit beispielsweise. Stattdessen begrüßte Dieter Krone aber Conny Spielmanns,  eine Freundin aus Zeiten, in denen er gegen eine zweite Arena neben den Emslandhallen war und für den Ausbau der Emslandhallen war und Conny Spielmanns auch.

Gestern Abend traf sich übrigens die CDU mit der BI Altenlingenerforst, worüber ich nicht berichten soll, wie mir bedeutet  wurde; so etwas -sorry!- reizt dann natürlich besonders. Ich kenne noch kein Gesprächsergebnis, aber mir schwant nichts Gutes. Es gehe um einen Kompromiss, hörte ich im Vorfeld. Man darf gespannt sein, wer wie weit warum eingeknickt ist. Ende September wird mit den BP-Leuten aus London verhandelt, denen unser Altenlingener Forst wahrscheinlich schnuppe ist. Die BP will 700m lange, neue Gleise, von der Bahnstrecke parallel rund 60m westlich in den Forst hinein und bis zur Anschlussstelle an die Umgehungsstraße. Und trotz iHp-Insolvenz will sich die BP nicht in deren Räumen am Hohenpfortenweg sondern auf der abgeholzten Flächen mit Verwaltungsgebäuden verbreiten. Und dann sollen die Schneisen eigentlich aufgeforstet werden, was aber nicht geht, weil man eine Feuerwehrzufahrt zu den neuen Gleisen braucht. Mittendurch West-Ost und da, wo jetzt die größte der Schneisen ist. (Achtung jetzt ironisch:) Natürlich sind die Gleise an der Stelle alternativlos, was niemand unabhängig prüft, weil man der BP ja glauben mussDas ist ungefähr so eindeutig, wie bei Katastrophen jeder Art zu keiner Zeit eine Gefahr für die…. Sie erinnern sich natürlich.

Warum tu ich mir das alles an? Darüber werde ich nachdenken, wie seit mindestens 486 Monaten. Oder waren es schon 498? Dann gäbe es ja in Kürze ein Jubiläum., das zu feiern wäre. Oder?

Schönen Mittwoch noch!

(Fotos: Michael Fuest (c) privat; Heiner Pott (c) ms.niedersachsen)

Mittelbahnsteig 3

18. Oktober 2009

mittelbahnsteig1mittelbahnsteig2ittelbahnsteig3Es ist ja alles noch viel schlimmer, als ich bisher berichtet habe. Heute Nachmittag habe ich mir dieses seltsame Bauwerk am Lingener Bahnhof (bitte anklicken und  die offizielle Beschreibung genießen!) angesehen, das sich „Mittelbahnsteig“ nennt. Den älteren Herrn, der sein Hollandrad auf den Bahnsteig gewuchtet hatte, habe ich bewundert. Der versprochene Servicemitarbeiter der Deutsche Bahn AG war nicht zu sehen; war ja auch Sonntag. Ebenfalls nicht zu sehen, war ein Fahrkartenautomat, weshalb ich mich gefragt habe, weshalb Johannes Krieger in der  Lingener Volkshochschule überhaupt einen Kurs veranstaltet, wie derartige Apparaturen besonderer Kundenfreundlichkeit zu bedienen sind; denn es gibt sie nicht da, wo sie gebraucht werden – also am neuen „Mittelbahnsteig“, wo nur ein Pappschild hängt, dass die Fahrkarten am Automaten am gesperrten Gleis 1 erhältlich sind -mit handschriftlich nachgetragenem Zusatz- „und im Bahnhof“ (Mo-Fr 8.30 -18.00; Sa 8.30 -13.00; So nix) – d.h. 100-150m entfernt, sozusagen zur Abrundung der Kundenfreundlichkeit.

Niedlich auch diese kleinen Mülltonnen neben den beiden Kleinstunterständen gegen Witterungseinflüsse. Außerdem Aber vor allem frage ich mich, weshalb so viel Platz zum östlichen Gleis verblieben ist. Schauen Sie sich bitte die drei nach Nord (lks) und Süd aufgenommenen Fotos an. Den Mittelbahnsteig selbst konnte ich nicht fotografieren; er war zu schmal. Also habe ich die Freiräume an der Ostseite aufgenommen. Haben Sie etwa eine Erklärung dafür, weshalb der Bahnsteig so schmal ist und unten nebendran im Gleisbett  offenbar so etwas wie ein Flachwasser-Biotop angelegt wird? Ich nicht.

Was wir in Lingen haben, ist ein Behelfs-SB-Bahn-Bahnsteig a la  Hamburg-Wilhelmsburg oder Berlin-Marzahn, kein Bahnsteig auf dem Reisende sicher auf einen Zug warten und z.B. trocken bleiben, wenn es regnet. Mit Kindern geht ein Aufenthalt gar nicht, jede Mutter mit zwei Kindern wird einen Herzinfarkt bekommen, falls sie die Kleinen nicht ankettet. Der Mittelbahnsteig im Lingener Bahnhof ist einfach ein einziger, mit viel Steuergeld gebauter  Baumangel.

Mein Vorschlag:
Gebt den Leuten, die das zu verantworten haben, einen Spaten in die Hand. Sie sollen die Deiche an Unterems, Unterweser und Unterelbe um 50 cm erhöhen. Dann machen die jedenfalls etwas Sinnvolles. Und den Bauleuten im Rathaus schenken Sie am besten ein Kissen, damit sie in ihrer argumentativen Unzuständigkeitsnische bequem weiterschlafen.

 

Nachtrag: LT-Bericht vom 30.10.