Mensch sein und stolz

31. Januar 2021

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Seit 25 Jahren ist dieser Tag in Deutschland Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 Internationaler Holocaust-Gedenktag der Vereinten Nationen.

Mit einer Gedenkstunde hat der Deutsche Bundestag am Mittwoch der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 76 Jahren gedacht. Als Rednerinnen waren zwei Jüdinnen eingeladen, die für zwei verschiedene Generationen sprachen: Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch und die Politikerin und Publizistin Marina Weisband. Beide zogen in ihren Reden klare Verbindungen von damals in die heutige Zeit. Hier zum -dringenden- Nachhören die Ansprache von Marina Weisband

und diejenige von Charlotte Knobloch:

Heute vor 75 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (rnd) aus Hannover, veröffentlicht aus diesem Anlass ein bewegendes Interview mit Erna de Vries aus Lathen, die der Mordhölle Auschwitz entkam:

  • Erna de Vries: „Ich wusste, ich lebe vielleicht noch 20 Minuten …“
  • Die heute 96 Jahre alte Zeitzeugin wurde als junge Frau gemeinsam mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert.
  • Sie entging nur knapp dem Tod, ihre Mutter wurde im Vernichtungslager ermordet.
  • Seit den Achtzigerjahren berichtet sie an Schulen über ihr Schicksal.

Lathen. Das Licht würde sie nicht retten, aber es könnte sie vielleicht trösten, und auf mehr hoffte Erna de Vries in diesem Moment nicht mehr, am Morgen des 16. September 1943 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Am Abend zuvor war sie in Block 25 verlegt worden, den Todesblock, nun stehen sie und die anderen Frauen draußen, beim Zählappell, als die Lastwagen vorfahren, die sie zu den Gaskammern bringen sollen. Die Frauen um sie herum schreien, weinen, fallen auf die Knie, zerkratzen sich die Haut, da hat sie, so erinnert sie sich, nur einen einzigen letzten Wunsch.

„Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“, sagt Erna de Vries. „Ich wusste, ich lebe vielleicht noch 20 Minuten, aber ich wollte noch einmal die Sonne sehen. Ich dachte, dann kann dir doch nichts passieren.“

Sie sieht dann tatsächlich, wie über dem Nachbarblock die Sonne aufgeht. Und sie hört, wie kurz danach ein SS-Mann die Nummer ruft, die man ihr nach der Ankunft in den Arm tätowiert hatte….

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