zusammen

2. März 2012

Die Zeiten ändern sich. Noch vor 20 Jahren wäre es nicht vorstellbar gewesen, dass  ein führender Verwaltungsmann aus dem Lingener Rathaus für die Auflösung einer „Schule für Schüler katholischen Bekenntnisses“ streitet.  Und auch vor vier Jahren durfte das Undenkbare noch nicht ausgesprochen werden; da wollte man nur beobachten. Doch jetzt hat es angesichts fehlender Kinder doch das eben noch Undenkbare in Lingen  gegeben. Und kluge Eltern haben so entschieden, wie Erster Stadtrat Ralf Büring es wollte: Ihre übergroße Mehrheit hat sich in einer schriftlichen Befragung dafür ausgesprochen, dass die beiden, in einem Komplex nördlich der Georgstraße gelegenen Grundschulen Overbergschule und Erich-Kästner-Schule künftig eine gemeinsame Schule sind. Das Besondere: Die jetzige Overbergschule  gibt dafür den Status als Konfessionsschule für Schüler katholischen Bekenntnisses auf und die künftige gemeinsame Grundschule wird eine Grundschule für Schüler aller Bekenntnisse sein. Stadtrat Ralf Büring: „Der Zusammenschluss sichert die Zukunft des Schulstandortes an der Stephanstraße. Gerade im Hinblick auf die vielen kontroversen Diskussionen, die wir im Vorfeld der Abstimmung geführt haben, spiegelt dieses Ergebnis das große Interesse der Eltern an der schulischen Versorgung ihrer Kinder wider. Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Eltern und Beteiligten, die an dieser Abstimmung mitgewirkt haben!“

Am 19. März wird der städtische Schulausschuss jetzt  über die von den Eltern gewünschte Zusammenlegung formell beraten und einen entsprechenden Beschluss fassen. Schon drei Tage später wird der Rat dann in öffentlicher Sitzung  die Empfehlung befürworten. Anschließend muss noch die Landesschulbehörde  zustimmen. Pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres 2012713 erfolgt dann die Zusammenlegung beider Schulen.

Dies war alles andere als ein Selbstläufer, denn die Schullandschaft ist in den katholisch geprägten Teilen Niedersachsens traditionell sagen wir – schwierig strukturiert. Zwar erklärte der Landtag 1954  die „christliche Gemeinschaftsschule“  zur Regelschule, allerdings mit wichtigen Ausnahmeregelungen. Besonders im Gebiet des ehemaligen Land Oldenburg gab es bis zur neuen Niedersächsischen Verfassung von 1993 im Grundschulbereich ausschließlich Bekenntnisschulen.

Nach § 129 Niedersächsisches Schulgesetz sind auch sonst „auf Antrag von Erziehungsberechtigten … öffentliche Grundschulen für Schülerinnen und Schüler des gleichen Bekenntnisses zu errichten.“ Dazu sagt Artikel 6 des „Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhle und dem Land Niedersachsen“ vom 26. Februar 1965 -also eines vökerrechtlichen Vertrages zwischen dem Vatikan und unserem Bundesland-: „Das Land gewährleistet die Beibehaltung und Neuerrichtung von katholischen Bekenntnisschulen.“ Die Folge: In Lingen gibt es bisher fünf, i Niedersachsen insgesamt mehr als 120 Bekenntnisschulen für katholische Schüler sowie eine Handvoll für evangelische Schüler.

In Lohne (Landkreis Vechta) sind die Folgen des Konkonkordats besonders einseitig: Am Ende des Schuljahres 2009/2010  schloss dort die einzige Schule für Schüler aller Bekenntnisse mangels Anmeldungen. Seither besuchen daher alle Lohner Grundschüler ausnahmslos katholische Bekenntnisschulen, obwohl ein Drittel der Lohner Kinder nicht katholisch ist. Auch im benachbarten Vechta, wo ähnliche Verhältnisse vorzufinden sind, war vor drei Jahren ein Antrag nur zum Teil erfolgreich, drei katholische Bekenntnisschulen in Schulen für Schüler aller Bekenntnisse umzuwandeln: Bei einer Elternabstimmung am 15. Dezember 2008 gab es nur in einer der drei Schulen die erforderliche Zweidrittelmehrheit der katholischen Eltern, obwohl sich der damalige Bürgermeister Uwe Bartels, der Stadtrat  und sogar die Vertreter des Bischöflich Münsterschen Offizialats zuvor für die Umwandlung ausgesprochen hatten.

Angesichts solcher Entscheidungen sind wir, pardon sind die Eltern in unserem Städtchen da doch etwas weiter. Dabei agierte Stadtrat Büring im Vorfeld der Entscheidung ausgesprochen geschickt. Beispielsweise sagte er vor einem Jahr im kommunalen Schulausschuss, dass man die beiden Schulen nicht zu der sich damals schon abzeichnenden Zusammenlegung drängen werde. Sofern beide Schulen aber gemeinsam mit dem Wunsch der Zusammenlegung  an die Stadt heranträten, werde die Stadt dieses Verfahren wohlwollend begleiten. Diese zurückhaltende Strategie, hat sich, begleitet durch viele Hintergrundgespräche,  jetzt ausgezahlt. Auf 188 von 218 Stimmzetteln der Eltern war das Ja für die Zusammenlegung angekreuzt. Sie kommt also. Gut so!

(Foto: Zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis zeigten sich am Donnerstag Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring, Stephanie Weiß (Vorsitzende des Schulelternrates der Overbergschule), der Schulleiter der Overbergschule Frank Ramler und seine Kollegin Christel Schnieder( Schulleiterin der Erich-Kästner-Schule), der städtische Fachbereichsleiter Schule und Sport Reinhold Möddel und Silke Schmiedl (Vorsitzende des Schulelternrates der Erich-Kästner-Schule)  (v. rechts) © Stadt Lingen (Ems))

19. Dezember

21. Februar 2011

Sie kennen diese US-Serie Time tunnel? Nein? Doch, kennen Sie. Zeitreisen machen! Heute sind Sie mittendrin statt nur dabei: Heute ist der 19. Dezember 2010. Lingens Mittelbahnsteig ist fast fertig gestellt. Sie erinnern sich, dass er am 20.12. fertig sein sollte, wie ein gewöhnlich viel redender Vertreter der Stadtverwaltung  ankündigte und ankündigte. Es fehlt heute am Bahnsteig aber nur noch ein bisschen, also ist heute nicht der 21.02.2011, sondern folgerichtig und beweisbar der 19.12.2010.

Der Bahnhof ist damit aber längst noch nicht in einem benutzerfreundlichen Zustand. Es fehlt ein Fahrkartenautomat auf „Gleis 2“, es fehlen (mindestens) Hinweisschilder (wo-eigentlich-gehts-in-die-Innenstadt.lin), es fehlen Gepäckfächer, es fehlen Kurzhalteparkplätze und Zugzielanzeiger und der Aufzug ist eine ziemliche Katastrophe.  Aber es wird nicht das „Sich-gegenseitig-auf-die-Schultern-Klopfen“ derjenigen fehlen, die das Chaos um den Mittelbahnsteig durch ihre Fehler erst geschaffen haben.

Dann wollen wir uns schnell der zweiten großen Baustelle des Lingener Öh-Peh-Enn-Vau zuwenden. Dem Busverkehr, dessen Organisation in der Hand der seltsamen VGE-Süd liegt. Sie lehnt es ab, das Semesterticket der FH- und Uni-Studenten auch hier gelten zu lassen, weil ihr der AStA für die Nutzung des rudimentären Lingener Busangebots aus den Studentenbeiträgen zu wenig Geld angeboten hat. (Eigentlich sollte die VGE-Süd froh sein, dass außer den Schülern überhaupt jemand mitfahrt!). Der Lingener Busverkehr ist, wie ich auf der studentischen Webseite „Wo-ist-eigentlich-Lingen.de“ lese, das „Ärgernis des Monats“ – wahrscheinlich nicht nur des Februar 2011. Lennart Ness schreibt dort:

„Sinn und Zweck des Semestertickets ist es, die Mobilität der Studierenden am Hochschulstandort zu verbessern. Das bedeutet nicht, dass es dafür da ist, am Wochenende seine Eltern besuchen zu können (auch wenn dies dennoch für viele Studenten mit dem Semesterticket möglich ist), sondern für eine Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Umgebung des Hochschulstandortes“, heißt es auf der Internetseite des ASta der Ex-FH Os, die jetzt Hochschule Osnabrück heißt. Dass auch unser Standort Lingen zur Hochschule gehört, kann dabei nicht wirklich bedacht worden sein, schaut man auf die Bussituation hier…. hier gehts weiter)

Ende Oktober letzten Jahres hatten sich  in der Einwohnerfragestunde der Lingener Ratssitzung drei Dutzend Studenten darüber beschwert, dass ihr Semesterticket nicht die freie Nutzung der Busse in Lingen umfasst. Sie wiesen auch auf die unzureichende Busverbindung vom neuen Studentenwohnheims an der B 213 in Brögbern zur Innenstadt hin. Nun kann sicherlich die öffentliche Hand nicht dafür in die Haftung genommen werden, dass Studenten nicht im Stadtkern eine Bude mieten sondern in einem Vorort. Aber es wurde Hilfe versprochen. Doch viel ist seither nicht passiert. Besagte Verkehrsgemeinschaft Emsland Süd bietet zwar inzwischen „Monatskarten für Studierende zu ermäßigten Schülerpreisen“ an. Zudem sollen die Anbindungen des Studentenwohnheims in Brögbern an den Zentralen Omnibusbahnhof am Bahnhof weiter ausgebaut werden. OB Dieter Krone  hat gleichzeitig den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule Osnabrück aufgefordert, sich „zukünftig für eine Einbindung des Lingener Stadtgebiets an das Semesterticket“ einzusetzen -also an VGE-Süd mehr zu zahlen (guckst du hier).

Nun ja, auch Lennart Nisse beklagt sich in seinem lesenswerten Artikel, dass das neue Studentenwohnheim in Brögbern so weit entfernt und so wenig busangebunden ist. Doch muss man sich nicht erst einmal dafür einsetzen, dass es überhaupt einen nutzbaren und guten Busverkehr in Lingen gibt? Der letzte Bus (nicht nur) nach Brögbern fährt von Montag bis Freitag um halb Sieben abends am Bahnhof ab. Samstags um halb Eins und am Sonntag gar nicht. Nach halb Sieben bleibt die Nutzung des AST -auch eine Wissenschaft für sich und sonntags nur bis 18 Uhr. Es gibt kein GPS-System mit aktuellen Busanzeigern, viele Busse sind nicht für den Stadtverkehr konzipiert. Wollen die VGE-Süd-Gesellschafter etwa nur die öffentliche Finanzförderung des Schülerverkehrs abgreifen?

Keine Frage: Das Angebot ist unzureichend und kundenunfreundlich  wie der erwähnte Mittelbahnsteig. Mir scheint auch, der schmalbrüstige Lingener Bus-öPNV  ist eine zwangsläufige Folge des in die breite Fläche gehenden (Zer-)Siedlungskonzepts der Lingener Stadtplaner. Das bedeutet für den ÖPNV: Entweder (zu) lange Fußmärsche bis zur Haltestelle oder zu viele Haltestellen, die niemand nutz,  die aber lange Umwege für den Linienbus notwendig machen.

Es geht so nicht weiter und schon wegen der Folgen des demografischen Wandels ist ein moderner 7-Tage-Busverkehr notwendig. Sonst heißt es bald tatsächlich in den Ortsteilen: kein Arzt, kein Laden, kein Bus. Welche Konsequenzen müssen wir Lingener folglich ziehen? Keine, wenn  es nach den CDU-dominierten Ortsräten geht, die das Thema nicht interessiert.

Ich frage, ob das Stadtbus-Konzept aus Vechta eine Lösung ist? Ich beobachte es schon geraume Zeit und es überzeugt zunehmend -zumal in der schwarzen Stadt mit dem roten Bürgermeister Uwe Bartels ab dem Wintersemester 2011 mit dem Semesterticket der Universität – vormals Hochschule – Vechta  rund 4.000 neue Nutzer hinzu kommen sollen und dadurch das öPNV-Angebot weiter etablieren. Zunächst (2007) nutzten es täglich 100 Vechteraner, inzwischen täglich 4 bis 5 mal so viel, darunter nicht wenige Rollator-Fahrer. Meinen Sie nicht auch: Senioren und Studenten – das passt besonders gut?

 

(*Quelle: wikipedia; Foto: © Vechtablogger)