Waterboarding

22. Januar 2011

Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hat den Fernsehsender RTL lizenziert und verpflichtet, die Einhaltung gewisser Programmgrundsätze bei RTL zu überprüfen, darunter die Achtung der Menschenwürde. Vielleicht schreiben Sie deshalb einmal eine E-Mail an diese 26 Mitglieder der „Versammlung der NLM„:   MdL Wittich Schobert (CDU) und  Vera Wucherpfennig (CDU), Peter Befeldt (SPD), Ulrike Kuhlo* (FDP), MdL Ursula Helmhold (Bündnis 90/Die Grünen), MdL Kreszentia Flauger (Die Linke), Jörg-Holger Behrens (Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen), Prof. Dr. Felix Bernard (Römisch-Katholische Kirche), Rebecca Seidler* (Landesverband der Jüdischen Gemeinden und der Israelitischen Kultusgemeinden), Wilfried „Wille“ Bartz (ver.di, DGB), Amadore Kobus (ver.di, DGB), Claudia Starke (NBB Niedersächsischer Beamtenbund und Tarifunion).  Ortrud Wendt und Christoph Meinecke (Unternehmerverbände Niedersachsen eV), Ute Schwiegershausen (Unternehmensverbände Handwerk Niedersachsen e.V.), Gabi von der Brelie (Landvolk), Cornelia Könneker (Nieders. Landesfrauenrat), Barbara Sütterlin (Landesjugendring), Dr. Hedda Sander (Landessportbund Niedersachsen), Ulrike Buchmann (Landesmusikrat), Karl Maier (Film- und Medienbüro Niedersachsen), Elisabeth Harries (Deutscher Journalistenverband), Stefan Borrmann (Verband Nordwestdeutscher Zeitungsverlage und Verband der Zeitschriftenverlage Niedersachen-Bremen), Gerhard Suhren (Verband der Freien Berufe), Helga Olejnik (Deutscher Lehrerverband) und Anneliese König (Deutscher Familienverband, Landesverband Niedersachsen).

Sie sollten heute nicht fragen, weshalb das NLM-Gremium so unglaublich einseitig zusammengesetzt ist und beispielsweise Umweltverbände oder Vereinigungen von Nichtdeutschen nicht vertreten sind. Das ist von schwarz-gelb so gewollt. Nein, fragen Sie einfach, weshalb die  NLM mit RTL einen Sender lizensiert (die NLM macht das im Falle RTL  für ganz Deutschland), der die Menschenwürde mit Füßen tritt. Beweis:  “Dschungelcamp”. Dort werden Menschen  täglich bloßgestellt und psychisch fertig gemacht. Höhepunkt jetzt: Eine Schauspielerin wird mit Stromstößen gefoltert auf einer Art elektrischem Stuhl. Es fehlt nur noch Waterboarding, schreibt ein zu recht empörter Michael Spreng in seinem Blog und setzt hinzu:

„Nicht alles, was Menschen scheinbar freiwillig mit sich geschehen lassen, ist auch verantwortbar. Wenn Landesmedienanstalten überhaupt einen Sinn haben, dann den,  über den Schutz der Menschenwürde zu wachen. Die Grenzen haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr verschoben. Es wird Zeit, sie wieder klar zu ziehen.“

ps Ach ja, bevor Sie abwinken und etwas von Einzelfall nuscheln:

David L. sah am am 12. September 2010 im RTL-Programm ebenfalls die Menschenwürde verletzt. Der Sender strahlte um 19.05 Uhr eine Folge von “Schwiegertochter gesucht” aus. Nach seiner Meinung wurden in der Folge partnersuchende Männer, insbesondere den als “Kratzbild”-Fan bekanntgewordenen Peer, als Volltrottel dargestellt und in einer Art und Weise präsentiert, die insgesamt nicht mehr akzeptabel ist. David L. beschwerte sich deshalb offiziell. Sein Schreiben landete bei der NLM. Was dann passierte lesen Sie hier (in Udo Vetters lawblog)  und hier bei Stefan Niggemeier, woher die Antwort der NLM stammte.

Aber vielleicht ist die Zusammensetzung der NLM-Mitgliederversammlung doch der Grund, das derlei offenbar inzwischen als normal angesehen wird.

*keine E-Mailadressen gefunden

Ungarn

31. Dezember 2010

Doch noch eine wirklich schlechte Nachricht wenige Stunden vor dem Jahresende: Vorgestern am 29. 12. haben alle Mitarbeiter des Anzeigenblattes „Ems Report“ (letzte Ausgabe lks. mit Verlags-Mitarbeitern)  ihre Kündigung erhalten. Genannter Grund: Ab sofort wird keine wöchentliche Ausgabe des  Anzeigenblattes mehr herausgegeben.

Tatsächlicher Grund ist nach mir vorliegenden Informationen: Der bisherige Mehrheitsgesellschafter Rolf Augustin (Meppen), seit letzter Woche  Alleingesellschafter des Ems Report Verlages, hat sich wohl faktisch mit einem regionalen Zeitungsverlag über so etwas wie eine Übernahme  geeinigt. Aus kartellrechtlichen Gründen darf der  Übernehmer aber nicht übernehmen, folglich auch den den Titel der  Zeitung nicht nutzen, sondern sich nur darüber freuen, einen ungeliebten Mitbewerber, zumindest was den Anzeigenmarkt angeht, vom  Markt genommen zu haben. Ob etwa die Kartellbehörden von alledem nichts merken sollen?

Fazit: Das erste Gebot regionaler Medienmarktführer: „Du sollst keine fremden Zeitungen neben  mir lesen“ gilt für das Emsland nach gut siebeneinhalb Jahren wieder  uneingeschränkt. Auf die nächste Erhöhung der Anzeigenpreise  muss man wohl nicht lange warten. Mit Hilfe des neuen Landesmediengesetzes, das morgen in Kraft tritt wird der Einfluss der Zeitungsverleger und Verlage zusätzlich ausgeweitet. In einem Bundesland, in dem in mehr als drei Viertel aller Landkreise nur eine Zeitung existiert. Man braucht kein Prophet zu sein, um als nächstes Ziel  des Meinungsmonopols die Ems-Vechte-Welle & Co.  auszumachen. Was also  zeigen wir auf Ungarn, liebe Freunde? Bei uns regeln das Union, FDP und die regionalen Pressefürsten gemeinsam und nennen dies Monopolisieren – wie die Magyaren – auch noch Freiheit.

Wie forderte es Ursula Helmhold (Bündnis’90/Die Grüne) im Landtag: „Transparenz, Meinungsvielfalt und starke Bürgermedien – das müssen die Leitmotive unserer Medienpolitik sein“.  Guten Rutsch!