unverzüglich

1. April 2019

Heute an dem Tag, an dem der Lingener Kult-Gastronom Markus Quadt auf einzigartige Weise die Marktplatz-Linde vor seinem Rathaus-Restaurant Sieben fällen ließ, präsentiert der OB endlich die neuen, sozialen Lingener Grundstückskauf-Regeln. Mir liegt eine Rathaus-Presseerklärung mit Sperrfrist 0.00 Uhr vor, die die Dinge vorstellt, die OB Krone mit großem betriebswirtschaftlichem Sachverstand in den letzten 12 Monaten erarbeitet hat, nämlich:

Grundstücke für große Unternehmen und Betriebe werden in Lingen künftig nur noch im Ausnahmefall verkauft. Bisher gab es sie bereits voll erschlossen für ganz wenig Geld. Künftig aber müssen sie gar nicht bezahlt werden. Der Grundstückswert wird stattdessen verrechnet: Wer infolge seiner Investitionen neue Arbeitsplätze schafft, zahlt gar nichts mehr, vorausgesetzt er zählt nicht zu Klein- und Mittelbetrieben bis 100 Arbeitnehmer*innen. Würde man nämlich auch diese von der Kaufpreiszahlung befreien, verlöre man im Rathaus weitestgehend den Überblick. Pro neuem Arbeitsplatz wird also bei Großbetrieben künftig der soziale Nachlass errechnet. Diese Berechnung hat sich der OB übrigens selbst aufgebürdet – Chapeau!

Ich habe das Vorgehen, das gerade bei einem größeren Betrieb im Lingener Süden, projektiv hektarweise erprobt wird, zwar kritisiert, es aber leider nicht verhindern können.

Doch mir ist es parallel dazu gelungen, für den Bau von Häusern durch unsere jungen Familien in Lingen eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Auch unsere Familien  werden die Grundstücke in Lingen künftig deutlich billiger kaufen können – vorausgesetzt, sie zeugen zielgerichtet zusätzliche Kinder.

Pro neu gezeugtem Kind gewährt unsere Stadt nämlich jetzt einen deutlichen Nachlass auf den Kaufpreis von Baugrundstücken. Dazu ein praktisches Beispiel: Bekommt eine Familie Nachwuchs, ermäßigt sich der Grundstückskaufpreis um 20%/Kind, bei Familien mit mindestens zwei Großeltern aus dem entsprechenden Ortsteil sogar um 25%/Kind, sofern das Kind später als 181 Tage nach dem notariellen Kauf des Grundstücks von der städtischen Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft geboren wird. Die Frist entnimmt die Stadt § 1600d BGB. Ab dem sechsten Kind – bei Ortsteilkinder ab dem fünften –  zahlt die Stadt sogar für jedes weitere Kind (Mehrlingsgeburten zählen als ein Kind, weil das verwendete EDV-Programm es nicht anders lösen kann) einen entsprechenden Kaufpreisanteil von 20% (Ortsteilkinder 25%) an die Familie cash aus.

Die Ortsteil-Klausel fand ich nicht völlig gelungen, musste sie aber schlucken, weil sonst eben genu diese Ortsteile das Vorhaben blockiert hätten. Und das neue Modell gilt auch nur in neuen Baugebieten innerhalb dieser Ortsteile, sofern die Familie zwei Pkw mit Euronorm 6 nutzt. Aber auch diese zusätzlichen sozialen Kriterien, die auch einen nachhaltigen Umweltbezug deutlich machen, kann man sicherlich verkraften, behindern sie doch das Große und Ganze des Projekts nicht wirklich, wie mir Fachleute zu meiner Erleichterung bestätigt haben! Also: Lingen erlebt eine rundum gelungene, neue, soziale und ökologische  Grundstückspolitik.

Das neue Bezahlmodell gilt, meines Wissens gilt dies sofort, unverzüglich.

 

(Foto: Hist. Rathaus Lingen, © milanpaul via flickr)