Besuch

1. März 2013

unionlohneDie LT berichtet gestern:

„Jetzt hat auch der Fußball-Landesligist SV Union Lohne Besuch von den Zollbeamten bekommen. Am Montagabend klingelten die Beamten des Zollamtes Nordhorn bei acht Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes des Grafschafter Vereins und nahmen einige Aktenordner mit Unterlagen und Laptops mit. Auch die Geschäftsstelle wurde durchsucht. Bei Union reagierte man allerdings recht gelassen auf die Aktion.

„Wir machen uns da keine Sorgen. Ich sehe das als eine routinemäßige Untersuchung“, erklärte Lohnes Fußball-Obmann Klemens Menger, für den die Untersuchung nicht überraschend kam, „wir sind neben Eintracht Nordhorn der ranghöchste Verein in unserem Fußballkreis. Beim TuS Lingen waren sie schon und beim SV Holthausen/Biene auch. Wir wussten schon, dass wir irgendwann dran sind.“ [weiter hier]

Erstaunt hat mich die Einschätzung des Lohner Fußball-Obmanns. Sie klingt, als sei so eine Durchsuchung irgendwie …tja…sagen wir: Routine wie ne Schluckimpfung. Und unsere Zeitung qualifiziert diesen massiven staatlichen Eingriff als „Besuch“, bei dem „einige Aktenordner mitgenommen wurden“.

Nun, vor einer Durchsuchung muss es den Verdacht einer Straftet geben. Sonst genehmigen selbst die unterschriftsfreudigen Osnabrücker Ermittlungsrichter keinen Durchsuchungsbeschluss.  In dieser Woche waren mein Kollege und ich bei zwei Hausdurchsuchungen tätig, bei denen das Unterste nach oben gedreht. Einschließlich Rauschgiftspürhund in der Wurst im Kühlschrank. Besuch verhält sich anders.

In der Debatte über Bürgerrechte sind längst auch die Hausdurchsuchungen Diskussionsgegenstand. Bei wikipedia kann man lesen: „Bundesverfassungsrichter Rudolf Mellinghoff kritisierte in einem Zeitungsinterview, dass viele Durchsuchungen rechtswidrig seien und ohne ausreichenden Tatverdacht, oft sogar zu Zwecken der Einschüchterung und Disziplinierung erfolgen. Um das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung stehe es „leider nicht so gut“, was auch der hohe Anteil illegaler Hausdurchsuchungen an erfolgreichen Verfassungsbeschwerden zeige. Im Zentrum steht dabei meistens der Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit. … Auch von justizkritischen Strafverteidigern wie Udo Vetter wird regelmäßig Kritik an Wohnungsdurchsuchungen geäußert und gefordert, dass ein automatisches Beweisverwertungsverbot für bei rechtswidrigen Durchsuchungen gefundene Beweismittel eingeführt werden müsse. Ansonsten bestehe kein Anreiz für die verantwortlichen Beamten, die Grundrechte der Beschuldigten zu beachten, da rechtswidrige Handlungen regelmäßig keine dienstrechtlichen oder anderen persönlichen Konsequenzen hätten und Gerichte fast nie Beweisverwertungsverbote verhängen. 

Also, Freunde in Lohne. Das ist ernst und ein Besuch war das nicht, als zeitgleich Dutzende Fahndungsbeamte acht  Häuser und die Geschäftsstelle filzten. Ich prophezeie mal: Das Strafverfahren wird gegen satte Nachzahlungen eingestellt. Also wird es teuer. Und das wirft neben dem Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit  einmal mehr die Frage auf, wer künftig überhaupt noch Lust auf’s sportliche Ehrenamt hat, wenn er „irgendwann dran“ ist und es bei ihm „am Montagabend klingelt“.

TuS – Lingenfoto6

24. Januar 2013

In Zeiten, in denen mit erhobenem Zeigefinger selbstgerechte und sich selbst für rechtschaffend haltende  Kleinbürger über örtliche Sportvereine moralisieren, welche Ärger mit dem Staatsapparat haben, darf man sich an kleinen Fotoaufnahmen erfreuen. Wie an diesem (vom großartigen © milanpaul) in der alten, weiterhin verrottenden Tankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße in Lingen. Eine schöne Aufnahme.

Wann übrigens kommt der FC Lingen? Aber das nur als ps.

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Foto: Alte Tankstelle in Lingen(Ems), © milanpaul via flickr

aufgerappelt

1. Dezember 2012

Michael RensingEr ist „hoch gestiegen, tief gefallen“, und hat sich „wieder aufgerappelt“, der aus unserer Stadt stammende Fußballprofi Michael Rensing (Foto lks), bis zur B-Jugend Torwart beim TuS Lingen und dann beim FC Bayern München. Das Nachrichtenmagazin SPEGEL-online berichtet über das Buch „Nachspielzeit“ von Exprofi Timo Heinze und was „Michi“ dazu sagt. Denn der kennt -wie SPIEGEL-online schreibt– das Gefühl genau, wenn alles im Fußball wegbricht. 2008 sollte er beim FC Bayern Nachfolger von Oliver Kahn werden, doch Jörg Butt erhielt den Vorzug. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit kam der 1. FC Köln, Rensing wurde Nummer 1, hielt stark, aber nach dem Abstieg gab der Verein ihn an Bayer Leverkusen ab. Rensing blieb nur die Option als Stellvertreter des jungen Stammtorhüters Bernd Leno.


Rensing hat bis heute regelmäßig Kontakt zu Timo Heinze; er weiß selbst, „wie schwer es ist, nach oben zu kommen“. Schnell ist zu erkennen, welche Kraft ihn die letzten Jahre gekostet haben, aber verbittert ist er nicht. Die Stärke von Heinzes Buch sieht Rensing darin, dass es die Aspekte beleuchte, an denen ein aufstrebender Spieler scheitern oder gar zerbrechen könne – schwere Verletzungen, zu hohe Sensibilität, das Nachdenken auch während des Spiels über einzelne Aktionen.

„In meiner Jugendzeit bei Bayern München habe ich Druck eigentlich nie empfunden“, sagt Rensing heute, „erst später änderte sich das“ – bei ihm explosionsartig. Rensing sieht die Trainer als wichtige Basis. „Klar gibt es auch Fälle, wo ein Trainer einen Spieler einfach nicht mag, ihm etwas nicht passt“, so der Torhüter. Ebenso schlimm könne es sein, wenn ein Trainer nicht mit den Spielern rede: „Dann weiß man nur schwer, woran man ist.“

Rensing rät jungen Spielern, „unbedingt auf ein zweites Standbein“ zu achten, sich Alternativen zu überlegen: „Ich hab auch mal dran gedacht, nebenbei zu studieren.“ Inzwischen habe er sich vom Druck befreit und denke „nicht daran, was man von mir erwartet“, sagt Rensing, „heute spiele ich nicht, weil ich muss, sondern weil ich es liebe, weil es meine ganze Leidenschaft ist.“
(Quelle und mehr)

Michi

1. September 2012

Wenn in den 90er Jahren mein Nachwuchs beim TuS Lingen kickte, konnte man sicher sein, dass es bestens lief, wenn Michael „Michi“ Rensing (Foto © torwart.de) hinten im Tor stand. Von Anfang an war Rensing ein Fußballverrückter, schlief in Bayern-München-Bettwäsche und war schon als 10-, 12-Jähriger täglich im Emslandstadion und trainierte.

Klar, dass jeder Lingener Fußballfreund Michis Entwicklung intensiv verfolgt und ihm die Daumen drückt. Der junge Mann ging als B-Jugendlicher zu seinem Traumverein Bayern München, setzte sich durch, machte Karriere, wurde dann aber von Trainer Klinsmann auf schäbige Weise direkt vor einem Championsleague-Spiel in Barcelona auf die Ersatzbank gesetzt und war schließlich Mitte 2010 ohne Verein. Ende desselben Jahres holte dann der 1. FC Köln den damals vereinslosen Profitorwart und schloss mit ihm -nach glanzvollen Leistungen, u.a. im März 2011 beim späteren Meister Dortmund- einen Vertrag bis zum Sommer 2013. Rensing brachte seine Leistung, viele seiner Mitspieler nicht. Deshalb stieg am Ende der letzen Saison 2011/12 der FC Köln in die 2. Liga ab, und plötzlich war Michi Rensing dem Verein zu teuer.

Die Kölner Führungsetage wollte ihn los werden, trotz des Vertrages bis 2013, trotz bester Leistungen und trotz großer Identifikation mit dem FC: „Ich hätte für den FC mein letztes Hemd gegeben. Ich liebe diesen Verein und diese Fans“, sagte Rensing dem Kölner Stadtanzeiger. „Mit dem Abstieg ist alles gestorben. Alles was wir aufgebaut haben und alles was wir aufbauen wollten.“ Die Kölner Tageszeitung weiter:

„Als er seine Zuneigung zum Klub mit der öffentlichen Ankündigung untermauerte, in der 2. Liga beimbeim Wiederaufbau zu helfen, stand er bereits auf der Abschussliste. (Manager) Claus Horstmann stauchte den 28-Jährigen zusammen. Der Plan, die Schuld für Rensings Abschied auf den Torhüter zu schieben, war gescheitert. „Er machte mir Vorwürfe. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Da wusste ich, dass sie nicht mehr mit mir planen“, sagt Rensing.“

„Wie alles geendet hat, fand ich extrem hart und traurig. Das war schon krass“, sagt Rensing. Mit (Ex-Trainer) Frank Schaefer führte er noch zwei „gute Gespräche“, der neue Trainer Holger Stanislawski hat nie mit ihm geredet. Der hochverschuldete Klub setzt auf (den 19-jährigen) Timo Horn, Rensing gehört plötzlich zum Kreis der Unerwünschten. „Dass nicht nur die Spieler abserviert wurden, die für Unruhe gesorgt haben, sondern auch die, die immer ihr Bestes gegeben haben, ist seltsam.“

Seit einigen Tagen ist Rensing kein Kölner mehr, und steht bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag. Der Kontrakt mit dem FC ist aufgehoben, wohl gegen Abfindung von 200.000 €; in anderen Quellen heißt es 300.000,- €. Die Kölner zahlen die Abfindung, weil Michi in Leverkusen deutlich weniger verdient.

Also könnte man das Kapitel zuklappen. Aber insgesamt bleibt mehr als ein schaler Nachgeschmack Ungewöhnlich deutlich hat jedenfalls Rensing-Kollege Stefan Wessels auf seiner Facebookseite Stellung bezogen. Der aus Schepsdorf stammende Profitorhüter, einst auch in den Diensten des TuS Lingen, von Bayern München und des 1. FC Köln (welche Auflistung, liebe TuS’ler!), schrieb gestern auf seiner Facebookseite:

Ein Beispiel, wie unmenschlich mit Spielern umgegangen werden kann. Michael Rensing. Umso mehr freue ich mich, dass er auf der anderen Rheinseite mit „meiner“ Nummer einen tollen Verein gefunden hat. Das hat er mehr als verdient.

Und legte nach, als einzelne Kommentare entschuldigend auf die Finanzsituation des 1. FC Köln hinwiesen:

Die Schulden sind … schon länger da und für das Wirtschaften des Vereins kann kein Spieler etwas. Zudem war Michael der konstanteste Spieler mit absoluter Identifikation…“

Und stellte, als sich Angriffe gegen ihn richteten, klar:

„Ich liebe Köln und den FC, aber diese Aktion im Sommer fand ich nicht in Ordnung!“

Recht hat er, der Mann! Rensing kam zur Winterpause 2010/11 zum 1. FC Köln und hatte großen Anteil am Klassenerhalt. In der vergangenen Saison konnte er den Abstieg trotz eigener guter Leistungen nicht verhindern. Dann wurde ausgerechnet er harsch kalt gestellt und musste sch mit einem privaten Torwarttrainer fit halten.

Und wozu? Der FC steht nach vier Zweitligaspielen mit nur einem einzigen Punkt auf einem Abstiegsplatz der 2. Bundesliga. Der neue Kölner Trainer Holger Stanislawski (Lieblingsfloskel: „Die Jungs“)wird sich selbst schnell einen neuen Verein suchen dürfen, wenn sich das nicht ändert. Dann wird niemand mehr mit ihm reden, der mit Michi Rensing nicht einmal sprach, vielleicht nicht einmal sprechen durfte.

Das alles achselzuckend nur als „typisch Profigeschäft“ zu bezeichnen, reicht mir nicht.

(Foto: Michael Rensing © torwart.de )

FSL-Nachlese

31. Juli 2012

Als ich das Bild vom Finale der Lingener Fußballstadtmeisterschaft 2012 zwischen dem TuS und dem ASV gestern in der Lingener Tagespost sah, habe ich LT-Redakteur Wilfried Roggendorf um Erlaubnis gefragt, es hier zu veröffentlichen und ihn gleich Schlawiner getauft.  Ich wusste nämlich, weshalb er es ausgewählt hat.

Also: Wer findet den Fehler?

(Foto © Wilfried Roggendorf ps Danke für die Aufnahme!)

FSL-Finale

29. Juli 2012

Das war gestern für alle lokalen Fußballfans ein sehr spannender „FSL“-Nachmittag. Seit 1984 gibt es bekanntlich diese Stadtmeisterschaft der Lingener Fußballvereine. Damals noch gesponsort von coop Nordwest ist das Ereignis längst der Auftat für die kommende Saison -trotz aller Diskussionen um Termin und Modus. In diesem Jahr wurde der Cup („FSL 2012“) vom VfB Lingen am Sportgelände am Schwarzen Weg bislang bestens organisiert.

Die FSL verlangte dabei den Amateursportlern wirklich alles ab. Teams, die es in die Finalspiele schaffen, müssen fünf Turnierspiele a 90 Minuten in 6 oder 7 Tagen absolvieren. Freitagabend musste Titelfavorit TuS Lingen sogar zusätzlich noch ein Pokalspiel bei Vorwärts Nordhorn absolvieren.

Heute am Sonntag also spielt um 16 Uhr der TuS gegen Überraschungsfinalisten ASV Altenlingen um den Titel, der sich im Halbfinale mit 3:1 gegen den SV Holthausen-Biene durchsetzte. Biene spielte das Turnier mit seiner Reserve, weil seine „Erste“  heute in Meppen zum Pokalspiel gegen SV Meppen antreten muss.

Während sich der ersatzgeschwächte ASV gestern doch einigermaßen souverän durchsetzte und nach 28 Jahren zum ersten Mal das Finale erreicht, war das zweite Halbfinalspiel TuS gegen Olympia Laxten nichts für schwache Nerven und eine wirklich spannende Sache. Schon in der 5. Minute hatte der schnelle und technisch versierte Laxtener Deniz Kücüctas das 1:0 geschossen. Danach stand Olympia Laxten gut und kompakt und die Offensivbemühungen des TuS waren zwar zahlreich aber nicht zwingend. Als mein Zuschauernachbar und TuS-Fan in der 80. Minute Kopf schüttelnd und der Bemerkung „Das wird nichts mehr“ den Platz verließ und alles nach einem knappen aber nicht unverdienten Erfolg der Laxtener aussah, fingen die Turbulenzen erst an:

Plötzlich kam Hektik auf.  In der 85. Minute flog zunächst Marcel Fock (TuS) wegen einer Tätlichkeit zu recht vom Platz. Bereits in der Nachspielzeit griff bei einem Laxtener Konter Björn Bullermann (TuS) seinem davon eilenden Gegner Torben Bruns (Olympia) deftig von hinten an die Schulter, Bruns fiel und Bullermann sah „wegen Notbremse“ ebenfalls Rot und der TuS stand nur noch mit acht Feldspielern auf dem Platz.

Vor dem direkt anschließenden allerletzten Angriff der Lingener gab wohl niemand mehr was auf das TuS-Team. Doch dann folgte ein ebenso überflüssiges wie heftiges Foulspiel durch einen Laxtener Verteidiger nahe des eigenen Strafraums. Den anschließenden, von rechts in den Strafraum geschlagenen Freistoß köpfte Heinz Frimming (TuS) wuchtig zum verdienten 1:1-Ausgleich in die Maschen (90.+4 Min). Das frustrierte Laxtens Schlussmann Thorsten Sabelhaus offenbar so, dass er den jubelnd vorbeilaufenden Torschützen mit einem hochgerissenen Bein traktierte und wegen dieser Tätlichkeit ebenfalls die Rote Karte erhielt, so dass zum entscheidenden Elfmeterschießen ein Feldspieler im Tor antreten musste. Dort behielt der TuS die Nerven. TuS-Torwart Oliver Krüssel hielt großartig zwei der Laxtener Elfer; ausgerechnet Heinz Frimming (TuS) schoss zwar seinen Elfer flach links am Tor vorbei, aber alle anderen Tusler trafen, so dass die Partie mit 5:3 n.E.(1:1) für den TuS ausging.

Die rund 200 Zuschauer sahen einen richtig geilen Kick und man darf gespannt sein, welchen Sport das kleine und das große Finale heute ab 14 Uhr auf dem VfB-Platz zeigen. Eintritt 3 Euro. Weibliche Zuschauer 0 Euro.

Nachtrag:
Lingener Stadtmeister 2012 wurde in einem guten, teilweise dramatischen Spiel der TuS Lingen. Er traf  7 mal, die Kreisligisten des ASV Altenlingen nur 5 mal. Aber der ASV kann mit seiner Leistung mehr als zufrieden sein, erzielten die ASVer im Finale doch mehr Tore gegen den TuS als alle TuS-Gegner der FSL 2012 zusammen. Mehr…  …Bildergalerie

Schicksale

30. Juni 2012

Die Kritik, die eine eifrige Leserin dieses Bloggs mir jüngst in Sachen iHp  schrieb, ist berechtigt. Tatsächlich habe ich mich hier  nicht mit dem „Dienstleister“ iHp befasst, der im April 2007 startete.

Sicherlich hätte ich über die neue Farbenlehre schreiben können: Wichtigster iHp-Kunde war nämlich die BP-Erdölraffinerie, bis sie im April den Rahmenvertrag kündigte. Schon von weitem waren die iHp-Leute auf dem Werksgelände der „Erdölraffinerie“ zu erkennen: „Echte“ BP-Mitarbeiter tragen blaue Arbeitsoveralls, IHP-Beschäftigte dagegen seien  ganz in Grün gekleidet – wusste das „Handelsblatt„.

Was aber war iHp wirklich, die mit dem Lingener SKM kooperierte, den TuS Lingens Trikotwerbung und die Handballer der HSG Nordhorn-Lingen („Premiumpartner“) sponserte? Das Handelsblatt berichtete schon kurz nach dem Firmenstart: iHp sei keine Personal-Service-Agentur – die Mitarbeiter erledigten zwar Aufträge anderer Unternehmen, iHp aber wolle „unsere Leute auf Dauer bei uns halten“, so Gründungsgesellschafter Andreas Mainka. iHp sei auch keine klassische Leiharbeitsfirma – die Beschäftigten sollten nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft bei den Auftraggebern arbeiten, und auch keine Beschäftigungsgesellschaft – man schicke Arbeitslose nicht in bezahlte Weiterbildungskurse, sondern qualifiziere sie auf eigene Kosten. „Das Unternehmen wird nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt“, betonte stolz der damalige  iHp-Geschäftsführer Holger Zaß. „Unsere Gesellschafter schießen keine Gelder zu.“ Von den 100 000 Euro Grundkapital abgesehen, mit denen sie iHp zum Start ausgestattet haben. Was er damals nicht sagte: Von der BP-Erdökraffinerie flossen  jährlich 1 Mio Euro als Anschubfinanzierung. Und die Industriegewerkschaft  Bergbau Chemie Energie (IG BCE) war mit einem besonderen Tarifvertrag einverstanden. Die Gesellschafter verpflichteten sich, jährlich nur 20% des Gewinns der Gesellschaft zu entnehmen, jeder also 5%.

Die örtliche Politik war von der Gesellschaft begeistert. Sie sei ein „gutes Beispiel dafür, wie Regionen selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen können“, sagte 2007 der damalige Landrat Hermann Bröring (CDU). Was „die Unternehmer mit iHp auf die Beine gestellt“ hätten, habe „Vorbildcharakter“. Da war es also gleich „die Region“ – und nicht vier Gesellschafter nebst einer -letztlich offenbar zu teuren – Millionen-Anschubfinanzierung der BP–  sondern „Schicksal“, so damals Hermann Bröring.

Heute wissen wir, dass das Modell -auch noch mit einem Sozialverein – trotz aller materiellen und immateriellen Vorschüsse  nicht funktioniert hat, nachdem der verantwortliche BP-Geschäftsführer Martin Suresch bei BP seinen Abschied nahm und in der Folge die jährliche 1-Mio-Euro-BP-„Anschubfinanzierung“ gekündigt wurde . Später tauchte Suresch zwar wieder offiziell als  „Interimsgeschäftsführer“ in Diensten von iHp auf, bis er vor einigen Tagen hinwarf. Darf man vermuten wegen der einem GmbH-Geschäftsführer stets drohenden persönlichen Haftung? Denn  nun hat iHp gestern Insolvenz angemeldet. Darüber berichtet die Lingener Tagespost heute, aber wer-wie-was die iHp war, wer die Strippen zog, wer jetzt die iHp-Töchter bekommt, fortführt und  wo die Ursachen der Insolvenz der iHp-Holding liegen, verschweigen uns die Redakteure um Thomas Pertz.

Auch die Namen der Gesellschafter erfährt man nicht und findet sie erst nach einigem Suchen, in einem fast fünf Jahre zurück liegenden Artikel des Wirtschaftsmagazin Impulse: Dieter Barlage (Sondermaschinenbau), Heinz Gehring (Wirtschaftsprüfer und Steuerberater), Andreas Mainka, (Bauunternehmung August Mainka) und der Büromaterialhändler Horst Reinkemeier. Sie hielten jeweils 25% Anteile an der iHp-Holding und planten 2007 unter deren Dach vier Gesellschaften als „operative Unternehmen“. Deren Gesellschaftsanteile sollten dann jeweils die  Holding iHp GmbH zu 60 Prozent und 40 Prozent jeweils eine Firma der vier Gründer halten. Inzwischen gibt es sieben Gesellschaften, von denen drei ebenfalls insolvent sind – so die LT. Wer bekommt die anderen Tochtergesellschaften? Nun irgendjemand sollte herausfinden, wer jetzt wie mit wem und warum.

Mehr als 300 iHp-Mitarbeiter sind derweil ohne Job. Ob „die Region“ „selbst“ auch deren „Schicksale“ „in die Hand“ nimmt?

Cooles visual

21. Juni 2012

Es ist eine berichtenswerte Entwicklung, finde ich. Früher spielte die sog. „Knabenabteilung“ des TuS Lingen, also  die  Mini-F-E-D-Jugend, im Verein keine Rolle. Jedenfalls keine große. Es sie zwar, aber los ging es bei den TuS-Fußballern immer erst mit der C-Jugend, international U15 genannt. Da wurden dann die Talente aus den umliegenden Vereinen abgeworben und fußballerisch ausgebildet. Das Image des TuS in der Region ist so über Jahrzehnte reichlich in den Keller gegangen. Inzwischen ändert sich aber etwas, nachdem das in den Nachbarvereinen regelrecht verhasste Abwerbemodell nicht mehr funktioniert und zahlreiche Jugendliche  den Traditionsverein verlassen haben.

Der TuS pfeift -optimistisch gesagt- inzwischen auf dem vorletzten Loch. Seine 3. Seniorenmannschaft existiert schon seit Jahren nicht mehr, die 2. Seniorenmannschaft ist vier, fünf Jahre lang hintereinander abgestiegen und jetzt in der 3. Kreisklasse gelandet,  wo beispielsweise verletzte Spieler der 1. Herrenmannschaft kaum Spielpraxis gewinnen können. Die B- und C-Jugendmannschaften wurden zurückgezogen. Die A-Jugend kann im nächsten Jahr nur dank einer Spielgemeinschaft mit dem SV Dalum überleben. Aber die Verantwortlichen scheinen den Ernst der Lage erkannt zu haben. Seit einem Jahr regt sich etwas bei den Lingener Stadtfußballern.

Auf der Internetseite beispielsweise haben längst die Nachwuchskicker bis zu U15 das Sagen und jüngst hat der TuS unter der Verantwortung von Jugendabteilungsleiter Michael Kühnast  eine Werbeaktion entwickelt, mit dem man neue Spieler für den Verein gewinnen will. Erst einmal in de unteren Altersklassen. Akteure sind die aktiven  F-, E- und D-Juniorkicker selbst: Den Flyern, Postern und Anzeigen geben sie ihr eigenes Gesicht. Professionelle Unterstützung gibt es von der Lingener  Kommunikationsagentur WAEHRT, die auch das Stadtmagazin Emskopp herausgibt. Im TuS-Beirat vertreten  hilft sie den Fußballern bei der Umsetzung der Aktion. Illustrator Christoph Heine steuert mit den „TuS-Kids“ ein „cooles Visual“ (Agentursprech) bei, das die Medien zur Nachwuchsansprache kennzeichnet und das Motto der Kampagne positiv ausdrückt: „Fußball, Freundschaft. Der TuS.“

Ergänzt wird dies mit einem klaren Leitbild, das man auf der Internetseite nachlesen kann. Auch das ist neu, allemal im Vergleich zu den anderen Vereinen in Stadt und Region. Man darf gespannt sein, was draus wird. Nach mehr als 100 Jahren wäre es jedenfalls schade, wenn der älteste Lingener Stadtfußballverein aufhören würde zu existieren. Also wünschen wir dem TuS Erfolg.

Info: tus-lingen.de (Quelle, Foto © emskopp.de)

U10

16. Mai 2012

Man kann ja trotz des gestrigen Bengalo-Radau-Abends in Düsseldorf auch mal zum Fußball gehen: Morgen, am Himmelsfahrtstag führt der TuS Lingen im Emslandstadion sein 2. U10-Bundesliganachwuchs-Turnier durch. U 10 ist die E-Jugend. 8 Fußballmannschaften nehmen in diesem Jahr teil. Neben dem Gastgeber starten die Kreisauswahl Emsland-Süd und Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, SuS Kaiserau, BFC Dynamo Berlin, Bayer 05 Uerdingen und ETB SW Essen. Es spielt „jeder gegen jeden“. Anstoß ist um 11 Uhr. Das 28. und letzte Spiel beginnt um 15:50 Uhr, so dass die Siegerehrung gegen 16:50 Uhr stattfinden dürfte.

Hier geht es zum Spielplan. Eintritt frei. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

ps Früher gab es mal ein Jugendturnier am Himmelsfahrtstag, das Voran Brögbern prima organisierte. Fällt das 2012 aus?

Aufn Platz

22. April 2012

Bisweilen habe nicht nur ich den Eindruck, dass im Emsland die Fußballweisheit „Entscheidend is aufn Platz“ geändert wird in „Entscheidend is inne Zeitung“. Sie kennen diese Schlagzeilen zur genüge: „SV Meppen wirklich gut – aber unglücklich 0:5 verloren.“ Auch wenn der stellvertretende Ball-Obmann in Meppen an Husten erkrankt, berichten alle Emslandausgaben der Neuen Osnabrück Zeitung täglich darüber, als wäre der Bundespräsident auf dem Weg zum Emir beim Herumschreien mitgeschnitten worden.

Nun gut: Unser Lingen will voran. Fußballerisch. Die Verwaltung ist aktiv. Weniger aus sportlichen Gründen, denke ich mir, als aus finanziellen. Denn sollte der Nordstadtverein SV Holthausen-Biene (dessen, lt. Wikipedia offizielle  Internetseite nicht fluppt  @-( ) in die Fußball-Regionalliga aufsteigen, würde sich sofort die Sportplatz-,…pardon natürlich Stadionfrage stellen.  Zwar werben die Biener mit ihrer Austragungsstätte, die im Naturschutzgebiet liege und deshalb eine der schönsten in der Liga ist, aber so wirklich prall ist der Platz  für den populären Ballsport nicht. Aktuell weniger des Naturschutzes wegen als vielmehr aus Sicherheitsgründen. Die DFB-Fußballoberen verlangen nämlich einiges, um Raufhändel und Randale zu minimieren. Das scheitert am Biener Busch schon wegen der fehlenden zweiten Zufahrt.

Jetzt also sprechen drei Lingener Fußballvereine über eine gemeinsame Zukunft. Das Gespräch moderiert Ralf Büring, erster Stadtrat. Der dritte, der in der Lokalzeitung namentlich nicht genannt werden wollte, ist offenbar der VfB Lingen, dessen Einzugsgebiet – zwischen Brögbern, Laxten und Altenlingen gelegen – die Damaschkaner keine große Zukunft für sich sehen lässt. Daneben sind SV Holthausen-Biene und TuS Lingen als höherklassig spielende Clubs mit am Tisch.

Etwas versteckt haben sich inzwischen die HoBis zu den Gesprächen so geäußert:

„Nachdem in der lokalen Presse einiges über den ” FC Lingen ” zu lesen war, möchten wir an dieser Stelle auch ein Statement dazu abgeben. Es ist richtig, dass es Gespräche mit der Stadt Lingen und anderen Lingener Sportvereinen gibt. Und ja, auch der TuS Lingen ist an diesen Gesprächen beteiligt. Es sind lockere Gespräche um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Entscheidungen, dass haben wir auf…  der Info-Veranstaltung angekündigt, werden im Rahmen einer Mitglieder/Generalversammlung getroffen.

Es ist also vollkommen verfrüht, jetzt schon Vorwürfe an den Vorstand zu richten. Wenn der Vorstand nicht rechtzeitig nach Möglichkeiten sucht, wird es später vielleicht heißen: Warum habt ihr nicht früher…

Außerdem wollen wir den Begriff “Fusion” ins rechte Licht rücken: Es ist nicht beabsichtigt den SV Holthausen/Biene aufzulösen! Unser Sportverein bleibt in seiner jetzigen Form bestehen! Unsere Überlegung ist es für die Zukunft (frühestens 2013/2014) einen NEUEN Lingener Fußballclub zu gründen, der von allen Vereinen und der Stadt Lingen als Aushängeschild getragen wird. Dadurch soll eine Konzentration von Sponsoren, Leistungssport und Wirtschaftlichkeit erreicht werden.

Es gibt bis jetzt noch kein Konzept, wie dieser aussehen wird, sondern lediglich lose Überlegungen. Wir hoffen mit dieser Ankündigung wieder für etwas mehr Ruhe und Sicherheit in unseren Verein zu sorgen.

Das Fazit lautet also: Für die Saison 2012/2013 bleibt es wie bisher!!!

Wer also als Sponsor auf den Zug aufspringen möchte, kann sich gerne an den Vorstand wenden oder unter info@sv-holthausen-biene.com eine Nachricht hinterlassen.“(Quelle: Facebook/SV Holthausen/Biene)

„Noch kein Konzept, alles wie bisher“… wozu also das Ganze? Nun, alle drei Vereine versprechen sich letztlich finanzkräftige Sponsoren und vor allem ein neues, „reines“ Fußball-Stadion. Also: Noch’n Platz von der Kommune und die Sponsoren für den Spielbetrieb. Nun müssen wir uns -trotz dieser Probleme– in Lingen nicht in Sack und Asche gewanden und gar nichts mehr zutrauen. Doch eine Emslandarena II wird nicht billig. Sie war  zwar zu Heiner Potts Zeiten schon einmal „langfristig angedacht“. Standort sollte das östliche Altenlingen „Am Bahndamm“  zwischen Eisenbahnlinie und Umgehungsstraße sein. Aber ist sie notwendig?

Allemal sind die erwähnten DFB-Sicherheitsrichtlinien heute am Biener Busch nicht zu verkraften; sie überfordern selbst das Emslandstadion in Reuschberge, mit dessen Fläche unser kühner Heiner anderes vorhatte. Er wollte dort Wohnbauflächen schaffen und mit dem Verkaufserlös das neue Fußballstadion bezahlen; zugleich sollte das Stadion des SuS Darme die Leichtathletikanlagen aufnehmen. Das alles aber ist a) Zukunftsmusik und b) eben doch schwer zu bezahlen (u.a. wg Emslandarena I). Also hilft vor dem Zweitweg -beispielsweise ins benachbarte Meppen (gruselgrusel 😉 ) – zurzeit nur  der Nichtaufstieg. Wie weit der SV Holthausen-Biene damit ist, kann man heute Nachmittag am Biener Busch im  Spiel gegen VfL Bückeburg sehen. Beginn 15 Uhr.

Der 102-jährige Tus spielt zur selben Zeit in der Bezirksliga auswärts gegen Herzlake. Da steht übrigens das Haseltalstadion. Es ist auch regionalligatauglich, seit 1993 der damals möbelfabrikantklose-gesponserte VfL Herzlake an die Tür der zweiten  Liga klopfte, daraufhin das Hasetalstadion mit Innenzaun mittels einer kräftigen Finanzspritze durch den Landkreis  sofort aufgepeppt wurde, der VfL dann aber in den Aufstiegsspielen knapp an Rot-Weiss Essen scheiterte, wo einst Helmut Rahn kickte. Schon daraus kann man manches lernen – oder?  Dass auch der  VfB  heute  um 15 Uhr bei Eintracht Schepsdorf (1. Kreisklasse-Süd) drei Punkte ergattern will, teilt der Chronist hiermit pflichtgemäß mit.

Anschließend wird weiter miteinander gesprochen. Merke: Die  Saison 2013/14 beginnt in 15 Monaten.