Tschernobyl-Tag

26. April 2021

35 Jahre sind heute seit dem GAU im ukrainischen Tschernobyl vergangen. Daran erinnern in unserer Stadt die aktiven atomkraftkritischen Vereine – allen voran der Elternverein Restrisiko, der 1986 gegründet wurde, nachdem es damals die Lingener Stadtverwaltung und die CDU ablehnten, die LingenerInnen über die aktuellen Strahlungswerte auch nur zu informieren. Sie treffen sich am Tschernobyl-Tag

um  17.00 Uhr am Bahnhof

um dann nach einem Gag durch die Innenstadt von 18 – 18.30 Uhr in einem

Schweigekreis
am Historischen Rathaus

der Opfer dieser Katastrophe mit einem Schweigekreis zu gedenken. Vereinsvorsitzender Gerd Otten: „Solange in Lingen noch ein AKW in Betrieb ist und uns Bürger gefährdet, wollen wir der Opfer der Atomindustrie gedenken und gegen den Weiterbetrieb der Atomanlagen in Lingen protestieren.“

Jederzeit könne auch bei uns ein GAU geschehen, schreibt Otten. Wie an dem baugleichen Atomreaktor in Neckarwestheim seien in Lingen die gleichen Wärmetauscher verbaut. „In Neckarwestheim ist festgestellt worden, dass die viele Rohre dieses Wärmetauschers erhebliche an Wanddicke verloren haben. Daher wurden dort alle Rohre überprüft.  In Lingen sind nur wenige Rohre vermessen worden   und man hat daraus geschlossen, dass der Rest noch ausreichend Wanddicke hat. Bei der Atomtechnik ist solch ein Vorgehen unverantwortlich.“

Gerd Otten: „Daneben zeigt die Entwicklung um die Brennelementefabrik in die falsche Richtung. Präsident Wladimir Putin (Russland) und Präsident Emanuel Macron (Frankreich) haben vereinbart, künftig in Lingen (Deutschland) gemeinsam Brennelemente herzustellen. ANF hat die Genehmigung beantragt. Eigentlich hat doch Europa nach der Annexion der Krim ein Wirtschaftsembargo gegen Russland verhängt. Hier aber wird nun zusammengearbeitet. Als Grüne und Linke genaueres über den Deal wissen wollten, wurde der Punkt von der Tagesordnung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages genommen und die Angelegenheit als Verschlusssache deklariert.“

„Dürfen wir in Lingen nicht wissen, was geschieht?“

Zu der Veranstaltung am heutigen Montag rufen der BUND, AgiEL, Bündnis’90/Die Grünen und der Elternverein Restrisiko auf.

1977 wird verkündet, dass in Gorleben ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen soll – es beginnen jahrzehntelange Anti-Atom-Proteste. Haben Sie Erinnerungsstücke, die damit verbunden sind? fragt aktuell der Norddeutsche Rundfunk (NDR) seine TV-Seher und Radio-Hörer auf diese Weise:

„Sein roter Trecker erinnert Landwirt Horst Wiese an viele Demonstrationen. Mit ihm fuhr er 1979 mit rund 350 anderen Traktoren vom Wendland nach Hannover, um gegen Atomenergie und ein Endlager in Gorleben zu protestieren. Am Ende versammelten sich rund 100.000 Atom-Gegner – die bis dahin größte Anti-Atom-Demonstration der Bundesrepublik.

Haben Sie Zuhause auch noch etwas, das für Sie mit dem Anti-Atom-Protest in Niedersachsen verbunden ist? Es muss auch nicht so groß wie ein Trecker sein. Denn solche Dinge suchen wir, so der NDR, bei unserer Aktion „75 Jahre Niedersachsen – Kleine Dinge, große Geschichte. Weil Niedersachsen 75 Jahre alt wird, möchten wir Ihre „Schätze“, die mit der Geschichte des Landes verbunden sind, sammeln.“

„Wir möchten so viele Erinnerungsstücke wie möglich online zugänglich machen, in Fernsehen und Hörfunk und in einer Ausstellung präsentieren. Einige Beispiele für solche „Schätze“ zeigt das NDR Fernsehen bei Hallo Niedersachsen und blickt mit Ihnen dabei auf das damit verbundene Ereignis zurück. Ihr persönliches Erinnerungsstück kann aber auch mit einem ganz anderen Teil der Geschichte des Landes Niedersachsen verbunden sein.“ Der NDR: “ Machen Sie ein Foto davon und teilen Sie mit uns Ihre Erlebnisse – vielen Dank!“

In Lingen gab es mehrere denkwürdige Manifestationen: Anfang der 1980er Jahre fanden zwei Anti-AKW-Demonstrationen statt, wobei die zweite, deutlich größere die Anti-AKW-Bewegung und die Friedensbewegung gemeinsam durchführten -erstmals in der Bundesrepublik. Sie endete mit dem polizeilichen Abriss eines hohen, von de Demonstranten aufgerichteten Mahnkreuzes auf dem AKW-Gelände an der Niederdarmer Straße. Später folgte dann die Ausgrenzung niederländischer Einwender gegen die Genehmigung des damals beantragten Kernkraftwerk Emsland im Erörterungstermin auf der Lingener Wilhelmshöhe, die zwar nach viel Protest teilnehmen durften, aber ein Redeverbot erhielten  und sich die Münder zuklebten. Das Redeverbot war rechtswidrig, wie Jahre später das Bundesverwaltungsgericht urteilte, natürlich ohne irgendeine Auswirkung auf die längst erteilte Genehmigung.

Wer hat noch Devotionalien dieser beiden Veranstaltungen oder vielleicht auch einen Eimer Tschernobyl-Molke, die 1990 ihren Weg ins Emsland fand und Lingen einen satten, korrumpierenden  Bundeszuschuss bescherte, mit dem der Bau der Emslandhallen bezahlt wurden?

Oder hat jemand aus Wippingen im nördlichen Emsland noch einen Trecker, mit dem Mitte der 1970er Jahre kurzerhand ein Graben ausgehoben wurde, um die Bohrungen und Erkundung eines ersonnenen Salzstocks für ein Atommüll-Endlager zu verhindern. Das nämlicjh, lieber NDR, wäre absolut aktuell.

Und, liebe Redakteure:
Bei uns an Ems und Vechte gab es seit den 1970er Jahren vor allem den heftigen Einsatz  gegen den Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range. Den Kampf für den Stopp dieses, die AnwohnerInnen mit unsäglichem, fast täglichem Lärm terrorisierenden, nie genehmigten militärischen Versuchsfelds, verloren die betroffenen Kommunen. Die höher bezahlte richterliche Einsicht beerdigte ihre Klage Ende des letzten Jahrzehnts mit einem zweifelhafte „Ist-verjährt“-Ausspruch auf ziemlich arrogante Weise.

Der vielfältige Kampf der betroffenen BürgerInnen aus Klausheide und Umland und die anderen Punkte sind es wahrlich wert, über sie in 75 Jahre Niedersachsen zu berichten. Und da ist der Transrapid-Irrtum noch nicht einmal erwähnt…

Tschernobyl-Tag

25. April 2020

Schweigekreis
Zum Gedenken an die Opfer von Tschernobyl
Lingen (Ems) – Altes Rathaus
Sonntag, 26.04.2020  –  18 Uhr bis 18:30 Uhr

Auflagen des Ordnungsamtes: Einhaltung der Corona-Abstandsregeln und möglichst Nase-Mund-Maske mitbringen.

Nachdem am Mittwoch der vergangenen Woche mit einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit sozusagen wieder in Kraft gesetzt wurde (Beschl. v. 15.04.2020, Az. 1 BvR 828/20) und die Landesregierung am letzten Freitag die Landesverordnungen angepasst hat, dürfen wir der Opfer von Tschernobyl gedenken. Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des AKW Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat.

Gleichzeitig erinnern wir daran, dass in der Atomstadt Lingen ein AKW zurückgebaut wird, ein AKW am 26.04.2020 noch 979 Tage in Betrieb sein und eine Brennelementefabrik Treibstoff für marode Atommeiler in Belgien produziert – ohne Befristung. Und das alles bei der weiterhin ungelösten Entsorgungsfrage. Atomkraft ist nicht beherrschbar.

Gerd Otten von der Elterninitiative Restrisiko eV: „Das zeigt sich auch wieder bei dem Brand in der Ukraine. Am 12. April habe ich noch gelesen, dass 120 Feuerwehrleute den Brand bekämpfen, heute berichtet die TAZ  vom weiterhin ungelöschtem Brand und 1400 Einsatzkräften.“

„Wir müssen deutlich zeigen, dass wir die Atomkraft ablehnen und daher bitte ich um rege Teilnahme. Benachrichtigt Freunde, Familien und Nachbarn und bringt alle mit. Sowohl meine Frau wie auch ich gehören zu Risikogruppen. Wenn wir uns nach den CORONA- Abstandsregeln verhalten, ist der Schweigekreis zu vertreten.“

Von 16 bis 18 Uhr ist vor dem Alten Rathaus an diesem Tschernobyl-Sonntag auch das Bündnis AgiEl (Atomkraftgegner im Emsland) mit einem Info-Tisch.

aus Lingen?

8. März 2019

Gestern las ich: „Die vor acht Jahren bei der Atomkatastrophe in Fukushima in den Reaktoren geschmolzenen Brennelemente stammten nach Angaben von Umweltschützern aus Niedersachsen aus Lingen.“ Der japanische AKW-Betreiber Tepco habe zu den Kunden der Framatome-Brennelementefabrik in Lingen gehört. Das hatte zuvor Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), in Hannover. gesagt

Er erinnerte daran, dass in Lingen ungeachtet des deutschen Atomausstiegs weiter atomare Brennstäbe produziert werden. Die Lingener Brennelementefabrik hat in der Tat seit rund 40 Jahren insgesamt 25.000 Brennelemente produziert. Mit Brennelementen aus Lingen werden auch die belgischen „Pannenreaktoren“ wie Tihange 2 und Doel versorgt, deren sofortige Schließung auch die nordrhein-westfälische CDU/FDP-Landesregierung fordert. Baumgarten verlangte, die Bundesregierung müsse den Exportstopp und die Schließung der“Atomfabrik“ in Lingen verfügen.

„8 Jahre nach dem Entschluss zum Atomausstieg wollen Energiekonzerne das Ende dieser hoch gefährlichen Technologie anscheinend immer noch nicht hinnehmen und es über das Jahr 2022 hinausschieben“, kritisierte der BUND-Landesvorsitzende. So solle beispielsweise die Laufzeit des niedersächsischen Atomkraftwerkes Grohnde mit Reststrommengen bereits abgeschalteter Reaktoren verlängert werden. Derzeit versuche E.on, per Klage gegen Vattenfall Stromproduktionsrechte aus den AKW Krümmel und Brunsbüttel auf andere Reaktoren zu übertragen. „Der BUND fordert, das AKW Grohnde umgehend abzuschalten, anstatt die Laufzeiten mit Tricks zu verlängern“, so Baumgarten.

Was aber ist zu Baumgartens Lingen-Fukushima-Behauptung zu sagen? Nach einem Erdbeben und anschließenden Tsunami hatte sich bekanntlich vor fast genau acht Jahren, nämlich am 11. März 2011 im japanischen Fukushima das schwerste Unglück der zivilen Atomkraftnutzung ereignet. In drei Reaktorblöcken kam es zu Kernschmelzen.

Stammten die geschmolzenen Brennelemente in Fukushima  aus Lingen? Allerdings hatte der Areva-Konzern (heute: Framatome)  Brennelemente nach Fukushima geliefert. Es waren sog.  Mischoxid-Brennelemente, kurz: MOX-Brennelemente (MOX = Mischoxid). So heißen die Brennelemente, die neben Urandioxid ein weiteres Oxid enthalten, meistens  und auch in Fukushima Plutoniumdioxid.

Solche plutoniumhaltige Brennelemente werden in Deutschland zwar eingesetzt (seit 2004 auch im AKW Lingen mit jeweils etwa 6t jährlich), aber sie werden hierzulande nicht produziert. Auch nicht in Lingen. Die weltweit größten Anlagen zur Herstellung von MOX-Brennelementen sind bzw. waren neben Sellafield MOX Plant im nordenglischen Sellafield (GB) zwei Anlagen: in Frankreich die Anlage Melox, Nuklearanlage Marcoule und in Belgien die Franco Belge de Fabrication de Combustible nahe Dessel.  Aus einer dieser beiden Brennelemntefabriken dürften die MOX-Elemente stammen, mit denen dann der explodierten Reaktor 3 von Fukushima beladen wurde. Beide Fabriken betreibt der AREVA-Konzern.

Die FukushimaBrennelemente stammen also nicht us Lingen. Die falsche Behauptung des BUND-Mannes Baumgarten dürfte nach meiner Einschätzung darin begründet sein: Produzent der in Fukushima eingesetzten und geschmolzenen MOX-Elemente ist eine Brennelementefabrik desselben Areva-Konzerns, der heute Framatome heißt, und der in Lingen die Brennelementefabrik betreibt. Da hat Baumgarten offenbar geschlussfolgert, di Areva-Brennelemte in Fukushima müssten ausLingen sein. Das ist aber falsch. Genauso wie die Behauptung des Grünen-Politikers Jürgen Trittin, mittels ANF Lingen würde die US-Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen gefördert.

Mich ärgern solche argumantativ-handwerklichen Fehler und Aussagen von Anti-Atom-Mitstreitern deshalb, weil sie es den blauäugigen Befürwortern der Atomkraft leichter machen, uns eine Energie-Technologie anzudrehen, deren Abfälle heute wie in Hunderttausenden von Jahren (!) sicher (!) eingeschlossen werden müssen, weshalb es bis heute keine funktionierende Endlagerung gibt.

Die fehlerhafte Darstellung Baumgartens ändert allerdings nichts daran, dass seine Forderung richtig ist, die Brennelementefabrik in Lingen zu schließen. Auch der Bundesrat hat daher jetzt gefordert, den Export der Brennelemente zu verbieten. Wenn dann die deutschen AKWs abgeschaltet werden, gibt es schlicht keinen Bedarf mehr für Brennelemente aus Lingen. ANF hat keine Zukunft.

Übrigens:
An den Super-GAU in Fukushima erinnern Atomkraftgegner in diesen Tagen mit zahlreichen Kundgebungen und Mahnwachen. In Niedersachsen und Bremen gibt es am Wochenende und am Montag in rund 15 Orten Aktionen. Bundesweit sind etwa 75 Veranstaltungen angekündigt, keine in Lingen übrigens. Der BUND hatte gestern dazu aufgerufen, am Samstag im benachbarten Ahaus  gegen Atomkraft und Castortransporte zu demonstrieren.

Update: Auch in Lingen gibt es eine Demonstration, wie ich gerade erfahre (Danke, Bernd!). Am Montag, 11. März findet ab 18 Uhr vor dem Hist. Rathaus ein halbstündiger Schweigekreis als Mahnwache statt.

Kompakt

2. Mai 2018

Den 32. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl nahmen Umweltschützer in Lingen zum Anlass, mit einem „Schweigekreis“ an die weiterhin weltweit drohenden Gefahren durch die Nutzung der Atomkraft zu erinnern. „An Tschernobyl kann man sehen, wie die Menschen verheizt wurden. Vor 32 Jahren explodierte der Reaktor in der Ukraine und die radioaktive Wolke hat die Menschen vor Ort aber auch uns verstrahlt. Viel Tote, hunderttausende, viel Kranke und ein riesiges Gebiet, das unbewohnbar wurde“, so Gerd Otten vom Elternverein Restrisiko, einem Verein, der vor Jahren mit dem Umweltpreis der Stadt Lingen (ems) ausgezeichnet wurde und über lange Zeit die radioaktiven Belastungen von Nahrungsmitteln selbst gemessen hat.

Otten erläuterte, dass auch Menschen um Lingen herum weiterhin durch das AKW Lingen II mit dem Risiko leben, obwohl bekannt sei, dass der Atomstrom teuer ist und andere Energiearten den Strom mit viel weniger Risiko erzeugen können. Außerdem gebe es bislang immer noch kein Endlager. Ferner erinnerte Otten an die 600 000 Menschen, die in der nähren Abluftfahne der Atomkraftwerke Tihange und Doel wohnen. Bei einem Unfall würde die Wolke auch das Emsland treffen. Dort habe man 2012 festgestellt, dass der Reaktordruckbehälter in Doel viele tausend Risse hat.

Auf besonderen Unmut bei den Demonstranten stieß die Meldung, dass das Verfassungsgericht den AKW Betreibern zugestanden habe, dass sie für das Abschalten der Atomkraftwerke entschädigt werden [mehr…]. „Eine Option – so Wirtschaftsminister Peter Altmeier – bei den Verhandlungen mit EON und  RWE usw. ist die Verlängerung der Laufzeiten. Es ist schlimm, dass man eine erneute Laufzeitverlängerung überhaupt in Erwägung zieht“, so Gerd Otten. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch Musikerinnen aus Haren, die mit ihren Gitarren die Protestsongs begleiteten.

Am 9.6.2018 wird in Lingen eine Demonstration gegen den Betrieb des AKW’s und die Herstellung der Brennelemente  stattfinden.

 

(Text: Presseerklärung des Elternvereins Restrisiko Emsland; Ausriss: LT-Kompakt-Presseveröffentlichung vom 30.04. daraus)

31.

26. April 2017

Heute jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 31. Mal. An diesem Tag verseuchte der zuvor von den Befürwotern der sog. „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ für möglich gehaltene atomare Super-GAU nicht nur die unmittelbare Umgebung in der Ukraine, sondern verteilte radioaktive Strahlung weit über unseren Kontinent hinaus hinaus und kostete Tausende Menschen das Leben. „Tschernobyl erinnert an die Gefahren von reiner Technikgläubigkeit. Atomkraft ist eine unberechenbare, unkontrollierbare Risikotechnologie mit verheerenden Folgen bei Störfällen und Fehlern“, sagte dazu am Dienstag Stefan Körner, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Niedersachsen, in Hannover.

Bei uns in Lingen läuft das Atomkraftwerk immer noch, und die Brennelementefabrik schickt Brennstäbe zu Atomkraftwerken, die nach Ansicht der deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks so marode sind, dass sie schon deshalb sofort abgeschaltet werden müssten. Zu den Abnehmern der Lingener Brennelemente gehören nicht nur die belgischen Atomkraftwerke in Tihange und Doel. Sogar die CDU und FDP in NRW fordern von der Bundesumweltministerin den Stopp der Lieferung Lingener Brennelemente an diese Atomkraftwerke. Die Atomkraftgegner aus dem Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland fordern mit allem Nachdruck die Stilllegung der Schrottmeiler. Daher rufen sie auf zu einer Menschenkette am Sonntag, den 25. Juni 2017 auf. Zugleich erinnern sie daran, dass trotz Atomausstiegs-Beschluss auch in Deutschland noch acht AKW-Meiler in Betrieb sind.

Dabei ist auch wegen der nicht lösbaren Entsorgungsfrage mit einer unerhörten Hypothek von 1.000.000 Jahren klar: Alle AKW auf Erden müssen abgeschaltet werden.

An all dies gilt es zu erinnern. Der Elternverein, der BUND und das Antiatomforum rufen aus Anlass des Tschernobyl-Gedenktages zu einem Schweigekreis auf – heute um 18 Uhr vor dem Historischen Rathaus in Lingen (Ems). Initiator Gerd Otten: „Wir gedenken der Opfer der Atomkatastrophe und wiederholen unsere Forderung, so schnell wie möglich aus der Atomenergie auszusteigen, in Deutschland, Europa und überall. Nie wieder Tschernobyl! Atomkraft – nein danke!“

Heute vor 30 Jahren explodierte Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Als erstes Ereignis wurde die Katastrophe auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisseals katastrophaler Unfall eingeordnet.

So weit die „exakte technische Information“. Mehr hier:

In Lingen findet von 18 – 18.30 Uhr ein Schweigekreis vor dem Alten Rathaus statt. Es folgt bis Mitternacht eine Mahnwache an derselben Stelle. 

Geisterstadt

30. November 2014

Der Filmemacher Danny Cooke ist mit einer Drohne über das Gebiet von Tschernobyl geflogen. Entstanden sind einzigartige Aufnahmen der Geisterstadt Pripyat. Die Bilder wirken surreal und führen einem gleichzeitig das Ausmaß der Katastrophe vor Augen.

Earlier this year I had the opportunity to visit Chernobyl whilst working for CBS News on a ’60 Minutes‘ episode which aired on Nov. 23, 2014. Bob Simon is the correspondent. Michael Gavshon and David Levine, producers.

For the full story cbsnews.com/news/chernobyl-the-catastrophe-that-never-ended/

—-> ***Soundtrack ‚Promise land‚ by Hannah Miller – licensed on themusicbed.com

 

[gefunden auf Urbanshit]

Störfall

25. Juni 2014

HagedornMai2014Jetzt befördere ich spontan den heutigen Blog-Kommentar von Theobald Tiger aus Altenlingen in diesem kleinen Blog und mache aus ihm einen -in der Sache notwendigen- Beitrag. T. Tiger schreibt über Aktuelles in der Lingener Kommunalpolitik:

„Wer ist eigentlich Vorsitzende/r des Umweltausschusses?

Dieser Volksvertreter sollte sich einmal ein Beispiel am Politik- und Demokratieverständnis von Herrn Riße nehmen! Wie kann man es sein, dass über den Störfall bei der Firma Hagedorn in nichtöffentlicher Sitzung informiert worden ist (LT von heute berichtet)?

Betreiber und Aufsichtsbehörde sagen doch, dass es gar kein Störfall gewesen sei. Da wundert man sich doch umso mehr über diese Geheimniskrämerei der Stadtverwaltung und der Ausschussmehrheit! Eine Behandlung in nichtöffentlicher Sitzung zwingt meines Wissens die Beteiligten zur Verschwiegenheit. Sollte dies erreicht werden?

Die Begründung der Verwaltung, “weil der Vorfall schon länger zurückgelegen habe” (LT), ist jedenfalls haarsträubend: Die giftigen Stickoxide sind am 26. Mai diesen Jahres aus der Anlage ausgetreten, das war gerade mal vor vier Wochen!

Haarsträubend ist auch, wie hier einvernehmlich von Betreiber und Aufsichtsbehörde mit dem Begriff “Grenzwerte” umgegangen und argumentiert wird: Da werden deutliche Überschreitungen einfach als erlaubte Ausnahme bezeichnet und durch Verweis auf Tagesmittelwerte als unbedenklich heruntergerechnet. Selbst wenn diese Interpretation nach der “Technischen Anleitung Luft” rechtlich gedeckt ist, bleibt für Mensch und Umwelt ein Gefühl der Unsicherheit.

Da wünscht man sich mehr Volksvertreter, die sich nicht alles gefallen lassen!

Beide Fälle, das Ignorieren des Verkehrsausschussvorsitzenden Marc Riße und die Respektlosigkeit gegenüber den Bürgern im Umweltausschuss, zeigen zusätzlich, dass OB Krone die Verwaltung mit ihren althergebrachten Strukturen nicht im Griff hat und es nicht schafft, eigene Akzente zu setzen. Weiß er eigentlich noch, welche Parteien ihn bei seiner Wahl unterstützt haben?“

ps Vorsitzender des Umweltausschusses ist übrigens CDU-Ratsmitglied Karl Storm (nicht zu verwechseln mit BN-Mann Atze Storm). Marc Riße hat für „Die BürgerNahen“ übrigens im Umweltausschuss die Behandlung des Hagedorn-Störfalls (Foto oben) in nicht-öffentlicher Sitzung moniert. Vergeblich.

Das undemokratische, peinliche und den Regeln widersprechende Verfahren ist übrigens 30 Jahre alt. Es wurde häufiger im Umweltausschuss prkatiziert.  Noch in lebhafter Erinnerung ist mir beispielsweise die Geheimhaltungsmanie der Stadtverwaltung nach dem Störfall von Tschernobyl, wo die deutlich erhöhten Bequerel-Strahlenwerte [Aktuell dazu dies] auf Lingener Spielplätzen nicht veröffentlicht werden durften, „um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen“. Damals, in der Vor-Internetzeit, gründete sich auf Initiative des Umweltaktivisten Gerd Otten aus dem benachbarten Dorf Langen der Elternverein Restrisiko Emsland e.V. , kaufte selbst Messgeräte und veröffentlichte die so ermittelten Strahlenwerte in einem wöchentlichen Rundbrief.

Alles Weitere, was zu sagen ist, kommentiert Wilfried Roggendorf heute in der Lokalzeitung.

28 Jahre

28. April 2014

Tscherbobyl

There have only ever been five majorly publicized nuclear incidents: the meltdown of the Chernobyl, Fukushima, and Three Mile Island nuclear reactors; the atomic bombing of Nagasaki and Hiroshima; and the accidental release of gamma radiation in the laboratory of Dr. David Banner. Some of these incidents were accidents, others intentional, but the result is the same in almost every case; the media, film, and literature industries informed the world of some level or type of danger or consequence that simply did not exist. The intention of this post is not to deride the difficulty, terror, or loss experienced by those involved in real nuclear incidents, but to promote awareness of the sometimes unrealistic and inaccurate information that is extended upon the general public due to a lack of education in radiation and nuclear energy. … 28 Jahre nach Tschernobyl [weiter bei IMGUR]