Seit Februar 2025 gibt es mit dem NOZblog ein Projekt, das sich nicht mit der bloßen Lektüre der Neuen Osnabrücker Zeitung zufriedengibt. Er liest genau hin. Er dokumentiert Leserbriefe, die gedruckt wurden. Und solche, die es offenbar nicht in die Zeitung geschafft haben. Vor allem aber versteht sich das Blog als medienkritische Begleitung einer regional dominierenden Stimme.

Denn wer in Osnabrück und im Emsland Öffentlichkeit prägt, prägt politische Wirklichkeit. Der NOZblog fragt deshalb: Wie wird berichtet? Welche Begriffe werden gewählt? Welche Themen gesetzt – und welche nicht? Es geht um Framing, um journalistische Sorgfalt, um Macht und Verantwortung in einer überschaubaren, aber politisch relevanten Medienlandschaft.

Hinter dem Projekt steht Timm Reichl. Er beobachtet die regionale Presselandschaft aufmerksam und analysiert Berichterstattung mit Blick auf sprachliche Setzungen und politische Gewichtungen. Ihm geht es weniger um Empörung als um nachvollziehbare Einordnung. Reichel schreibt in seinem „Leserbrief zum Thema Leserbriefe, Artikel „In eigener Sache“ von der Chefredaktion, NOZ vom 13.02.2026, Seite 2“, über das Abschaffen der Diskurses bei der „noz“:

Hallo NOZ, hallo Chefredaktion,

die angekündigte Neuregelung zum Abdruck von Leserbriefen wird als Aufwertung verkauft, bedeutet in der Praxis jedoch eine deutliche Einschränkung ihrer Wirkung.

Leserbriefe erfüllen vor allem eine Funktion, die zeitnahe, öffentliche Reaktion auf konkrete Berichterstattung. Genau diese Funktion geht verloren, wenn Zuschriften künftig nur noch „in loser Folge“, gebündelt und losgelöst vom Anlass erscheinen. Sichtbarkeit entsteht nicht durch Sammelseiten, sondern durch den direkten Bezug zum Artikel, der kritisiert oder ergänzt wird.

Was als mehr Raum beschrieben wird, ist faktisch weniger Verlässlichkeit. Leser können nicht mehr nachvollziehen, ob, wann und in welchem Kontext ihre Kritik erscheint. Der tägliche, manchmal unbequeme Dialog wird ersetzt durch redaktionell gesteuerte Auswahl und Terminierung.

Besonders irritierend ist die Begründung mit „Debattenkultur“ und „360-Grad-Perspektive“. Debatten entstehen nicht durch Bündelung, sondern durch Nähe zum Anlass. Wer Perspektiven zeigen will, muss sie dort sichtbar machen, wo sie entstehen, nicht zeitversetzt und gefiltert.

Leserbriefe sind kein schmückendes Meinungsformat, sondern ein Korrektiv. Wird dieses entkoppelt und verknappt, verliert nicht nur der Leserbrief an Bedeutung, sondern auch die Öffentlichkeit an Transparenz.

Mit freundlichen Grüßen

Foto: Logo vom NOZblog