AfD-Theater

15. Mai 2019

Schüler und Schülerinnen der Osnabrücker Gesamtschule im Schinkel haben ein Theaterstück über Rechtspopulismus geschrieben. Jetzt stilisiert sich die AfD als Opfer, berichtete unlängst die lokale NOZ und berichtet heute die taz.

„Ein Theaterstück muss nicht lang sein, um Wirkung zu zeigen. Es muss auch nicht viele Zuschauer haben, nicht von Profis gespielt sein. Es braucht nur Herzblut und ein zündendes Thema. 45 Minuten kurz ist „Danke dafür, AfD“, nur 70 Zuschauer kamen zu seinen drei Aufführungen. Alle Darsteller waren Laien. Aber die Schockwelle, die es ausgelöst hat, ist gewaltig.

So war es Anfang Mai an der Osnabrücker Gesamtschule Schinkel: Schüler des 11. Jahrgangs führen ein „Dokumentendrama“ auf, ein Stück über Nationalismus und Fremdenhass – Tweets und Zitate (nicht nur) der AfD koppeln sie mit eigenen Gedanken. Station auf Station führen sie die Zuschauer dabei durch ihre Schule. Eine schonungslose Reise, die tief hineinführt ins harte, dunkle Herz rechtspopulistischer Demagogie. Wie gut ihre Treffer liegen, zeigt die Hölle, die kurz darauf losbricht.

Denn die AfD schlägt zurück. So dünnhäutig…“

[weiter bei der taz]

In diesem Sommer zieht die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden im niederländischen Friesland, von Lingen(Ems) kein i90 Minuten Autofahrt entfernt ist, natürlich besonders viele Besucher an. Am kommenden Wochenende steht ein weiterer Höhepunkt auf dem kulturellen Programm: Das weltberühmte, französische Theaterensemble Royal de Luxe wird am Freitag mit drei meterhohen Marionetten die Straßen der Kulturhauptstadt erobern und bis Sonntag in der Stadt gastieren. Für dieses Theaterspektakel werden 400.000 Besucher erwartet.

Leeuwarden konnte 2013 zusammen mit Friesland die europäische Jury überzeugen und holte sich den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2018“. Vor allem das friesische Thema „iepen mienskip“, das auf  Deutsch „offene Gemeinschaft“ bedeutet, konnte überzeugen. Ein zentraler Punkt der „iepen mienskip“ ist das gemeinsame, „von unten ausgehende“ Arbeiten an einer besseren Welt. Außerdem sollen die Veranstaltungen etwas Bleibendes schaffen und den Denk- und Lebensweisen der Menschen einen neuen Impuls geben.

Vorab hatte die Stadt mit ungefähr vier Millionen Besuchen (nicht Besuchern) und 1,4 Millionen Übernachtungen für das Kulturhauptstadtjahr gerechnet. Nach einem halben Jahr zeichnet sich ab, dass die Schätzungen zutreffen könnten. Vor zwei Wochen besuchten mehr als 300.000 Menschen das nautische Event The Tall Ship Races in Harlingen. Im Friesischen Museum knackte die Escher-Ausstellung, die noch bis zum 28. Oktober läuft, bereits die 100.000-Besucher-Marke. Die Mata Hari-Ausstellung wurde schon 90.000 Mal besucht. Durchschnittlich geben die Besucher 47 Euro pro Person aus, was deutlich mehr ist, als die zuvor geschätzten 19,50 Euro.

Am kommenden Wochenende wird also der nächste Publikumsmagnet erwartet: das Straßenensemble Royal de Luxe. Das Ensemble wurde in den siebziger Jahren gegründet und suchte sich die Straße als Bühne aus, da es einfacher sei, das Publikum auf der Straße zu erreichen, als es in einen dunklen Saal zu bewegen. Für das Ensemble ist es sehr wichtig, dass möglichst viele Menschen erreicht werden – auch die Menschen der Vororte. Diese Idee passt natürlich gut zum Motto „offene Gemeinschaft“ der Kulturhauptstadt 2018. Um dieses Ideal umsetzen zu können, hat das Ensemble einige Forderungen gestellt. Die Vorführungen dürfen nicht von Sperrzäunen umgeben sein und es sollen möglichst wenig Polizisten zu sehen sein – denn die würden den Zuschauern nur die Sicht auf das Schauspiel nehmen.

Nach Leeuwarden bringt Royal de Luxe drei riesige Marionetten mit. Am Freitag sollen in Bahnhofsnähe das „kleine Riesenmädchen“ und ein Hund namens Xolo erwachen, das Mädchen ist 5,5 und der Hund 3 Meter groß. An der Westerkade soll der 11 Meter große „Taucher“ aus dem Wasser gezogen werden. Das ganze Wochenende über werden die drei Marionetten durch die Stadt bewegt – dafür sind mehrere Fahrzeugkräne und 120 herumspringende und an Seilen ziehende, in rot gekleidete „Liliputaner“ nötig, die von Figuren aus dem Buch Gullivers Reisen inspiriert wurden. Die Riesen werden am Wochenende alles machen, was normale Menschen tagsüber auch machen, sie werden spazieren, sich duschen, essen und schlafen – und dabei kann man ihnen die ganze Zeit über zusehen.

Der Gründer und Regisseur von Royal de Luxe, Jean-Luc Courcoult, entscheidet darüber, welche Städte von seinen Riesen bereist werden. So waren die Marionetten in den letzten Jahren beispielsweise in Liverpool, Antwerpen und Berlin zu bestaunen. Leeuwardenbesuchte Courcoult zum ersten Mal 2015, um sich einen Überblick über die Möglichkeiten der Stadt zu verschaffen. Für die märchenhaften Aufführungen in den Städten werden oftmals Elemente aus der lokalen Geschichte aufgegriffen. In Leeuwarden beeindruckte Courcoult vor allem der Kampf der Friesen gegen das Wasser, weshalb das Thema vom Theaterensemble für das Programm aufgenommen wurde. Zusätzlich bilden die engen Gassen in Leeuwarden eine echte Herausforderung für das Ensemble, es sind die schmalsten Straßen, die sie je bespielt haben. Der Effekt der riesenhaften Marionetten dürfte hier allerdings besonders gut zur Geltung kommen.

Der Auftritt des Royal de Luxe wird die Stadt ungefähr 3,5 Millionen Euro kosten. Siebzig Prozent des Betrags landen allerdings wieder in der friesischen Ökonomie, so die Organisatoren, da friesische Fahrzeugkräne verwendet werden und natürlich Geld durch Hotelübernachtungen eingenommen wird. Zusätzlich rechnet die Stadt mit weiteren Ausgaben der Besucher innerhalb der Stadt und der Umgebung. Der Belgier Patrick de Grote hat schon viele Auftritte der Riesen in Antwerpen organisiert und analysiert. Die riesigen Marionetten seien nicht nur finanziell eine gute Investition, sondern vor allem im Hinblick auf die vielen Menschen, die mit einem Auftritt erreicht würden. Das Publikum sei von den Riesen stets beeindruckt – und zwar so sehr, dass viele Passanten nachts vor den Riesen stehen würden, um ihnen beim Schlafen zuzusehen.

 

Gefunden bei/ ein Beitrag von NiederlandeNet.

Ungleichbehandlung

13. August 2018

In einer Vorlage der Stadtverwaltung für die Ausschussberatung lese ich:

„Mit Schreiben vom 14.06.2018 hat der Landkreis Emsland mitgeteilt, dass ab 2018 ein jährlicher Pauschalzuschuss in Höhe von 25.000 € als Fördermittel für die Theaterförderung in Lingen zur Verfügung gestellt wird. Der jährliche Zuschuss wurde dabei von bisher 16.000 € um 9.000 € auf jetzt 25.000 € angehoben. Ab 2018 erhalten den Pauschalzuschuss von 25.000 € die Theatergemeinden Lingen (2.481 Abonnenten), Papenburg (919 Abonnenten), Meppen (750 Abonnenten) und Clemenswerth (381 Abonnenten) sowie die Freilichtbühnen in Ahmsen und Meppen. Weiterhin zahlt der Landkreis dem Kulturkreis Impulse und dem Heimathaus Twist je 12.000 €.

Der Fachbereich Kultur begleitet pro Jahr ca. 90 Kulturveranstaltungen (ohne Kultursommer und weitere Outdoor-Veranstaltungen) in den verschiedenen Kultureinrichtungen, schwerpunktmäßig im Theater an der Wilhelmshöhe, mit ca. 44.000 Besuchern, davon ca. 60 eigene Veranstaltungen und ca. 30 Vermietungen. Nicht dazu gehören die von der Stadt Lingen bezuschussten Kulturveranstaltungen der Lingener Vereine und Verbände, hier z. B. die Kinderreihe „Kiki & Pupps“ sowiedas Studioprogramm.“

Sögel bekommt also pro Abonnent etwa 60 Euro, Meppen etwa 35 Euro, Papenburg knapp 30 Euro, aber Lingen nur ganze 10 Euro. Die freien Träger in Lingen wie das Kulturforum St. Michael oder der Kunstverein für seine Musikreihe „Junge Virtuosen“ bekommen nichts.

Darin zeigt sich, so finde ich, eine -zurückhaltend formuliert- sehr bemerkenswerte Ungleichbehandlung. Sie wird noch größer, wenn man berücksichtigt, dass etwa in Meppen und Sögel der Landkreis auch noch alle Gebäudekosten trägt; denn Theater dort wird in (Schul-)Gebäuden des Landkreises gespielt.

Es wundert, weshalb sich die Stadt Lingen  und -vor allem-  ihre Kreistagsabgeordneten so etwas klaglos bieten lassen.

 

Spielerkabine

30. März 2017

Kaum etwas hat auf den ersten Blick weniger miteinander zu tun als Theater und Fußball. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Denn was ist ein mit Flutlicht beleuchteter Fußballplatz anderes als eine Bühne? Auf der sich wahre Dramen abspielen, in denen Helden gemacht und fallen gelassen werden. Und wo es auf der einen Seite die TrainerInnen mit der Mannschaft gibt, sind es auf der anderen die Regie und ihre SchauspielerInnen.

Doch wie sagte einst Sepp Herberger? „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Mit anderen Worten: Das Drama endet nie. Gerade im Fußball kamen in den vergangenen Jahren hässliche Untiefen ans Licht. Es gab DFB-, Fifa- und Wettskandal. Geld und Ruhm waren offenbar wichtiger als der Fußball selbst.

Da liegt es doch nahe, ein Stück über Fußball hinter die Kulissen zu verlegen. Das Theater Osnabrück macht genau das und führt Patrick Marbers „Der rote Löwe“ in einer Spielerkabine auf. Das ist auch der Ort, den T in seinen Regieanweisungen vorgibt. Doch während das Staatstheater Nürnberg das Fußballdrama bei der deutschen Erstaufführung auf die Bühne holte, bringt Osnabrück das Theater nun ins VfL-Stadion….

[weiter hier bei der taz...]

Nächste Termine: 6., 11., 20., 27. und 28. April., jeweils 19.30 Uhr, Kassenhäuschen Nord, Stadion Bremer Brücke

Spieltriebe

6. September 2015

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Das Osnabrücker Theaterfestival „Spieltriebe“ setzt sich am kommenden Wochenende mit den Möglichkeiten auseinander, das Unmögliche zu begehren. Das Festival für zeitgenössisches Theater wird zum sechsten Mal die aktuelle Spielzeit des Theaters Osnabrück eröffnen, um an ungewöhnlichen Spielorten in der ganzen Stadt „zusammen mit unserem Publikum drei Tage lang Theater als heutige Kunstform zu erkunden“, schreiben die Verantwortlichen und erläutern:

Das Unmögliche geschieht ist das Festivalthema, ein Bezugspunkt für 13 neue Theaterarbeiten, die  die Erzählung des Undenkbaren untersuchen: Die Apokalypse, also die Offenbarung, die Enthüllung als literarisches Genre rückt ins Zentrum der Auseinandersetzung mit einer vielfältigen, intensiven Umbruchserfahrung.

Ob als Spieler, Zuschauer, Theatermacher – wir erleben die Welt, aus der heraus wir uns dem Theater nähern, 2015 als äußerst fragil, vielerorts bestimmt durch Kriege, Krisen, die Bedrohung durch den Terror, die Angst vor dem Unbekannten, die Angst vor dem eigenen Statusverlust. Eine Rhetorik des „Bewahren-Wollens“ von Kultur, des „Verteidigens“ gegen das „Fremde“ greift um sich, und die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ scheint den gemäßigten Boden unter den Füßen zu verlieren.

Theater kann sich gerade jetzt als ein aktiver gesellschaftlicher und künstlerischer Ort positionieren, so insbesondere im konzentrierten Rahmen der Spieltriebe: Als ein Raum, in dem zwischen Zuschauern und Akteuren für die Dauer einer Vorstellung, einer Reise, eines Festival-Tags, das Unmögliche vorstellbar werden kann.

Keine Angst, das Theatrale bleibt dabei immer eine unbegrenzte Möglichkeit – denn wo, wenn nicht hier, könnte das Spiel mit dem Untergang nicht auch das Lachen und die Lust am Phantasieren entfesseln? Halten wir es also mit der Band R.E.M., die bereits in den 90ern gutgelaunt feststellte: „It’s the end of the world as we know it – I feel fine!““

Spieltriebe-Festival, ein Grund nach Osnabrück zu fahren. Mehr, vor allem das Programm, hier

Kummt kieken

10. Januar 2015

Vor 13 Jahren habe ich im Kulturausschuss meiner Stadt vergeblich dafür gestritten, den Sommer über auf unserem fröhlichen Marktplatz ein Festival des plattdeutschen Theaters zu veranstalten, nachdem ich zuvor mit meinem Vorschlag meine damaligen Fraktionskollegen überzeugt hatte. Doch gleich erhoben sich in den Ratsgremien vorzugsweise christdemokratische Bedenkenträger, grummelten Einwände und die Idee verschwand in den Tiefen des Archivs städtischer Protokolle. Wo kämen wir denn auch hin, würde die Mehrheit Vorschläge der Minderheit aufgreifen und umsetzen…

Daran jedenfalls musste ich denken, als mir vor einigen Tagen eine kleine Broschüre in die Hände fiel, die von der Emsländischen Landschaft vertrieben wird: Plattdütsch Theater – Speeltied Januar 2015 – April 2015. Vorgestellt werden darin 29 Produktionen plattdeutscher Amateurtheater im Emsland und der Grafschaft Bentheim; die 30. ist in Heede; sie hat man vergessen -wie ich lese- „durch ein Versehen“. „Ruutgeeven ist düsse Speelplan van de AG Plattdeutsche Theater eV in Lingen. De Arbeitsgemeinskup Plattdütsket Theater eV is äin Tousammenschluss än de plattdütsken Theaterspeeler on use Gegend.“

Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zusammen geschlossen, um das Plattdeutsche und das „Theater vom Dorf“ bekannt zu machen, wie es traditionell in den Wintermonaten gespielt wurde und wird. Man findet auf der neu gestalteten „Websiete“ den Hinweis, dass das Niederdeutsche Theater seinen Platz im bundesdeutschen UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gefunden hat. Man liest dort wie in der erwähnten Broschüre Informationen zu den einzelnen Theatergruppen und ihren Aufführungen. Man erfährt die Ansprechpartner für die Theaterarbeit vor Ort und wo genau gespielt wird.

Heute am Samstag, 10. Januar starten die ersten Aufführungen des Jahres 2015 in Bokeloh („Mien Fro, mien Hobby un ik„) und Salzbergen („Mien Söten, de Lampe hangt schääf!„; Video). Morgen am Sonntag folgen Spelle („Spökelkraam in´t Raathuus„) und vor allem Nordhorn mit der ersten von 13 (!) Aufführungen von  „De Wanne is vull„. In Lingen hält in diesem Jahr Clusorth-Bramhar als einziger Ortsteil das plattdeutsche Laientheater in Ehren. Dort aber ist im Haus der Vereine erst am Sonntag, 15. März Premiere.

Was lese ich auf der „Websiete“? „Kummt kieken – wi hebbt echte Talente!“ Na dann Toitoitoi!

Gewusst?
Das Niederdeutsche Theater ist im vergangenen Dezember in das bundesdeutsche UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden –  als ein „Beispiel lebendiger Weitergabe von Tradition mit lokalerregionaler Verankerung und Identitätsstiftung. Das ‚Niederdeutsche Theater“‘ festigt den Status der Lebendigkeit des Niederdeutschen als Regionalsprache und stärkt somit gleichzeitig das Gemeinwesen.“ Hervorgehoben wurde, dass die kulturelle Ausdrucksform hauptsächlich ehrenamtlich praktiziert wird. Das Niederdeutsche Theater habe vor allem im ländlichen norddeutschen Raum sozialintegrative Funktion und trage zur generationenübergreifenden Erhaltungs- und Weiterentwicklung des lokalen Sozialgefüges bei.
(Auszug aus „De Theater-Zedel“, Ausgabe Januar 2015)
Das bundesweite Verzeichnis wird im Rahmen der nationalen Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Deutschland erstellt. Ihre kulturelle Ausdrucksform trägt damit auch nicht den Titel „Weltkulturerbe“.