Spielerkabine

30. März 2017

Kaum etwas hat auf den ersten Blick weniger miteinander zu tun als Theater und Fußball. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Denn was ist ein mit Flutlicht beleuchteter Fußballplatz anderes als eine Bühne? Auf der sich wahre Dramen abspielen, in denen Helden gemacht und fallen gelassen werden. Und wo es auf der einen Seite die TrainerInnen mit der Mannschaft gibt, sind es auf der anderen die Regie und ihre SchauspielerInnen.

Doch wie sagte einst Sepp Herberger? „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Mit anderen Worten: Das Drama endet nie. Gerade im Fußball kamen in den vergangenen Jahren hässliche Untiefen ans Licht. Es gab DFB-, Fifa- und Wettskandal. Geld und Ruhm waren offenbar wichtiger als der Fußball selbst.

Da liegt es doch nahe, ein Stück über Fußball hinter die Kulissen zu verlegen. Das Theater Osnabrück macht genau das und führt Patrick Marbers „Der rote Löwe“ in einer Spielerkabine auf. Das ist auch der Ort, den T in seinen Regieanweisungen vorgibt. Doch während das Staatstheater Nürnberg das Fußballdrama bei der deutschen Erstaufführung auf die Bühne holte, bringt Osnabrück das Theater nun ins VfL-Stadion….

[weiter hier bei der taz...]

Nächste Termine: 6., 11., 20., 27. und 28. April., jeweils 19.30 Uhr, Kassenhäuschen Nord, Stadion Bremer Brücke

Spieltriebe

6. September 2015

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Das Osnabrücker Theaterfestival „Spieltriebe“ setzt sich am kommenden Wochenende mit den Möglichkeiten auseinander, das Unmögliche zu begehren. Das Festival für zeitgenössisches Theater wird zum sechsten Mal die aktuelle Spielzeit des Theaters Osnabrück eröffnen, um an ungewöhnlichen Spielorten in der ganzen Stadt „zusammen mit unserem Publikum drei Tage lang Theater als heutige Kunstform zu erkunden“, schreiben die Verantwortlichen und erläutern:

Das Unmögliche geschieht ist das Festivalthema, ein Bezugspunkt für 13 neue Theaterarbeiten, die  die Erzählung des Undenkbaren untersuchen: Die Apokalypse, also die Offenbarung, die Enthüllung als literarisches Genre rückt ins Zentrum der Auseinandersetzung mit einer vielfältigen, intensiven Umbruchserfahrung.

Ob als Spieler, Zuschauer, Theatermacher – wir erleben die Welt, aus der heraus wir uns dem Theater nähern, 2015 als äußerst fragil, vielerorts bestimmt durch Kriege, Krisen, die Bedrohung durch den Terror, die Angst vor dem Unbekannten, die Angst vor dem eigenen Statusverlust. Eine Rhetorik des „Bewahren-Wollens“ von Kultur, des „Verteidigens“ gegen das „Fremde“ greift um sich, und die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ scheint den gemäßigten Boden unter den Füßen zu verlieren.

Theater kann sich gerade jetzt als ein aktiver gesellschaftlicher und künstlerischer Ort positionieren, so insbesondere im konzentrierten Rahmen der Spieltriebe: Als ein Raum, in dem zwischen Zuschauern und Akteuren für die Dauer einer Vorstellung, einer Reise, eines Festival-Tags, das Unmögliche vorstellbar werden kann.

Keine Angst, das Theatrale bleibt dabei immer eine unbegrenzte Möglichkeit – denn wo, wenn nicht hier, könnte das Spiel mit dem Untergang nicht auch das Lachen und die Lust am Phantasieren entfesseln? Halten wir es also mit der Band R.E.M., die bereits in den 90ern gutgelaunt feststellte: „It’s the end of the world as we know it – I feel fine!““

Spieltriebe-Festival, ein Grund nach Osnabrück zu fahren. Mehr, vor allem das Programm, hier

Kummt kieken

10. Januar 2015

Vor 13 Jahren habe ich im Kulturausschuss meiner Stadt vergeblich dafür gestritten, den Sommer über auf unserem fröhlichen Marktplatz ein Festival des plattdeutschen Theaters zu veranstalten, nachdem ich zuvor mit meinem Vorschlag meine damaligen Fraktionskollegen überzeugt hatte. Doch gleich erhoben sich in den Ratsgremien vorzugsweise christdemokratische Bedenkenträger, grummelten Einwände und die Idee verschwand in den Tiefen des Archivs städtischer Protokolle. Wo kämen wir denn auch hin, würde die Mehrheit Vorschläge der Minderheit aufgreifen und umsetzen…

Daran jedenfalls musste ich denken, als mir vor einigen Tagen eine kleine Broschüre in die Hände fiel, die von der Emsländischen Landschaft vertrieben wird: Plattdütsch Theater – Speeltied Januar 2015 – April 2015. Vorgestellt werden darin 29 Produktionen plattdeutscher Amateurtheater im Emsland und der Grafschaft Bentheim; die 30. ist in Heede; sie hat man vergessen -wie ich lese- „durch ein Versehen“. „Ruutgeeven ist düsse Speelplan van de AG Plattdeutsche Theater eV in Lingen. De Arbeitsgemeinskup Plattdütsket Theater eV is äin Tousammenschluss än de plattdütsken Theaterspeeler on use Gegend.“

Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zusammen geschlossen, um das Plattdeutsche und das „Theater vom Dorf“ bekannt zu machen, wie es traditionell in den Wintermonaten gespielt wurde und wird. Man findet auf der neu gestalteten „Websiete“ den Hinweis, dass das Niederdeutsche Theater seinen Platz im bundesdeutschen UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gefunden hat. Man liest dort wie in der erwähnten Broschüre Informationen zu den einzelnen Theatergruppen und ihren Aufführungen. Man erfährt die Ansprechpartner für die Theaterarbeit vor Ort und wo genau gespielt wird.

Heute am Samstag, 10. Januar starten die ersten Aufführungen des Jahres 2015 in Bokeloh („Mien Fro, mien Hobby un ik„) und Salzbergen („Mien Söten, de Lampe hangt schääf!„; Video). Morgen am Sonntag folgen Spelle („Spökelkraam in´t Raathuus„) und vor allem Nordhorn mit der ersten von 13 (!) Aufführungen von  „De Wanne is vull„. In Lingen hält in diesem Jahr Clusorth-Bramhar als einziger Ortsteil das plattdeutsche Laientheater in Ehren. Dort aber ist im Haus der Vereine erst am Sonntag, 15. März Premiere.

Was lese ich auf der „Websiete“? „Kummt kieken – wi hebbt echte Talente!“ Na dann Toitoitoi!

Gewusst?
Das Niederdeutsche Theater ist im vergangenen Dezember in das bundesdeutsche UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden –  als ein „Beispiel lebendiger Weitergabe von Tradition mit lokalerregionaler Verankerung und Identitätsstiftung. Das ‚Niederdeutsche Theater“‘ festigt den Status der Lebendigkeit des Niederdeutschen als Regionalsprache und stärkt somit gleichzeitig das Gemeinwesen.“ Hervorgehoben wurde, dass die kulturelle Ausdrucksform hauptsächlich ehrenamtlich praktiziert wird. Das Niederdeutsche Theater habe vor allem im ländlichen norddeutschen Raum sozialintegrative Funktion und trage zur generationenübergreifenden Erhaltungs- und Weiterentwicklung des lokalen Sozialgefüges bei.
(Auszug aus „De Theater-Zedel“, Ausgabe Januar 2015)
Das bundesweite Verzeichnis wird im Rahmen der nationalen Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Deutschland erstellt. Ihre kulturelle Ausdrucksform trägt damit auch nicht den Titel „Weltkulturerbe“.