gelohnt

11. August 2017

Nicht auszudenken, wenn die Christenunion wieder das Sagen in Niedersachsen bekäme. Erinnern Sie sich noch an diesen unchristlich-bürokratischen CDU-Innenminister Uwe Schünemann und seine menschenverachtende, unerträglich-kalte Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik? Man muss nicht alles Rotgrüne gut und richtig finden, was seit Februar 2013 folgte; dabei halte ich die meisten Leistungen für ordentlich und gut. Vor allem aber hat die Weil-Wenzel-Koalition eins geändert: In Niedersachsen werden seither geflüchtete Menschen erst einmal und endlich als Menschen in Not begriffen. Allein dafür hat sich 2013 der Regierungswechsel zu rot-grün in Hannover gelohnt.

Damit die werte Leserschaft versteht, was ich meine, veröffentliche ich heute diesen Beitrag des Niedersächsischen Flüchtlingsrats vom Montag der Woche.

Auf drei Filme weist der Nieders. Flüchtlingsrat darin stellvertretend für verschiedene Dokumentationen und filmische Bearbeitungen des Themas Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten hin:

Rania’s Odyssey und The Journey zeigen eindrücklich die Umstände der Flucht aus Syrien, die Gefahren auf dem Mittelmeer und den Weg über die Balkanroute, die seit dem Frühjahr 2016 mehr und mehr geschlossen wurde. Moonjourney ist eine filmische Bearbeitung des Themas, das auf Techniken des Werbefilms zurückgreift.

Escape from Syria: Rania’s Odyssey

Rania, eine syrische Kurdin, hat ihre Flucht aus Kobane über die Türkei und entlang der Balkanroute nach Österreich im Frühjahr 2016 selbst gefilmt. Daraus ist beim britischen The Guardian eine eindrückliche Dokumentation entstanden, die gleichermaßen bewegend wie verstörend ist.

Sprachen: Kurdisch + Arabisch
Untertitel: Englisch
erschienen 2017

Die Dokumentation ist hier und hier zu finden.

The Journey

The Journey ist eine sechsteilige Dokumentation des Filmemachers Matthew Cassel. Die Dokumentation folgt dem Syrer Aboud Shalhoub auf seinem Weg von Damaskus nach Europa sowie dem Weg seiner Ehefrau Christine und ihrer beiden Kinder.

Sprache: Arabisch
Untertitel: Englisch
erschienen 2016

Die gesamte Dokumentation ist bei Field of Vision abrufbar.

 

Moonjourney

Moonjourney ist ein Kurzfilm von Studenten und Studentinnen der Hochschule für Fernsehen und Film in München (HFF). Der Clip, der sich den Mitteln des Werbefilms bedient, erzählt die Flucht eines jungen Mädchens mit ihrem Vater.

Sprache: Arabisch
Untertitel: Deutsch
erschienen 2016

Den Film kann man hier und hier sehen.

nicht ausdenken

3. August 2017

Letzte Woche schickte der norwegische Journalist Johan Slåttavik („Ich bin wahrscheinlich Norwegens schlechtester Troll“) folgendes Posting in die norwegische Facebook-Gruppe „Vaterland zuerst“ („Fedrelandet viktigst“), die immerhin 12.000 Mitglieder zählt.

Johan fragte in die Runde, was die Leute darüber denken würden. Nun, zu sehen sind
schlicht ein paar freie Bussitze. Was soll man von denen schon denken? Wenn man einen braucht, ist es recht praktisch, wenn einer leer ist.

Darum aber ging es einigen Mitgliedern der Gruppe nicht; denn sie sahen keine Sitze, sondern vollverschleierte Frauen unter vermeintlichen Burkas. Und dann wurde, wie wir es auch hierzulande kennen, erstmal derbe durch die Kommentare randaliert. Weil ein paar Knetbirnen Bussitze für Frauen unter Burkas hielten. Kann man sich nicht ausdenken!

“Tragic” and “terrifying” were among the comments posted by members of the closed Fedrelandet viktigst, or “Fatherland first”, group beneath the photograph, according to screenshots on the Norwegian news website Nettavisen.

Other members of the 13,000-strong group wondered whether the non-existent passengers might be carrying bombs or weapons beneath their clothes. “This looks really scary,” wrote one. “Should be banned. You can’t tell who’s underneath. Could be terrorists.”

Further comments read: “Ghastly. This should never happen,” “Get them out of our country – frightening times we are living in,” and: “I thought it would be like this in the year 2050, but it is happening now,” according to thelocal.no.

Die Welt lacht, auch wenn das Facebookposting inzwischen gelöscht ist. Im britischen  The Guardian lag gestern Abend der „mistaken“-Bericht über die norwegischen Dumpfbacken auf Rang 1 aller online gelesenen Beiträge.

Übrigens geht die hier dargestellte Blödheit zurück auf diesen, vor knapp einem Jahr veröffentlichten, satirischen Tweet:

(Quelle Das Kraftfuttermischwerk; The Guardian)

Panama Papers

3. April 2016

Wir lernen, wie man eine Milliarde versteckt: Die Panama Papers. Ein Begriff, den bis heute fast niemand kannte. Man wird ihn sich merken müssen.
Mehr…

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brutal

18. April 2014

Amnesty glaubt, dass in diesem Jahr bereits 199 Menschen im Iran hingerichtet worden sind. Zwei am Tag. 2013 fanden zwei von drei Exekutionen auf der Welt im Iran und in China statt. Dann folgen Irak, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Jemen. Mitten zwischen diesen grandios-gnadenlosen Fundamentalistenstaaten die gleichfalls im Racherausch verstrickten USA, die sich so viel auf ihre christlichen Werte einbilden.

Auge um Auge ist das Grundprinzip aller dieser Rechtssysteme. Doch jetzt im Iran „verzieh“ die Mutter eines Getöteten dem Täter Augenblicke vor dessen Hinrichtung, schlug dem mit dem Strick um den Hals unter dem Galgen stehenden Verurteilten ins Gesicht und rettete ihm durch ihr Verzeihen das Leben. Der britische Guardian erzählt das Geschehen und die iranische Fotografin Arash Khamooshi zeigt in ihren Aufnahmen das ganze brutale Drama.

Bildschirmfoto 2014-04-18 um 07.42.13

Nachtrag: Gerade habe ich jeweils über den Iran, China, Irak, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Jemen auf der Internetseite von Amnesty International gelesen: „Amnesty International does not currently have a presence in this country.“ Nur die USA sind jedenfalls insoweit etwas weiter.

The Guardian

16. November 2013

The Guardian – NSA Files: Decoded

nsa_guardian

Das ist wirklich irre gut gemacht, was der Guardian da mit seiner interaktiven Aufbereitung der bisherigen Ereignisse rund um Snowdens Enthüllungen auf die Beine gestellt hat. Man wünscht sich solch modernen Journalismus für alle großen und komplexen Themen unserer Zeit.

Klar ist aber auch, dass Produktionen dieser Art jede Menge Geld verschlingen. Weshalb jetzt mal endlich das Guardian-Abo fällig wird bei mir.“ (gefunden bei Spreeblick)

NSA Files: Decoded. What the revelations mean for you.

UPDATE Bei heise gibt es eine Timeline der Ereignisse.

alles

9. Juli 2013

„Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird“

Edward Snowden

Terror

7. Mai 2013

Gemma Atkinson hat in der Londoner U-Bahn gefilmt, als ihr Freund angehalten und durchsucht wurde. Das reicht schon, um gegen das britische Terrorismus-Gesetz zu verstoßen. Dachte jedenfalls die beteiligte Polizei.

Tatsächlich steht im Gesetz, dass es in Großbritannien verboten ist, PolizistInnen zu fotografieren oder zu filmen – wenn die Aufnahmen terroristisch nutzbar sind. Ich vermute, dass das eine ziemlich dehnbare Definition ist.

Sie hat sich vor Gericht dagegen gewehrt, dass sie in Gewahrsam genommen und mit Handschellen gefesselt wurde. Und hat gewonnen. Das Geld aus dem Verfahren hat sie in diesen kurzen Film gesteckt:

Nebenbei wird auch sehr anschaulich gezeigt, warum nur wenige Leute die Nerven haben, juristisch gegen die Polizei vorzugehen. Das ist hier nicht anders.

[via netzpolitik.org/Anne Roth via The Guardian]

Brandstifter

12. September 2012

Zur Spezies der ganz besonderen Brandstifter zählt der in Kalifornien lebende, aktuell gerade untergetauchte Israeli Sam Bacile. Der 56jährige Mann hat einen – nicht nur handwerklich schlechten- Agitprop-Film über den Propheten Mohammed produziert. In dem Streifen, der vor einigen Monaten einmal in einem Kino in Los Angeles gezeigt wurde, von dem aber Ausschnitte bei Youtube zu sehen sind, wird Mohammed bei sexuellen Handlungen gezeigt und seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort angezweifelt; außerem wird er in dem zweistündigen Film als Kinderschänder, Mörder und Betrüger dargestellt.

Es war absehbar und wohl geplant, dass das geschieht, was jetzt geschehen ist und geschieht: Das blasphemische Machwerk erzürnt Millionen Muslims. Die Botschaften und Konsulate der USA in Ägypten und Libyen werden attackiert. Das US-Konsulat in Bengasi wurde in der Nacht in Brand gesetzt und geplündert.

Vier Menschen sind Mittwochfrüh am US-Konsulat in Bengasi durch wütenden Mob ermordet worden. Ausgerechnet am 11. September, der in den USA noch nicht vorüber war, als die Morde geschahen. Ausgerechnet in Bengasi, das vor einem Jahr nur mit US-Hilfe die Gaddhafi-Diktatur besiegen konnte und ausgerechnet Chris Stevens, Botschafter der USA in Libyen (Video unten) – ein ausgewiesener Freund der Araber. Neben ihm starben zwei US-Sicherheitsbegleiter und ein Konsularmitarbeiter. Stevens  Wagen wurde von wütenden Muslimen angegriffen, er und die beiden Leibwächter offenbar erschossen. Zur Stunde werden die Leichen der getöteten US-Bürger über Tripolis nach Ramstein (Deutschland) gebracht.

Es ist zu befürchten, dass die vier Toten von Bengasi  nicht die einzigen bleiben.

Keine Frage: Keine einzige blasphemische Beleidigung kann das Geschehen rechtfertigen.  Die Handelnden müssen vor Gericht, in jedem Fall aber auch der Bandstifter im fernen Kalifornien.

Denn Sam Bacile, der Mittäter, der in seiner Stellungnahme den Islam als Krebsgeschwür beleidigt, ist für das absehbare Geschehen persönlich (mit)verantwortlich. Doch er meinte nur, die Sicherheitsvorkehrungen in den US-Auslandsvertretungen seien zu lasch. Das müsse sich ändern. Bei so viel dummdreister Chuzpe, fehlen mir die Worte.

Nachtrag aus der FAZ vom 14. September:

Die amerikanischen Behörden nahmen unterdessen Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Produzenten des Schmähvideos aufgenommen. Danach soll der 55 Jahre alte Nakoula Basseley Nakoula aus Cerritots in Südkalifornien hinter dem Video stecken. Nakoula, der ein koptischer Christ sein soll, wurde 2010 wegen Kreditkarten- und Bankenbetrugs zu 21 Monaten Haft verurteilt, kam aber nach wenigen Monaten wieder frei. Zu seinen Bewährungsauflagen gehörte, fünf Jahre lang das Internet nicht zu benutzen.

Offenbar stellte Nakoula das von ihm produzierte Video unter einem Pseudonym ins Netz. Nakoula war nach amerikanischen Medienberichten 1997 erstmals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er die synthetische Droge Methamphetamin hergestellt und verkauft hatte. Der Film, der den Propheten Mohammed als Schürzenjäger, Homosexuellen und Päderasten schmäht, wurde offenbar im Sommer 2011 in der Umgebung von Los Angeles und auch im Privathaus Nakoulas gedreht.

Bildrechte

7. August 2012

Falls Sie das 100m-Finale nicht gesehen haben sollten, ganz ohne Bildrechte bitte schön: