Meistens bleibt nur sparen, schrieb gestern die taz. Denn Mieter, deren Wohnung mit einer Gasheizung beheizt wird, „haben praktisch keine Möglichkeit, das zu ändern“, sagt Martin Brandis, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, „sie können ja keine Investitionen tätigen“. Wer seine Wohnung im Winter tendenziell stark heizt – also mehr als 21 Grad – solle überlegen, ob er die Heizung nicht wirklich runterdrehen könne, sagt Brandis. Wichtig: Räume, die tagsüber leer sind, weil die Be­woh­ne­r:in­nen nicht da sind, müssen nicht beheizt werden. Dass das Aufheizen kalter Räume mehr Energie verschlingt, als sie konstant erwärmt zu lassen, sei ein Mythos, sagt Brandis.

Er rät zu programmierbaren Thermostaten, die es im Baumarkt oder bisweilen im Discounter zu kaufen gibt und die auf nahezu jeden Heizkörper mit Thermostat passen. Damit kann die Raumtemperatur reguliert und, kurz vor Feierabend, wieder erhöht werden.

Hilft eine kleine Photovoltaikanlage auf dem Balkon? „Einen Teil ihres Strombedarfs können Mie­te­r:in­nen damit decken“, sagt der Energieexperte, „das ist empfehlenswert und sinnvoll.“ Aber in Sachen Heizen und Gassparen helfe es nicht. „Um Solarthermie sinnvoll nutzen zu können, müssen die Kollektoren an die zentrale Heizungsanlage angeschlossen werden.“ Das sei für Mie­te­r:in­nen schwierig. Sinnvoll könne auch sein, Ver­mie­te­r:in­nen auf die derzeit komfortable Förderung für den Einbau von Wärmepumpen hinzuweisen. Wer in einer Eigentumswohnung wohnt, hat mehr Möglichkeiten. „Hier hängt es davon ab, was die Eigentümer verabredet haben“, sagt Brandis. Eine Wärmepumpe setzt wegen der hohen Investitionssumme in den meisten Eigentümergemeinschaften den Beschluss aller Eigentümer voraus.

Für diesen Winter dürfte das in vielen Fällen zu spät sein. Hier gilt der Hinweis für die Mieter: Runter mit der Temperatur.

Nichts, gar nichts davon

31. Januar 2022

Letzte Woche wurde im Landtag in Hannover die Novelle des Hochschulgesetzes verabschiedet. Die Studierenden fühlen sich – mal wieder – nicht gehört. Die aktuelle Novelle des niedersächsischen Hochschulgesetzes hat eher so Reförmchencharakter, ein bisschen mehr Autonomie hier, ein paar kleinere Korrekturen dort – nichts, was bisher eine Riesenwelle ausgelöst hätte.

Die hat Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) allerdings auch gerade erst hinter sich – Sparpläne und globale Kürzungen im Landeshaushalt hatten in den Hochschulen für viel Unruhe gesorgt.

Nun sollen also Präsidien und Senate gestärkt werden und mehr Befugnisse erhalten. „Differenzierte Hochschulautonomie“ nennt Thümler dies. Der FDP geht das längst nicht weit genug, noch immer regiere an den Hochschulen vor allem die landespolitische Bürokratie, nötig sei echte Autonomie, als ­Arbeitgeber wie als Bauherr, betont FDP-Fraktionschef Stefan Birkner.

„Mit den Einsparungen im Wissenschaftsbereich und auch mit der Änderung des Hochschulgesetzes bleiben die Hochschulen überreguliert und unterfinanziert“, hatte der hochschulpolitische Sprecher Lars Alt (FDP) schon im vergangenen Sommer kritisiert, als das Gesetz eingebracht wurde.

Die Beratung im Fachausschuss hat daran nicht viel geändert und auch die Studierenden sind frustriert. „Wir haben im Januar 2020 zum ersten Mal unsere Forderungen an den Wissenschaftsminister herangetragen“, sagt Daryoush Danaii vom „freien zusammenschluss von student*innenschaften“ (fzs) in einer Pressekonferenz am Dienstag. Auch in der Anhörung im Ausschuss habe man noch einmal versucht, den eigenen Standpunkt klar zu machen. „Nichts, gar nichts davon hat Eingang gefunden in den Gesetzentwurf.“

Die Studierenden befürchten…

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Kauft lokal!

11. April 2020

Moin in die Runde!

In diesem kleinen Beitrag habe ich vor ein paar Tagen Tipps gegeben und Vorschläge gemacht, um gemeinsam den lokalen Einzelhandel und andere kleine Betriebe zu unterstützen – in Lingen (Ems), aber nicht nur hier in meiner Stadt. Die Resonanz war in unseren AllesFürAldiLidlReweNettoFamilaObi-Zeiten durchweg positiv.

In diesen Corona-Tagen, in denen Großkonzerne ihre Super- und Verbrauchermärkte mit allen, weit über den Grundbedarf hinausgehenden Waren weiter betreiben, aber die unverzichtbaren „kleinen“ Geschäfte unserer lokalen Unternehmen behördlich geschlossen gehalten werden, habe ich versucht, nicht nur dort zu kaufen. „Bei Holzberg“ (Buchhandlung Holzberg) bestellte ich neue Fachbücher (und Bilderbücher für meine Enkel), Robert Blanke (Blanke Buch + Kunst) hat mir zwei historische Stiche gerahmt (erstklassige Arbeit), bei Kathy von Kathy’s Wohnart habe ich eine österliche Blumenvase gekauft und während der ganzen Woche bei Ibrahim Remsi in seinem Appelhans Wein+ Tabak täglich SZ und taz erstanden, sofern denn die taz vom Grossisten in unsere norddeutsche Provinz überhaupt „mitgeliefert“ wurde oder die SZ nicht ausverkauft war. Schließlich: Annette und ich freuen uns zu Ostern auf ein Menu aus Markus Quadts Alte Posthalterei.

Alle fünf, nicht nur mir am Herzen liegenden Unternehmen haben dann mitgemacht, dass ich, wie versprochen, 20 Gutscheine aus der Lingener Innenstadt verlosen konnte. Dafür bedanke ich mich sehr bei ihnen.

Die Gutscheine sind inzwischen schon im Briefkasten oder unterwegs. Zu Ostern dürfen sich darüber freuen Peter, Karin, Astrid, Veronika, Elke, Jörg, Nicole, Christian, Jeanette, Tobias, Eleonore, Michael, Rainer, Sandra, Lukas, Tobi, Katrin, Frauke, Anton und Albijana. Ein freundlicher Leser hatte sich nur über FB gemeldet und ging deshalb leer aus. Aber da, Manfred, lasse ich mich nicht lumpen und liefere noch nach…

Leute, kauft lokal!

Disclaimer: Die Betriebe und ich haben uns die Kosten der Verlosung 50:50 geteilt. Weitere Vorteile gab es für mich nicht. Und das ist auch gut so.

 

Küstengefühl

3. Januar 2020

Eine frische Brise Nordsee liegt in der Luft. In Groningen stellt sich schnell das besondere Küstengefühl ein, das viele haben, wenn sie die Region besuchen und wonach viele sich sehnen, wenn sie schon mal dort gewesen sind. Wege, um nach Groningen zu gelangen, gibt es viele; zum Beispiel die Reise mit dem Fernbus von Oldenburg über Ostfrieslan.

Das norddeutsche Verhältnis zu den Niederlanden ist vielleicht auch wegen der räumlichen Nähe oft verklärt, weswegen jede Fahrt dorthin, und sei sie noch so unspektakulär, mit Cannabis assoziiert wird. Da werden eigentlich ganz normale Fernbusse plötzlich zu Drogenbussen uminterpretiert. Damit holen die Student:innen der einen deutschen Universitätsstadt angeblich ihren Stoff von der Universitätsstadt jenseits der Grenze. „Aus Holland“ ist für Marihuana ein Gütesiegel, weiß jede:r Kiffer:in.

Und doch zieht es nicht viele Oldenburger:innen an diesem Wochenende vor den Feiertagen in den Fernreisebus. Es ist nur eine kleine Gruppe junger Frauen, die einsteigt und wohl eher auf einer Einkaufstour als auf der Suche nach dem besten Gras ist. Spannender ist die Option des straffreien Kiffens wohl für die vielen deutschen Studierenden, die sich länger dort aufhalten wollen: Die Niederlande sind auf dem zweiten Platz hinter Österreich, wenn es um die Beliebtheit von Auslandssemestern für Studierende aus deutschen Universitäten geht.

Im Bus, der aus Berlin kommt und über Oldenburg, Westerstede und Leer in Ostfriesland nach Groningen fährt, sitzt im vorderen Teil eine Gruppe niederländischer Männer, die wohl…“

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Anna Kebschull ist die neue Landrätin im Landkreis Osnabrück – und damit in Deutschland die erste Grüne in dieser Position. Jetzt sprach die taz mit ihr:

taz: Frau Kebschull, in wenigen Tagen beginnt das neue Jahr. Haben Sie Vorsätze? Ganz persönlich?
Anna Kebschull: Das ist bei uns eher etwas Familiäres. Wir überlegen uns für jedes neue Jahr ein neues Motto. Das „Jahr der Veränderungen“, das „Jahr des Viel-Draußen-Seins“.
Und beruflich?
Ich habe Pläne, Ziele. Aber die habe ich nicht wegen des neuen Jahres, sondern weil es Handlungsbedarf gibt, und das dringlich. Deshalb habe ich ja auch kandidiert. Weil wir einen Wandel brauchen. Hier im Kreis, aber auch gesamtgesellschaftlich.
Sie wollen „den Politikstil verändern“, haben Sie nach Ihrer Wahl geschrieben. Was meinen Sie damit?
Die Rückkehr zu sachorientiertem Arbeiten, bislang ging es ja oft nur um Machtoptionen. Wichtig ist mir vor allem, dass der Umgang miteinander fair ist, mitmenschlich, nicht nur strategisch, nicht nur Kalkül.
Sind die bisherigen Strukturen destruktiv?
Gute Impulse wurden oft abgelehnt, nur weil sie aus der falschen Fraktion kamen, und ein halbes Jahr später wurden sie von denen, die sie zuvor abgelehnt hatten, als eigener Antrag eingereicht, als eigene Idee. Ein sehr machttaktischer, aber leider üblicher Stil.
Sie mahnen „klare Linien und pragmatische Lösungen“ an. Hat es viel Kungelei gegeben?
Die gab es. Klar, auch jetzt gibt es vertrauliche Runden, und das ist auch notwendig. Aber es gibt kein Aushecken im Hinterzimmer mehr. Man kennt das ja: Wenn du mich bei X unterstützt, unterstütze ich dich bei Y. Einen solchen Kuhhandel finde ich nicht in Ordnung. Der Wähler muss sehen, wo wer steht. Das habe ich mir als Wähler immer gewünscht – und nicht gefunden. Da müssen wir mutiger werden, transparenter….“

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ANNA KEBSCHULL

46, geboren in Siegen, ist seit dem Herbst gewählte Landrätin des Landkreises Osnabrück. Ihre Schwerpunkte sind Umwelt und Energie, Bildung, Wirtschaft und Bürgerbeteiligung. Kebschull ist Biotechnologie-Ingenieurin und führte bis zu ihrer Wahl zur Landrätin drei Nachhilfeschulen, die sie nun aber abgegeben hat. Sie hat drei Kinder.

(Foto: Webseite Anna Kebschull)

Fremd und befremdlich

26. Januar 2019

Die Hanburger Schriftstellerin Katrin Seddig schreibt heute in der taz die Kolumne „Feemd und befremdlich“. Sie fragt darin: „Ich erlebe eine große Feindlichkeit in der Bevölkerung gegenüber Kunstwerken, die die Leute nicht verstehen. Woher kommt der ganze Hass?“

„Mittlerweile erlebe ich eine große Feindlichkeit in der Bevölkerung gegenüber der Kunst. Vielleicht gab es die auch früher schon und sie ist nicht aufgefallen, weil es keine Kommentarfunktionen gab. Was sie nicht verstehen, was sie nicht unterhält, das lehnen sie nicht nur ab, das beschimpfen sie, das hassen sie. Das hat nicht die Qualität des: „Kann schon sein, dasset irgendwie jut is’.“ Es wird den Künstlern eine Überheblichkeit unterstellt, eine Arroganz, die direkt die trifft, die sich getroffen fühlen.“

Also: „Woher kommt der Hass auf die Kunst, die die Leute nicht verstehen?“

Hat hier, wo es bei dem Thema genauso ist wie in Berlin oder Hamburg und gerade der Versuch scheiterte, nach 30 Jahren den städtischen Etat für moderne Kunst von fast Nichts auf ein kleines Bisschen mehr als fast Nichts zu erhöhen, jemand eine Idee?