Organisationsgrad

20. April 2017

„Immer weniger Einzelhandelsunternehmen halten sich an Tarifvereinbarungen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beginnt deshalb eine Kampagne für die Allgemeinverbindlichkeit der Tarife. (…) Ob sich Verdi mit der Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge durchsetzen kann, ist fraglich. Angesichts des niedrigen Organisationsgrads der Beschäftigten im Handel sieht die Gewerkschaft die beste Möglichkeit, die Arbeits- und Lohnbedingungen in der Branche zu verbessern, nicht in Arbeitskämpfen in den von Tarifflucht betroffenen Betrieben, sondern in der Intervention des Staats.

Dabei zeigen gerade die vergangenen Auseinandersetzungen im Handel, dass vor allem Arbeitskämpfe Beschäftigte dazu veranlassen, sich zu organisieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Als beispielsweise die Arbeitgeber im Einzelhandel 2013 versuchten, mit der Kündigung des Manteltarifvertrags eine Schlechterstellung der Beschäftigten zu erreichen, kam es zu einem insgesamt sieben Monate andauernden Arbeitskampf, an dem sich Hunderttausende beteiligten.

In fast 1 000 Einzelhandelsbetrieben kam es zu Arbeitsniederlegungen, bevor eine Einigung erzielt wurde. Der Gewerkschaft gelang es dabei zudem, Beschäftigte in Bereichen zu organisieren, in denen sie zuvor nur über wenig Einfluss verfügt hattte. Fast 30 000 Neumitglieder konnte Verdi im Lauf des Konflikts im Einzelhandel für sich gewinnen und damit erstmals seit der Gründung am Jahresende einen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Den Kampf der Kampagne vorzuziehen, wäre angesichts dieser Geschehnisse alles andere als abwegig gewesen.“

Quelle: Artikel von Stefan Dietl, gelesen in: JungleWorld vom 13.04.2017

Tarifflucht

15. Juli 2015

Die taz weiß Neues zu Theorie und Praxis. Diesmal Niedersachsen und rot-grün:

„Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) geht auf Konfrontationskurs mit Niedersachsens rot-grüner Landesregierung. „Per Erlass soll Lohndumping ab sofort belohnt werden“, sagt DGB-Landeschef Hartmut Tölle. „Tariflöhne werden dagegen torpediert – das ist unglaublich“, so der Gewerkschafter zur taz.

Auslöser des Ärgers des DGB-Chefs ist eine Anordnung der Staatssekretärin Birgit Honé, die in Niedersachsens Staatskanzlei SPD-Ministerpräsident Stephan Weil zuarbeitet. Danach sollen die Lohnkosten sämtlicher Projekte, die das Land mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds ESF unterstützt, künftig nicht mehr „spitz“, also einzelfallbezogen, abgerechnet werden. Gezahlt werden stattdessen Pauschalen. Doch damit drohen kräftige Lohnkürzungen: „Bis zu ein Drittel weniger Geld“ wolle Niedersachsen künftig pro Stunde erstatten, sagt Gewerkschafter Tölle.

Treffen dürfte das die allermeisten Beschäftigten in der Wohlfahrtspflege und der Jugendhilfe – also etwa…“

weiter bei der taz.