Luft, Moritz

5. Mai 2022

Gerade sagte in einer Gremienberatung ein führender Lingener CDU-Politiker, die Sache mit dem 9-Euro-Nahverkehrsticket  sei zwar eine gute Idee, aber damit werde es sowieso nichts. „Das klappt nicht.“ Ich sehe dies anders. Es wird funktionieren, vielleicht erst nach ein paar Tagen oder Wochen, aber das 9-Euro-Projekt ist gleichermaßen geil und wichtig. Viel wichtiger als die gleich teuere Spritpreisermäßigung, die die sozusagen belohnt, die am meisten Sprit verballern.

In Sachen Neun-Euro-Ticket, weiß die taz , melden sich allerdings nicht nur in Lingen sondern andernorts die lokalen Bedenkenträger. In Sylt beispielsweise.

Wegen des geplanten Neun-Euro-Tickets befürchten deutsche Urlaubsregionen wie Sylt den Kollaps. Immerhin steht die eigene Exklusivität auf dem Spiel.

Auf Sylt hat man also Angst. Denn noch ist der Beschluss nicht endgültig in trockenen Tüchern, doch man nimmt allgemein an, dass das Neun-Euro-Ticket kommen wird. Im Rahmen des Entlastungspakets für die Bundesbürger wegen der stark gestiegenen Energiepreise, wird jede und jeder vom 1. Juni an bis zum 31. August für nur neun Euro im Monat den öffentlichen Nahverkehr benutzen können. Und dazu zählen dann auch Regionalzüge, mit denen sich Abenteuerlustige im Extremfall von Rügen bis zum Schwarzwald durchhangeln können.

Ebensolche Urlaubsregionen sind es, die nun unter dem erwarteten Run von Tagesausflüglern und Billigtouristen, die „bloß gucken wollen“, schon mal provisorisch aufstöhnen. Das gilt nicht nur für die Küstenorte in Mecklenburg-Vorpommern, wo man seit jeher auch jede noch so zahlungswillige Kundschaft als Störung, Zumutung und Überforderung begreift. Sondern insbesondere auch für sich eher exklusiv definierende Zielorte wie die Nordseeinsel Sylt.

„Wir sehen die Insel nicht optimal (aus-)gerüstet für das 9-Euro-Ticket und den damit verbundenen Ansturm“, sagt der Geschäftsführer der Sylt Marketing, Moritz Luft, der Deutschen Presse-Agentur….

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Foto: Sylt privat, Demiahl/pixabay

Sylt

27. Mai 2020

Den Ausschnitt unten hab ich tatsächlich übersehen bzw. gerade erst in den Tiefen meiner E-Mail-Sammelstelle entdeckt und mich an die Zeit der Allgemeinverfügugen erinnert, derer sich auch der Landkreis Emsland bediente und kurzerhand die Benutzung von Zweitwohnungen verbot. Wie Sylt. Ich erinnere mich an diese Verwaltungsorgie unseres Landkreises, als ob sie weit zurückläge. Dabei ist sie erst rund sieben Wochen her, führte zu manch entschlossenem Kopfschütteln und zu dieser trefflichen taz-Analyse:

Remise im Hof

14. Dezember 2018

Heute um 10 Uhr eröffnet der Lingener Restaurator Wolfgang Schnieders auf der Hinterseite des Hauses Burgstraße 26 seine kleine Remise im Hof. Hier, in Lingens schönster Straße präsentiert sich künftig ein weiteres, kleines Juwel. Das Webering’sche Haus ist in diesem Jahr 160 Jahre alt geworden und lebt „spätklassizistischen Geist“, wie Bauhistoriker Baldur Köster einmal geschrieben hat. Es ist eines der bemerkenswertesten Häuser in der Lingener Kernstadt. Auf der einen Seite präsentiert Kathy Hüllsieck in ihrem Geschäft Wohnart moderne Einrichtungen und Accessoires, auf der anderen Seite steht auch in ihrem 95.ten Lebensjahr Gretel Masselink noch in ihrer Friesenkate hinter der Theke.

Jetzt bietet Wolfgang Schnieders in der alten Remise im Hof weitere Klein- und Sitzmöbel und Einrichtungsgegenstände an. Neben Schnieders‘ Antiquitätengeschäft in der Burgstraße 31 ist dies sein zweiter Burgstraße-Standort.

Und sofort denke ich zurück. Denn ich erinnere mich noch gut an mancherlei Bemerkenswertes rund um die Burgstraße 26. Klaus Webering betrieb dort im vorigen Jahrhundert sein kleines Spirituosengeschäft. Der Mann war schwul und stand dazu offen und selbstbewusst –  in Zeiten, in denen dies in Lingen noch ein wirkliches Tabu und in Westdeutschland gar noch strafbar war. Nach seinem Tod und dem Erwerb des Hauses durch die MV Unternehmensgruppe ließ sich dort der unvergessene Elmar Kruse nieder, Modemacher, Kunsthandwerker und Schneider, der dann nach einigen Jahren sein Geschäft schloss und nach Köln und von dort Keitum auf Sylt zog. In diesem Interview gibt Kruse einen Rückblick auf seine Geschichte, aber  verschweigt -schnief- dabei seine Lingener Jahre, wiewohl ein Höhepunkt in seinem Leben zweifellos die Wahl zur Maienkönigin war – beim Tanz in den Mai der Burgstraßenanlieger -zwischen Gretels Friesenkate und der alten Remise. Da war, erinnere ich mich, Wolfgang Schnieders schon dabei, und es geht das Gerücht, dass er damals nicht Elmar Kruse sondern Nachbarin Anneliese Fehrenschmitz gewählt hat, die Vize-Maienkönigin wurde.

An Biggi Brunswick, die mit ihrer Familie vor 50 Jahren auch lange in der Burgstraße 26 wohnte, erinnere ich jetzt natürlich auch. Meine Güte, was habe ich da geschmachtet. Upps, ich schweife ab, ein bisschen…

Anfang dieses Jahrzehnts veranstaltete dann Wohnraumgestalterin Christin Mross in der historischen Remiseim Hof Sektempfänge für Brautleute, die frisch verheiratet vom Kutscherhaus herüber kamen, und auch Lesungen mit Rezitator Michael Sänger und anderen. Als Kathy Hüllsieck mit ihrer Wohnart vor drei Jahren in die Burgstraße 26 zog, knüpfte sie daran an und lud Piano Pete Budden, Geert Meyer, Heinz Eschert, Peter Löning und Clara Strube ein, um eine Anke-Strube-Ausstellungseröffnung musikalisch zu begleiten. Das alles war stets „klein und fein“ und jetzt kommt also Wolfgang Schnieders mit Erlesenem. Wir Lingener dürfen uns darüber freuen – heute ab 10 Uhr – in der historischen Remise im Hof des Hauses Burgstraße 26.

Nordsee

11. Juni 2011

Heiner Rehnens „Das-muss-man-gesehen-haben-Tipp“:
Die Nordsee von oben
Naturdokumentation, D 2011, 90 Min., FSK: 0,
Regie: Silke Schranz, Christian Wüstenberg

Lingen (Ems)  –  Centralkino
Marienstraße

Do 9.6. (Deutschlandstart), Fr 10.6., Sa 11.6. – jeweils 20 Uhr
 

„Mit der Perspektive ändert sich alles. Unsere Heimat, die wir glauben zu kennen, ist aus der Luft nicht mehr dieselbe. „Die Nordsee von oben“ ist der erste deutsche Kinofilm, der die Nordsee und die größte zusammenhängende Wattlandschaft der Welt ausschließlich aus der Vogelperspektive zeigt. Die Reise führt entlang der Nordseeküste von Emden über das Weltnaturerbe Wattenmeer, die Elbe stromaufwärts bis Hamburg über die Halligen und Inseln und endet auf Sylt.“ (Centralkino)