Schönes Lingen -2

13. August 2012

Speiseabfälle! Sie stehen in unserem Städtchen einfach so draußen herum. Beispielsweise seit mehr als zwei Jahren in der Sturmstraße (meist vor dem Trafohäuschen der Stadtwerke). Das ist möglich, weil es Theorie und Praxis gibt. Und das geht dann so:

Entsorgung in der Theorie:
„In der Regel werden Sie die Küchen- und Speiseabfälle bzw. ehemaligen Lebensmittel in Behältern sammeln, die Ihnen das Trans- port- bzw. Entsorgungsunternehmen zur Verfügung stellt. Die Behälter sind zu beschriften mit den Hinweisen: “Küchen-/Speiseabfälle / Lebensmittelabfälle – Kategorie 3 – Nicht für den menschlichen Verzehr“. Der Standort der Behälter muss sich außerhalb von Räumen befinden, in denen mit Lebensmitteln umgegangen wird (d.h. nicht in der Küche!). Die Behälter sind für unbefugte Personen und für Tiere unzugänglich zu halten (d.h. unter Verschluss). Im Winter sollten die Behälter kühl aber frostfrei stehen, damit sie ordnungs- gemäß entleert werden können.
Im Sommer ist unter Umständen eine Kühlung erforderlich, um unzumutbare Beeinträchtigungen für Mitarbeiter und Nachbarschaft z.B. durch Gerüche oder Madenbefall zu vermeiden (kühler, schattiger Platz / Kühleinrichtung). Die Sammelbehälter sind nach jeder Entleerung gründlich zu säubern, d.h. aus-/abzuwaschen, zu desinfizieren und zu trocknen.“

Entsorgung in der Praxis in Lingen (u.a. Rathausgasse):
„Stell den Scheiß doch einfach unbeschriftet zwischen die anderen Mülltonnen (also schattig!) in einer kleinen blauen Tonne auf die Straße. Ist ja 15m (in Worten: fünfzehn Meter), also total weit genug vom Rathaus entfernt und dann sieht das keiner und wenn es doch jemand sieht, interessiert es nicht. Und einmal in der Woche oder alle 14 Tage kommt der Entsorger.“

Quälend

18. Mai 2012

Quälende Langsamkeit titelt Niklas Tewes seinen jüngsten Blogbeitrag (Aufmacherfoto oben). Er schreibt darin über die gemeinsame Sitzung von Planungsausschuss und Verkehrsausschusses vorgestern im Lingener Rathaus und seine Enttäuschung über die Langsamkeit demokratischer Prozesse. Ich kenne das Bohren dicker Bretter und war in der Sitzung nicht sonderlich überrascht. Tatsächlich ist auch weniger die Ausschussarbeit das Problem. Es ist einmal mehr die Stadtverwaltung, die nur das umsetzt, wozu sie Lust und Laune hat. Im Winter Nullneunnullzehn saß ich im Ristorante da Sandro an der Bernd-Rosemeyer-Straße, als draußen vor dem Fenster Baudezernent, Oberbürgermeister und ein weiterer Mitarbeiter der Stadtverwaltung eine halbe Stunde lang hin und hergingen und prüften, wo man auf der Straßenseite des Bahnhofsvorplatzes notwendige Kurzzeitparkplätze anlegen könnte. Ich habe mich gefragt, ob es dafür dieser Runde bedarf. Doch es kam schlimmer: Seither ist nämlich nichts passiert. Die Defizite rund um den Bahnhof sind ungelöst und dies trotz Millionen, die dort verbaut wurden. Offen gefragt: Ob die drei damals Hin- und Her-Schreitenden zu selten den Lingener Bahnhof nutzen und daher keinen erkennbaren mentalen Zugang zu den Problemen von Bahnreisenden haben?

Nun können Mitglieder eines kommunalen Ausschusses notwendige Baumaßnahmen nicht persönlich mit dem Spaten in Angriff nehmen. Vielmehr muss stattdessen die Stadtverwaltung die Aufträge des Rates und seiner Ausschüsse realisieren. Und wenn sie nichts macht, kann ein Ausschussmitglied erinnern, nachfragen, mahnen und Pressemitteilungen (oder gar einen Blog) schreiben. Ein kommunales Gremium gleicht damit mehr dem Aufsichtsrat eines Wirtschaftsunternehmens als dessen agierendem  Vorstand. Der Unterschied: Es gibt im Rat Fraktionen und politische Mehrheiten. Vorgestern beispielsweise war die Diskussion eine völlige Wiederholung der Ausschussberatung vom 2. Dezember 2009. Trotzdem begann die Diskussion  über den immer noch greifbar unausgewogenen, schon damals  im Ausschuss zurückgewiesenen Vorschlag der Verwaltung mit einer zustimmenden CDU-Erklärung. CDU-Mitglied Werner Hartke (Darme) zeigte sich von den greifbaren Mängeln des Vorschlag  unbeeindruckt und lobte im Namen der Christdemokraten den Plan ausdrücklich als gute Lösung. Seine Fraktion unterstütze ihn. Sie stimmte dann in der Folge auch den zweieinhalb neuen Halteplätzen zwischen ZOB-Zu-/Abfahrt und Zebrastreifen zu, obwohl der Leiter des Straßenbauamts Klaus Haberland davor gewarnt hatte, (solche) Parkplätze direkt vor einem Zebrastreifen einzurichten.

Mein Kollege Marc Riße (BN, Foto lks) kritisierte, dass der Busbahnhof Abends nicht benötigt werde und leer stehe. Er fragte auch, weshalb nun zwei getrennte Taxistände angelegt werden sollten. Ich beanstandete u.a., dass Taxis nur in Richtung Burgstraße aufgestellt werden sollten, es aber zahlreiche Fahrgäste gebe, die in die entgegengesetzte Richtung wollten, dass der Parkplatz neben der Tanzgalerie zu klein und deshalb besonders an Wochenenden rund um den Bahnhof ein heilloses Verkehrschaos herrsche. Darüber soll nun die Verwaltung nachdenken und Vorschläge machen. Immerhin setzte der Ausschuss einen Zeitrahmen bis September gesetzt. Das ist nach Verwaltungsmaßstäben geradezu atemberaubend schnell, weshalb einige Verwaltungsleuten auch mit ihren Augen rollten. Marc Riße und ich haben am Ende den schlechten Verwaltungsplan abgelehnt. Dasselbe machte die SPD; weshalb die Grünen zustimmten, habe ich nicht verstanden, vielleicht nur weil auch eine bequeme Auffahrt für Radfahrer gegenüber der Marienstraße auf den Radweg entstehen soll.

Für Niklas Tewes sind die Schritte unzureichend, was ich verstehen kann. Ihn quält die Langsamkeit kommunalpolitischen Handelns. Dies betrifft auch das abendliche Durcheinander im Vergnügungsbezirk Schlachter-, Sturm und Elisabethstraße und den gefährlichen Palacio-Ausgang  direkt vor die Haube vorbeifahrender Kfz auf der Elisabethstraße; Niklas Tewes hatte diese Zustände nachdrücklich kritisiert. Marc Riße und ich haben dem engagierten Mann am Mittwoch versprochen, auf eine zügige Beschlussfassung zu drängen, damit nicht auch hier alles wieder auf die lange Bank geschoben wird. Denn Tewes‘ Kritik hat ebenso Hand und Fuß wie seine Sorge, dass etwas passiert. Liest Du hier!

(Foto Münsteraner Hafen © Niklas Tewes;  Foto Marc Riße : © BN/Stadt Lingen (Ems))

Sicherheitspöller

15. Mai 2012

Im Tweetaccount Lingen_Fehler schreibt ein aufmerksamer Zeitgenosse, dem Lingen offenbar am Herzen liegt; denn immer wieder twittert er mit den  obligatorischen 140 Zeichen- bisweilen mit einem unterstützenden Foto- über kleine und große Probleme unseres Städtchens. Inzwischen mehr als 1000 mal, auch am 5. November 2010. Sein Sicherheitspöller-Tweet  damals benannte das Problem: Wer das Palacio über den Hinterausgang zur Elisabethstraße verlässt, läuft direkt vor die Autos, die dort Richtung Konrad-Adenauer-Ring fahren: „Kracht bald!“

Doch erst jetzt bewegt sich etwas, nachdem Blogger  Niklas Tewes die gefährliche Verkehrssituation in der Elisabethstraße am Rückeingang des Palacio erneut aufgriff (dabei Ratsmitglied Fabian Rode -CDU- kritisierte, der sich nicht mehr meldete) und in diesem kleinen Blog noch etwas mehr über unser Vergnügungsdreieck zwischen Sturmstraße, Elisabethstraße und Schlachterstraße zu lesen war. Niklas Tewes berichtet inzwischen in seinem Blog über die Resonanz auf seine Kritik. Eine lesenswerte Zusammenfassung:

„Zunächst möchte ich mich bei meinen Lesern bedanken: Durch Eure Mithilfe hat sich mein Blogpost zur Verkehrs-Situation im Bereich Schlachterstraße/Elisabethstraße binnen kürzester Zeit verbreitet und über eintausend Leser gefunden. Danke!
Dies zeigt mir, dass ich offenbar eine Thematik angesprochen habe, die viele Bürger bewegt. Ich möchte im Folgenden Eure Meinungen und Lösungsansätze zusammentragen:
Fabian Rode (Mitglied im Stadtrat)…“

Fortsetzung bei Niklas Tewes

Jetzt muss eigentlich nur das passieren, was vorgeschlagen ist. Bevor etwas passiert.

8. Versuch

10. Mai 2012

Michael Fuest (Bündnis ’90/Die Grünen) meinte gestern nachmittag, es sei mein 8. Versuch, die Zustände in der Sturmstraße zu ändern. Gerade  hatte ich in einer städtischen Ausschusssitzung unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes aktuelle Fotos vorgelegt: Unsere Sturmstraße – 5. bis 7. Mai 2012. Sie zeigen nichts Neues; denn mit kurzen Unterbrechungen sieht es dort seit Jahren so aus wie auf den Aufnahmen (zum Vergrößern bitte anklicken). Die habe ich am vergangenen Wochenende (Samstag bis Montag) gemacht. Es gibt eben Leute, die machen, was sie wollen. Mich stört der Zustand. Um was es geht, können Sie sehen. Obwohl und im Vertrauen: In Wahrheit ist die Sturmstraße längst ein Biotop, wozu ich pelzige wie fedrige Einzelheiten nennen könnte, wenn es gewünscht wird. Guckst Du hier:



ps Schwager Dieter parkt bisweilen in derselben Straße vor meiner Garage. Er fährt Smart und es könnte tatsächlich sein, dass sein Gefährt 18-20 cm in den öffentlichen, verkehrsberuhigten Straßenbereich „ragt“. Dafür gibt es nach 10 Jahren seit kurzem immer ein Knöllchen. 10 Euro. Ich hab ihm jetzt vorgeschlagen, eine Mülltüte über seinen fahrbaren Untersatz zu ziehen. Dann hat er bestimmt Ruhe.

Vergangenheit

15. März 2011

Jüngst entdeckte ich dieses Fundstück in der Sturmstraße. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Konsequent

28. Januar 2011

Nicht um die Haushaltslage der Stadt Lingen aufzubessern, sondern um der „wilden Parkerei“ in den verkehrsberuhigten Zonen Herr zu werden, wird die Stadt ab sofort „mehr und strenger kontrollieren“. Im Bereich rund ums Rathaus. Das meldet die LT am Donnerstag. Gehandelt wird nach 10 Jahren, weil es da die Verwaltungsfreunde sehen. Das Notwendige  erklärten am Mittwoch erster Stadtrat Dr. Ralf Büring, Katrin Möllenkamp, Fachbereichsleiterin Bürgerservice, Recht und Ordnung und Erhard Süß, Fachdienstleiter Recht und Ordnung, in einem Pressegespräch (natürlich mit der LT).

Hier fotografiert (© RobertsBlog CC) die Ekel-Bereiche hinter dem Rathaus (Sturmstraße), wo unsere Stadtverwaltung gar nichts macht. Die Müllhaufen in der Sturmstraße, nächtens häufig bevölkert von langschwänzigen, pelzartigen Tieren, sind  ganzwöchig seit dem Mai 2010 an Ort und Stelle  zu bestaunen. Das ist Lingens Entree zur Hochschule. Wiederholte Beschwerden beim Ordnungsamt, dann  im Planungs- und Bauausschuss und im Rat -durch mich und die Kollegin Brigitte Brüggmann- interessieren die desinteressierten (vulgo: unwilligen)  Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht. Wenn die Autofahrer jetzt erleben, was es heißt, mehr und strenger zu kontrollieren, fällt vielleicht noch ein Knöllchen für die gastronomischen Müllentsorger ab. Sonst, liebe Freunde im Rathaus, werde ich tatsächlich am Ende dieses Monats den Müllhaufen vor Eure Diensttür schieben. Wer von meinen Lesern will, darf dabei helfen. Wisst Ihr, neun Monat vergebliche Anfragen, Appelle und Ankündigungen reichen mir. Jetzt kommt der Müll eben zu Euch. Null Toleranz heißt das für mich. Konsequent.


Advent

1. Dezember 2010



Erfreuen auch Sie sich an Augenblicken adventlicher Besinnung in Lingens Sturmstraße. Wie heißt es dazu aus dem Lingener Ordnungsamt seit dem Frühjahr: „Wir sind dran. Wir arbeiten an einer Lösung!“

gleichgültig

10. Juli 2010

Gestern Abend habe ich ein, zwei Stunden auf dem heißen Marktplatz gesessen. Geredet, getrunken, gegessen. Es war warm und angenehm. Dann blickte ich auf die schwarze WM-Videowand und fragte mich, warum nichts passiert. Sommerkino zum Beispiel. Ich sah den wenig anheimelnden grünen Klowagen aus dem vergangenen Jahrhundert neben der Wand und merkte dann, dass es auf dem Markt etwas roch. Ich  fand auch bei all der Hitze kein Nass im Fabeltierbrunnen und auch sonst kein Wasser. Wahrscheinlich sollte kein WM-Fan darin ertrinken. Es war jedenfalls knochentrocken. Niemand sprengt den Marktplatz an diesen heißen Tagen mit Wasser, obwohl Wasser reinigt, den Staub bindet, Unrat wegspült  und vor allem durch die Verdunstungskälte kühlt.

Zu Zeiten wurden in vielen Städten die Straßen im Sommer gesprengt, im Süden mehr und länger als im hier im Norden.  In Lingen denkt man nicht daran; daran denken und tun steht womöglich nicht im Dienstplan und Sommerkino auch nicht. Also stinkt es leicht in Lingens guter Stube. Wenige Meter entfernt stehen auch -neben grottigen Plastikpalmen- stinkende Abfalltonnen und -tüten mit Müll und Essensresten am Weg zur Fachhochschule in der Sonne und -darauf angesprochen- lamentiert die zuständige Ordnungsamtsmitarbeiterin Silvia Brinkers, nicht zuständig zu sein: „Für Abfall ist der Landkreis zuständig!“ Also stinkt es auch in der Sturmstraße.

Gleichgültigkeit nennt man derlei. Sie passt in die verkündete Lingener Stimmung des „Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen.“

Meine Begleiter und ich parlierten darüber, die Mülleimer mit dem stinkenden Fraß und die daneben geworfenen Abfalltüten vor das Dienstzimmer der wenig freundlichen Beamtin zu stellen; ich entschied mich dann aber für diese, die virtuelle Kritik – auch auf die Gefahr hin, dass mir ein erzürnter Dienstvorgesetzter – wie früher schon einmal- ein „Das kriegst Du wieder!“ entgegen ruft und ich mich darob erschrecken soll. Tu ich aber nicht..