Unfreundlich

9. März 2010

Ok. Ich sehe ein, dass ein Studentenzimmer nicht mehr so preiswert ist wie zu der Zeit, als ich eins brauchte. Bei Familie Kampmann (nicht verwandt oder verschwägert)  in der Bonhoefferstraße in Bielefeld habe ich damals 110 DM/Monat gezahlt. Das heißt natürlich meine Eltern. Die 88  Studentenzimmer im neugeplanten Komplex auf dem altlastenschwangeren ehem. Gelände der Stadtwerke am Wasserturm in der Kaiserstraße  sollen 280 Euro im Monat kosten. Das ist fünf Mal so viel als bei mir damals.
Welcher Student kann, welcher Student will sich das leisten? Welche Studenteneltern? Der Preis liegt etwa 80 – 100 Euro über dem, was verträglich ist.

Die Jubelei nebst positiv-unkritische Reaktionen über das an der Kaiserstraße geplante Studentenwohnheim überzeugen daher nicht.  Auch das gemeinnützige Studentenwerk Osnabrück traut der Sache nicht wirklich. Ich lese:

Das Wohnheim wird aus sieben einzelnen Gebäuden mit insgesamt 88 kleinen Appartements bestehen. In einem ersten Bauabschnitt sollen bis 2011 die Hälfte davon fertig gestellt werden. „Bei Bedarf können wir dann ganz schnell nachlegen und die ganze Anlage fertig stellen“, erläutert Franz-Josef Hillebrandt die Umsetzungspläne.

Noch einmal und wiederum ist daran zu erinnern, dass die modernisierten Scharnhorstkasernen preiswerter und bezahlbarer Wohnraum für Studenten gewesen wären. Ein Zimmer dort hätte nämlich höchstens die Hälfte von den 280 Euro gekostet, die das Wohnen jetzt kostet. 140 Euro im Monat. OB Heiner Pott und die CDU-Mehrheit haben das gewusst, aber beschlossen, jedes einzelne (modernisierte) Kasernengebäude abzureißen. Über diese vorsätzliche größte Vernichtung öffentlichen Vermögens in der Geschichte Lingens, -von Kriegen und Naturkatastrophen einmal abgesehen- will ich noch längst nicht das Mäntelchen des Vergessens gehängt wissen.

Die hohen Mieten führen nämlich jedenfalls dazu, dass Studenten gar  nicht erst nach Lingen ziehen. Lingen ist weiterhin studentenunfreundlich. Das zeigen beispielhaft die Mieten wie das arrogante Ausklammern des öffentlichen Lingener Nahverkehrs -ohnehin traditionell  eine rudimentäre Veranstaltung- aus den Semestertickets. Auch darüber könnte eigentlich die Junge Union mal lamentieren…

Foto: © Harald Reiss, pixelio.de)

Sodbrennen

3. Mai 2009

Heute gab es einen „Tag der offenen Tür“ beim erfolgreichen Altenlingener Abbruchunternehmen Moß. Die dazu geschaltete Anzeige hat schon was. Vor allem einen beeindruckend-trockenen Abgesang auf Immobilien im Wert von 10 Mio Euro (und eine Wohnanlage mit  einigen Hundert kostengünstigen Studentenzimmer so um die 100 Euro/Monat). Suchen Sie mal, ob Sie es finden:

moss_anzeige31

Und dann dürfen Sie „erleben, was hinter unserer Arbeit steckt“ und sich ruhig doll ärgern: Wenn Sie Kinder im Studium haben, haben Sie bestimmt Verständnis für den Abbruch. Warum auch sollte man auch ausgerechnet in Lingen (Ems) mit seinen 600 FH-Studenten (mehr sind’s nämlich bisher nicht, auch wenn OB Heiner Pott von 2500 schwärmt, die bald in Lingen…) preisgünstig Studentenzimmer für 100 Euro im Monat mieten können, wo hier mutige Investoren bereit stehen, die für das Dreifache neue Räume an Studenten vermieten wollen. Außerdem kostet es woanders auch 250 Euro im Monat! Also, bitte kein Gerede vom Standortvorteil!  
Und wenn Sie keine Kinder im Studium haben, haben Sie diese Probleme  sowieso nicht; dann dürfen Sie sich einfach über den Abbruch militärischer Gebäude freuen (Abrüstung!) und investieren (Studentenwohnungen kaufen), und, bittschön, denken Sie erst gar nicht an die Steuergelder, die das kostet, was hinter der Arbeit von Bernd Moß steckt. Das gäbe nur Sodbrennen ..